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Meine 100 liebsten Nachschlagewerke (III)

Christoph Stoepel: „Geogen“

Dieses reizvolle Nachschlagewerk gibt's verständlicherweise nicht in einer Printversion - daneben würde nämlich die Große Brockhaus-Enzyklopädie wie ein Waisenknabe aussehen. Geogen steht jedem kostenlos im Internet zur Verfügung und leistet per Mausklick nichts Geringers als den Nachweis, wo meine (und Ihre) Namensvettern und -basen hauptsächlich in Deutschland ihren Wohnsitz haben.

 

Sie heißen mit Nachnamen zufällig Overkott oder Groschupf? Kein Problem! Dann werden Sie beim genialen „Geogen" zunächst die erfreuliche Nachricht erhalten, dass Ihr Familienname unterdurchschnittlich häufig ist. Das "Epizentrum" der Overkotts, mit über 60 Namensträgern pro Millionen, liegt im Landkreis Paderborn; und in den benachbarten Landkreisen Höxter, Gütersloh und Lippe gibt's immerhin auch noch etliche Träger dieses seltenen Namens; während sich die Groschupfs deutlich erkennbar im Landkreis Annaberg zusammenrotten.

 

"Nomen est omen"? Oder eher: "Name ist Schall und Rauch"? Wie auch immer, jedenfalls kann ja keiner was für seine Namen, weder für den Vor- noch für den Familiennamen. Zu leiden hat man aber im schlimmsten Fall darunter ein Leben lang. Und wenn man etwa Zietz heißt - laut Geogen auffällig häufig vertreten im Landkreis Osterode im Harz -, dann wird man sich am Telefon tunlichst nicht mit „Hier Zietz!" melden. Die Scherzanrufer kennt man längst, die darauf erwidern: „Dann machen Sie doch einfach die Fenster zu!"

 

Aber auch die Müller, Mayer, Schmidt, Schneider, Beyer, Jansen, Hinz und Kunze haben kein leichtes Schicksal, ergibt doch ihre Geogen-Recherche ein eher unbefriedigendes weil deutschlandweit flächendeckendes Resultat. Jeder, der was auf sich hält, möchte schließlich insgeheim gern was Besondres sein und sich schon nominell aus der Masse abheben.

 

Gutmann und Guttmann sind leicht zu verwechselnde Familiennamen, die fast gleichnamigen Mitarbeiterinnen von westropolis resp. West | Eins aber sind, wie ich aus eigener Erfahrung bezeugen kann, nicht nur äußerlich völlig verschieden. Die Kartierung bei Geogen unterstreicht diesen Befund mit eindrucksvoller Evidenz: Die Gutmanns sind hauptsächlich im südwestlichsten Zipfel von Deutschland zu Hause, während die Guttmanns offenbar im Landkreis Bernburg an der Saale ihre Heimstatt haben.

 

Jürgen Udolph, einziger Professor für Onomastik (Namenskunde) in Deutschland, steht beim Rundfunksender Berlin-Brandenburg regelmäßig verzweifelten Hörern Rede und Antwort, die gern wissen möchten, warum sie Fick, Krach, Dumm oder Wunderlich heißen, obwohl sie doch eigentlich eher prüde, leise, schlau bzw. ausgesprochen normal sind. Der erste Schritt zur Beantwortung solcher Höreranfragen ist für Prof. Udolph immer die Geogen-Recherche. Wenn man erst mal weiß, woher rein geographisch ein Familienname stammt, dann ist es schon viel leichter, seine etymologischen Wurzeln auszugraben und damit seiner ursprünglichen Bedeutung auf die Spur zu kommen.

 

Wie Geogen funktioniert? Eigentlich ganz einfach. Seine Erfinder haben den Datenbestand sämtlicher Telefonbücher Deutschlands auf Basis der 35 Millionen Telefonteilnehmer mit Stand vom 31. Dezember 2002 zu Grunde gelegt. Mehrfacheinträge (Festnetz, Fax und Handy) gehen nur einmal in die Zählung ein. Dann haben Sie eine Suchfunktion entwickelt, die die Häufigkeit des Vorkommens jedes Familiennamens in den Städten und Landkreisen Deutschlands (und neuerdings auch Österreichs) ermittelt und übersichtlich durch verschiedene Farbwerte (von gelb über orange bis dunkelrot) in einer Landkarte dargestellt.

 

Der Name Heßling kommt übrigens am häufigsten im Landkreis Borken vor. Was sagt mir das? „Die Deutung bleibt [...] allerdings Ihnen überlassen", heißt es unter „Allgemeine Informationen / FAQ" auf der Geogen-Seite. Na, da muss ich wohl doch gelegentlich mal Prof. Udolph um Rat fragen.

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13 Kommentare

Schön wäre es, wenn Geogen auch untersuchen könnte, wie die Kombinationen aus Vornamen und Nachnamen verteilt sind. Ich spreche nicht von der bedauernswerten alten Dame namens "Wilma Ficken", die dauernd am Telefon ein "Ich auch!" zu hören bekam. Ich spreche von ganz normalen Namen wie meinem. Allein in Essen ist er ungefähr zehn Mal vertreten, ohne dass ich mit einem der anderen Namensträger verwandt wäre. Einen Nutzen hätte das auch. Man könnte sich eine Gegend suchen, in der nicht so viele "Lieschen Müller" wohnen, um Verwechslungen zu vermeiden.

Mir ist jedenfalls schon einmal die Niere geröntgt worden, obwohl ich ein kaputtes Knie hatte - dumme Namensgleichheit im Wartezimmer.

Meine Nieren waren übrigens absolut gesund, woraufhin der Krankenschwester dann erst auffiel, dass ich rein altersmäßig nicht zu der Akte passte, die sie in der Hand hielt.

#1 von Rolf Jansen am 28.06.07 um 01:25

 

Dass ausgerechnet Rolf Jansen, mit einem gleichermaßen trivialen Vor- wie Nachnamen gestraft, den einzigen Kommentar zu diesem Beitrag schreibt, verdient eine Antwort. (Pianowskis gibt's laut Geogen bloß schätzungsweise ganze 64 in Deutschland - aber "unserer" flirtet lieber mit Frau Akyün, ein noch selteneres Namenswesen: nur ganze drei Treffer, also sehr selten.)

Das Pendant zum Namensvetter ist der Doppelgänger. Abergläubische sagen: Man muss bald sterben, wenn man seinem Doppelgänger begegnet. (Aber ich bin ja nicht abergläubisch, dachte ich.) Ich begegnete meinem Doppelgänger erstmals Mitte der 70er-Jahre und lebe noch. Vermutlich deshalb, weil die Begegnung nur indirekt erfolgte. Damals lief ich nämlich alle Nasen lang in Essen einem leicht durchgeknallten Freak über den Weg, der, sobald er meiner angesichtig wurde, laut ausrief: "Mensch Siggi!" Und als ich ihn fragend ansah, stutzte er und fragte: "Oder bist du doch nicht der Siggi? Siggi Lokatis?"

Der war ich ganz ohne Zweifel nicht. Jedenfalls hatte das Begebnis etwas Gespenstisches, zumal es sich bestimmt fünf- bis achtmal in größeren Abständen wiederholte. Dann, Anfang der 80er-Jahre, verschwand der Freak von der Bildfläche und ich vergaß meinen vermeintlichen Doppelgänger. Vermutlich hatte der "Mittelsmann" bloß einen mittelschweren Hau. Der Name Lokatis brannte sich mir aber unauslöschlich ein.

Vor ein paar Jahren kam in fröhlicher Runde das Thema "Doppelgänger" auf und ich erzählte diese Geschichte. Und am folgenden Morgen juckte es mich in den Fingern und ich googelt nach dem Namen Siegfried Lokatis. Sekunden später hatte ich einen gleichnamigen Dr. Siegfried Lokatis auf dem Monitor, knapp drei Monate nach mir in Essen geboren, heute Privatdozent am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Es ist erschreckend: Ich sehe ihm tatsächlich, selbst heute noch, durchaus ähnlich, was mir sogar meine eigene Frau bestätigt!

Keine zehn Pferde werden mich dazu bewegen können, je meinen Fuß nach Potsdam zu bewegen!

#2 von Manuel Hessling am 28.06.07 um 16:45

 

Lieber Herr Hessling, wollen Sie auch wissen, wer die 3 sind? Mein Vater, mein Bruder und ich. Durch einen Fehler der deutschen Behörden im Jahre 1969 verlor mein Onkel väterllicherseits sein "y" und bekam ein "g" dafür in seine Unterlagen. Das kam übrigens nur deshalb zustande, weil es den Nachnamen "Akgün" viel häufiger gibt als "Akyün". Falls Sie Interesse haben, erzähle ich Ihnen auch gerne wie meine Familie zu ihrem Namen gekommen ist im Jahre 1934, als Atatürk die Nachnamen in der Türkei einführte.

#3 von Hatice Akyün am 28.06.07 um 17:08

 

Ad Manuel Hess(ß)ling
Na das nenn ich mal ´n Zuspiel. Nicht nach Potsdam? Tja, dann verpassen Sie halt ´was... Schönes Städtchen; die blöden Villenbewohner wie Günther Jauch kann man ja ignorieren. „Ihren Fuß…“; Singular, sehr „witzig“... Man macht keine Witze über Schwerbehinderte! Hm… Die süße (plumper Flirt) Frau Akyün reagiert sowieso nicht mehr auf meine miesen Flirtkünste; ist doch alles Mist… Wirklich sehr interessanter Kommentar von Hatice soeben; wette, Sie springen darauf an. Will´s doch hoffen.
Geogen kannte ich vom Hören. Freunde beschwätzten mich regelmäßig, Ahnenforschung (Geogen zumindest als Ausgangspunkt) zu betreiben. (Das sagen die einem, der nicht mal persönlich an der engsten Verwandtschaft interessiert ist, muss man sich mal vorstellen, diese vergebene Liebesmüh...)
Dem Revierflaneur folgte ich freilich dennoch am Tag der Veröffentlichung dieses Beitrages, zwar ohne Kommentar, ob der gelobten Besserung, aber wie immer hörig, und kenne nun die Verteilung meines Namens.
Meiner Meinung nach interessant sind verschiedene Verteilungsmuster: Die Hess(ß)lings in der Tat überwiegend heimatverbunden, umzugsunwillig wie der Flaneur, und überwiegend in „Mittel“-Westdeutschland ansässig. In den neuen Bundesländern kaum einer (is aber schön da :-)). Sie sollten auf jeden Fall mal grenzüberschreitend Richtung Westen recherchieren, wenn sie das noch nicht getan haben.
Pianowskis eher in Ostdeutschland, Nähe Polen. Nicht sofort zu erkennen. Weil ein paar wohl wendewirrenbedingt und in Goldgräberstimmung in große westdeutsche Städte zogen, so wie meine Eltern auch. Also, weniger wegen Goldgräberei, mehr so wegen Arbeitslosigkeit und Existenzangst. Überraschend für mich ferner, dass ich in Berlin sogar einen Stammtisch aufmachen könnte.
Noch etwas: Ich recherchierte auch in Polen. Etwas komplizierter; man muss da zwei Seiten gleichzeitig bedienen und diese sind auf Polnisch, aber es gibt eine deutsche Anleitung zur polnischen Seite. Und siehe da: 124 Pianowskis; außerdem 143 „Pianowska“ (wohl die weibliche Form, wenn mich meine vermaledeiten acht Russischschuljahre nicht täuschen). Und in Polen schön verteilt, aber dann doch eher an der herrlichen Ostsee. Na dann, mal betteln gehen und für lau dort schön Urlaub machen… „Na Sdrowje (?); iiech biien verloren Sohn!“

#4 von Mathias Pianowski am 28.06.07 um 17:43

 

Oh, Herr Pianowski, Sie haben mit mir geflirtet? Das ist mir wohl entgangen!

#5 von Hatice Akyün am 28.06.07 um 17:59

 

*Kaputtlach*. Genau deshalb mach ichs ja..., also, den kläglichen Versuch zumindest...

#6 von Mathias Pianowski am 28.06.07 um 18:04

 

Nachgefragt: Warum machen Sie ihn, "den kläglichen Versuch"? Damit er entgeht?

#7 von Manuel Hessling am 28.06.07 um 22:23

 

Ja das weiß ich doch nicht! Ich verwende Worte zu oft ohne nachzudenken (oi, oi...). Wie kann denn ein Versuch entgehen? Geht das? Egal; mit Hatice flirten "fetzt", wie man im Osten sagt. Die ist lustig. Der Weg ist das Ziel; nicht die Frau. Ist doch klar. Dumdideldum... Sinnloses Wort, wahr gesprochen. Blinkfeuergleich. Fast.

#8 von Mathias Pianowski am 28.06.07 um 22:38

 

"ausgerechnet Rolf Jansen, mit einem gleichermaßen trivialen Vor- wie Nachnamen gestraft,"

Ich. mag. meinen. Namen.

Bist du sicher, dass du nur einen Doppelgänger hast? Unter einem Zylinder sehen doch ohnehin alle gleich aus. *g*

#9 von Rolf Jansen am 29.06.07 um 15:19

 

Ich finde doch die Namen "Rolf Jansen" auch superb! Was willst Du denn? Und Zylinderträger gibt's zugegebenermaßen wie Sand am Meer, barhäuptige Zigarettenraucher Deines Namens sind hingegen heutzutage echte Rarissima! Sammlerstücke sozusagen. Pass auf, dass Dich Olbricht nicht kauft und an einen seiner Fahnenmasten hängt!

#10 von Manuel Hessling am 29.06.07 um 15:58

 

Nana, so sehr musst du auch nicht auf die Sahne hauen. Ich bin mit meinem Namen recht zufrieden, insbesondere weil er 10 Buchstaben enthält. Geburtstag mal Geburtsmonat ergibt bei mir 100, aufgewachsen bin ich in einem Haus mit der Nr. 10 - scheinbar ziehe ich die "10" an. Im Tarot übrigens "Rad des Schicksals".

Olbricht wird mich schon nicht kaufen, weil er seine Geschäfte doch eher mit Galeristen als mit Menschenhändlern macht. Und ich bin überzeugt, weder er noch ich haben ein Interesse daran, dass ich die erste echte Leiche in seinem Keller werde. ;-)

#11 von Rolf Jansen am 01.07.07 um 23:42

 

Lieber Herr Heßling,
ich bin Ihr Doppelgänger. Vorsicht! In zwei Wochen ziehe ich um nach Leipzig- dann könnten Sie also endlich nach Potsdam kommen ...
Herzliche Grüße
Siegfried Lokatis
PS: Wer war denn der Freak?

#12 von Siegfried Lokatis am 07.08.07 um 22:47

 

Lieber Herr Dr. Lokatis,

wer der Freak war, darüber könnten Sie ja allenfalls mich aufklären und nicht umgekehrt. Schließlich kannte er Sie mit Namen und nicht mich; und dem schrillen "Siggi"-Schrei zu urteilen, den er jedesmal ausstieß, wenn er meiner gewahr wurde, auch recht intim. Vor ein paar Jahren war ich mal zu einem Günther-Anders-Symposium beim Einsteinforum eingeladen und verzichtete aus besagtem Grund. Nun hoffe ich, dass in fernerer Zukunft keine ähnlich attraktiven Veranstaltungen in Leipzig stattfinden werden :-)

Jedenfalls nett, dass Sie sich gemeldet haben. Und ich wünsche Ihnen, von Doppelgänger zu Doppelgänger, viel Glück an Ihrer neuen Wirkungsstätte.

Ihr Manuel Heßling

#13 von Manuel Hessling am 07.08.07 um 23:12

 

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