
Was haben wir Atheisten doch für ein feines Leben. Gerade auch am Sonntag! Wir nutzen die freie Zeit, die uns der Gott, an den wir nicht glauben, in seiner Güte gewährt hat - aber nicht um seine Kirchen und Tempel aufzusuchen und zu beten, denn dort dürften wir nicht lachen, sondern müssten uns in Ehrfurcht verbeugen und recht ernst dreinschaun. Dabei bin ich mir sicher: Wenn es einen Gott gäbe, dann wäre ihm unser Lachen sicher das wohlgefälligste Gebet.
Stattdessen ließ ich heute wie sonntags stets den lieben Gott einen guten Mann sein, streckte alle viere von mir, spielte zwei verzwickte Partiechen Schach, die ich gottlob beide gewann, kraulte Lola, schnüffelte an der FAS - und hörte mir Susanne Kippenberger in der Buchhandlung proust an. Ihr Bruder Martin war gewiss auch mein Bruder, nämlich im Geiste. Und als heutiges „Wort zum Sonntag" trage ich seinen kurzen Witz in die Welt, den er unter seinen „Frosch am Kreuz" geschrieben hat:
„Was ist der Unterschied zwischen Casanova und Jesus?" - „Der Gesichtsausdruck beim Nageln."
3 Kommentare
Obwohl Martin Kippenberger den Rand meiner Biographie gestreift hat - eine seiner Schwestern ging mit mir in Rüttenscheid zu Schule - habe ich ihn persönlich leider nicht kennengelernt.Allerdings erinnere ich mich daran (heute zum ersten Mal nach langer Zeit), dass ich sehr verärgert war über seinen "Frosch am Kreuz", hatte ich doch gerade erst eines meiner Erstlingswerke geschaffen, Ostern 1970 muss es gewesen sein, den "Hasen am Kreuz". Der hat dann wenig Beachtung gefunden in der Kunstwelt...naja.
Grüsse an Bettina, Gabi Schilling.
#1 von GabiWS am 13.05.07 um 11:46
Heilige Dreifaltigkeit! Dann könnte ich ja mit meinem "Gekreuzigten Troll" von ca. 1974 das moderne Kunst-Golgatha komplettieren, wenngleich nur in einer Rekostruktion als "Graubild".
Liebe GabiWS, gibt's Ihren "Hasen am Kreuz" noch? Oder wenigstens ein Bild davon? Dann schicken Sie's mir doch bitte als JPG an info@revierflaneur.de - und ich werde es, fest versprochen, am nächsten Sonntag als Garnierung zu meinem "Wort zum Sonntag (IV)" garantiert veröffentlichen. Vielleicht kommt er ja noch, der späte Ruhm, wer weiß?
#2 von Manuel Hessling am 13.05.07 um 12:16
Lieber Herr Revierflaneur, ja, es gibt den "Hasen am Kreuz"noch ,allerdings haben Kunstbanausen (und ich muss leider zugeben,es war meine eigene Brut) ihn demontiert und zweckentfremdet zum Spiel benutzt.
Da mich die Aussicht auf späten Ruhm aber sehr aufgeregt macht, werde ich ihn einem Kunstrestaurateur übergeben und melde mich dann wieder.
#3 von GabiWS am 14.05.07 um 07:34