Man hört wenig über Heidelberg in diesen Tagen. Viel hört man hingegen von Prominenten. Beispielsweise hörte ich jüngst, dass eine singende Schauspielerin, ihrerseits Single und nicht schwanger, ihren Sohn gerne Luke nennen möchte. Oder dass seit Adenauer nun eine der größten Trauerfeiern im Land stattfinden wird. Mit Sarg im Stadion. Und jeder Menge Online-Abstimmungen über Länderspiel-Absagen drum herum. Gestern hörte ich einen Jungen sprechen, der in einer nicht beheizten Wohnung wohnt. Einen Zapp weiter erzählte eine Blondine darüber, wo man schön den Winter verbringen könnte. Heidelberg war nicht dabei.
Berlin, darüber wurde gesprochen. Dass es 200.000 € täglich kostet, um ein Gerichtsgebäude wegen einer bestimmten Verhandlung abzusichern. Und ich hörte, dass Wasserbüffel bei Stress ganz schnell reagieren und weniger Milch geben. Jörg hatte auch Stress. Er sitzt jetzt in seiner beheizten Wohnung (in Winterberg) und hat das Burnout-Syndrom. Das interessiert seinen Chef nicht. Es ist anders als bei den Wasserbüffeln, wo allein 4 Monate benötigt werden, um Melker und Tier aneinander zu gewöhnen. Und dann muss man stets behutsam sein. Jörg sitzt jetzt auf dem Sofa und stellt sich Sinnfragen. Auch wegen Enke. Und einen Sohn hätte er auch gerne. Luke würde er ihn nennen. Und gemeinsam mit ihm und seiner Frau, die so aussehen sollte, wie die singende Schauspielerin, würde er gerne ein neues Leben anfangen. Wasserbüffel züchten vielleicht. Und eigenen Käse herstellen. Gerne würde er sozial schwachen Kindern (aus unbeheizten Wohnungen, auch aus Heidelberg) eine Chance auf seinem Hof geben.
Heute guckt Jörg noch mal eine Mario Barth-DVD an. Dieser Auftritt mit dem vollen Stadion. Er selbst würde jetzt nicht ins Stadion gehen, auch nicht zur Trauerfeier für Robert Enke. Angst vor Schweinegrippe. Und er friert schnell. Aber gucken wird er. Zu Hause. Schließlich ist das Erkältungsrisiko bei Regen erhöht. Hört man. Warum eigentlich? Und warum steht der Frischkäse bei ALDI nicht im Kühlregal wie bei PLUS? Solche Fragen stellt sich Jörg. Vielleicht wäre ein Ausflug nach Heidelberg gut für ihn.
Aber man hört ja so wenig über Heidelberg. Gerade höre ich, dass Deutschland mit der morgigen Trauerfeier „Jackson-Verhältnisse" bekommt. War Jackson nicht mal in Heidelberg? Oder Elvis? Ich glaube es war Bad Nauheim. Wieder nicht Heidelberg. Und Elvis ist auch tot.
Ob der kleine Junge, der gestern sagte, dass er oft friere, auch die Trauerfeier schauen wird? Man wird wohl nichts mehr von ihm hören. Ob er vielleicht morgen im Stadion dabei ist? Frieren ist für ihn ja nichts Neues. Und vielleicht wird ihm eine schöne Blondine dort erzählen, dass der Tod von Robert Enke eine neue Zeit eingeleitet hat. Eine Zeit der sozialen Wärme. Und beim traurigen Lied der singenden Schauspielerin steht Jörg neben ihr. Mit einem Wasserbüffelledermantel, den er mit dem Kleinen teilt. Die Blonde wird sich dann in Jörg verlieben. Und dann ziehen sie nach Heidelberg. Wenn sie davon hören.
Aber man hört ja so verdammt wenig über Heidelberg in diesen Zeiten.
6 Kommentare
Steckt ne Menge drin, zwischen Heidelberg und Hannover und frierende Kinder sind bestimmt wichtiger als irgend eine Beerdigung aber Mario Barth DVD gucken geht garnicht.
#1 von Max F. aus Mü. am 14.11.09 um 22:09
"Mario Barth DVD gucken geht garnicht."
Sagt man.
Darf gefragt werden, ob auch Torhüter Kopfballtraining haben.
Nie, weil ALDI neue Verfahren kennt, denen auch LIDL nur folgen kann.
Siehe Garnelen: Andere transportieren noch Wasser.
ALDI nicht.
Und, wem es fröstelt, dem winkt in Erfolgsliteratur doch die Brünette, im Westen ist man cooler, klar, blond, Niveau und so. Aua.
#2 von GuidOohWeh am 15.11.09 um 00:37
Aus dem Nebenzimmer hört der Junge in der ungeheizten Wohnung das Radio dudeln. WDR 4 spielt:"Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren". Der Junge fragt sich, ob es in Heidelberg wärmer ist und wo all die verlorenen Herzen bleiben und wer sie findet. Ob auch das Herz seiner Mutter dabei ist und ob das Fehlen der Herzen verantworlich ist für die Kälte, die ihn umgibt. Mit diesen Gedanken zittert er sich in den Schlaf und träumt von einem Wasserbüffel den er nicht melken kann, obwohl sein Durst so groß ist. Also reitet er frierend und durstig auf dem Wasserbüffel zu der singenden Schauspielerin: "Wenn du eine Heizung hast, kannst du mich Luke nennen"....
#3 von scrabblix am 15.11.09 um 22:22
Anbei ein paar Kommentare aus einem Fussballforum zum Fall des depressiven "Sebastian Deisler":
Deisler war schon immer ein Lappen.
Spasti fantasti!
Die Klappsen in Deutschland sind doch nicht schlecht....
...man man man wat nen Sensibelchen...
Vorher aber noch ein Buch schreiben, so nach dem Motto: "Ich und die Zwangsjacke...".
Traurig für den deutschen Fußball, dass man auf solche Wracks angewiesen zu sein scheint...
Deisler macht den Hannawald...
#4 von schwalbenalfred am 17.11.09 um 12:09
Dämliches Geschwafel ausgemachter Dummbratzen ... das sind die, die immer Stammtischparolen am Rande des Schwachsinns von sich geben.
#5 von Matta Schimanski am 17.11.09 um 13:10
Die werten Mitkicker bei Bayern München sollen Sebastian Deisler mit entsprechendem Tonfall "die Deislerin" genannt haben.
Dafür sollten sie Gras fressen...
Übrigens war Deisler nach meiner Meinung einer der begabtesten Fußballspieler der letzten zwei Jahrzehnte. Jammerschade (und bezeichnend), dass einer wie er sich nicht dauerhaft durchsetzen konnte.
#6 von Bernd Berke am 17.11.09 um 13:49