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Phillip Boa & The Voodooclub in der Zeche Bochum

Zeitloses Phänomen

Ich war 17 oder 18, als ich Phillip Boa das erste Mal live gesehen habe. Damals, im Music Circus in Oberhausen, einem wunderbaren Party-Zelt an der stinkenden Emscher, an das sich der eine oder andere geneigte Leser vielleicht noch erinnern kann. Damals jedenfalls war avantgardistischer Pop total in und "Container Love" oder "And then she kissed her" liefen auf jeder Abi-Fete.

Auch heute ist Phillip Boa in. Immer noch oder wieder, ganz wie man möchte - in jedem Fall ein Phänomen. Denn Boas Musik ist zeitlos.

Ob "This is Michael" (1990) oder "On Tuesdays I'm Not As Young" (2007) - die Fans feiern...

 

... sich: Weil die alten Boa-Songs ihre Gedanken direkt in die längst vergangene Zeit der Abi-Partys katapultieren und die neuen Stücke ihre Füße unwillkürlich zum Tanzen bringen.

... Pia Lund: Weil ihre Stimme so glockenklar durch den Konzertsaal dringt und sie immer noch (oder immer wieder) den melodiösen Gegenpart zu Boas trotzig-rotziger Stimme übernimmt.

... Boa: Weil der vorne auf der Bühne steht in seinem Nadelstreifenanzug und schräg herumwirbelt und -zuckt. Und weil er am Ende der Show bei "Kill your Idols" seine Gitarre in die Drums wirft und dann einfach geht. Und überhaupt: Nur ein Boa sieht mit Prinz-Eisenherz-Schnitt so sexy aus.

 

Wer mehr erfahren möchte zu Boa und seinem Konzert in Bochum: Meine Kollegen Hans-Martin Gross und Markus Hündgen haben Phillip Boa interviewt und einige Szenen vom Gig in der Zeche zusammengeschnitten. Einfach oben den Film anschauen. Viel Spaß.

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11 Kommentare

Ich habe Boa vor Jahren zum Tourauftakt, irgendwann im Dezember, draußen trieb steifer Wind nasskalte Schneeflocken durchs Dorf, gesehen; ich war entsetzt. Ein Kommunikationsverweigerer ersten Ranges. Ein Konzert mit dem Rücken zum Publikum. Ein Frontmann, der einen Titel von Heinrich Böll lebte: "Und sprach kein einziges Wort". Kollege Dirk Berger war mit dabei. Erst auf der Rückfahrt nach Dortmund wurde wieder alles gut. Wir hörten AC/DC.

#1 von jürgen overkott am 05.10.07 um 23:51

 

Und sagte kein einziges Wort.

Nichts für ungut, Jürgen, bin manchmal ein Korinthenkacker.

#2 von Horst Schimanski am 05.10.07 um 23:58

 

Das ganze Konzert war scheiße. Es waren viele Fans im Saal. Aber Stimmung wollte nicht aufkommen. Dirk Berger hat die Atmosphäre genauso empfunden.

Zu Heinrich Böll: Ich kann es nun mal nicht leiden, wenn ein Konzert abläuft wie eine CD mit Pantomime.

#3 von jürgen overkott am 06.10.07 um 10:37

 

Das ist doch das Schöne, lieber JO - mam nimmt Dinge unterschiedlich wahr. Von den gut 40 Boa-Konzerten, die ich in den letzten 20 Jahren gesehen hab, gehört das Bochumer von letzter Woche definitiv zur Top 10. Ich würd ja sagen es liegt am Alter (hehe), aber ich bin doch sogar etwas älter als Du.

#4 von Hans-Martin Gross am 08.10.07 um 10:04

 

Echt, noch älter? So wie Herr Heßling? Im Übrigen: Ich bin auch für Du. Ich würde natürlich nach einem Konzert von Philip auch mal gern "Boa ey" sagen.

#5 von Jürgen Overkott [WR] am 08.10.07 um 12:45

 

Wenn Sie sich schon über den Kommunikationsverweigerer Boa aufregten dann gehen Sie besser nicht zu Mark E. Smith. Der Gute spielt so ungefähr jedes zweite Konzert mit dem Rücken zum Publikum und wenn man Glück hat, wird man zum Abschluss noch rüpelhaft beschimpft. Dies soll allerdings nicht heißen, dass ich die beiden Musiker bzw. deren Konzerte nicht mag.
Es ist halt zum Glück immer noch ein Unterschied ob man sich ein Konzert von Boa oder The Fall anhört oder von irgendwelchen "Stadionrockern" wie Placebo, den Chili Peppers oder noch schlimmer Die Ärzte oder Grönemeyer. Im Falle der Stadionrocker wird man mit ziemlicher Sicherheit ausgesprochen gut mit perfekten Effekten und Gedöns bespaßt. Im Falle der kleineren Indie Bands muss es auch mal "nur" deren Musik sein die bespaßt. Also ich persönlich steh halt auf einem Konzert auch mal gerne nur so an einen Pfeiler gelehnt und schau mir einen unfreundlichen Boa an, natürlich nur so lange die Musik gut ist.

#6 von Soundconfusion am 08.10.07 um 15:38

 

Danke erst mal für die Warnung vor Mark E. Smith.

In Sachen unfreundlich stimme ich absolut nicht zu. Ich zahle auch dafür, dass der/die Musiker mir zu verstehen geben, ich/wir finde(n) es gut, dass Du gekommen bist. Anders gesagt: Ich hasse Autisten.

#7 von Jürgen Overkott [WR] am 08.10.07 um 15:42

 

Nix gegen die Ärtzte.

#8 von Thomas Lau am 08.10.07 um 15:51

 

@1/3 und 4: Sprecht ihr nicht von 2 unterschiedlichen Konzerten?
Vielleicht hätte Jürgen das von Hans-Martin Gross gemeinte auch toll gefunden, wäre er dort gewesen.

#9 von Horst Schimanski am 08.10.07 um 16:02

 

Wer weiß.

#10 von Jürgen Overkott [WR] am 08.10.07 um 16:04

 

Na ja... ich glaube, dass - gerade bei den erwähnten Kollegen Boa und Mark E. Smith - die "Unfreundlichkeit" zu einer Art Stilmittel oder Markenzeichen geworden ist. Wie oben erwähnt stört es mich persönlich nicht, wohl auch, weil ich mich seit mittlerweile 20 Jahren (scheint tatsächlich schon so lange anzudauern) mit diesen Bands beschäftige. Wie auch immer, ich kann aber durchaus nachvollziehen, dass solche musikalischen Autisten nicht jedermanns Geschmack sind.
Gerade habe ich mich an einen interessanten Artikel auf Spiegel Online erinnert, passt vielleicht nicht ganz zum Thema aber erklärt in etwa meine Ansicht, wie ein Indie-Rock Konzert abzulaufen hat, so wie früher eben.
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,504199,00.html

#11 von Soundconfusion am 08.10.07 um 16:30

 

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