
Jetzt hat's das Organisationsteam der Veranstaltung „Kulturhauptstadt ist Teilhabe - Idee sucht Partner" den Schlafmützen im Kulturhauptstadtbüro an der Brunnenstraße vorgemacht: Nur eine gute Woche nach der Veranstaltung auf Zeche Carl, bei der 13 Projekteinreicher die Gelegenheit zur Präsentation ihrer Ideen erhielten, wurde nun ein umfangreicher Reader ins Netz gestellt, der all jene 92 Projektideen für uns alle nachlesbar macht, deren Einreicher einer Weitergabe ihrer Ideen auf diesem Wege zugestimmt haben - und die in diesem zeitlich begrenzten Rahmen nicht sämtlich präsentiert werden konnten. (Sehr beherzigenswert finde ich in diesem Zusammenhang übrigens den Vorschlag von Rolf Jansen: „Vielleicht sollte man die nächste Veranstaltung in Form einer Messe oder eines Kongresses organisieren, bei der [bzw. dem] die Projektvorschläge präsentiert werden.")
Der Appell von Willi Overbeck am 5. Mai vor der Freien Szene hat also gefruchtet: „Ihr müsst einfach machen! Wartet nicht, bis die offiziellen Veranstalter auf Euch zukommen!" Die offensichtliche Überforderung der „Macher" an der Brunnenstraße, die bislang eher „Unterlasser" sind, hatte offenbar einen stark motivierende Effekt für die Initiatoren, die mit dieser fleißig und mit großer Sorgfalt zusammengestellten Dokumentation die gemeinsame Sache ein gutes Stück vorangebracht - und endlich für Transparenz gesorgt haben.
Aus dem Vorwort: „Der bisher erreichte Entwicklungs- und Qualitätsstandard der vorgestellten Projekte ist recht unterschiedlich: Vom noch einzeln stehenden Kunstwerk bis zum internationalen Festival, von der kulturkritischen Herausforderung bis zur ganz konkreten Marketingmaßnahme. Das Organisationsteam hatte weder Anspruch noch Mandat für eine Bewertung der Projekte. Es ist klar, dass nicht alles funktionieren wird und nicht alles sinnvoll ist, was vorgeschlagen wurde, aber alles verdient eine faire Chance."
Ganz ausdrücklich versteht sich die eherenamtliche und bürgerschaftliche Initiative, der wir diesen Vorstoß in die richtige Richtung verdanken, nicht als „Konkurrenzunternehmen" zu den offiziellen Planern der Kulturhauptstadt 2010. Im Gegenteil: Ein Abstimmungsgespräch mit der RUHR.2010 GmbH ist offenbar schon im Terminkalender notiert - und die phantasievollen Einreicher werden ermutigt, ihre Konzeptionen, so sie denn schon umsetzungsreif sind,weiterhin in den Briefkasten an der Brunnenstraße 8 zu werfen. Für dessen Leerung und die prompte Bearbeitung des Inhalts; und endlich auch mal für eine faire Beantwortung sind nun aber die dort Verantwortlichen zuständig.
Der Revierflaneuer - der wohlgemerkt keinen Vorschlag eingereicht hat - wartet weiter, ohne Pickel zu kriegen.
2 Kommentare
Wenn man das so liest, kriegt man eher den Eindruck, dass die, die in Sachen Kulturhauptstadt nichts begriffen haben, eben nicht in der Brunnenstraße sitzen, sondern vor ihren eigenen Briefkästen.
Die Veranstaltung in der Zeche Carl war ein echter Knaller. Wie man sich so lächerlich machen kann, ist unglaublich, das hat Schalke-Format. Es gibt viele Leuten, die sich über das peinliche Auftreten der "freien Szene" jetzt noch kaputt lachen. Aber ist ja auch praktisch, wenn sich so viele direkt am Anfang disqualifizieren.
Unglaublich, dass Willi Overbeck tatsächlich dazu aufrufen muss, aktiv zu werden. Da haben viele nicht begriffen, dass die Kulturhauptstadt kein Instrument ist, alles zu reformieren, sondern die Chance, die Region einige Jahr lang zum Leuchten zu bringen. Wie lange, das hängt von allen hier ab. Da ist aber im sozikulturellen Bereich tatsächlich Anlass zum Pessimismus gegeben.
Natürlich liegt es an jedem Einzelnen aktiv zu werden, Ideen einzureichen, zu kooperieren. Es liegt auch an jedem einzelnen, über die Situation in der Region nachzudenken und darauf zu reagieren.
Die Verantwortlichen von der Ruhr2010 GmbH sind ununterbrochen unterwegs. Auch jetzt noch kommen immer neue Projektvorschläge bei ihnen rein. Außerdme werden die Situationen in den anderen Kulturhauptstädten (z.B. Liverpool2008) analysiert. Die konkreten Programmplanungen werden erst ab dem Winter laufen. All das ist logisch und genau so notwendig.
Wie sollen denn die Antworten bitte schön aussehen?
"Sehr geehrter Herr XY, wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass das Wetter im Ruhrgebiet wechselhaft ist."?
"Sehr geehrter Herr XY, wir bedauern Ihnen mitteilen zu müssen, dass auf der A40 Stau ist."?
#1 von Christian Scholze am 15.05.07 um 10:38
Zwei Sprichwörter aus der Vogelwelt fallen mir dazu ein: "Wat dem Eenen sin Uhl, dat is dem Annern sin Nachtigall." Sie, Herr Scholze, finden das Auftreten der - von Ihnen in Anführungszeichen gesetzten - freien Szene peinlich. Was ich peinlich finde, habe ich hier hinlänglich dargelegt. Das zweite Sprichwort aus dem Reich der bunten Vogelschar: "Wes' Brot ich ess, des' Lied ich sing." Das gilt allerdings nur für Käfigvögel. Ich singe, wie mir der Schnabel gewachsen ist - und dass ich damit Ihr Missfallen errege, ist glücklicherweise das geringste Risiko, das ich dabei eingehe. (Kurioserweise ist das "verzerrte Wort", das ich zur Freischaltung dieses Kommentars eingeben soll, ausgerechnet "wut". Ich empfinde aber gar keine Wut, allenfalls Mitleid.)
#2 von Manuel Hessling am 15.05.07 um 18:17