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Der unsterbliche 17. Zug

Goodbye, Bobby!

Der Meister ist tot. Nachrufe schreibe ich nur ganz selten. Diesmal aber muss ich meinen Kurzurlaub zu seinen Ehren unterbrechen. Gerade seine Widerborstigkeit hat ihm einen Stammplatz in meinem Herzen gesichert. Ein jüdischer Antisemit, der zum WTC-Crash applaudierte! Völlig durchgeknallt, bei einem IQ von 184. Wie sollte ich ihn anders würdigen als mit der legendären „Partie des Jahrhunderts" vom 17. Oktober 1956 gegen den anziehenden Donald Byrne.

 

Das Titelbild zeigt die Situation nach Byrnes 17tem Zug. Der geniale Einfall des 13-jährigen Bobby Fischer: Lg4-e6! Da hätte er zugleich „Jack the Ripper" sein können - man müsste es ihm vergeben.

 
 

21 Kommentare

Und dennoch, lieber Herr Heßling, hätte ich mich dafür interessiert, was geworden wäre, wenn der Gegenzug von Byrne auf Fischers genialen Zug der Zug Da3xc3 gewesen wäre und es ihm im Verlauf vielleicht gelungen wäre, auch noch den schwarzen Läufer auf weißem Feld durch seinen entsprechenden weißen per Austausch auszuschalten. Aber in unterlegener Stellung wäre er wohl so oder so gewesen. Im Übrigen: Auf bald!

#1 von Günter Landsberger am 19.01.08 um 09:16

 

@#1 Günter Landsberger: 18. ... Db6xc5 und Weiß verliert. Bis morgen!

#2 von Revierflaneur am 19.01.08 um 10:19

 

"Jüdischer Antisemit", "applaudierte dem WTC-Crash". Na, so ein verrückter Typ aber auch! Aber bei einem IQ von 180 ist das sicher was anderes als Menschenverachtung und Hass. Bobby Fischer war ein trauriger alter Mann. Man kann ihn bestenfalls bemitleiden.

#3 von Ingo Juknat am 19.01.08 um 16:08

 

@#3 Ingo Juknat: "Man" ist das "three-letter-word" der deutschen Sprache für weichgespülte Ignoranz im Gewand des vermeintlich "gesunden Menschenverstands".

#4 von Revierflaneur am 19.01.08 um 17:17

 

Wissen Sie, was mir der gesunde Menschenverstand souffliert? Dass die Einsamkeit des Bobby Fischer nichts mit seiner "Widerborstigkeit" zu tun hat, sondern mit seiner moralischen Unzurechnungsfähigkeit. Ihr Geniekult geht leider in die völlig falsche Richtung.

#5 von Ingo Juknat am 19.01.08 um 19:16

 

Schade.

#6 von Revierflaneur am 20.01.08 um 11:04

 

Hoher IQ schützt also offensichtlich vor Torheit nicht.

Codewort: goy

#7 von Matta Schimanski am 20.01.08 um 16:15

 

@#7 Matta Schimanski: Niedriger IQ aber ebenso offensichtlich auch nicht.

#8 von Revierflaneur am 20.01.08 um 18:36

 

@#8 Zusatz: Bei einem zweiten Nachdenken: Doch, ein hoher IQ schützt vor Torheiten - nämlich auf dem Schachbrett. Sonst hätte Bobby Fischer beispielsweise statt Lg4-e6 den naheliegenden Zug Sc3-b5 gewählt. Einen Schachspieler nach seinen unmaßgeblichen Einlassungen zur Weltpolitik zu beurteilen, ist fraglos ebenso deplatziert und dümmlich, als wollte man die Kandidatur zwischen Hilary Clinton und Barack Obama durch ein Schach-Match entscheiden. Schaden anrichten für den Rest der Welt können letztere gewiss in großem Maßstab, während das Maulheldentum eines durchgeknallten Ex-Schachweltmeisters niemandem wehtut - außer vielleicht den eitlen Popanzen in der schönen neuen Welt USA, die es nicht verwinden können, dass ihr Aushängeschild Bobby sich nach dem Triumph von Reykjavik gegen seine Heimat gewandt hat. Ich kann mir nicht helfen, aber mir sind solche gegen den Strom schwimmenden Entfant terribles allemal lieber als die stromlinienförmigen Allerweltsmeinungsmultiplikatoren, die dem vorherrschenden Wind mit ihrer schwachbrüstigen Puste nachblasen.

#9 von Revierflaneur am 20.01.08 um 18:59

 

@#9
Mal wieder gut gebrüllt, Löwe !

#10 von Bernd Berke (WR) am 20.01.08 um 19:01

 

@#9:
Nun habe ich ja diesen selbstverständlich genialen Schachspieler gar nicht beurteilen wollen - nur seine unmaßgeblichen Einlassungen zur Weltpolitik, und die waren töricht.

#11 von Matta Schimanski am 21.01.08 um 15:33

 

Man erwähnt diesen Beitrag hier:
http://www.derwesten.de/blogs/schach/stories/670.

#12 von Thomas Lau am 22.01.08 um 14:09

 

@#9: Da ist er wieder, der pawlowsche Antiamerikanismus des Herrn Heßling. Man kann die Uhr danach stellen. Und dann diese naive Außenseiterromantik. Nur mal zur Klärung: Ich beurteile Bobby Fischer nicht als Schachspieler, sondern als Menschen. Und als solcher war er ein moralischer Krüppel. Dass diese Einschätzung von mehr als zwei Menschen auf diesem Planeten geteilt wird, ist mir in keiner Weise peinlich. Ob Sie das als Mainstream-Meinung ansehen, ist mir, ehrlich gesagt, komplett schnuppe.

#13 von Ingo Juknat am 22.01.08 um 17:43

 

Nun auch noch von mir ein bescheidener Beitrag zu diesem Thema. Wenn wir denn den werten Hr. Fischer aus menschlicher Sicht beurteilen wollen, so müssen wir wohl, aus Ermangelung eigener persönlicher Begegnungen, diejenigen zu Wort kommen lassen, die ihm begegnet sind, insbesondere jene, die auch in letzter Zeit eine längere Zeit mit ihm verbracht haben. Soweit mir bekannt, habe ich (nicht nur nach seinem Tod) diesbezüglich nur positive Stellungnahmen gefunden, die Hr. Fischer als freundlich (es fiel sogar das Wort menschenfreundlich!), humorvoll und umgänglich beschrieben haben. Manche seiner Äußerungen sind kaum diskutierbar, vielleicht sogar unakzeptabel, aber sollte man nicht auch das Leben eines Menschen betrachten, bevor man ihn beurteilt, oder gar verurteilt? Dieses Leben des Hr. Fischer war kein leichtes. Dies mag nicht alles rechtfertigen, aber es läßt einiges in anderem Licht erscheinen, doch dazu bedarf es vielleicht auch einer menschlich-moralischen Betrachtungsweise.

#14 von schachdet am 01.02.08 um 13:33

 

@#14 schachdet: Danke für Ihre sehr ausgewogene Bewertung des verstorbenen Schachweltmeisters unter menschlichen Gesichtspunkten. Eine solche wollte ich in meinem Beitrag gar nicht wagen. Für mich sind in erster Linie Bobby Fischers Leistungen auf dem Brett mit den 64 Feldern ausschlaggebend, ihn hoch zu schätzen. Dass er - wie das Gros seiner Vorläufer mit vergleichbar hoher ELO-Zahl - ein schräger Outsider war, Emanuel Lasker mal ausgenommen, kann dieses Urteil nicht im Geringsten trüben. Und da ich nun mal kein "ausgewogener", sondern eher streitbarer Mensch bin, füge ich im Hinblick auf #13 gern noch hinzu: im Gegenteil!

Ich danke Ihnen übrigens auch deshalb für Ihren Kommentar, lieber schachdet, weil er meine Aufmerksamkeit auf den sehr lesenswerten Beitrag von Herrn Juknat gelenkt hat, den ich urlaubsbedingt übersehen hatte. Schon interessant, dass mir meine Parteinahme für den (Paul Morphy nicht gerechnet) einzigen Schachweltmeister der USA jetzt als "pawlowscher Antiamerikanismus" ausgelegt wird.

Sie werden das nicht wissen, lieber schachdet, aber besagter Herr Juknat ist ebenderselbe, der nach seiner von keiner blassen Ahnung getrübten Einlassung zum Thema Fischer, Schach und Schachgeschichte in seinem Kommentar #3 in diesem Thread daran Anstoß nahm, dass ich seine effekthascherische Inanspruchnahme der Herren Sartre und Kafka für eine popmusikalische Richtung namens Postpunk bemängelte. Dass meine Reaktion auf Juknats Beitrag eine Retourkutsche auf seinen obigen Kommentar war, hat er vermutlich bis heute nicht begriffen.

Ich liebe übrigens Retourkutschen, weil man von ihnen aus einen so herrlich geweiteten Rückblick auf die Landschaft hat. Und ich liebe solche Diskussionen in den Weblogs, weil sie es erlauben, ihren Verlauf jederzeit genau nachzuvollziehen - ganz so, wie die Meisterpartien im Schach. Herr Juknat ist z. B. in dieser Frage längst matt gesetzt - aber das ist ihm ja "komplett schnuppe". Insofern wurde leider keine Meisterpartie aus unserer vom ersten Zug an schwächelnden Begegnung. Wer zieht als Weißer schon im ersten Zug Sg1-h3?

#15 von Revierflaneur am 01.02.08 um 15:31

 

1. Sh3? -> Tartakower - Lilienthal, Paris, 1933

#16 von Dr.phil Collins am 01.02.08 um 16:39

 

Ich kenne die Amar-Eröffnung nur zu gut, würde wohl aber als Schwarzer (nicht nur gegen Herrn Juknat) jede so eröffnete Partie umstandslos gewinnen.

#17 von Revierflaneur am 01.02.08 um 17:04

 

Gestern (2.2.08) stand in der FAZ ein Beitrag über Schach und Kalten Krieg. Bringe den Ausriss am Dienstag mit.

#18 von Bernd Berke (WR) am 03.02.08 um 09:29

 

@15 Dann reisen sie mal weiter mit Retourkutschen durch unsere Republik, aber falls Sie den Hr. Juknat sehen, schönen Gruß, doch mit seinem "moralischen Krüppel" lag er soweit daneben, da vermochte ich es nicht mir den Kommentar zu verkneifen. Wäre gespannt ob er selber, wie einst Bobby Fischer, in der Lage wäre aus "moralischen Gründen"!! ein Millionen-Werbeangebot abzulehnen. Falls Hr. Junknat nicht so genau weiß was gemeint ist, (bitte verbessern Sie mich, wenn ich etwas falsch wiedergebe) jedenfalls meine ich mich zu erinnern, dass Bobby Fischer ein Werbeangebot für ein Rasierwasser mit den Worten abgelehnt hat: "Wieso denn, ich benutze es doch nicht!". Kaum einer verstand, warum er sich nicht die 2 Mio. Dollar eingesteckt hat.

Der Mann hatte Moral. Sag ich jetzt mal. So. (Nun soll aber auch gut sein).

Übrigens, ich habe tatsächlich mal eine Partie mit 1. Sh3 gewonnen (mit Weiß natürlich).

#19 von schachdet am 06.02.08 um 08:48

 

@#19 schachdet: "Übrigens, ich habe tatsächlich mal eine Partie mit 1. Sh3 gewonnen (mit Weiß natürlich)." - ... was Ihnen freilich nur gegen einen sehr schwachen schwarzen Gegner gelungen sein dürfte. Gegen mich hätten Sie damit keine Chance.

#20 von Revierflaneur am 06.02.08 um 11:47

 

@#18 BB: Danke für den interessanten Hinweis. Hoffentlich erscheint Daniel Johnsons bestimmt sehr interessantes Buch "White King and Red Queen" recht bald in deutscher Übersetzung.

#21 von Revierflaneur am 06.02.08 um 11:55

 

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