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Projekte zur Kulturhauptstadt 2010

Das Märchen von den Ideen

Es war einmal vor langer, langer Zeit in einem Land am Flusse Ruhr, da riefen ein König und sein Hofmarschall ihr Volk dazu auf, Ideen zu haben. Es sollte nämlich in diesem schönen bunten Land in einigen Jahren ein großes Fest gefeiert werden, um die Menschen von nah und fern herbeizulocken, auf dass sie viele Taler mitbrächten und im Ruhrland ließen. Da aber das Fest ein ganzes Jahr dauern sollte, war guter Rat teuer. Denn womit sollte man die vielen Fremden über so lange Zeit unterhalten? Darum also hatten der König und sein Hofmarschall im Frühling Trommler ausgeschickt, die landauf, landab verkündeten: „Liebe Leute! Habet Ideen! Schreibet sie auf! Reichet sie ein!"

 

Da die Untertanen in diesem Land gegen fremde Taler in ihren Taschen wenig einzuwenden hatten und zudem ein aufgewecktes Völkchen waren, folgten sie in Scharen diesem Aufruf und schickten ihre Ideen, fein säuberlich auf Papier geschrieben, ins Schloss. Und der Hofmarschall ließ seinen Kanzleirat zurückschreiben: „Danke. Eingetroffen."

 

Und dann gingen Tage und Wochen und Monate ins Land - und es geschah nichts. Bald fragte sich mancher, ob die Sache wohl abgeblasen sei? Oder ob die Ideen aus dem Volk allesamt so blöd gewesen waren, dass es den Potentaten im Schloss glatt die Sprache verschlagen hatte? Hier und da versammelte sich das ideenreiche Volk, um zu beraten, was nun zu tun sei. Petitionen an den König wurden aufgesetzt. Und manche rebellischen Geister schlugen gar vor, die Ideen einfach auf eigene Faust zu verwirklichen. Dabei blieb's dann für eine lange Weile.

 

Aber dann, als die kalte Jahreszeit herannahte und schon kaum einer mehr auf einen Fortgang hoffte, da ließ der Hofmarschall sich zu einer neuen Verlautbarung herab. „Wir freuen uns sehr, dass das Volk so viele Ideen hat. Uns wird die Auswahl sehr schwer fallen. Doch wir können nur einen geringen Anteil verwirklichen. Alle anderen bekommen irgendwann eine endgültige Absage. Das kann sich bis ins nächste Jahr hinziehen, wegen der Fülle der Ideen. Aber die ersten königlichen Depeschen werden schon bald auf den Weg gebracht."

 

Nun waren die Untertanen aber gespannt! Was würde denn wohl drinstehen in den Absagebriefen? Würde man erfahren, warum die vielen Ideen abgelehnt worden waren? Oder würde es nur heißen: „Mit Dank zurück!" - geschmückt mit ein paar wohllautenden Redewendungen? Ob das Märchen gut ausgehen wird? Wir wissen es nicht. (Es könnte ja immerhin geschehen, dass die enttäuschten Idealisten dabei endgültig die Lust an dem Fest verlieren. Und das wäre der Stimmung wohl sehr abträglich.)

 

Und zuletzt noch eine gute Nachricht aus dem sonderbaren Königreich der Ideen. Jüngst hörte man, dass sich ein wackerer Mann aufgemacht habe, die vielen Ideen in seinem bescheidenen Häuschen noch einmal zu sammeln, wo sie dann ein jeder lesen könnte, um sich selbst ein Bild zu machen über den Ideenreichtum des Volkes:

 

„Am Ende der Bewerbungsfrist zur Einreichung der Projektvorschläge zur Kulturhauptstadt 2010 sind ca. 1.800 Vorschläge bei der Ruhr2010 GmbH eingegangen. Dies ist ein überwältigendes Ergebnis. Aber diese Vorschläge müssen alle noch begutachtet und bewertet werden. Nur einige wenige werden davon, weil, das Geld ist bekanntlich knapp, zugelassen und verwirklicht werden. Unzählig viele kreative Köpfe haben sich eben den zerbrochen und waren willens, dem Ruhrgebiet ihre Sicht von Kultur zu vermitteln. Bis jetzt weiß aber keiner so richtig, was eigentlich alles eingereicht worden ist.

 

Auf kulturkritik-ruhr.de ist nunmehr ein Bereich geschaffen worden, in dem die verschiedenen Vorschläge veröffentlicht und so einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden sollen. Natürlich wird nach Abschluss der Bewertungsphase ausführlich über die angenommenen Vorschläge berichtet werden. Bestimmt auch auf kulturkritik-ruhr.de. Das aber soll mit dieser Aktion gar nicht verbunden sein. Vielmehr möchte ich den Lesern einen kleinen Überblick über die Projekte vorstellen, die eingereicht wurden. Jede Gruppe, jede Initiative darf ihre Chance, ihr eingereichtes Projekt näher zu beschreiben und zu erläutern, hier nutzen."

 

Ob das was nützt? Wir wünschen jedenfalls viel Glück dabei!

 
 

3 Kommentare

Ja, und? Haben Sie etwa gedacht, dass für jede der 1800 Ideen ein eigener Ausschuss gegründet wird, der über die Durchführbarkeit entscheidet. Tut mir Leid, verstehe leider den Sinn Ihres Artikels nicht, bzw. was Sie damit kritisieren wollen.

#1 von Soundconfusion am 16.11.07 um 13:24

 

#1 Kritik? Lesen Sie etwa Kritik zwischen den Zeilen? Ach, wo denn! Herr Heßling hat lediglich ein kleines Märchen erzählt. Das sollte jeder dann und wann mal tun. Es entspannt und rüttelt die Synapsen zurecht.

Von Kindesbeinen an haben allerdings die meisten von uns gelernt, dass in jedem Märchen auch ein wahrer Kern oder zumindets eine Botschaft steckt.

Die Botschaft in Herrn Heßlings Märchen könnten wir vielleicht wie folgt deuten: Der König leidet an Fantasielosigkeit. Also will er aus den Ideen des Volkes schöpfen. Sein treues Volk überschüttet ihn sodann mit derart viel Fantasie, dass der König die schlechten von den guten Ideen nicht mehr zu trennen vermag. Die guten in Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Aschenputtel hatte es leichter.

Das ist ein klassischer Fall von "die Geister, die ich rief".

#2 von Karla Schwede am 16.11.07 um 14:25

 

Ich bin gar nicht mal sicher, ob der (Vize-?!)König ein großes Interesse an überhaupt einer der Ideen je gehabt hat. Das war ihm lästige Pflicht, weil er in der Bewerbungsphase sein kreatives Volk als Argument missbraucht hatte. Und jetzt möge es bitte schweigen. Kultur findet bitteschön in Tempeln statt.
Und entsprechend würdigt der (Vize-?!)König die Ideen ja jetzt auch: http://tinyurl.com/2khnkj

#3 von 50hz am 21.11.07 um 11:16

 

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