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Das Wort zum Sonntag (XVI)

Das Wort Gott

Da sich hier neuerdings und erfreulicherweise gezeigt hat, dass an einer Diskussion über Religion, Glauben, Gott, Kirche, Jenseits, Spiritualität usw. ein nicht ganz geringes Interesse besteht, setze ich meine alte atheistische Sonntagskolumne, entgegen meiner ursprünglichen Absicht, nun doch fort - um das Feld nicht widerspruchslos den „Gottgläubigen" jeder Couleur zu überlassen. Was ich an den kommenden Sonntagen liefern werde, könnte mit dem etwas umständlichen Titel überschrieben sein: „Wie man durch reinen Vernunftgebrauch die Reste eines alten Aberglaubens überwindet, auf trügerische Tröstungen zu verzichten lernt und so zu einem freien Menschen wird, der aufrichtig die Wahrheit auch dann sucht, wenn sie schmerzvoll ist." Prägnanter: „Schnellkurs Atheismus in 52 Lektionen."

 

Heute möchte ich die Aufmerksamkeit auf die triviale, aber oft nicht gründlich genug gewürdigte Tatsache lenken, dass „Gott" zunächst einmal nichts weiter ist als ein Wort, ein Substantiv der deutschen Sprache, männlichen Geschlechts und als solches in der Ein- und Mehrzahl in allen vier Fällen deklinierbar. Vergleicht man dieses Hauptwort mit einem grammatikalisch ähnlichen wie zum Beispiel „Stein", dann fällt ein Bedeutungsunterschied auf, der sehr wesentlich ist. Wenn ich den Wortschatz eines kleinen Kindes um das Wort „Stein" bereichern will, geschieht dies am einfachsten, indem ich ihm einen konkreten Stein zeige.

 

Ich nehme dazu beispielsweise einen weißen Kieselstein, lege ihn vor das Kind hin und sage „Stein". Das Kind sieht den Stein mit eigenen Augen, betastet ihn mit seinen Händen, hebt ihn auf, fühlt sein Gewicht, lässt ihn fallen, hört seinen Aufprall auf dem Tisch, nimmt ihn wieder in die Hand und empfindet seine Kälte, riecht daran, leckt daran - kurz und gut: Es erfährt mit allen seinen Sinnen, was ein Ding ist, dem das Wort „Stein" entspricht. Das Kind hat die konkrete Bedeutung des Wortes „Stein" begriffen. (Und wenn ich ihm später noch andere Steine, von anderer Beschaffenheit zeige, dann kann es sich auch einen allgemeineren Begriff machen.)

 

Ganz anders verhält es sich offenkundig mit dem Wort „Gott". Zu ihm gibt es keinen sinnlich erfahrbaren Gegenstand, den ich dem Kind zeigen könnte, um ihm die Bedeutung dieses Wortes nahe zu bringen. „Das Wort Gott", so heißt es bei Wikipedia, „steht in seiner allgemeinen Bedeutung als Gattungs- oder Sammelbegriff für transzendente (d. h. die empirische, erfahrbare Welt übersteigende) Mächte, die religiösen Glaubenssätzen zufolge ihrerseits Einfluss auf das Leben in der für uns erfahrbaren Welt nehmen." Diese Definition ist sehr hilfreich, weil sie bei genauerer Betrachtung gleich mehrere Gründe liefert, auf das Wort „Gott" im eigenen Sprachgebrauch zu verzichten und den gerade erst erwachenden Verstand kleiner Kinder nicht mit ihm zu verwirren.

 

Tatsächlich ist es ja so, dass keine Wortbedeutung, keines einzigen Wortes keiner Sprache des Menschengeschlechts, die sinnlich erfahrbare Welt „übersteigen" kann. Gleich im zweiten Gebot des Alten Testaments heißt es zwar: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!" Aber da unser Bewusstsein, unser ganzes Denken und Fühlen ausschließlich auf unseren Sinneseindrücken beruht, die „innere Bilder" in uns erzeugen, ist diese Forderung nicht einlösbar.

 

Fragt man Gläubige, was genau sie eigentlich meinen, wenn sie „Gott" sagen, so erhält man Antworten wie diese: „Das höchste Wesen." - „Den Allmächtigen." - „Den Schöpfer." Sie betonen dabei gern, dass sie sich darunter natürlich nicht den „alte Mann mit weißem Bart" ihres „naiven Kinderglaubens" vorstellen. Aber die Bedeutungsmacht der Worte kann kaum verhindern, dass mindestens bei den letzten beiden Synonymen für „Gott" ein menschenähnliches Wesen ihre Vorstellung beherrscht, und ein männliches dazu. Was konkret denn unter einem „Wesen" zu denken sei, vermochte mir noch kein Christ überzeugend zu erklären, der zu diesem Ersatzwort seine Zuflucht nahm.

 

Und dass dieses Wesen ein „höchstes" ist, bringt mich auch nicht weiter. Oben und unten sind doch eigentlich ganz wertneutrale Kategorien. Warum das göttliche Gute in religiöser Tradition oben im Himmel angesiedelt wird, während das Böse, der Herr der Unterwelt, aus tiefem Abgrund nach uns greift, um uns hinabzuziehen in sein Reich - es mag vielleicht seinen Grund in animistisch-naiven Vorstellungen und Ängsten unserer Urvorfahren seine Wurzeln haben. Mittlerweile sollten wir uns von solchem Hokuspokus aber doch wohl emanzipiert haben. Die Hiroshima-Bombe kam von oben. Und aus dem Boden, von unten also, wachsen alle Früchte der Natur, die uns nähren. Wie ließe sich also ein moralischer Anspruch aus einer solchen vertikalen Hierarchie ableiten? Das Höchste ist das Beste? Alles Gute kommt von oben? Nicht kindliche, sondern kindische Phantasmagorien.

 

„Traszendente Mächte" sind also das, was der Sammelbegriff „Gott" laut Wikipedia bedeuten soll. Nun habe ich aus ganz irdischen, historischen und empirischen Gründen gegen „Macht" als solche begründete Vorbehalte, vorsichtig ausgedrückt. Als überzeugter Demokrat, Verfechter der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte („Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren") und Feind jeder „Autorität" (übrigens auch der Vormacht des Menschen über die Natur) ist mir „Macht", ganz gleich in welcher Form sie in Erscheinung tritt, zutiefst suspekt.

 

Von Fritz Mauthner, dem Sprachkritiker, stammt die Einsicht, „dass Gott nur eine Übersetzung von Idol ist, dass wir für Idol oder Gespenst ebenso gut Götze oder Gott sagen könnten, [...]. Gott ist das oberste, das allgemeinste, das unwahrste Idol. Ein Bild, zu dem kein Modell gesessen hat. Ein Idealbild meinetwegen. Ein Wort jedenfalls. Götter sind Worte. Aus der Existenz des Wortes hat man wieder einmal auf die Existenz der Sache geschlossen, als ob der ontologische Beweis zu den Instinkten der redenden Menschen gehörte." (Wörterbuch der Philosophie, Erster Band, S. 458.)

 

Gott ist ein leeres Machtwort. Mehr nicht - und nicht weniger. Ein Bluff. Fallt nicht länger drauf rein!

 
 

6 Trackbacks

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#1 von Consolidation Consolidation am 04.01.08 um 20:24

 

One notable blogging tool that does not support trackback yet is Blogger. The TrackBack specification was created by Six Apart, who weiter

#2 von roman coins am 01.08.08 um 03:01

 

Nett, dass man sich hier mit dem Thema wenigstens mal ordentlich beschaeftigt. Habe die Ausfuehrungen dazu foermlich verschlungen (-: weiter

#3 von sie sucht ein paar am 26.02.10 um 16:17

 

Habe bislang nur wenige gute Seiten zu dem Thema gefunden. Zu suchen kann sich aber scheinbar durchaus lohnen. Dann lassen sich sogar noch solch nette Seiten wie diese hier finden. Finde ich echt klas... weiter

#4 von herren marke am 03.03.10 um 08:22

 

Manch einer Fantasie scheinen ja wirklich keine Grenzen gesetzt. Habe darueber wirklich schon die tollsten Dinger gelesen. Lohnt aber nicht wirklich darueber zu lamentieren. Die Ausfuehrunge hier sind... weiter

#5 von Partnervermittlung Finden am 05.03.10 um 16:11

 

Es ist mitunter schon ganz witzig was auf manchen Seiten zum Thema so geschrieben steht. Der Markt an Informationsfluten scheint irgendwie immer weiter mit Undurchsichtigkeiten zu ueberlaufen und die... weiter

#6 von Notebooks Guenstiger am 16.03.10 um 00:10

 

417 Kommentare

Ich würde nun - analog dem Stein - gern die konkreten Entsprechungen zu Begriffen wie Menschenrechte, Liebe, Vertrauen, Güte usw. sehen. Erst dann kann ich dran glauben? Auch das sind eigentlich nur Worte, die sich vielleicht in Ausprägungen zeigen, die sich mit Vorstellungen verknüpfen. Ganz ähnlich wie das Wort "Gott".

Wir wollen doch wohl nicht das Ende aller "abstrakten", über sich selbst hinausweisenden Begriffe ausrufen?

#1 von Bernd Berke am 11.11.07 um 14:39

 

#2 Eines der für mich so sehr Zeit sparenden Zitate (in der Version seiner modernsten Übersetzungsversion) lautet wie folgt:
"Deshalb meinen auch die Philosophen, daß man das Wesen der Dinge auf Erden nicht erfassen könne. Gott hat die Samen aus anderen Welten genommen und sie auf dieser Erde ausgesät und hat seinen Garten wachsen lassen; und alles ist aufgegangen, was aufgehen konnte, aber alles Wachsende lebt und hat teil am Leben allein durch das Gefühl der Berührung mit anderen geheimnisvollen Welten; und wenn dieses Gefühl in dir ermattet oder gar abstirbt, dann stirbt auch das, was Gott in dir hat wachsen lassen. Dann wirst du gleichgültig sein gegen das Leben und es sogar hassen. So denke ich."

Und in einem anderen Roman desselben Autors heißt es in wörtlicher Rede über einen Arzt: "Auch wenn er sagt, er glaube nicht an Gott, so ist er doch nicht gottlos, denn er ist ein heiterer Mensch."


"Manche reden von Gott und leugnen ihn, als ob vom Einhorn oder Kraken die Rede wäre.", hieß es in einem berühmten Text eines mehr als eine Generation früher lebenden deutschen Autors, den der Romancier der beiden ersten Zitate
in einem dritten hier nicht zitierten Text, den man in dem Roman finden würde, aus dem das 2.Zitat stammt, rezipiert hat.-

Soweit mein Beitrag, als der eines vorübergehenden Wiedergängers, der sich am weiteren Gespräch nun leider nicht mehr beteiligen kann.

#2 von Günter Landsberger am 11.11.07 um 15:42

 

Lieber Herr Landsberger,

ich las an anderer Stelle, dass Sie hier zurückziehen wollen. Ich bedaure dies sehr. Immerhin gehören zu den wenigen Kommentatoren, die stets sachorientiert und immer kenntnisreich ihre Position vertreten. Ihr Rückzug wäre für dieses Kulturportal ein großer Verlust.

Selbstverständlich argumentiere ich auch aus purem Eigeninteresse. Ich spekuliere natürlich darauf, dass Sie noch weitere anregende Klassik-Akzente setzen.

Einen schönen Restsonntag wünscht

#3 von Jürgen Overkott [WR] am 11.11.07 um 16:33

 

Ehrlich gesagt verstehe ich auch nicht, warum Herr Landsberger meint, er müsse sich hier zurückziehen.

#4 von Matta Schimanski. am 11.11.07 um 16:40

 

@#1 BB: "Die konkreten Entsprechungen zu Begriffen wie Menschenrechte, Liebe, Vertrauen, Güte" wollen Sie von mir hören? Nichts leichter als das. Die konkreten Menschenrechte können Sie in einem konkreten Buch nachlesen. Ich "glaube" nicht an sie, sondern ich vertrete sie aus einer ganz diesseitigen Überzeugung heraus. Liebe und Vertrauen sind abstrakte Substantivierungen von Verben (lieben, vertrauen). Ihre Bedeutung offenbart (zeigt) sich durch Tun, also ebenso sinnlich erfahrbar wie der Stein. Und Güte wiederum ist die Substantivierung des Adjektivs gut. Was gut ist und was schlecht, erfährt man schon als Kind ebenfalls auf einer sehr konkreten, sinnlichen Ebene, in der diesseitigen Welt. Keins dieser Wörter erfordert "Transzendenz", wie das Wort "Gott", um verständlich zu werden.

@#2 Günter Landsberger: Inzwischen glaube ich Ihnen nicht mehr, dass Sie jemals wirklich die Tür zu Westropolis hinter sich zumachen. Umso besser.

#5 von Revierflaneur am 11.11.07 um 16:43

 

Doch eines muss ich, zumal an einem Sonntag, dem kontroversen Gespräch doch noch mit auf den Weg geben:
Die christliche Tradition (lutherischer Prägung zumindest) unterscheidet drei Formen einer Rede von Gott.
Die Rede von Gott als dem Deus revelatus (dem offenbarten Gott), von Gott als dem Deus in vita (als dem im Leben erfahrenen Gott) und von Gott als dem Deus absconditus (dem verborgenen Gott). Eine dieser Reden haben Gläubige und Atheisten miteinander gemeinsam (bewusst oder auch unbewusst): die Rede vom Deus absconditus. Der Kontext ist allerdings jeweils ein anderer. Für den Gläubigen ist Gott auch in seiner Verborgenheit immer noch da, auch wenn die Erfahrung in der religiösen Überlieferung selber gemacht wird, dass er als der Unverfügbare sich gelegentlich empfindlich entzieht (vgl. z. B. eines der letzten, an eine frühere Psalmen-Stelle gemahnenden Worte Jesu am Kreuz: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du für mich verlassen?"). Umgekehrt ist Gott nach diesem Verständnis sogar in seiner Offenbarung selber der immer noch auch verborgene, da er sich nie vollends offenbart, in seiner eigenen Offenbarung so nie aufgeht und in seiner Fülle immer noch aussteht.
Für den nicht an Gott Glaubenden entfallen der Deus in vita und der Deus revelatus ohnehin und der Deus absconditus wird nicht mit dem Reden von Gott in Zusammenhang gebracht. Hier ist aber eine erfahrbare Gemeinsamkeit, die eine Gesprächsgrundlage bieten könnte. Versucht wurde dies z. B. schon mit Hilfe der Idee von der Solidarität der im metaphysischen Sinne Verlassenen (Jean Paul-Dostojewskij-Horkheimer), wozu ich noch sehr viel schreiben könnte. Ich breche dennoch aus Zeitgründen ab.

#6 von Günter Landsberger am 11.11.07 um 17:00

 

#5
Ihr Beitrag hat mich eben herausgefordert. Und ich kann da nicht kneifen. -
Gerne hätte ich auf Ihren Einstieg bezogen auch noch die Zusammenhänge zu Nietzsches Aufsatz "Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn" angesprochen, in dem es in der Schopenhauer-Tradition heißt, dass alles Urdenken in Bildern geschehe und somit alle Begriffe, mögen sie noch so abstrakt (geworden) sein, in anschaulichen Vorstellungen gründeten. Deutliche Spuren dieses Nietzsche-Aufsatzes sind noch im berühmten Chandos-Brief Hofmannsthals zu finden, auf den seinerzeit der von Ihnen, lieber Herr Hessling, zitierte Mauthner mit der Frage reagiert hat, ob Hofmannsthal denn seine Sprachkritik gelesen habe.

#7 von Günter Landsberger am 11.11.07 um 17:08

 

Und zwar im Brief Fritz Mauthners an Hugo von Hofmannsthal aus dem Jahre 1902 (in: Briefe aus dem 20. Jahrhundert / Hrsg. von Andreas Bernard und Ulrich Raulff/F.a.M. 2005, S.18f.)

#8 von Günter Landsberger am 11.11.07 um 17:12

 

@#5 Flaneur
Nun müsste man fragen, ob "Transzendenz" per se von Übel ist oder ob sie nicht einem Bedürfnis oder sogar dem Wesen der Menschen entspricht.

Über Gott kann ich auch in konkreten Büchern etwas lesen - nicht nur über die Menschenrechte.

Es gibt Menschen, die Gott / ein göttliches Prinzip in ihrem Denken, Reden und Tun recht glaubwürdig vertreten.

Übrigens: Heute in der FAS, also FAZ-Sonntagszeitung, ein recht interessanter Artikel zum Thema - sozusagen aus glaubensbereiter Sicht, ausgehend von dem Dostojewski-Zitat: "Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt". Ferner heißt es u. a., dass bisher alle offen atheistischen Staaten sich zu totalitären Staaten entwickelt haben.

#9 von Bernd Berke am 11.11.07 um 17:51

 

@#6-8 Günther Landsberger: All diese Bezugsquellen sind mir nur zu gut vertraut, lieber Herr Landsberger. Ob freilich Mauthner heute mehr gelesen wird als zu Hofmannsthals Zeiten, wage ich zu bezweifeln. Allenfalls als Briefsteller an einen berühmteren Zeitgenossen, wie in diesem Fall. Über alle Belesenheit geht mir übrigens das von Schopenhauer eingeforderte Selbstdenken. Insofern kann ich mich, Gott helfe mir, Bernd Berkes Kritik an anderer Stelle nicht ganz verweigern. Schließlich findet die Gelehrsamkeit für jedes Zitat ein Gegenzitat. Und dann löst sich die ganze Kathederweisheit in Rauch auf.

#10 von Revierflaneur am 11.11.07 um 17:56

 

@#5 Bernd Berke: Traszendenz ist nicht "per se von Übel", sondern unmöglich, weil es das ersehnte "Jenseits" nicht gibt. Dass es einem (allerdings naiven) Bedürfnis des Menschen entspricht, ein solches Jenseits herbeizuwünschen, ist unübersehbar. Ich halte aber für evident, dass der Verzicht auf diese Illusion ein notwendiger Schritt zur Reifung des Menschen (als Individuum und als Kollektiv) ist.

Was können Sie denn über Gott in Büchern lesen? In der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" steht z. B.: "Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden." Das ist für mich unmittelbar verständlich, ohne dass ich dafür einen Gott bräuchte, und ich kann es unterschreiben, weil ich ein mitleidsfähiger Mensch bin. Als solcher muss ich allerdings zur Kenntnis nehmen, dass die Folter im Namen des christlichen Gottes ihre erste große Blütezeit erlebte. Jetzt würde ich mich freuen, wenn Sie mal ein paar Zitate über Gott aus Büchern anführten, die mir Unverständigem deutlich machen können, was Gott eigentlich ist, nach dem Urteil jener Menschen, die ihn erkannt zu haben glauben. Wohlgemerkt will ich nicht wissen, was er angeblich gesagt oder getan hat, was sein Wille ist etc. Ich will wissen, wer oder was er ist. Ich bin gespannt, was Sie dazu in Ihren Büchern finden.

Hinter Ihrem Schrägstrich folgt übrigens eine ganz typische Relativierung. Jetzt ist also nicht mehr von Gott die Rede, sondern von einem göttlichen Prinzip. Sind Sie wirklich der Ansicht, dass die guten Taten von Menschen im praktisch-ethischen Leben glaubwürdiger sind, weil sie diese auf ihren Gehorsam gegenüber Gott zurückführen? Ist ein gutes Leben, das in sich selbst seine Begründung findet, also ein selbstbestimmtes, dem eigenen Gewissen folgendes Leben nicht ein reiferes, freieres Leben?

Und zu den "atheistischen Staaten". Solche hat es noch nie gegeben und wird es nie geben. Nach der Entmachtung der christlichen Kirchen in Rußland ab 1917 und in Deutschland nach 1933 traten unmittelbar neue "Götter" auf den Plan, im ersten Fall der von Marx auf die Füße gestellte Hegelsche "Weltgeist", der dialektische Materialismus und die vermeintliche historische Notwendigkeit, im letzteren Falle die vermeintlich überlegene Rasse, das Volk und das Führerprinzip. Diese Ideologien waren nur Religionen in neuem Gewand, der bisher schrecklichste Krieg der Geschichte, den sie gegeneinander führten, war wie alle früheren ein Glaubenskrieg.

#11 von Revierflaneur am 11.11.07 um 18:34

 

@#11
Jetzt Sowjetkommunismus und Faschismus kurzerhand zu Religionen umzuwidmen und damit gleichsam "Gott" zur Last zu legen, das ist nun freilich eine Finte.


Gute Taten im Namen von Gott sind nicht glaubwürdiger als andere gute Taten. Aber es gibt sie. Und es gibt natürlich andere edelmütige Antriebe und Motive, "gut" zu sein.
Folter im Namen des christlichen Gottes ist nicht zu leugnen, doch Folter im Zeichen einer wie auch immer gearteten "Gottferne" ebenso wenig.

Übrigens merke ich, dass ich mich - schon aus schierem Oppositionsgeist - hier gläubiger gebe, als ich es eigentlich bin. Aber ein womöglich doktrinäres, 52-teiliges Kursprogramm zur Erlangung der atheistischen mittleren Reife möchte ich nicht als braver Schüler absolvieren.


Ich werden den Teufel (!) tun und hier seitenweise aus der Bibel zitieren, weder Bergpredigt noch Vertreibung der Händler aus dem Tempel noch die Zornesausbrüche im Alten Testament. Dass dort jede Zeile Menschenwerk ist und der Auslegung bedarf, das wissen wir doch alle.


Nur als Fragenbündel: Ist es wirklich "reifer", sich nur auf den eigenen kleinen Kopf zu verlassen? Wie gut sind wir mit der reinen Ratio gefahren? Begreifen wir denn alles mit dem Hirn? Gibt es nicht Bereiche, denen man sich anders nähern kann, ja muss?


Und Ihr Halbsatz "... weil es das ersehnte 'Jenseits' nicht gibt" - ist er nicht just eine Glaubens-Behauptung? Aber gewiss ist er das. Nun ja, auch an den Atheismus muss man halt - glauben.

P. S.: Ich fänd's gut, wenn sich unser studierter Theologe socursu auch mal einmengt.

#12 von Bernd Berke am 11.11.07 um 19:02

 

#11
Was Sie zur Ernst Blochschen Erwartung eines "transzendenzlosen Transzendierens" sagen würden, Manuel Hessling, würde mich jetzt auch noch interessieren. -
Im Übrigen gehört für mich zum Kern des Christentums nicht die Diesseits-Jenseits-Spaltung. "Also hat Gott die WELT geliebt,dass er ...", heißt es dementsprechend im Johannes-Evangelium. -
Selberdenken - ja und dreimal ja. Aber wenn schon etwas Einleuchtendes gedacht worden ist, darf man es doch noch einmal denken. (?)

#13 von Günter Landsberger am 11.11.07 um 19:18

 

Wenn wir so weitermachen, werden wahrscheinlich demnächst Kirchenblätter auf Westropolis aufmerksam.

#14 von Bernd Berke am 11.11.07 um 19:19

 

Bin zwar weder socursu noch studierte Theologin, aber ich möchte trotzdem was äußern.
Man kann weder Gottes Existenz noch seine Nicht-Existenz beweisen - also ist es reine Glaubens-, keine Wissenssache.
Und nun muss jeder für sich entscheiden, woran er glauben will. Ich schließe mich Bernds Argumentation an, wenn ich auch nicht direkt sagen kann, dass gläubig bin. Oder ungläubig? Meist tendiere ich zu Letzterem, aber manchmal bitte ich doch den lieben Gott z.B. darum, auf meine Kinder aufzupassen - wenn ich´s so gar nicht in der Hand habe. Tja. Unreife? Eher Sorge und dabei Hilflosigkeit.

#15 von Matta Schimanski. am 11.11.07 um 19:20

 

Da fehlt ein "ich".

#16 von Matta Schimanski. am 11.11.07 um 19:22

 

bin beim überfliegen schwer gestolpert...
#11: "Traszendenz ist nicht "per se von Übel", sondern unmöglich, weil es das ersehnte "Jenseits" nicht gibt. Dass es einem (allerdings naiven) Bedürfnis des Menschen entspricht, ein solches Jenseits herbeizuwünschen, ist unübersehbar."

herr heßling, haben sie dabei auch in erwägung gezogen, dass ihnen die erfahrung fehlen könnte, transzendenz zu beurteilen?

dazu ein denkanstoß. ken wilber in eros, kosmos, logos:
"Seit ich angefangen habe, über den Unterschied von prärationalen oder präpersonalen und transrationalen oder transpersonalen Bewußtseinszuständen beziehungsweise ihre Verwechslung - ich spreche hier von "Prä/trans-Verwechslung" nachzudenken, wächst eine Überzeugung, daß es ganz entscheidend ist, hier Klarheit zu gewinnen, wenn wir die Natur höherer (tieferer) oder wahrhaft spiritueller Bewußtseinszustände verstehen wollen.

Gemeint ist mit "Prä/trans-Verwechslung" zunächst etwas ganz Einfaches: Da prärationale und transrationale Zustände beide auf ihre je eigene Weise nichtrational sind, können sie dem ungeschulten Auge als ähnlich, wenn nicht identisch erscheinen. Sind jedoch prä und trans erst einmal verwechselt oder gleichgesetzt, kommt es zu Denkfehlern zweierlei Typs:

Durch einen Denkfehler der ersten Art werden alle höheren und transrationalen Zustände auf niedrigere und prärationale reduziert. Echte mystische oder kontemplative Erfahrungen beispielsweise werden als Regression zu infantilem Narzißmus, ozeanischem Adualismus, Indissoziation oder sogar als primitiver Autismus gedeutet. Diesen Weg nahm beispielsweise Freud in Die Zukunft einer Illusion."
aus: http://www.praetrans.com/de/ptv.html

so... schnell wieder zurück in mein naives paralleluniversum ;-) schönen abend.

#17 von silke schäfer am 11.11.07 um 20:02

 

@#14 BB: Wäre das nun zu wünschen oder zu fürchten?

@#12 BB: Süß! Ich lege doch die schlimmsten Terrorregime des vergangenen Jahrhunderts nicht "Gott" zur Last! Welchem "Gott" denn? Umgekehrt wird ein Schuh draus. Ich unterstelle diesen Regimen, dass sie die Sehnsucht des Menschen nach einem wie immer gearteten Jenseits, der im Unterschied zum Tier seine Endlichkeit, seine Sterblichkeit erkannt hat, ebenso wie alle Religionen zuvor und überaus erfolgreich in deren Tradition fortgesetzt haben. Was wollen Sie denn einem Soldaten sagen, wenn Sie ihn an die Front schicken, sein junges Leben zu opfern, wenn Sie ihm kein Paradies auf der anderen Seite des Lebens mehr versprechen können und keine siebenundsiebzig Jungfrauen, die auf ihn warten? Natürlich den notwendigen Sieg des Kommunismus, die Erlösung der Menschheit nach den Gesetzen des historisch-dialektischen Materialismus. Natürlich den Triumph des Herrenvolkes der Deutschen über den Rest der Welt, die minderwertigen Rassen.

Den Feuilleton-Aufsatz von Manfred Lütz in der FAS von heute habe ich soeben gelesen. Eine schöne Steilvorlage für meine zweite Lektion am nächsten Sonntag.

Sie schreiben: "Ein womöglich doktrinäres, 52-teiliges Kursprogramm zur Erlangung der atheistischen mittleren Reife möchte ich nicht als braver Schüler absolvieren." Es wird nicht doktrinär sein, warum halten Sie dies für möglich? Und niemand zwingt Sie zu nichts. Die Reife wäre aber schon eine "höhere" und keine "mittlere". Und "brave Schüler" haben wenig Chancen, es zu erlangen. Die sollen sich weiter auf die Fleißkärtchen im Religionsunterricht kaprizieren, die kitschigen Heiligenbildchen von Anno Tobak. Sind Sie nun ein braver Musterschüler, Herr Berke, oder ein freier Geist, den sein Oppositionsgeist vorwärts bringt, statt ihn zurückzuwerfen auf ein doch reichlich faulig muffelndes Gestern?

Dass Sie seitenweise aus der Bibel zitieren können, um meine Frage zu beantworten, wo schwarz auf weiß nachzulesen ist, wer oder was Gott eigentlich ist, das macht mich wahrlich staunen. Ich kenne keine einzige Bibelstelle, die uns das handfest sagt, weder in der Bergpredigt noch in der Geschichte von der Vertreibung der Händler aus dem Tempel noch in einem der von Ihnen so genannten Zornesausbrüche im Alten Testament. Gäbe es sie, dann widerspräche die Bibel ja schließlich auch sich selbst: "Du sollst Dir kein Bildnis machen."

@#15 Matta Schimanski: Gegen solche Hilfeschreie gen Himmel hat auch der strengste Atheist nichts einzuwende, wenn's denn hilft und die strapazierten Nerven beruhigt. Ich sage auch manches Mal als schwer geprüfter Vater von fünf Kindern: "Gott im Himmel! Womit habe ich das verdient?" Deswegen sind wir aber doch noch längst keine Gläubigen.

#18 von Revierflaneur am 11.11.07 um 20:03

 

@#17 silke schäfer: Nein, das habe ich bisher noch nicht in Erwägung gezogen. Vermutlich, weil ich "den großen endgültigen Omega-Punkt der individuellen und kollektiven Entwicklung, als Hochwassermarke aller Evolution", von dem Ken Wilber im gleichen Text spricht, trotz hartnäckiger Suche bislang noch nicht verorten konnte. Ich fand stattdessen immer wieder nur meinen eigenen Bauchnabel - und beschloss deshalb, mich lieber der wirklichen, sinnlich erfahrbaren Welt zuzuwenden und hypothetische "Paralleluniversen" aller Art außer Betracht zu lassen.

#19 von Revierflaneur am 11.11.07 um 20:13

 

#19: Ein Paralleluniversum ist m. E. auch dieser Blog, der nach meiner unmaßgeblichen Meinung nicht sinnlich erfahrbar, sondern Gedankenwerk im Sinne einer Wortspielwiese ist.

Vor einiger Zeit hat mich mal jemand bei einem Abschlussgespräch (nach einer durchlaufenen Ausbildungsphase) ganz unverwandt gefragt, ob ich an Gott glaube. Damals hatte ich diese Frage mit "nein" beantwortet. Daraufhin folgte die nächste Frage: "Glauben Sie, dass Sie sich ohne die Vorstellung eines Gottes als beobachtende und evtl. strafende Instanz auf Dauer "moralisch" verhalten werden?" Ich verwies darauf auf die sog. "goldene Regel" und war überzeugt davon, dass meine Vorstellung über die (Nicht-)Existenz Gottes mein Handeln nicht maßgeblich beeinflussen würde. - Heute hat sich mein Verhältnis zum Glauben (nicht jedoch zur Kirche) geändert. Ich empfinde mich als "gläubig" (iWs) und kommuniziere in Gedanken bisweilen mit einem imaginären Widerpart, den ich als göttlichen Ursprungs empfinde. Womit dieser Wandel zusammenhängt, ist mir nicht wirklich klar. Vermutlich damit, dass ich mir Empfindungen wie Liebe ohne einen göttlichen Impuls nicht vorstellen kann. Eine "chemisch-biologische" Erklärung reicht mir intuitiv nicht aus. Einen Zugang zu Gott ermöglicht mir auch die Musik. Dies alles ist hier nur schwer zu vermitteln, es ist m. E. aber individuell erfahrbar.

So, jetzt kann ich mich hier vermutlich nicht mehr blicken lassen :-).

#20 von tavomarigat am 11.11.07 um 20:41

 

#20
Warum sollten Sie sich jetzt nicht mehr blicken lassen können?
Selbst wenn Sie unrecht hätten!

#21 von Günter Landsberger am 11.11.07 um 21:54

 

@#20 tavomarigat
Also, ich kann nicht finden, dass dies eine reine Wortspielwiese ist. Ansonsten kann ich Ihren Kommentar gut nachvollziehen.

@#18 Flaneur
Selber süß ! Man verspürt geradezu ihren Drang, mehr von Gott zu erfahren (im Atheismus haust es sich ja auch zuweilen ungemütlich) ... Sie wollen sogar Genaues, Fassbares wissen. Das allerdings werden wir mit bloßen Worten nicht bewerkstelligen können.

Übrigens kann ich Sie mir recht gut als alttestamentarische Gestalt vorstellen...

#22 von Bernd Berke am 11.11.07 um 22:03

 

Sieht Sie doch eh keiner.

#23 von Matta Schimanski. am 11.11.07 um 22:04

 

#23 war für #20.

#24 von Matta Schimanski. am 11.11.07 um 22:05

 

@#22: Moses mit `ner Kippe im Mundwinkel...

#25 von Matta Schimanski. am 11.11.07 um 22:07

 

#20
Moralisches oder ethisches Handeln setzt doch keinen Glauben an Gott voraus, ebenso wenig wie der Glaube an Gott offenbar davon abhält, Unrecht zu tun.
Im Wikipedia-Artikel zum Atheismus steht zu Atheismus/Moral:

"Es fehlen auch eindeutige empirische Nachweise für eine durch Gottesglauben verstärkte persönliche Moral. Manche Untersuchungen scheinen in die umgekehrte Richtung zu weisen, z.B. fand Franzblau[26] bei Atheisten größere Ehrlichkeit, und Ross[27] bei Atheisten größere Hilfsbereitschaft gegenüber Armen. Gero von Randow deutet Studienergebnisse folgendermaßen: „Sozialpsychologische Studien wiederum erweisen eine auffallend geringe Kriminalität unter Nichtgläubigen. Das sollte umgekehrt auch nicht zu ihren Gunsten ins Feld geführt werden, denn sie sind tendenziell sozial besser gestellt und gebildeter als die Gläubigen, jedenfalls im Westen; wir haben es hier also nicht mit einem Religions-, sondern mit einem Klasseneffekt zu tun.“"

Was mich ein bißchen nervt, ist dieser mitleidige Unterton, der mir als Nichtgläubiger manchmal entgegengebracht wird - als würde mir etwas Grundlegendes entgehen, irgendeine entscheidende Dimension, als wäre ich zu bedauern. Ein wenig klingt das hier auch an. Mir fehlt aber nichts.

Ich kann nicht beweisen, daß es keinen Gott gibt, ich finde aber, es spricht sehr wenig dafür, hingegen die Austauschbarkeit der verschiedenen Religionen, die aber alle einen Ausschließlichkeitsanspruch haben, spricht sehr dafür, daß sie vom Menschen gemacht sind.

Kennt einer die "Sirenen des Titan" von Vonnegut? Da steht irgendwo ein Satz, in dem heißt es sinngemäß: "...das Weltall ... ein unendliches Meer von Bedeutungslosigkeit.."

Ich denke, so ist es, und trotzdem kann ich versuchen, mein Leben sinnvoll zu gestalten und ein "guter" Mensch zu sein.

#26 von Anna am 11.11.07 um 22:36

 

Um die Materialsammlung anzureichern, lege ich hier mal einen Link zum Wiki-Artikel über den "Gottesbeweis" von Blaise Pascal, der - ein wenig französisch frivol - im Stile einer "Wette auf Gott" zu verstehen ist. Wenn man auf Gottes Existenz setzt, so Pascal, habe man mehr zu gewinnen, als wenn man von seiner Nicht-Existenz ausgeht...

http://de.wikipedia.org/wiki/Pascalsche_Wette

#27 von Bernd Berke am 11.11.07 um 23:07

 

Hast du auch die Kritik daran gelesen (natürlich! Wieso frage ich bloß?)? Sehr vernünftig.
Also die Kritik, nicht (nur)das Lesen der Kritik.

#28 von Matta Schimanski. am 11.11.07 um 23:22

 

Transzendent ist der größere Teil der Welt, dessen Existenz wir nur indirekt erschließen können.
z.B. der Welle-Teilchen-Dualismus,
oder der Sternenhimmel über uns, der sich nicht begrenzen lässt, unendlich jedoch nicht sein kann.
Gerade der modernen (Natur)Wissenschaft verdanken wir die Erkenntnis, dass die Welt, in der wir leben, nur ein winziger Ausschnitt der wirklichen Welt ist.
Im übrigen hat der Mensch das ganze Mittelalter vergeblich versucht Gott zu beweisen, bzw. zu wiederlegen.

#29 von Michael Wrazidlo am 11.11.07 um 23:48

 

Transzendent ist der größere Teil der Welt, dessen Existenz wir nur indirekt erschließen können.
z.B. der Welle-Teilchen-Dualismus,
oder der Sternenhimmel über uns, der sich nicht begrenzen lässt, unendlich jedoch nicht sein kann.
Gerade der modernen (Natur)Wissenschaft verdanken wir die Erkenntnis, dass die Welt, in der wir leben, nur ein winziger Ausschnitt der wirklichen Welt ist.
Im übrigen hat der Mensch das ganze Mittelalter vergeblich versucht Gott zu beweisen, bzw. zu wiederlegen.

#30 von Michael Wrazidlo am 11.11.07 um 23:50

 

Gerade der Naturwissenschaft verdanken wir, dass uns ein Stein nur auf den Kopf fallen kann, weil er den Gesetzen der Schwerkraft folgt und dass er unbelebt ist, und sich nicht in ein Tier verwandeln kann und dass uns nicht die Götter den Himmel auf den Kopf fallen lassen können, und dass die Sonne und die Erde noch ein paar Jährchen ihre Bahnen ziehen werden und dass es keinen Einfluss darauf hat, ob die Sonne jeden Morgen aufgeht, wenn wir noch ein paar Menschenopfer bringen, damit das so bleibt. (Wie es Menschen früher taten)

Was ich damit sagen will? Es ist in der Menschheitsgeschichte, noch nicht so lange her, dass sich ein Begriff mit dem Abstraktionsniveau das der Begriff Gott hat gebildet und entwickelt hat. Es wäre auch interessant sich einmal die Entwicklung des Begriffs Gott/Götter über die Zeit anzusehen.

#31 von Reiner Stock am 12.11.07 um 01:13

 

Das Wort Gott und das Wort Gottes.-
Nehmen wir einmal an, wir hätten in der Bibel das Wort Gottes pur, d. h. ohne jeden menschlichen Zusatz, würden wir Menschen ihre alles menschliche Maß übersteigenden Worte überhaupt verstehen können?
Wären das überhaupt noch Worte?
Dann schließlich: Warum sagt man "Gottes Wort" (Einzahl) und nicht Gottes Worte (Mehrzahl)? Ist nur das WORT in "Wort Gottes" und nicht das WORT in "das Wort Gott" eine Übersetzung des griechischen Wortes "Logos"? Was hieße das?

#32 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 06:21

 

#26
Meine Großeltern mütterlicherseits waren nicht besonders gläubig (aber auch nicht plakativ ungläubig!). Dennoch: bessere, liebevollere Menschen sind mir in meinem Leben nicht untergekommen.

#33 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 06:37

 

(Wobei ich sie nicht gegen meine Eltern ausspiele.)

#34 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 06:44

 

Überhaupt sind mir die Menschen am liebsten, die mich nicht ständig mit ihrem Glauben oder Unglauben beglücken wollen, sondern einfach versuchen, möglichst unplakativ und menschenwürdig zu leben.

#35 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 06:59

 

Dennoch: #32 bittet um Bezugnahme.

#36 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 07:02

 

#35
Was ist denn die Basis für ein menschenwürdiges Leben? Woher kommt allein schon diese Fragestellung her? Nur aus der Religion.
Nur wer sein Nächsten liebt wie sich selbst, der kann Gott lieben.

#37 von Niels Nabring am 12.11.07 um 08:08

 

Lieber Herr Heßling, Revierflaneur, oder wie auch immer, einen anderen Thread, der vom Autor grundsätzlich relativ wertneutral verfasst wurde, als Aufhänger für Ihre Ausführungen aufzugreifen, ist das Eine.

Selbst aber den Leser mit Ausführungen wie „Gott ist ein leeres Machtwort. Mehr nicht - und nicht weniger. Ein Bluff. Fallt nicht länger drauf rein!“ regelrecht aufzuwiegeln, das Andere.

Sei´s drum Ich kommentiere so etwas nicht weiter. Mich würde nur einmal interessieren, bis zu welchem Lebensjahr Sie Weihnachten und Ostern gefeiert haben.

#38 von Ludger Heitmann am 12.11.07 um 08:41

 

#32 ich habe letztens nochmal 'dogma' gesehen. da gibt es ein schönes bild für die schwierigkeit, gottes stimme direkt zu ertragen, metatron (wunderbar knautschig: alan rickman) muß übersetzen .

kurz: zwei engeln wurde nach gepatztem job von gott, der damals noch zornig war, auf ewig der himmel verwehrt. nun machen sie ein schlupfloch aus zwischen einer kirchenkampagne 'catholizism whow' & dem kirchlichen dogma. würden durch das ausnutzen dieses schlupfloches aber die unfehlbarkeit gottes in frage stellen & die gesamte existenz vernichten. um diese zu retten - oder auch mit anderer agenda - eilen ein haufen mehr oder weniger himmlische wesen den beiden hinterher...
ein superlustiger film, wenn man die liebevollen pietätlosigkeiten genießen kann.

#39 von silke schäfer am 12.11.07 um 10:59

 

Grüße aus dem Gottlosenmuseum.

Wer nicht an Gott glaubt sollte es konsequent tun.

Heinrich

#40 von Heinrich Funke am 12.11.07 um 11:46

 

Lieber Ludger Heitmann,

danke, dass Sie das Thema Religion hier in Ihrem Betrag gestartet hatten. Sie äußerten sich wie ich wahrnahm schon öfter zu Glauben und Religion. Und dass Sie das mit einem anderen Interesse tun als Manuel Hessling ist mir auch aufgefallen.

Ich finde es spannend und denke die Religionen sind in einer schweren Krise, weil sie immer mehr Gläubige zu verlieren drohen.

Und das liegt meiner Meinung nach daran, dass sie für die Befriedigung des menschlichen Bedürfnisses nach Lebenssinn immer mehr an Bedeutung verlieren.

Ostern und Weihnachten sind vielleicht nur noch die übriggebliebenen Inseln des christlich religiösen Lebens in unseren wohlhabenden Gesellschaften, die immerhin noch einen lebenspraktischen Bezug haben, das heißt Einfluss auf das Leben der Menschen haben. Beispielsweise werden die meisten Spenden in der Weihnachtszeit getätigt. Und viele denken wieder einmal an die christlichen Ideen und Werte. Und handeln vielleicht auch wieder einmal danach.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich der Meinung dass beispielsweise mein Verlust der Bindung an die katholische Kirche damit zu tun hat, dass sich keine Bindung zu den Menschen in "meiner" Kirchengemeinde entwickelte. - Also keine bedeutsamen Beziehungen zu den Menschen dort entstanden sind oder sich heute entwickeln.

Ein weiterer Grund: Es gibt auch sehr viele Freizeitangebote (Kulturelle-Vereine, Vereine mit sozialem Engagement, Nachbarschaftshilfen, Kino, TV, Bücher und auch die Pflege der Familien- und Freundesbeziehungen, die sehr viel der von Arbeit freien Zeit beanspruchen und deren "Qualität menschlich befriedigender, sinnhafter Beziehung" höher bewertet wird, als die Beziehung in den Kirchengemeinden.

Auch in der Konkurrenz um diese von Menschen als sinnvoll erlebten Beziehungen erwächst der Kirche immer neue und weitere Konkurrenz.

Das sehen Sie schon daran, dass ich meine Gedanken zu Religion hier aufschreibe und es sehr interessant und befriedigend finde und nicht im Rahmen einer kirchlichen Institution zu der ich ja gar keinen Kontakt mehr habe.

Zu diesem Thread: Mir gefällt sehr, dass die Kommentare zu diesem Thema auch zu einem beachtlichen Teil von Frauen kommen.

@26 Anna
Ich interpretiere mitleidige Untertöne von Gläubigen gegenüber "Ungläubigen" als Mangel an Souveränität und Unsicherheit.

#41 von Reiner Stock am 12.11.07 um 12:48

 

@#41

... dasselbe dürfte für herablassende Untertöne von Ungläubigen gegen Gläubige gelten (ich meine nicht Sie). Etwa nach dem Muster, dass der Gläubige noch jede Menge zu denken und zu lernen habe. Hat er natürlich auch, aber nicht unbedingt, um schlussendlich das glorreiche Ziel "Atheismus" zu erreichen.

#42 von Bernd Berke am 12.11.07 um 12:53

 

@42 ... genau

Ich bin auch der Meinung, dass von diesem Bedeutungsverlust auch die Länder mit islamischer Religion betroffen sind, wenn dort Wohlstand, Bildung wachsen gibt es die selben Entwicklungen.

#43 von Reiner Stock am 12.11.07 um 13:08

 

Hallo Herr Stock, ich habe mich ja hier auch nicht aufgemacht, um zu "bekehren". Ich sehe es wie Sie: Manche Menschen regt dies zumindest einmal wieder zu einem wirklich tiefen, inneren Nachdenken an.

Und auch die Gründe hinsichtlich des "Wertverlustes" Kirche und "Konkurrenz" teile ich durchaus mit Ihnen.

Ich behaupte aber trotzdem, dass es zumindest sehr schwer fallen muss, an Jesus Christus - nach meinem Glauben Gottes fleischgewordenen Sohn - zu glauben, wenn ich Gott mißachte bzw. an ihn nicht glaube. In der Konsequenz hieße das, dass ich dann natürlich auch nicht an die Auferstehung - das Ostern - glauben kann, mit der Folge, dass das Feiern dieser Feste auch den Atheismus inkonsequent macht.

Wie gesagt: Ich verurteile das nicht, keineswegs. Auch ich denke, dass es positiv ist, wenn sich Menschen, die sich von Kirche/Religion entfernt haben, zumindest an den "hochheiligen" Festen dieser Wurzel besinnen.

#44 von Ludger Heitmann am 12.11.07 um 13:16

 

Und Pfingsten gar ist ein Geheimnis den meisten.

#45 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 13:38

 

@#40 Heinrich Funke & # 44 Ludger Heitmann: "Wer nicht an Gott glaubt sollte es konsequent tun." & "... dass das Feiern dieser Feste auch den Atheismus inkonsequent macht."

Wie sieht denn der konsequente Glaube, z. B. im Christentum aus? Ist der ein inkonsequenter Christ, der gelegentlich Zweifel hat? Der gelegentlich den Besuch der Messe schalbbert? Der gegen die Gebote verstößt? Wäre nicht der einzig konsquente Nachfolger Christi der Mönch, die Nonne? Offenbar ist hier ein sehr breites Spektrum von Verhaltensweisen erlaubt oder doch geduldet. Diese Toleranz, in zwar engen Grenzen, trägt ja dem Rechnung, dass wir alle fehlbare Menschen sind.

Und dies will man dem Atheisten also nicht zugestehen? Sehr merkwürdig. Unbedingte "Konsequenz" ist, wie ich meine, ein im Grunde inhumane Forderung. In diesem Zusammenhang fällt mir immer ein Wort des Verlegers Jörg Schröder ein, das mir sehr sympathisch ist: "Immer radikal! Niemals konsequent!"

Mehr als albern finde ich z. B. den gelegentlich gehörten, hämischen Hinweis, dass ich doch meinem Atheismus untreu werde, wenn ich beiläufig sage: "Gott sei Dank wird das Wetter wieder besser."

#46 von Revierflaneur am 12.11.07 um 13:51

 

#39
Danke, Silke Schäfer, ich werde mir den Film daraufhin mal ansehen. Andere Filme (von Lars Trier?) kenne ich bereits.-
Die "Stimme Gottes" würde ich aber vom "Wort" unterscheiden. Die Stimme ist mir in ihrer sinnlichen Konkretheit bei Menschen zwar sehr wichtig. Wie die Stimme Jesu geklungen hat, würde mich zwar auch sehr interessieren, aber ist dies (weil hier offenbar nicht ganz so wichtig) biblisch überliefert? Ich glaube nicht. Und nun gar die Stimme Gottes?!
Jeder Komponist von Bach bis Gubaidulina muss allerdings in Bezug auf Stimme und Stimmlage des Heilands eine Entscheidung treffen.

#47 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 14:00

 

Bei der Komposition von Passiosmusik natürlich.

#48 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 14:01

 

#46
Religiöse Virtuosen sind - aus meiner Sicht - nicht gefragt.
Kennen Sie den Nerv der Lutherschen Rechfertigungslehre?

#49 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 14:04

 

#46
Dass ich hier noch schreibe, zeigt doch z. B., dass ich mitunter konsequent bin in der Inkonsequenz.
Sowas gibt es also auch.
Gewiss hat der Zweifel gerade auch im Christentum seinen Platz: vgl. den ungläubigen Thomas, die Anfechtung im Glauben, ja sogar die Verlassenheitsangst Jesu am Kreuz.

#50 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 14:08

 

Es ist ein fataler Irrtum zu meinen, gläubige Menschen hätten ihr Gehirn ausgeschaltet. Das Gegenteil ist der Fall.

#51 von Niels Nabring am 12.11.07 um 14:54

 

# 47 von trier? nein, von kevin smith. buntes amerikanisches kino, das ein bischen stichelt & sich nicht so ernst nimmt. http://www.imdb.com/title/tt0120655/

in diesem fall fungiert metatron tatsächlich als stimme gottes. gott setzt an zu sprechen, metatron warnt: "Anyone who isn't dead or from another plane of existence would do well to cover their ears right about now." & übersetzt anschließend.

zu der stimme/den worten von yeshua ben joseph finde ich die arbeit anhand rückübersetzungen ins aramäische von neil douglas-klotz http://www.lichthaus-musik.de/tontraeger/cd_abwun_d.html#Das%20Gebet%20Jesu%20in%20Aram%C3%A4isch & günther schwarz http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Schwarz inspirierend.

#52 von silke schäfer am 12.11.07 um 15:14

 

#52 Vielen Dank für Klärung, Belehrung und Erweiterung.

#53 von Günter Landsberger am 12.11.07 um 15:31

 

@#51 Niels Nabring: Das Gegenteil? Dass das Gehirn also erst eingeschaltet ist, wenn man gläubig ist? Naja, eine etwas gewagte Hypothese. Das Gehirn ist bei allen Menschen "eingeschaltet", so lange sie noch nicht tot oder mindestens hirntot sind. Die Frage ist nur, welche Inhalte von Synapse zu Synapse springen. Das reicht von Wahngebilden bis zu tiefen Wahrheiten, von Mordgelüsten bis zu Liebesempfindungen. Und all dies kommt bei allen Menschen vor, ganz gleich, welchen Glaubens oder ob sie überhaupt gläubig sind.

#54 von Revierflaneur am 12.11.07 um 15:33

 

@ 46: Lieber Revierflaneur,

"Mehr als albern finde ich z. B. den gelegentlich gehörten, hämischen Hinweis, dass ich doch meinem Atheismus untreu werde, wenn ich beiläufig sage: "Gott sei Dank wird das Wetter wieder besser."

Diese Meinung, Sie glauben es kaum, teile ich sogar mit Ihnen.

Aber: Wer etwas wie "Ein Bluff. Fallt nicht länger drauf rein!" raushaut, muss sich meiner Meinung nach den Vorwurf der Inkonsequenz grundsätzlich mal erst gefallen lassen.

Da nützt es auch nichts, wenn Sie mit Gegenfragen argumentieren.

#55 von Ludger Heitmann am 12.11.07 um 17:41

 

Traurig hockt der Atheist /
auf all dem, was nicht mehr ist /
und nicht sein darf, hol's der Teufel /
heilig sind ihm seine Zweifel.

#56 von Bernd Berke am 12.11.07 um 23:19

 

Für so eine dämliche Argumentation wie die im Beitrag oben muss man schon ziemlich borniert sein.

Es gibt also keine Phantasie, nicht wahr? Keinen Idealismus, keine Freiheit. Auch alles nur leere Worte, was? Nix, woran ein Kind lecken kann.

Meine Fresse. Etwas mehr Niveau, bitte.

#57 von Sunzi Sonnenschein am 13.11.07 um 03:20

 

Puh, eine ziemlich gewaltige Diskussion. Mit Zitaten, Fremdwörtern oder hoch geistigen Argumenten, kann ich leider nicht dienen, aber dennoch möchte ich mich, als jemend der froh ist an jemanden oder etwas wie Gott glauben zu können, an dieser Diskussion beteiligen. Ich kann nur sagen, dass Kinder, glücklicherweise, noch nicht die Einstellung eines Erwachsenen haben und auch Dinge akzeptieren können, die nicht zu sehen oder zu fassen sind. Das ist die Krux in unserer Gesellschaft. Wir haben die Sicht- und Denkweise eines Kindes verlernt.
Lasset die Kinder zu mir kommen, den Ihnen ist das Himmelreich.
Glaube ist doch, wenn ich diese Diskussion verfolge, ebenso nur ein Wort. Ich glaube an mich, ich glaube an die Liebe zweier Menschen, ich glaube an die Ehrlichkeit meiner Freunde und ich glaube an Gott.
Gott ist kein Mensch, kein Wesen oder irgendetwas erklär- oder fassbares. Gott ist für mich ein Gefühl, ein Zeichen, eine Kraft, ein Licht. In mir, in meinem Herzen oder Seele, wie auch immer man dies bezeichnen möchte. Gott, der Glaube daran, ist die Kraft, die mich in meinem Leben schon über manche dunkle Situationen geholfen hat. Es geht meines Erachtens im Glauben an Gott nicht darum, etwas begreifen zu können, sondern darum sich fallen lassen zu können ohne Angst und Zweifel. Vielleicht ist dies verständlicher, für Menschen die das Buch "Hallo Mr. Gott, hier spricht Anna" gelesen haben. Ich rede hier allerdings nicht über den Glauben, der häufig in der Amtskirche gepredigt wird, weil ich auch mit vielen Dingen in dieser Organisation nicht einverstanden bin ( egal ob ev oder rk ). Ich rede von der Fähigkeit, die Augen des Erwachsenen zu schließen und Kind sein zu können.

#58 von Holger Tiedtke am 13.11.07 um 09:56

 

Leider fehlt mir die Zeit, mich eingehender mit dem Beitrag auseinanderzusetzen, so dass ich nur kleine Splitter zur Diskussion beitragen kann. Hessling zitiert beispielsweise aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte - aber natürlich nur das, was ihn in dem Kram passt. Interessant ist es, sich mal die Präambel und die ersten beiden Artikel durchzulesen:

"Präambel
Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,

da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen, und da verkündet worden ist, daß einer Welt, in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste Streben des Menschen gilt,

da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen,

da es notwendig ist, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen zu fördern,

da die Völker der Vereinten Nationen in der Charta ihren Glauben an die grundlegenden Menschenrechte, an die Würde und den Wert der menschlichen Person und an die Gleichberechtigung von Mann und Frau erneut bekräftigt und beschlossen haben, den sozialen Forschritt und bessere Lebensbedingungen in größerer Freiheit zu fördern,

da die Mitgliedstaaten sich verpflichtet haben, in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen auf die allgemeine Achtung und Einhaltung der Menschenrechte und Grundfreiheiten hinzuwirken,

da ein gemeinsames Verständnis dieser Rechte und Freiheiten von größter Wichtigkeit für die volle Erfüllung dieser Verpflichtung ist,

verkündet die Generalversammlung

diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal, damit jeder einzelne und alle Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung stets gegenwärtig halten und sich bemühen, durch Unterricht und Erziehung die Achtung vor diesen Rechten und Freiheiten zu fördern und durch fortschreitende nationale und internationale Maßnahmen ihre allgemeine und tatsächliche Anerkennung und Einhaltung durch die Bevölkerung der Mitgliedstaaten selbst wie auch durch die Bevölkerung der ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Gebiete zu gewährleisten.

Artikel 1
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Artikel 2
Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. "

Interessant ist für mich, wie selbstverständlich da von "Rede- und Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not" die Rede ist. Oder wie offen artikuliert wird, dass es sich um den "Glauben an die grundlegenden Menschenrechte" handelt. Oder davon, dass Menschen mit "Vernunft und Gewissen begabt sind. Auch die Kategorien, über die Diskriminierunsgfelder definiert werden, sind interessant: "Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politische oder sonstige Überzeugung".

Man könnte es kurz zusammenfassen: Religion, Glauben, Gott, Transzendenz sind schlicht ein Teil unserer konkreten Lebenwirklichkeit. Selbst die Vereinten Nationen haben das kapiert. Nur der Hessling nicht.

#59 von Sunzi Sonnenschein am 13.11.07 um 10:38

 

@#59 Sunzi Sonnenschein: "Religion, Glauben, Gott, Transzendenz sind schlicht ein Teil unserer konkreten Lebenwirklichkeit. Selbst die Vereinten Nationen haben das kapiert. Nur der Hessling nicht." Kaum zu glauben, dass ich so missverstanden werde. Niemandem bestreite ich sein Recht, zu glauben was immer er will, und sei's an Einhörner, den Yeti oder den Weihnachtsmann. Aber ich nehme ebenso das Recht für mich in Anspruch, zu sagen, was ich davon halte: nämlich nichts. "Teil unserer konkreten Lebenwirklichkeit" sind z. B. auch Krieg, Folter, Zerstörung der Ökosphäre, zunehmende soziale Ungleichheit usw. Muss ich diese "Lebenswirklichkeit" akzeptieren, bloß weil sie da ist? Und dass "Gott" Teil der Wirklichkeit ist, habe ich bestritten. Bloß weil "er" als Wort von vielen im Munde geführt wird, ist "er" doch nicht real. Genau das war mein Thema, und der Kommentar geht an diesem Thema sehr weit vorbei. Kapiert?

#60 von Revierflaneur am 13.11.07 um 11:25

 

@ 59. Ach Sunzi. Regen Sie sich doch nicht so auf. Revierflaneur möchte provozieren, was ja letztlich auch richtig ist, um ein Thema zum Austausch einzublenden. Hier sollte er aber m. E. auch einmal den Mut haben und sagen: Okay, ich bin wohl wirklich ein wenig über das Ziel hinausgeschossen.

Zumindest aber seine Meinung nicht als die einzig wahre vertreten und die Meinung anderer zumindest zulassen und akzeptieren. Denn an dieser Toleranz fehlt es, auch wenn er anderes behauptet.

Und um Herrn Berke zuvor zu kommen: Ich will mich gar nicht mit ihm streiten.

Was aber noch gar nicht gesagt wurde: Wie naiv müssten denn eigentlich die Amerikaner sein? Ich möchte jetzt keine Irak-Diskussion oder was auch immer richtig und falsch ist anzetteln: Aber auf ihren Geldscheinen steht: In God we Trust („Wir setzen unser Vertrauen auf Gott“).

Damit ist einiges gesagt, wie ich finde. Hier ist er ganz deutlich Teil der Wirklichkeit.

@ 58: Es freut mich, dass wieder jemand den „Mut“ gefunden hat, sich offen zu äußern. Ihnen, lieber Herr Tiedke lege ich auch noch unsere erste Debatte ans Herz: http://www.westropolis.de/ludger.heitmann/stories/19076/

#61 von Ludger Heitmann am 13.11.07 um 11:57

 

Wenn Herr Hessling selbstständiges Denken und Schlussfolgern für sich in Anspruch nimmt, dann bin ich auf seiner Seite.
Wenn Herr Heitmann nichts im Sinn hat mit einer ihm zu leichtfertig erscheinenden Preisgabe der Möglichkeit des lebendigen und fruchtbringenden Glaubens, dann bin ich auf dessen Seite. Da ich das Christentum als eine "denkende Religion" auffasse (eine andere käme für mich gar nicht in Betracht), habe ich da keine Schwierigkeiten. -
Agnostizismus als mögliche Position leuchtet mir intellektuell durchaus ein; auch Gläubige, die den Zweifel kennen, und jene Atheisten, die auch an ihrer eigenen Position (wenigstens gelegentlich) zu zweifeln vermögen.
Max Horkheimers Denkweg scheint mir für letzteres exemplarisch zu sein. Er ging aus von der Unmöglichkeit einer "positiven Metaphysik" und setzte schon vormarxistisch auf die Solidarität der im metaphysischen Sinne Verlassenen. (Vgl. seinen Text "Zufälligkeit der Welt") In seiner Spätzeit gab es keine religiöse Wende, NICHT einfach eine reuige Rückkehr zum Religiösen, wie z. B. DER SPIEGEL seinerzeit meinte, sondern nur eine Umakzentuierung der metaphysischen Verlassenheitserfahrung: Die eingestandene "Sehnsucht nach dem ganz Anderen" ist nur die Kehrseite der nach wie vor für ihn aktuell gebliebenen Ausgangserfahrung.-

Ich selbst werde gerne religiös leise und deutlich kritisch, wenn Religion zu lautstark und zu selbstsicher daherkommt; es gibt zu vieles Falsche, was lautstark im Namen Gottes getan und geduldet worden ist
(und wird). "Gottprotze" sind mir völlig fremd. Umgekehrt mag ich aber auch keinen zu selbstsicheren Atheismus. Da meldet sich in mir der Widerspruch von der anderen Seite.

#62 von Günter Landsberger am 13.11.07 um 13:09

 

Das liebe ich an Herrn Landsberger und würde mir beim Revierflaneur eine Scheibe dessen wünschen: In der Lage zu seine, seine eigene Meinung nachdrücklich darzustellen, andere aber auch nicht nur hinzunehmen sondern öffentlich zu akzeptieren. Auch wenn mir der ein oder andere Satz ein wenig zu ´hoch´ist :-)

#63 von Ludger Heitmann am 13.11.07 um 13:26

 

#64
Herrn Hessling habe ich bisher in den meisten der Fälle als sehr kundig und auch als sehr formulierungssicher kennengelernt. Deswegen wird er auch bei anderen Beiträgern kleinere oder größere Abweichungen von seiner eigenen Position unschwer dulden können.

#64 von Günter Landsberger am 13.11.07 um 13:32

 

@60 Flaneur
Geradezu kindisch finde ich aber auch die Aufforderung: "Na, wenn du an Gott glaubst, dann zeig' ihn mir doch. Wie sieht er denn aus, dein Gott?"

#65 von Bernd Berke am 13.11.07 um 13:41

 

#60 "Und dass "Gott" Teil der Wirklichkeit ist, habe ich bestritten. Bloß weil "er" als Wort von vielen im Munde geführt wird, ist "er" doch nicht real. Genau das war mein Thema, und der Kommentar geht an diesem Thema sehr weit vorbei. Kapiert?"

Mein Kommentar geht überhaupt nicht am Thema vorbei. Nur DU weichst mal wieder der entscheidenden Frage aus, die sich in dieser Feststellung manifestiert:

"Bloß weil "er" als Wort von vielen im Munde geführt wird, ist "er" doch nicht real."

Kann man natürlich so sehen. Aber ist dann Phantasie real? Ist Menschenwürde real? Ist Nächstenliebe real? Setze beliebige nicht an-fassbare Begriffe ein. Mit welcher Begründung legst du fest, dass Phantasie existent ist, Gott aber nicht? Das würde mich mal interessieren. Du kategorisierst da absolut beliebig und nach Gutdünlen das, was es gibt und das, was es angeblich nicht gibt. Das ist klar dein gutes Recht. Als Gott-Verneiner mit Argumenten, die übers banale "weil ich es so sage" hinausgehen, kann ich dich da allerdings nicht ernst nehmen. Kapiert?

Vielleicht bequemst du dich ja mal dazu zu erläutern, *warum* es Gott deiner Meinung nach nicht gibt.

P.S.: Als Teil der Lebenswirklcihkeit akzeptieren bedeutet für mich übrigens nicht, dass ich Folter, Zerstörung der Ökosphäre, zunehmende soziale Ungleichheit etc. gut finden oder widerstandslos hinnehmen muss. Noch so ein Kurzschluss.

#66 von Sunzi Sonnenschein am 13.11.07 um 14:16

 

#61 Keine Sorge, der olle Flaneur hält schon was aus. ;)

#67 von Sunzi Sonnenschein am 13.11.07 um 14:22

 

@#65 BB: Hartnäckig verweigert hier Herr Berke zum zweiten Mal die Antwort auf eine konkrete und keineswegs kindische Frage: "Was meinen Sie denn eigentlich damit, wenn Sie das Wort Gott aussprechen?" (Die erste m. W. unbeantwortete Frage lautete: "Haben Sie denn selbst Kinder?" In einem anderen Thread, über Kinder, zu dem sich Herr Berke auch berufen fühlte, seine Meinung zu äußern.)

Und zu #58, Holger Tiedtke: Wir sind nun mal keine Kinder mehr und werden auch keine mehr werden. Also sollten wir auch nicht so tun, als könnten wir wieder mit ihren Augen sehen. Und außerdem: Woher haben denn unsere Kinder (meine nicht) das Wort Gott, mit entsprechenden naiven Vorstellungsinhalten? Doch von uns Erwachsenen, die ihnen sehr konkrete Bilder einflüstern, die wir selbst als "kindisch" ablehnen, oder? Mir liegt nicht daran, zu provozieren. Mir liegt aber daran, diese Diskussion vor einer weiteren Infantilisierung zu bewahren. Abweichungen von meiner Position dulde ich nicht nur, sie sind mir sogar im Gegenteil hoch willkommen - so sie denn vernünftig begründet sind.

Wenn mein Standpunkt diesen oder jenen Gläubigen provoziert, so muss ich mich zudem fragen: Warum denn eigentlich, wenn er seines Glaubens so gewiss ist, wie er vorgibt? Für diesen Fall würde doch eigentlich eher Mitleid angebracht sein mit mir armem Tropf, dem die himmlische Wahrheit mit ihren beglückenden Folgen verschlossen ist. Vom paradiesischen Jenseits einmal ganz zu schweigen.

#68 von Revierflaneur am 13.11.07 um 14:46

 

@#66 Sunzi Sonnenschein: Dass du dich hier dermaßen ereiferst, steht in guter christlicher Tradition. Geradezu hektisch, der Duktus Deiner Argumentation, schon nahebei dem in der Geschichte oft so verderblichen Fanatismus, den die Religionen - die Beispiele sind Legion - über uns gebracht haben.

Wenn Du ein Wort wie "Phantasie" mit dem Wort "Gott" auf eine Stufe stellst, dann machst Du es mir ja leichter, als ich zu hoffen gewagt hätte. Wenn ich mich also damit begnügen darf, dass Gott nur in Deiner Phantasie existiert, dann habe ich damit kein Problem. Vorbehalte muss ich nur anmelden, wenn Leute meinen, ihre Phantasiegespinste einsetzen zu dürfen, um damit handfesten, wirklichen Einfluss auf das reale Weltgeschehen zu nehmen. Und das geschieht leider tagtäglich. Jeder islamistische Selbstmordattentäter beruft sich z. B. auf ein solches Phantasiegespinst. Schon mal von gehört? Kapiert?

#69 von Revierflaneur am 13.11.07 um 14:59

 

Nun das ist der Unterschied. Ich fühle mich in keinster Weise provoziert. Vielen Dank für den freundlichen Hinweis, dass wir keine Kinder mehr. War auch nicht die Aussage meines Beitrages. Aussage war, dass wir sogenannten Erwachsenen den kindlichen Blick verloren haben, weil die ach so schreckliche Realität des Alltages, uns blind für solche Sichtweisen gemacht haben.
Nun, nichts destro trotz, halte ich auch Ihre Sichtweise zu, um Ihrer Termologie zu bleiben, des Wortes "Gott", für Interessant, da auch ich jede Abweichung von meiner Meinung ebenso dulde und akzeptiere. Nur sollten Sie vorsichtig damit sein, Meinungen und Beiträge anderer inhaltlich herabzusetzen.

#70 von Holger Tiedtke am 13.11.07 um 15:59

 

@#68
(Von sich selbst) überzeugte Atheisten, die nun auch noch andere partout überzeugen wollen, sind doch mitunter besonders pfäffisch. Sie halten Predigten und bieten beispielsweise 52-teilige "Kurse" an.

Meine Gottes-Vorstellung geht hier niemanden etwas an, ich werde sie schon gar nicht auf Zuruf eines windigen Flaneurs zu Markte tragen.

#71 von Bernd Berke am 13.11.07 um 16:21

 

#68
"Abweichungen von meiner Position dulde ich nicht nur, sie sind mir sogar im Gegenteil hoch willkommen - so sie denn vernünftig begründet sind."

Das, lieber Herr Hessling, ist eine Basis, die auch ich befürworte und begrüße.
Vielen Dank!

#72 von Günter Landsberger am 13.11.07 um 16:58

 

Die Sache ist nur die:
Glaubenssachen glaubt man oder nicht. Beides kann man meiner Meinung nach nicht wirklich begründen. Man glaubt es eben - oder eben nicht. Alles andere wäre Erkenntnis bzw. Wissen.

#73 von Matta Schimanski. am 13.11.07 um 17:04

 

Ihre (für Sie selber allerdings bloß rhetorische) Frage ist dann eigentlich die:
Ist es vernünftig -
oder wie vernünftig ist es -, (heute noch) an Gott zu glauben?

#74 von Günter Landsberger am 13.11.07 um 17:08

 

Ich werde nie begreifen, warum erwachsene und ansonsten kluge Menschen noch an einem Gottesbild festhalten (oder auch nicht) das ihnen so in der Kindheit nahegebracht wurde. Man muss sich doch mal von dem Bild eines alten weißbärtigen gütigen oder auch strengen oder was auch immer Mannes lösen.

#75 von christine am 13.11.07 um 17:36

 

#73
Für sich selber braucht der Glaubende und der Nicht-Glaubende keine vernünftige Begründung, wohl aber gegenüber Andersgläubigen. Dies ist eine heilsame Herausforderung: Man sollte immer wissen, WAS man glaubt. Bei dem Warum des Glaubens wird es schon viel schwieriger.
Kann man, sollte man von jemanden verlangen, dass er seine Liebe begründet?

#76 von Günter Landsberger am 13.11.07 um 17:37

 

#75
Gehen Sie sich da nicht selbst ein wenig in die Argumentationsfalle, weil Sie sich nicht vorstellen können, dass es für einen reiferen Menschen ein anderes Gottes"bild" als diese kindheitlichen (ohnehin nicht an alle Kinder herangetragenen) gibt?
Mir ist noch gut erinnerlich, dass ich als kleines Kind in der Adventszeit etwas am strahlend blauen Himmel glitzern sah, das ich damals mit Gewissheit für das Christkind hielt. Ich hatte damals niemanden davon erzählt und es über Jahre für mich behalten. Nach einiger Zeit war mir von mir selber her klar, dass es sich um ein Flugzeug, die damals in der frühen Nachkriegszeit in Salzburg noch seltener waren, gehandelt haben muss. Auch dies habe ich für mich behalten, aber diesen skeptischen Vorbehalt gegen zu arglosen Glauben und zu eilfertigen Unglauben bis heute in mir bewahrt.

#77 von Günter Landsberger am 13.11.07 um 17:48

 

@#75 christine
"Man muss sich doch mal von dem Bild eines alten weißbärtigen gütigen oder auch strengen oder was auch immer Mannes lösen."

Das ist doch Kokolores! Wer hat denn hier einer solch naiven Vorstellung auch nur ansatzweise Ausdruck verliehen?

#78 von Bernd Berke am 13.11.07 um 17:56

 

@#71 BB: Ja, aber, Herr Berke! Dann melden Sie sich doch hier einfach nicht zu Wort. Um uns zu sagen, dass Sie hier nichts zu sagen haben, sollte Ihnen doch Ihre Zeit eigentlich zu schade sein. Und dass Sie sich immer wieder an meiner "Kursankündigung" festbeißen, wundert mich allerdings. Für so humorlos und ironieresistent habe ich Sie bisher gar nicht gehalten. Daran kann man sehen, wie selbst ansonsten "lockere" Zeitgenossen plötzlich ganz verbiestert werden, wenn's um ihr "Höchstes" und "Heiligstes" geht - was immer das sein mag.

#79 von Revierflaneur am 13.11.07 um 17:59

 

@#78 BB: Einer anderen als dieser naiven Vorstellung wurde allerdings bisher hier auch nicht "nur Ansatzweise Ausdruck verliehen". Weil die ja auch schließlich niemanden was angeht. Worüber sollen wir hier also sonst noch reden und streiten? Bisher leider immer noch um nicht mehr als ein leeres Wort: "Gott".

#80 von Revierflaneur am 13.11.07 um 18:02

 

Flaneur, jetzt halten Sie mal den Ball flach. Ich melde mich zu Wort, wann ich will und wie weit ich will. Genau wie Sie. Und ich rechne Ihnen auch nicht vor, in welchem Thread der letzten fünf Monate Sie welche Antwort schuldig geblieben sind.

Außerdem: Beweisen Sie doch erst mal schlüssig die so anmaßend behauptete Nicht-Existenz Gottes. Dann sehen wir weiter. Bin mal gespannt.

#81 von Bernd Berke am 13.11.07 um 18:55

 

#80
Wir sollen also mit nicht leeren Worten Ihre und Mauthners Behauptung widerlegen, dass "Gott" ein leeres Wort ist.
Welchen Wahrheits-, Vernunfts- und Wirklichkeitsbegriff müssen wir also stillschweigend als allein gültig und maßgeblich voraussetzen? -
Dass Sie eine eigene bestimmte Voraussetzung machen, ist Ihr gutes Recht. Welche das ist und welche nicht, ist - mir jedenfalls - von Anfang an klargewesen. -
Dieses Hin und Her bringt mir da nicht viel. Ein direktes Gespräch wäre wahrscheinlich hilfreicher. Einen schönen Abend wünsche ich noch.

#82 von Günter Landsberger am 13.11.07 um 19:07

 

#69 Ich wüßte nicht, wo ich mich ereifert hätte, aber seis drum. Mal wieder wird an deiner Antwort deutlich: In Sachen Gott bist du, wie bei dem einen oder anderen Thema auch, schlicht ein Schwätzer. Unfähig, über den eigenen Tellerrand zu schauen und stets ausweichend, wenn Argumente statt entblödender Behauptungen gefragt sind. Meine Frage steht da noch. Deine Hilflosigkeit auch.

#83 von Sunzi Sonnenschein am 13.11.07 um 19:11

 

Ich habe auch ganz schwer den Eindruck, die Diskussion dreht sich im Kreis und kommt kein Stück weiter. Stattdessen werden alle immer giftiger.
Ich glaube, ich lese jetzt nichtmal mehr.

Codewort: mot(z)

#84 von Matta Schimanski. am 13.11.07 um 19:14

 

#80
Immerhin: die Bücher von Fritz Mauthner lese auch ich gerne. In seinem philosophischen Lexikon schlage ich immer wieder gerne nach. Auch das Stichwort "Schule" z. B. ist interessant.
Außer seiner Sprachkritik und seinem Atheismusbuch gibt es auch recht interessante literarische Werke von Mauthner, z. B. den wieder neu herausgegebenen "Roman aus Jung-Berlin" "Der neue Ahasver". Besonders schätzenswert ist auch sein Briefwechsel mit Gustav Landauer.

#85 von Günter Landsberger am 13.11.07 um 19:21

 

@#85 socursu

Und? Warum?

#86 von Bernd Berke am 13.11.07 um 19:36

 

@#81 BB: Ich habe nie behauptet, die Nicht-Existenz Gottes beweisen zu können. Weil ich nämlich gar nicht weiß, was ich da beweisen soll. Können Sie mir die Nicht-Existenz von Xlrp beweisen? Wohl kaum, wenn ich Ihnen vorher nicht sage, was um alles in der Welt denn Xlrp eigentlich sein soll. - Und wenn Ihnen der Humor noch nicht ganz vergangen ist: Kennen Sie den Fritzchen-Witz mit dem Vakuum? Der Lehrer fragt: "Fritzchen, was ist ein Vakuum?" - Fritzchen: "Ich habe es im Kopf, Herr Lehrer. Aber ich kann es nicht sagen!"

#87 von Revierflaneur am 13.11.07 um 19:42

 

83 Sunzi Sonnenschein: "In Sachen Gott bist du, wie bei dem einen oder anderen Thema auch, schlicht ein Schwätzer. Unfähig, über den eigenen Tellerrand zu schauen und stets ausweichend, wenn Argumente statt entblödender Behauptungen gefragt sind." - Na, na, Sunzi! Und das, wo uns doch gerade heute noch Bernd Berke so gelobt hat, als er in seinem WR-Beitrag über Westropolis schrieb: "Doch praktisch immer wird im Widerstreit der Argumente ein Mindestmaß an Höflichkeit gewahrt. Man kennt die ungeschriebene ,Net(t)iquette' (Abart des Knigge fürs Internet). Auch Kampfhähne der Kultur wissen, wann's genug ist. Da wird nicht unnötig nachgekartet." So straft das Leben fromme Wünsche Lügen. Herr Berke, beten Sie für Sunzis Seelenheil. Wenn er so weiter macht, kommt er nie und nimmer in den Himmel.

#88 von Revierflaneur am 13.11.07 um 19:54

 

@#88
Flaneur

Mann (oder auch: Mann Gottes, hihi), geben Sie doch endlich zu, dass Sie, sofern es um reine Rationalität geht, in all diesen Fragen ebenso im Nebel stochern wie jede(r) von uns. Just deshalb, weil es Glaubens-Fragen sind. Und da wird keiner keinen so schnell überzeugen können. Schon gar nicht mit Kursprogrammen, harr! Sie haben zwar nicht behauptet, die Nicht-Existenz Gottes beweisen zu können, aber Sie haben eben diese angebliche Nicht-Existenz schlankweg behauptet. Alle gegenläufigen Behauptungen oder auch nur Mutmaßungen und "Suchbewegungen" sind Ihnen daher unbequem, ja buchstäblich zuwider. Und dann wird's halt sehr rasch persönlich - auf beiden Seiten.


Einen Witz spendiere ich auch noch:


"Kommissar Jewgenij Borissowitsch erklärt den Kolchosenarbeitern den wissenschaftlichen Atheismus. Dann gehen die Kolchosmitglieder zur Heuernte. Es muß schnell gehen, denn es zieht gerade ein schreckliches Gewitter auf. Als das Heu glücklich im Trockenen verstaut ist, seufzt ein altes Mütterchen glücklich auf: 'Gott sei Dank'. Tippt ihr der Kommissar auf die Schulter: 'Wie oft soll ich euch blöden Bauern noch sagen: Gott gibt es nicht!' Meint die Alte verdattert: 'Aber Genosse Komissar, wenn es aber, was Gott verhüten möge, vielleicht Gott doch gibt?'"

@89 socursu

"Bei weitem zu privat". Eben, eben! Ich nehme für mich das Recht in Anspruch, hier keinen Glaubens-Striptease hinzulegen.

#89 von Bernd Berke am 13.11.07 um 20:09

 

@#90
Wenn Sie mich als Betbruder hinstellen wollen, bitte sehr. Sonderlich witzig ist das nicht, Sie sind doch meistens besser.

Aber mal was Anderes: Was sind das nur für Hörner auf ihrem Kopf?

#90 von Bernd Berke am 13.11.07 um 20:14

 

#90 Ceteram censeo: Du laberst `rum, statt dich den entscheidenden Fragen zu stellen. Du hast behauptet, es gibt Gott nicht. Gott sei ein leeres Machwort, ein Bluff. Und wenn man dich fragt, wie du auf diesen genialen Einfall kommst, gibst du keine Antwort. Oder du beleidigst unseren Intellekt, in dem du dich mit drittklassigen Tricks rauszureden versuchst: "Ich habe nie behauptet, die Nicht-Existenz Gottes beweisen zu können. Weil ich nämlich gar nicht weiß, was ich da beweisen soll." Ist klar, aber du weißt genau, dass es das, von dem du nicht weißt, was es ist, nicht gibt, ne? Du bist mir ja ein Süßer. Irgendwie so... unwissend. Richtig nett.

Mein Seelenheil muss dich übrigens nicht sorgen, die Mitleidsmasche zieht gerade von dir gestrickt nun so gar nicht. Die meisten, die hier mitlesen, Hessling, kennen *deine* Sünden. ;)

Also. Wie bist du zu der Überzeugung gekommen, dass es Gott nicht gibt?

#91 von Sunzi Sonnenschein am 13.11.07 um 22:17

 

#91 Der liebe Gott erschuf den Mann und sah, dass es gut war. Der liebe Gott erschuf die Frau, und als er sah, was er angerichtet hatte, warf er schnell Schnaps und Tabak hinterher. :o)

#92 von Sunzi Sonnenschein am 13.11.07 um 22:20

 

Sunzi, dass wir uns mal so einig sind! Spätestens das sollte den Flaneur nachdenklich machen. Vielleicht geht er ja schon ins sich - und kommt geläutert herfür.

#93 von Bernd Berke am 13.11.07 um 22:36

 

Gott o Gott! Da wurde heute aber - äh gestern aber viel geschrieben.

Mal sehen, ob ich da jetzt beim Lesen nicht einschlafe.

#94 von Reiner Stock am 14.11.07 um 00:06

 

Sicher verdanken wir den Naturwissenschaften die Erkenntnis, dass Steine nach den Regeln der Schwerkraft fliegen.
Naturwissenschaft muss sich an Fakten orientieren; es geht nicht anders.
Doch unwissenschaftlich, ideologisch wäre der Umkehrschluss:
Dort, wo die naturwissenschaftlichen Methoden an ihre Grenzen stoßen, ist die Welt zu Ende.
oldizarw

#95 von Michael Wrazidlo am 14.11.07 um 00:08

 

#95 Eher geht ein Tau durch ein Nadelöhr... :)

#96 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 00:51

 

Oh je, da ging´s wieder verbissen zu. Allen wollen wieder nur vom anderen das Beste. Und das gibt dann wieder keiner.

Mir fällt auf, dass sich bei diesem Tonfall in den Kommentaren die Frauen zurückziehen.

@97 auch die Philosophie, Psychologie, Soziologie muss sich an Fakten halten.

#97 von Reiner Stock am 14.11.07 um 00:51

 

@97 die Aufteilung der Wissenschaften in die Sparten - grob formuliert: unbelebte Natur (Physik), belebte Natur (Biologie) und Gesellschaft der Menschen (Psychologie, Soziologie) - ist doch erst sehr neuen Datums. In früheren Zeiten war die Wissenschaft noch nicht so zerklüftet.

#98 von Reiner Stock am 14.11.07 um 01:01

 

Ich sehe bei der Diskussion über das was wir unter Gott parallelen zu anderen Begriffen, die sich auch sehr schwer fassen lassen, beispielsweise den Begriff Zeit.

Beispielsweise ist die Frage: Was ist die Zeit? auch so eine schwer zu beantwortende Frage.

Wichtig ist für mich, dass sich diese Begriffe im Laufe der Zeit verändert haben und immer noch weiter entwickeln.

Der Begriff der Zeit beispielsweise ist inzwischen soweit entwickelt und differenziert, dass wir mit seiner Hilfe in der Lage sind Geschehnisse zusammenzusehen, die Jahrmilliarden zurückliegen wie die Entstehung des Weltalls und der Erde und gleichzeitig bis in die millionstel Sekunden hinein physikalische Geschehnisse zu messen.

Eine Entwicklung hat es auch mit dem Begriff Gott gegeben und ich glaube ich es wäre gut, wenn man sich diese Entwicklung einmal anschauen könnte. Man bekommt glaube ich eine Ahnung von der Entwicklung, wenn man sich anschaut, wie sich der Gottesbegriff von Kindern im Laufe des älter werdens zu dem eines erwachsenen Menschen entwickelt.
Ich kenne allerdings keine Literatur über die Entwicklung des Gottesbegriffs.

Über die Entwicklung des Begriffs Zeit gibt es das meiner Meinung nach beeindruckende Buch "Über die Zeit" von Norbert Elias.

Das gehört für mich zu den wichtigsten, die ich je gelesen habe.

#99 von Reiner Stock am 14.11.07 um 01:23

 

In der bereits im Heitmann-Thread vo mir erwähnten ZDF - Nachtstudio - Sendung vom 4.11 ist mir der Autor und Philosoph Michael Schmidt-Salomon angenehm aufgefallen. Er bezeichnet sich als Agnostiker und hat eine Webseite, die ich hiermit empfehlen möchte:

http://www.schmidt-salomon.de/homepage.htm

Hier ein Auszug aus einem Vortrag vo 1999:

"Meines Erachtens stellt das religiöse Denken per se ein folgenschweres Hindernis für eine gerechte und friedliche Weltkultur dar. Religiöses Denken - gleich welcher Couleur, sei es noch so progressiv gemeint wie das Küngsche "Prinzip Weltethos" - ist nämlich behaftet mit drei fundamentalen Makeln, die in der Geschichte der Menschheit immer wieder zu unermeßlichem Elend geführt haben:

Makel Nr. 1: Religiöses Denken beruht notwendigerweise auf Etikettenschwindel, da hier menschliche Wirklichkeitskonstruktionen mit anderen als menschlichen Gütekriterien (nämlich Gott, Schicksal, Gesetz des Kosmos usw.) versehen werden, was zu einem unlauteren Wettbewerb der Gedanken führt. Anders formuliert: Der religiöse Mensch benutzt im Gegensatz zum nichtreligiösen nicht nur Argumente, die in der ?Welt des Menschen? beheimatet sind (die gegeneinander abgewogen und verändert werden können), er benutzt zudem noch Argumente, die ihrem Anspruch nach einer "höheren Ebene" angehören (die durch menschliche Argumente eben nicht aufgehoben werden können). Durch diese pseudotranszendentale Verstärkung seiner Argumente wird der religiöse Mensch argumentativ unangreifbar. Er steht über den Dingen, berichtet über höhere Einsichten, das heißt: er überhöht sich selbst, übervorteilt und erniedrigt seine nichtreligiösen KommunikationspartnerInnen, die in der Kommunikation nicht mit gezinkten Karten spielen.

Makel Nr. 2: Religiöses Denken ist auch deshalb problematisch, weil es (durch seine jenseitige und nicht diesseitige Begründungsform) jede rationale, menschliche Argumentation außer Kraft setzen und damit eine nicht mehr hinterfragbare Beliebigkeit der Argumentation nach sich ziehen kann. Mit dem Jenseits läßt sich - wie bereits Nietzsche wußte - jede beliebige Lüge im Diesseits begründen. Ist die Vernunft erst einmal mit dem religiösen Virus infiziert, so ist unter Umständen kein Mythos, keine Erzählung, kein Gedanke absurd genug, um nicht doch noch geglaubt, verbreitet und mit Waffengewalt verteidigt zu werden.

Eben hieraus ergibt sich Makel Nr. 3: Religiöses Denken ist stets mit einem ungeheuren Restrisiko verbunden, nämlich mit der Gefahr des religiösen Supergaus, der einen menschenfresserischen Fundamentalismus freisetzt. Nicht umsonst zieht sich die Blutspur der Religionen wie ein roter Faden durch die Geschichte der Menschheit. Und ein Ende des religiös motivierten Schreckens ist nicht in Sicht."

Entschuldigung, ich weiß, das ist ein bißchen länglich zitiert an dieser Stelle, aber ich finde, es ist gut gesagt.

Da Glaube, wie ich Herrn Berke ohne Wenn und Aber zugestehe, Privatsache ist, werfe ich nochmal das Wort "Säkularismus" ein - ich denke, nur darum kann es letztlich gehen, natürlich nicht nur in Deutschland.

#100 von Anna am 14.11.07 um 01:29

 

"sondern erlöse uns von dem Bösen", heißt es in einer realistischen Bitte des Vaterunser.-

Wenn wir als Menschen nicht mehr erlösungsbedürftig sind oder es nicht mehr wären, erübrigt bzw. erübrigte sich jegliche Erlösungs- und Versöhnungsreligion. Dann würde es jedem plausibel gemacht werden können, dass "Gott ein leeres Wort" ist oder sei. Die Religionen würden von selber absterben.

Wenn wir aber erlösungsbedürftig sind und nicht an Gott zu glauben vermögen, müssen wir uns dann selber erlösen? Es steht zu befürchten, dass wir das aus eigner Kraft nicht oder nicht vollends können werden. Zumindest haben wir es nie gekonnt. Oder bricht dann wie von selbst das natürliche Gutsein des Menschen aus?
Und ist dieser Glaube an das natürliche Gutsein des Menschen der verschwiegene Glaube der den (zugestanden so häufig missbrauchten) Gottesglauben so heftig Bekämpfenden?

#101 von Günter Landsberger am 14.11.07 um 06:33

 

"Wer deutet mir die buntverworrne Welt?"

#102 von Franz Grillparzer am 14.11.07 um 06:36

 

Dann lasst doch mal alle Menschen, die nicht an Gott glauben (wirklich alle) Politik betreiben, Wirtschaft "gestalten" etc.

Natürlich ohne das christliche Hintergrundwissen, was seit Jahrhunderten uns innewohnt.

Mal sehen, was dann kommt!!??

#103 von Niels Nabring am 14.11.07 um 07:15

 

#102 Hallo Anna. Folgt man dieser Argumentation, so stellt sich doch die Frage: Wenn Reliogion tatsächlich so negativ für die Menschheitsentwicklung war und ist, wie behauptet - warum wurde sie im Laufe der Entwicklung nicht einfach durch den Seletionsprozess beseitigt? Wenn man tatsächlich eine "wissenschaftliche" Position einnehmen will, so muss man auch diese Kröte schlucken: weil sie mehr positive als negative Folgen für die Entwicklung des Menschen hat.

Vielleicht wirds an einem Beispiel deutlich, was ich meine: Für die Fortpflanzung des Menschen ist die reine Sexualität ausreichend. Und doch bietet es rein biologistisch betrachtet einen Vorteil bei unserer steten Entwicklung zum Besseren, dass es so etwas wie Liebe zwischen den Menschen gibt. Frag mal einen Biologen oder Anthropologen. Nicht anders ist es bei der Religion.

Wenn man das große Ganze betrachtet wäre die wirkliche Katastrophe für unsere Art, unser Streben nach Transzendenz beseitigen zu wollen.

#104 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 10:25

 

@#102 Anna: Danke für das lange Zitat, bei so viel eifernder und gelegentlich geifernder Opposition tut Versachlichung der Diskussion richtig gut. Das Thema ist, gelinde gesagt, sehr komplex. Nicht umsonst habe ich meinen "Schnellkurs" auf 52 Folgen angelegt. Obwohl ich beim Lesen mancher Kommentare hier spontan gelegentlich ärgerlich wurde, stimmt mich diese Vielfalt bei besonnenerem Überdenken auch wieder froh. Leider lasse ich mich zu oft dazu verführen, auch auf Kommentare direkt zu antworten, die weit vom klar umrissenen Thema des Beitrags abliegen, statt sie erst dann in späteren "Lektionen" aufzugreifen, die diese Teilaspekte thematisieren. Ich verspreche, mich zu bessern und mich nicht mehr von der "diskursiven Undiszipliniertheit" mancher Kommentatoren mitreißen zu lassen. Oder, einfacher gesagt: eins nach dem anderen.

#105 von Revierflaneur am 14.11.07 um 11:01

 

#106 Lieber Sunzi,

"Wenn man tatsächlich eine "wissenschaftliche" Position einnehmen will, so muss man auch diese Kröte schlucken: weil sie mehr positive als negative Folgen für die Entwicklung des Menschen hat."

Vielleicht hat das mal gegolten, kehrt sich aber nun langsam um? Die Evolution ist ja nicht die Schnellste.

Wem nützt Religion? Wurde sie nicht auch immer dazu benutzt, diejenigen ruhig zu halten, die nichts haben? Um Kriege zu führen? Oder: in welcher Religion ist die Frau dem Mann gleichgestellt (oder bringt die Gleichberechtigung von Mann und Frau eben keinen Selektionvorteil)?

Vielleicht brauchen wir eines Tages keine Religion mehr, um unser Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit zu stillen. Humanistische Werte sind mir lieber.

#106 von Anna am 14.11.07 um 11:43

 

#107 Ich Frage mich gerade wer hier der Eiferer ist. So weit ich es überblicken kann, und ich verfolge westrpolis vom ersten Tag an, hat hier noch nie jemand versucht, über Beiträge einen anderen davon zu überzeugen, dass es Gott gibt.

Du dagegen postulierst in releglmäßig unregelmäßigen Abständen immer wieder deinen "Atheismus" - und zwar mit überaus missionarischem Eifer.

Wenn ich dann noch hinzurechne, dass ausgerechnet du dich über eine zwischendurch härtere Gangart beschwerst, du, der oft genug aggressiv wie kein anderer hier Postende angegangen ist, dann kann ich diesen Kommentar nur verlogen finden.

Aber seis drum. Ich bin mal auf deinen Missionsversuch in 52 Folgen gespannt.

#107 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 11:52

 

#108 Wem nützt Religion? Eine absolut wichtige Frage und deine Auflistung der Stellen, an denen Religion missbraucht wird, ist ja sogar unvollständig.

"Vielleicht brauchen wir eines Tages keine Religion mehr, um unser Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit zu stillen. Humanistische Werte sind mir lieber."

Auch damit kann ich etwas anfangen. Religion ist meiner Meinung nach längst nicht die einzige Quelle, aus der sich eine positive Entwicklung unserer Art speisen kann. Ich habe nur etwas dagegen, wenn man diese Quelle zuschütten will, bloß, weil man nicht selbst aus ihr trinken mag.

Leider muss ich jetzt mal weg... Aber das Thema bleibt und ja erhalten.

#108 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 11:58

 

Also eines möchte ich noch einmal ganz deutlich sagen: Religion ist wohl ein Thema, wo jeder, egal ob Revierflaneur, Sunzi, Berke, Landsberger, Heitmann oder wie auch immer, seine Meinung hat, von der er sich auch eher nicht abbringen lässt.

Jedoch sollte man sich alles in allem zumindest insofern besinnen, respektvoll miteinander umzugehen, was Revierflaneur unter #90 bereits einforderte. Ebenso diesen betreffend, sollte aber jedem seine Meinung belassen bleiben und keiner aufgrund dessen derart hart attackiert werden, wie es m.E. teilweise geschah.

Wir müssen ja nicht erst auf die Weihnachtszeit warten um uns zu besinnen.

Ich denke Revierflaneur hat insofern unter #107 die hand gereicht und dann sollte es auch gut sein.

#109 von Ludger Heitmann am 14.11.07 um 12:57

 

Pianowski war vor zwei Wochen wegen einer Taufe in der Kirche und daher auch bei einem Gottesdienst zugegen. Der Pfarrer, ein herzensguter Mensch, sprach aus gegebenem Anlass insbesondere die anwesenden Kinder an. Es ging um Vertrauen zu Gott. Was ich in der Stimme des Pfarrers hörte und in den Augen der Kinder sah, erinnerte mich unweigerlich an Pionierlager in der DDR. Wie überhaupt mich das ganze Schauspiel an die Indoktrination in der DDR erinnert hat. Das war erschreckend für mich. Und kommt mir nicht mit „bla, bla, bla… kann man nicht vergleichen…“. Ich gebe nur wieder, welches Gefühl und welche Erinnerungen ich in mir trug.

Ach so, Sunzi, selbstverständlich bleibt durch Selektion nicht das Gute, sondern das Starke. Wenn ich Dir ne Knarre an den Kopf halte, frag ich Dich ja auch nicht, warum das Ding noch nicht wegselektiert wurde. Ich gebe Dir die Kröte zurück, gleichwohl ich damit nicht über Religion gerichtet habe. Dein Argument geht allerdings so nicht.

Zuletzt: Die Kirchenfrauen und -männer sollen dem Pianowski mal bitte erklären, wie man halbwüchsig vierzehnjährigen ein „freies“ Glaubensbekenntnis abnehmen kann. Pianowski versteht das nicht. Er findet das „echt krass“, wie man heutzutage so schön undifferenziert sagt.
Bei allem Respekt…

#110 von Mathias Pianowski am 14.11.07 um 13:05

 

@ 112: Natürlich ist dies bei 14/15jährigen nicht ganz leicht. Bei den Katholiken ist die ja auch die Zeit der Firmung.

Andererseits: wenn ich verfolge, wie auch schon 13-jährige mit dem Thema Sexualität mit allem drum und dran umgehen - AUCH WENN DIESER VERGLEICH HINKT, ICH WEISS ES - dann kann man sie m.E. insofern auch schon für "erwachsen" erklären.

#111 von Ludger Heitmann am 14.11.07 um 13:15

 

Jetzt muss ich doch noch mal garstig werden. Was der sonst wirklich hoch geschätzte Flaneur neuerdings im Lyrik-Thread gedichtet hat (dort #380), halte ich für baren Unsinn über die Humorgrenze hinaus. Da unterstellt er doch tatsächlich, gegen ihn als erklärten Atheisten bestünden Todeswünsche. Ich zitiere: "Die meisten wünschen mich vernichtet / und säh'n mich gerne fort".

Ich goutiere gerne witzige Gedichte. Aber ich finde, mit solchen bodenlosen Phantasien sollte man keine Scherze treiben. Auch die Gedichtfrage "Stellt ihr mich, wenn ich weitermache, auf einen Scheiterhaufen?" finde ich reichlich geschmacklos. Als wenn heute ein Atheist in Mitteleuropa noch derlei zu gewärtigen hätte!

Was also soll diese Selbst-Stilisierung zum atheistischen Märtyrer (!)?

#112 von Bernd Berke am 14.11.07 um 13:39

 

#114

Über I h r e Humorgrenze hinaus, Herr Berke. Die liegt in Glaubensdingen, mein Eindruck, ziemlich niedrig. Ich bin mir sicher, der Revierflaneur hat es nicht so ernst gemeint, wie Sie es verstehen wollen.

#113 von Anna am 14.11.07 um 13:57

 

@#Anna
Meine Humorgrenze reicht schon ziemlich weit, liebe Anna. Übrigens auch in Glaubensdingen.

#114 von Bernd Berke am 14.11.07 um 14:12

 

Der Vollständigkeit halber stelle ich zwei kopierte Kommentare aus dem Lyrik-Thread hier herüber:


"Lieber Revierflaneur, ein gewisses Maß an Selbstironie ist Ihnen nun weiß Gott (!) nicht abzusprechen."
#381 von Ludger Heitmann am 14.11.07 um 13:27


"Herr Flaneur, Herr Flaneur, nun übertreiben Sie mal nicht! Diese Zeiten haben wir ja wohl Gott sei Dank hinter uns.
Hier wird zwar erbittert diskutiert - aber eben nur diskutiert. Es gibt andere Orte auf dieser Welt, da wird wegen solcherlei Fragen erbittert gekämpft und massakriert.
Ich bin nicht gläubig, aber würde ich mich in einem solchen Land trauen, das zu sagen so wie hier?
Davon jedoch mal abgesehen: Es war Ihnen doch von vornherein klar, dass Sie auf heftigsten Widerstand stoßen würden, oder etwa nicht?"
Codewort: dot...
#382 von Matta Schimanski. am 14.11.07 um 14:03


So verschieden kann man die Angelegenheit also betrachten.

#115 von Bernd Berke am 14.11.07 um 14:16

 

#112 "Ach so, Sunzi, selbstverständlich bleibt durch Selektion nicht das Gute, sondern das Starke. Wenn ich Dir ne Knarre an den Kopf halte, frag ich Dich ja auch nicht, warum das Ding noch nicht wegselektiert wurde. Ich gebe Dir die Kröte zurück, gleichwohl ich damit nicht über Religion gerichtet habe. Dein Argument geht allerdings so nicht."

Umgekehrt wird ein Schuh´ draus. Gerade Aufklärung und Humanismus, aber eben auch Religion gehören zu den mächtigsten Waffen die wir haben, um langsristig das biologische Recht der Stärkeren zu brechen und zu ersetzen. Das Gute ist auf dem Vormarsch. :)

Beantworte mir folgende schlichte Fragen: Gibt es heute mehr oder weniger Demokratien als vor 100, 1.000, 10.000 Jahren? Gibt es heute eine stärkere Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern als vor 100, 1.000, 10.000 Jahren? Gibt es heute eine größere materielle Verteilungsgerechtigkeit als vor 100, 1.000, 10.000 Jahren? Gibt es heute eine größere oder geringere Gefahr dem unkontrollierten "Recht des Stärkeren" an Leib und Leben zum Opfer zu fallen als vor 100, 1.000 oder 10.000 Jahren? Gibt es heute mehr oder weniger Aufklärung als vor 100, 1.000 oder 10.000 Jahren?

Da bin ich auf deine Antworten gespannt, Mattes. Und darauf, ob du irgendwie belegen kannst, dass sich die Welt zum Schlechteren statt zum Besseren hin entwickelt.

Ich gebe zu, dass es auch mir oft sauschwer fällt, die grundsätzlich positive Entwicklung im Blick zu behalten, wenn ich mir den Umgang der Menschen untereinander, die Kriege, die Morde, die Selbstmordattentäter, den menschenverachtenden Turbokapitalismus, die Umweltzerstörung und und und betrachte. Nichtsdestotrotz bleibt es historisch wahr, dass wir als Menschen nie in einer besseren Welt gelebt haben. Es gibt keinen Grund, sich auf dieser Entwicklung auszuruhen, aber es gibt ebenso keinen Grund, sich aus Angst vor der eigenen Endlichkeit einen in die Tasche zu lügen. Wer nicht damit klar kommt, dass er nur eine begrenzte Zeit hat, etwas Positives zu diesem Prozess beizutragen und aus seinem pesönlichen ontologischen Dilemma keinen Ausweg findet, sollte sich meiner Meinung nach damit begnügen, sich selbst zu nerven, statt andere zu diffamieren. Oder einfach um Hilfe fragen.

Das war jetzt nicht sehr linear, aber ich hoffe du weißt, was ich meine. :)

#116 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 14:20

 

Ich will weder von Atheismusgläubigen noch von religiösen Eiferern, gar Fanatikern "missioniert" werden. Ich selber will auch nicht missionieren.
Die Freiheit eines anderen (insbesondere eines Andersdenkenden) ist wirklich die Grenze meiner Freiheit.

#117 von Günter Landsberger am 14.11.07 um 14:47

 

Also ich bin da eher bei Anna als bei Bernd und finde das Gedichtchen sogar teilweise witzig (auch wenn das mit der Selbst-Stilisierung stimmt; aber - kennen wir das von ihm anders? ;)

http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/16196/

Kommentar #380

#118 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 14:52

 

@#117 BB: "So verschieden kann man die Angelegenheit also betrachten." Je verschiedener, desto besser. Wenig ist schlimmer als Langeweile in solchen Threads.

@#116 BB: "Meine Humorgrenze reicht schon ziemlich weit, liebe Anna. Übrigens auch in Glaubensdingen." Soweit Ihre Selbsteinschätzung, werter Herr Berke. Ich komme mittlerweile zu einem anderen (Zwischen-)Ergebnis.

@#115 Anna: "Ich bin mir sicher, der Revierflaneur hat es nicht so ernst gemeint, wie Sie es verstehen wollen." Worauf Sie sich verlassen können.

@#109 Sunzi Sonnenschein: "So weit ich es überblicken kann, und ich verfolge westr[o]polis vom ersten Tag an, hat hier noch nie jemand versucht, über Beiträge einen anderen davon zu überzeugen, dass es Gott gibt." Und selbst wenn es mein Anliegen wäre, andere davon zu überzeugen, dass es keinen Gott gibt, wie Du in Verkennung meiner Absichten wieder einmal fälschlich unterstellst, so wäre damit doch noch längst nicht nachgewisen, dass ich dies als Eiferer tue.

Noch einmal: Ich kann niemandem seinen "Glauben an Gott" ausreden, weil ich schlicht und einfach nicht verstehe, worin dieser Glaube besteht, was der Gegenstand oder das Ziel dieses Glaubens ("Gott" nämlich) sein soll. Und alles, was hier bisher in den Kommentaren von den allerdings eher irrational eifernden als rational argumentierenden "Gottgläubigen" geäußert wurde, bestärkt mich (und vielleicht auch den einen oder anderen vorbehaltlosen Leser) in meiner Überzeugung, dass ich damit auf soliderem Grund stehe als meine Widersacher mit ihrem Gerede von "Transzendenz" und ihrem Rückzug ins Private, sobald konkrete Fragen gestellt werden. So mag sich dieser vorbehaltlose Leser auch, was Du kaum verhindern kannst, sein eigenes Urteil bilden, wer von uns beiden der Eiferer, Geiferer, Diffamierer und Beleidiger ist.

Die Distanzlosigkeit, mit der Du mich (und alle anderen Kommentatoren) konsequent duzt, habe ich mir um des lieben Friedens willen eine reichlich lange Zeit gefallen lassen. Jetzt sehe ich hierfür keine Veranlassung mehr.

Auf Ihre Kommentare, lieber Herr "Sonnenschein", antworte ich zukünftig erst dann wieder, wenn Sie sich Manieren angewöhnt haben. Ich gehe, auch was die Form angeht, künftig nicht mehr unter mein Niveau.

#119 von Revierflaneur am 14.11.07 um 15:04

 

Gottlob, Sunzi: Endlich rücken wir meinungsmäßig wieder etwas auseinander. Es war ja auch schon nicht mehr zum Aushalten, diese Sphären-Harmonie.

#120 von Bernd Berke am 14.11.07 um 15:04

 

#121 So, so. Manieren also. Etwa die deinen, andere als "Schmeißfliegen" zu bezeichnen?

Ich komme deinem Wunsch gerne nach, warum auch nicht. Wir können uns gerne Siezen. Nur werde ich einen Teufel tun, mir IHRE Manieren zu eigen zu machen.

Was die Verkennung der Absichten angeht: Welche Absichten verfolgen Sie denn nun mit der Serie "Das Wort zum Sonntag"?

#121 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 15:19

 

Sunzi, ich meine mich erinnern zu können, dass Du mir gegenüber die "Schmeißfliegen" schon mal verteidigt und sinngemäß gesagt hast, du hättest kein Problem damit.


Und nun zum Flaneur (#121):

1) Bitte nicht sämtliche Zwischenwerte außer acht lassen. Nicht alle, die Ihnen zu widersprechen wagen, sind gleich "Gläubige" oder gar Betbrüder bzw. Schwestern.

2) Gegenseitige Humorgrenzen-Zuweisungen sind beinahe so heikel wie Glaubensfragen. Jeder hält sein eigenes Humorverständnis für richtig. Lassen wir das also lieber.

3) "Nicht so ernst gemeint". Das kommt mir vor wie ein blitzschneller Rückzug beim Fechten. Taktischer Positionswechsel, sozusagen.

4) Gegen langweilige Threads bin ich auch.

5) Habe mir erlaubt, im Lyrik-Thread einen Vierzeiler zum Glaubenskrieg zu posten. Und den habe ich gar nicht ernst gemeint. *g*

#122 von Bernd Berke am 14.11.07 um 15:29

 

Übrigens fast jede Wette, dass dies hier die neue "Nummer zwei" bei Westropolis wird. Über 155 bringen wir das gemeinsam angezettelte Gezeter doch locker.

Und für mich ziehe ich schon mal ein vorläufiges Binsen-Fazit: Glaubt doch, was ihr wollt! Aber lasst mich bitte auch glauben, was ich will.

Preisfrage: Gibt es, analog zur sexuellen Belästigung, wohl so etwas wie (a)religiöse Belästigung?

#123 von Bernd Berke am 14.11.07 um 15:42

 

#124 Dat hat der Flaneur auch nicht den Biedermann und die Brandstifter gegeben.

Aber die Art und Weise, wie er in diesem Thread versucht, sich gegenüber den "Neuen" als harmloser alter Mann zu geben, der kein Wässerchen trüben kann und nichts als ehrenvolle Absichten verfolgt, nervt mich gewaltig. Ausschließlich ihm gegenüber verfahre ich schon lange nach dem Prinzip "Wie man in den Wald hinein ruft..." Wenn er anders glaubhaft rufen sollte, schallt es auch anders zurück. So einfach ist das.

#124 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 15:49

 

#125 Bernd Berke: Natürlich. Wenn Leute bei mir klingeln und mir entgegenposaunen, dass sie mit mir über Gott und die Bibel sprechen wollen, ich noch mühsam höflich "Nein danke!" antworte und den Hörer der Sprechanlage auf- resp. die Tür zuknalle und diese Menschen es dann auch noch wagen, erneut zu klingeln, erfüllt das sehr genau den Tatbestand der religiösen Belästigung...:-)

#125 von katastrophia am 14.11.07 um 15:53

 

#125 Du meinst sowas wie: "Gott ist ein leeres Machtwort. Mehr nicht - und nicht weniger. Ein Bluff. Fallt nicht länger drauf rein!"?

#126 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 15:54

 

@#128
beispielsweise.

Gesetzt den Fall, ein sich harmlos gebender "alter Mann" würde bei mir klingeln, den Fuss in die Tür stellen und dann so etwas sagen, ja dann...

Aber zum Glück kommt ja so etwas nicht vor. Sind ja nur Hirngespinste.
*schweißgebadetausdemalptraumerwach*

#127 von Bernd Berke am 14.11.07 um 16:04

 

@#124 2) BB: Das Fass habe schließlich nicht ich aufgemacht. Aber bitte: Machen wir's wieder zu.

#128 von Revierflaneur am 14.11.07 um 16:47

 

@#125 BB: "... jede Wette, dass dies hier die neue 'Nummer zwei' bei Westropolis wird. Über 155 bringen wir das gemeinsam angezettelte Gezeter doch locker." Na, verschießt nicht vorschnell Euer Pulver, liebe Glaubensgemeinde. Ihr wollt doch schließlich nicht bei den noch ausstehenden 51 "Lektionen" ganz sprachlos dastehen, oder?

#129 von Revierflaneur am 14.11.07 um 16:50

 

#127,129 Ich kann katastrophia nur wünschen, einen "ur-deutschen" Namen zu haben. Meiner ist leider so, dass er mit nur minimalen Wohlwollen gleichzeitig aus Portugal, Spanien und Italien stammen könnte. Was zur Folge hat, dass ich dreifache Arbeit beim Abwimmeln habe. :(

#130 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 16:52

 

@#130 Nee, das Fass hatte zunächst Anna geöffnet - und Sie haben anschließend genüsslich am Inhalt genippt.

Kann mich nicht entsinnen, dass ich jemandes Humor auf der nach oben und unten offenen Skala bewertet hätte.

#131 von Bernd Berke am 14.11.07 um 16:58

 

Hessling, kehre um.

#132 von Gottvater am 14.11.07 um 17:02

 

@ 117 Bern Berke: Ich möchte aber darauf hinweisen, dass ich nur die Selbstironie diagnostiziert habe.

Inhaltlich habe ich wohlweißlich nichts dazu gesagt.

Ich will schließlich noch Freund des Revierflaneurs werden;-D

#133 von Ludger Heitmann am 14.11.07 um 17:27

 

"Pentiti."-"No."-"Si."-No."

#134 von Don Giovanni und der steinerne Gast am 14.11.07 um 17:32

 

@#135 Ludger Heitmann: "Ich will schließlich noch Freund des Revierflaneurs werden." Warum, in drei Teufels Namen, denn das?

#135 von Revierflaneur am 14.11.07 um 17:34

 

#137
Erinnern Sie sich denn nicht an jene Geschichte von Peter Hebel von den beiden Brüdern, die unterschiedlichen Glaubens bzw. Konfession waren, sich zutiefst zerstritten hatten, sich im wechselseitigen Groll trennten und sich erst nach Jahren wiedersahen? Sie hatten jeweils des anderen Konfession angenommen, fanden sich in einer ähnlichen Situation wie zuvor, nur andersherum.
Wie -schreibt Hebel- haben sie zuguterletzt darauf reagiert?

#136 von Günter Landsberger am 14.11.07 um 17:42

 

Johann Peter Hebel natürlich.

#137 von Günter Landsberger am 14.11.07 um 17:43

 

Von Freunden auch Pit Hebel genannt.

#138 von Bernd Berke am 14.11.07 um 17:56

 

Zu denken geben könnte hier auch noch folgende Geschichte von Nikolai Semjonowitsch Lesskow: "Der Jude Abraham (?) und seine Freunde". Ich hoffe, dass ich den Titel noch einigermaßen richtig im Gedächtnis habe.

#139 von Günter Landsberger am 14.11.07 um 18:08

 

#138
Der Revierflaneur spricht nicht mehr mit mir. Er kann mir nicht verzeihen, dass ich gegen meine eigene erklärte Absicht noch da bin. Ich muss mich wohl entschuldigen. Was ich hiermit tue.

Hätten Sie aber, lieber herr hessling, dieses Thema nicht auf den Markt gebracht, dann hätte ich mich nicht verlocken lassen. Es sprach mich an: Tua res agitur.

#140 von Günter Landsberger am 14.11.07 um 18:34

 

Lieber Flaneur, als Geste der Versöhnung: Machen Sie doch fix die "400" bei Lyrik, wenn Sie online sind.

#141 von Bernd Berke am 14.11.07 um 19:02

 

...zu spät, Matta hat schon zugeschlagen.

#142 von Bernd Berke am 14.11.07 um 19:08

 

@#138 Günter Landsberger: Aber natürlich erinnere ich mich an diese Geschichte von Johann Peter Hebel aus seinem von mir so sehr geschätzten "Rheinischen Hausfreund". Sie heißt "Die Bekehrung" und ist für ihre Zeit sehr vortrefflich, tolerant und menschenfreundlich. Nun sind wir aber mit unserem Verstand, so hoffe ich wenigstens, zwei Jahrhunderte weiter.

"Du sollst nicht über die Religion grübeln und tüfteln, damit du nicht deines Glaubens Kraft verlierst. Auch sollst du nicht mit Andersdenkenden darüber disputieren, am wenigsten mit solchen, die es ebensowenig verstehen als du, noch weniger mit Gelehrten, denn die besiegen dich durch ihre Gelehrsamkeit und Kunst, nicht durch deine Überzeugung. Sondern du sollst deines Glaubens leben und was gerade ist, nicht krumm machen."

So der, für diese Zeit, weise Schluss der Geschichte. Aber noch nicht ganz. Denn der allerletzte Satz lautet da: "Es sei denn, dass dich dein Gewissen selber treibt zu schanschieren." Und so ist's eben mit mir. Mein Gewissen treibt mich, zu "schanschieren". "Gott" helfe mir, ich kann nicht anders.

#143 von Revierflaneur am 14.11.07 um 19:20

 

#145
Das darf ja auch sein.
Ich habe nichts dagegen.
Jeder soll nach seiner Facon selig werden.

Aber Schreck! Das ist ja noch älter! (Fast so alt wie der Angriff auf den "Priesterbetrug".)

#144 von Heinrich von Ofterdingen am 14.11.07 um 19:37

 

Pardon. Das kommt davon, wenn man seinen Namen wechselt wie weiland Kierkegaard. (Dem ich mich nur in diesem Punkte vergleichen kann und will.)

#145 von Günter Landsberger am 14.11.07 um 19:39

 

#146 Hierzu sehr zu empfehlen:

http://www.westropolis.de/revierflaneur/stories/12213/

*flöt*

#146 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 19:48

 

@#146&147 Günter Landsberger: Der Spruch des Alten Fritz ist mir sehr lieb. Ein aufgeklärter Ausnahme-Monarch unter lauter bigotten aristokratischen Kirchenknechten. Insgesamt bin ich aber wohl skeptischer als Sie, dass wir aus der Vergangenheit die rechten Rezepte herleiten können, um in der Gegenwart zu bestehen - und erst recht, die Zukunft zu meistern.

#147 von Revierflaneur am 14.11.07 um 19:52

 

@#148: Und dem Souffleur ist nichts zu schwör. Da trägt er dem Revierflaneur, noch seine lautre Wahrheit nach, und meint zu schaffen Ungemach. Wie blöd! Flöt!

#148 von Revierflaneur am 14.11.07 um 19:56

 

@Fanclub vom "Alten Fritz"

Nur gut, dass der Mann keine Kriege geführt hat - oder etwas doch?

Und auch dieses hübsche Zitat stammt von ihm: "Kerls, wollt ihr denn ewig leben?" - in der Schlacht bei Kolin am 18. Juni 1757 zu seinen fliehenden Soldaten.

#149 von Bernd Berke am 14.11.07 um 20:04

 

@#61,hello Ludger Heitmann,I am glad that you noticed "In God We Trust"on our coins and paper money.For about 17 years many American Atheist Groups who like the phrase removed "In God We Trust" are attacking us,using picket signs,a flood of letters to congress,and filed a few lawsuits,without any success.The last lawsuit was in 2006.On June 12.06 U.S.District Judge Frank C.Damsell rejected a lawsuit brought by California atheist Michael Newdow.The federal court has ruled that putting the phrase " In God We Trust " on American coins and paper money does not violate the separation of church and state.Here is a little history."In God We Trust"first appeared on coins during the Civil War.It was not mandated for use on coins until 1908 and on paper money 1957.
P.S.I am not trying to create third world war,the second world war,Vietnam war etc.was enough.

#150 von Ziggy - The USA Connection am 14.11.07 um 21:00

 

#150 Wahrheit?

Ach sooo. Sorry, ich vergaß.

#151 von Sunzi Sonnenschein am 14.11.07 um 21:02

 

@#152
Dear Ziggy, what do you think about saying "God's own country"?

#152 von Bernd Berke am 14.11.07 um 21:50

 

And don´t you think it´s kind of weird to connect God very closely to money?

#153 von Matta Schimanski. am 14.11.07 um 22:06

 

@155 und 152:
Wasn´t money very often connected with the church. "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt", Peterspfennig, Sammlungen für die Kreuzzüge.

#154 von Reiner Stock am 14.11.07 um 22:12

 

#15 Die Wahrheit ist keine einstreichbare Münze, wusste schon Hegel. Und auch Lessing zu Beginn der Ringparabel. Später spricht Nietzsche von den Falschmünzern der Wahrheit. (Ein großer Beziehungskomplex also.)

#155 von Günter Landsberger am 14.11.07 um 22:13

 

... ich vergaß unsere vom Fiskus eingetriebene Kirchensteuer.

#156 von Reiner Stock am 14.11.07 um 22:14

 

Leute, jetzt fehlt noch das Blattgold im Vatikan. Die Kunstschätze. Und die teuren roten Schuhe des Papstes.

Aber hat es nicht gerade auch innerhalb des Glaubens Bewegungen gegen den Konnex mit dem Gelde gegeben?

"Im Namen des Glaubens" ist dies und jenes begangen worden. Und "im Namen des Atheismus"? Und im Namen von XYZ?

#157 von Bernd Berke am 14.11.07 um 22:44

 

Liebe Anna, ich nehme meine Aussage von gestern, dass sich die Frauen bei der Form der Diskussion hier zurückziehen teilweise zurück.

Ihr Kommentar von heute 1:29 Uhr hat den Anstoß zu der Diskussion von heute gegeben.

Ich suche Bündnispartner für meine Position in diesem Thread und ich habe in Kommentar 118 Sunzi Sonnenschein entdeckt. Sie haben auch darum gebeten, dass die Kommentatoren mal bei ihren Gedanken den Blick auf längere Zeiträume werfen sollten.

Wenn wir schon einen so weit entwickelten Zeitbegriff heute haben, dann sollten wir ihn auch in dieser Diskussion über unseren Begriff von Gott verwenden, meine ich.

Es ist doch eigentlich für jeden einsichtig, dass die Naturwissenschaft, die sich mit der unbelebten Natur beschäftigt Regeln/Gesetze von Naturabläufen findet, die sich über Millionen oder Milliarden von Jahren nicht verändern, wie
beispielsweise die Schwerkraft oder die Bewegung der Erde um die Sonne.
Die Wissenschaften, die sich mit der belebten Natur befassen, wie die Biologie, finden Geschehensabläufe die in Jahrzentausenden gleich ablaufen, wie beispielsweise die Gene, die über so lange Zeiträume gleich bleiben und sich nur in so großen Zeiträumen wandeln.

Und dann kommen wir zum Bereich der Wissenschaft von dem, was wir heute Gesellschaft nennen. Und da ist man, wenn ichs richtig verstehe, in einem Bereich von Geschehnissen, die sich viel schneller wandeln als die von der Physik oder der Biologie gefundenen Abläufe.

Und das ist - meiner Meinung nach - auch eins der Probleme, die sich hier in der Diskussion zeigen: Es gibt hier mehrere sich widersprechende Beschreibungen davon wie man Gott begrifflich beschreiben kann.

Wenn wir hier über den Begriff unseres Planeten, der Erde diskutieren würden, dann wären wir uns alle einig, dass das eine Kugel ist, und dass sie sich um die Sonne dreht.

Ich weise darauf hin, dass das - wenn man die Dauer der Existenz der Erde als Masstab nimmt - vor extrem kurzer Zeit nähmlich zur Zeit von Kopernikus noch kein Konsens unter uns gewesen wäre.

Unser Begriff von der Erde hat sich also seit damals rakikal verändert.

Und "ähnlich" ist es, so meine Vermutung auch mit dem Begriff Gott. Der wandelt sich auch. - Natürlich ist Gott kein physikalisches Ereignis.

Religionen und unser heutiger Begriff von Gott sind in der Entwicklung der Menschheit entstanden und in sofern genauso real wie unser heutiger Begriff von der Erde.

Da Religion und Gott aber gesellschaftliche Realität sind und nicht physikalische oder biologische haben wir vielleicht auch einfach noch nicht ausreichend gute wissenschaftliche Instrumente um uns darauf zu verständigen, was Religion und Gott ist.

Bei unserem physikalischen Begriff von der Erde haben wir immerhin einen Konsens gefunden.

Vielleicht gelingt das bald einmal auch bei einem Begriff wie Gott.

#158 von Reiner Stock am 14.11.07 um 23:08

 

@159 Lieber Berd Berke,

sie nehmen mir die Worte aus dem Munde. So platt wollte ich nicht daher kommen.

#159 von Reiner Stock am 14.11.07 um 23:10

 

Einer der Irrtümer der Aufklärung war die Ansicht, dass mythologische Aussagen sich nicht auf wirklich Existierendes bezögen.
Transzendentale Realität ist aber genauso real, wie die von uns erlebte Welt.(Denn wenn man recht darüber nachdenkt, kann man sich nur über das Innere seines eigenen Bewußtseins ganz sicher sein).
Die uns im bisherigen Ablauf der kosmischen Geschichte erworbene Erkenntnisfähigkeit erweist sich als unzureichend, die Wahrheit unserer Existenz zu ergründen.
Die kosmische Evolution wird eines Tages an ihr Ende kommen, die Mythologie spricht hier vom "Jüngsten Tag". Naturwissenschaftliche und religiöse Aussagen ergänzen sich.
Dies sollte uns nicht allzu fragwürdig erscheinen. Es kann nur eine "Wahrheit" geben. Die Tatsache, dass wir weder Kosmos noch Schöpfung begreifen, ändert daran nicht das geringste.

#160 von Michael Wrazidlo am 14.11.07 um 23:10

 

... Sorry: Bernd ist Ihr Vorname

#161 von Reiner Stock am 14.11.07 um 23:11

 

#149 hatten Sie des Alten Fritzens Spruch nicht selbst schon mal korrekt zitiert und sich darüber mokiert: "Die Religionen müssen alle toleriert werden und der Fiskus muss nur das Auge darauf haben, dass keine der anderen Abbruch tue, denn hier muss ein jeder nach seiner Façon selig werden." - auf die Frage, ob die katholischen Schulen in Preußen abzuschaffen seien; 22. Juni 1740??

With high eye-brows

#162 von socursu am 14.11.07 um 23:19

 

@163 Michael Wrazidlo
Ich glaube Sie argumentieren in einer ähnlichen Richtung wie ich.

Ich denke auch dass die im - ich würde sagen - Laufe der Entwicklung der Menschheit entstandene Erkenntnisfähigkeit die einzige ist, die wir haben. Eine andere gibt es nicht. Und sie ist so real wie unser Begriff vom Stein, den Manuel Hessling am Anfang als Vergleich zu unserem heutigen Begriff von Gott heranzieht.
Und unser Begriff von dem was ein Stein ist hat sich auch verändert gegenüber dem Begriff den Menschen zu früheren Zeiten von Steinen hatten. Wir glauben heute beispielsweise nicht mehr daran, dass sich ein Stein in ein Lebewesen verwandeln kann, wie das Menschen zu früheren Zeiten noch taten.
Wir glauben eigentlich ja auch nicht mehr daran dass es morgen nur deswegen regnen wird, weil wir heute Abend unseren Teller nicht leer gegessen haben.

Und dass die Menschen nach uns die Begriffe, die sich die Menschen von sich und der sie umgebenden Welt machen verändern und weiterentwickeln werden ist so sicher, wie das Amen in der Kirche, wahrscheinlich sogar sicherer. Zumindest so lange es Menschen gibt.

#163 von Reiner Stock am 14.11.07 um 23:26

 

Man müsste diesen ganzen Thread an "außerirdische Existenzen" schicken, falls vorhanden. Was sie wohl von uns dächten?

#164 von Bernd Berke am 14.11.07 um 23:31

 

#166 weiss ich nicht genau; habe nur die milde Hoffnung, dass diese Etwasse dann so weit in ihrer Ethik vorangekommen sind, dass die Überlegung, die blaue Perle in der Unendlichkeit nicht einfach von diesem ganzen UNgeziefer zu reinigen, sofort verworfen wird... wenn es auch gerechtfertigt wäre.

#165 von socursu am 14.11.07 um 23:37

 

@166 und 167:
"Wer täglich strebend sich bemüht, den können wir erlösen" - oder so ähnlich - hoffe ich. Die sind sicher großzügig, die Außerirdischen.

#166 von Reiner Stock am 14.11.07 um 23:45

 

#167 Es wäre gerechtfertigt, die Menschheit auszulöschen?

Interessante Einstellung.

Aber vielleicht habe ich es auch nur falsch verstanden. :)

#167 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 00:16

 

#169 wenn ich -so weit das geht- objektiv betrachte, was der Mensch als Spezies in dem kosmischen Wimpernschlag, den er die von ihm bewohnte Ökosphäre aktiv gestaltet, dieser bereits angetan hat- ja, dann denke ich, dass dieser Planet ohne uns weit besser zurechtkäme.

#168 von socursu am 15.11.07 um 10:02

 

#170 Wenn man das nicht bloß als larmoyante Floskel verstehen will, so hieße das in letzter Konsequenz: Suizid.

Oder was für einen Grund sollte es geben, angesichts dieser "Erkenntnis" selbst den Planeten weiter zu quälen?

#169 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 10:45

 

#170+#171
Schon Goethe hat es für möglich gehalten, dass Gott es einmal leid würde und seine ganze Schöpfung zusammenschlüge und neu begänne.

#170 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 12:39

 

#171
Auch der unbeugsame Atheist und Pessimist Schopenhauer hat den Selbstmord (auf den ersten Blick merkwürdigerweise) nicht befürwortet. Er sah darin eine letzte, extrem blinde Aufgipfelung des Ichs: der "Schleier der Maja" total, eine völlige Verkennung des "principiums individationis". Der zum Leben drängende Weltgrund bleibe nach wie vor wirksam, zur Einsicht "tat twam si" (der vermeintlich andere, das bist du selbst) werde gerade im Suizid nicht vorgestoßen.

#171 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 12:47

 

#173

Merkwürdig.... dieses "tat twam si" (der vermeintlich andere, das bist du selbst) erinnert mich doch glatt an ein gewisses "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". ;)

#172 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 13:06

 

@#160 Reiner Stock: "Es gibt hier mehrere sich widersprechende Beschreibungen davon wie man Gott begrifflich beschreiben kann. [...] Unser Begriff von der Erde hat sich [...] rakikal verändert. Und 'ähnlich' ist es, so meine Vermutung auch mit dem Begriff Gott. Der wandelt sich auch. - Natürlich ist Gott kein physikalisches Ereignis."

Aber was denn dann? Ich habe hier noch nicht eine einzige, und erst recht nicht mehrere "Beschreibungen davon wie man Gott begrifflich beschreiben kann" (merkwürdige Begriffsdopplung übrigens) finden können. Helfen Sie mir auf die Sprünge! Die Gottesverfechter glänzen doch hier bisher einzig und allein mit vornehmem Schweigen - und ihrem diskreten Verweis auf ihre Privatsphäre.

#173 von Revierflaneur am 15.11.07 um 13:07

 

Lieber Revierflaneur, das ist aber nun doch nur ein Startschuss, eine neue Runde zu laufen, wobei wir alles wissen, dass wir uns im Kreise drehen.

Ich denke, dass zu diesem Thema inzwischen von jeder Seite nahezu alles gesagt ist.

#174 von Ludger Heitmann am 15.11.07 um 13:12

 

Das finde ich nicht.

Aber ich esse gerade noch meine Currywurst...

#175 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 13:15

 

Guten Hunger.

#176 von Ludger Heitmann am 15.11.07 um 13:17

 

#174
Genau. Das weiß aber Schopenhauer selber. Er glaubt nicht an Gott, er verwirft die Lehre von Gott als dem Schöpfer und den Gedanken eines zugleich allmächtigen und allgütigen Gottes. Mit dem Erscheinungsbild der Welt durch alle Zeiten hindurch kann er dies nicht zusammenbringen. Für das Dogma des Sündenfalls und für den Gedanken der Nächstenliebe hat er aber etwas übrig. Beinah wie in der Gnosis zur Zeit des frühen Christentums unterscheidet er einen bösen "Schöpfergott" (allmächtig drängender blinder "Wille") von einem guten "Erlösergott" (vgl. den durchschauenden Intellekt des Künstlers, des Philosophen, des Mitleidenden, des Asketen). Hier treten wie oft in der Moderne ( vgl. z. B. Kafka) gnostische Motive ein und es kommt teilweise zu einer Buddhaisierung des Christentums.

#177 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 13:23

 

#175
Die einfachste Antwort wäre, wenn man die Auskünfte der Offenbarungsreligionen nicht einfach übernimmt, die Antwort einer "negativen Theologie". Gott ist das Nicht-Etwas, das ganz Andere, das alles Erscheinende zwar umgreift, in keinem sinnlich Erfahrbaren und verstandesmäßig Erkennbaren aber aufgeht.

#178 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 13:29

 

#175
Oder: Man könnte sich die Frage vorlegen: Was bedeutet die Forderung oder Erwartung, dass wir als Menschen Gott lieben?
Ist es der Vorteil des Christentums, dass geglaubt wird, dass in Jesus Christus Gott Mensch geworden ist, weil es uns als Menschen viel leichter fällt, einen Menschen zu lieben, den wir uns vorstellen können?

#179 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 13:33

 

#175
Andere finden vielleicht folgenden Ansatz in sich und anderen: Sie entdecken in sich, in anderen und in der Welt auch gute Kräfte, hoffen auf das Bessere in sich selber und aktualisieren es. Sie werden das nicht mit Gott verwechseln, aber vielleicht glauben, dass ER etwas damit zu tun hat. Und sich dabei beruhigen, dass einige eben nicht Gott dafür sagen, sondern etwas anderes, mit dem man sich anfreunden kann.

#180 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 13:37

 

#179 "Buddhaisierung des Christentums"? So, so. :)

Was ich dich (wenn du gesiezt werden möchtest, bestells einfach bei mir ;) schon immer mal fragen wollte (ich hofe, ich habe eine entsprechende Erklärung nicht anderswo überlesen): Warum passiert es so oft, dass du mehrere Kommentare in Minutenabstand hintereinander weg postest, statt eines Kommentars, in dem alles drinsteht?

Das soll beileibe kein Vorwurf sein, es interessiert mich halt, weil es so ungewöhnlich ist. :)

#181 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 14:01

 

#183
Weil es dadurch (für mich)überschaubarer wird und man auch leichter auf einzelnes eingehen könnte.

#182 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 14:06

 

#184
Und ein zu großer Wortschwall hat immer etwas Bedrohliches.

#183 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 14:07

 

@#176 Ludger Heitmann: "Ich denke, dass zu diesem Thema inzwischen von jeder Seite nahezu alles gesagt ist." Und ich kann nicht sehen, dass von Seiten der "Gottgläubigen" überhaupt schon etwas "zu diesem Thema" gesagt worden ist, auf die Frage nämlich, die ich hier gestellt habe: Was genau meinen Sie, wenn Sie "Gott" sagen? Es kommt einfach nichts. Warum nicht? Weil es Privatsache ist? Dann mögen mich bitte die Kirchenglocken, beispielsweise, mit ihrem allsonntäglichen Gebimmele verschonen. Wenn ich Bernd Berkes Wort vom "Glaubens-Striptease" (#91) ernst nehmen soll, ist meine schlichte Frage "eines windigen Flaneurs" (BB in #71) ja nicht nur "geradezu kindisch" (BB in #65), sondern gar obszön. So war es schon immer: Wenn dem Gläubigen klare Fragen gestellt werden, zieht er sich ins Nebulöse, Ungefähre, Vage zurück - oder ergreift die Flucht nach vorn, indem er beleidigt oder droht. Ich warte nun nur noch auf den Vorwurf der "Gotteslästerung".

#184 von Revierflaneur am 15.11.07 um 14:25

 

Fangen Sie doch einfach noch einmal an von vorn zu lesen. Vielleicht kommt Ihnen dann ja doch noch die eine oder andere Erkenntnis. Da ich nicht mit Gegenfragen antworte, bleibe ich dabei, das für mich (!) hier alles gesagt ist.

Codewort: air (Love is in the ...)

#185 von Ludger Heitmann am 15.11.07 um 14:51

 

#186
Was wird denn jetzt erwartet?
Soll da einer mit Spinoza "causa sui" (Ursache seiner selbst) sagen oder "a se" ( von sich selber) her? Oder mit Aristoteles "der unbewegte Beweger"? Oder doch lieber gemäß Hegel "selbstbewusster Geist"? Wie wärs mit Nikolaus von Kues: "coincidentia oppositorum" (das In-eins-Werden der Gegensätze)? Oder der bei Nietzsche noch in der Verkündigung des Todes Gottes (eigentlich seiner Ermordung durch uns) in den Bildern "Sonne", "Meer" und "Horizont" anwesend Gehaltene?
Oder doch lieber biblisch: eben gerade immer weniger im äußerlich Mächtigsten, sondern eher im Unscheinbaren ist er anwesend. Bei dem "Geringsten meiner Brüder" ebenso wie im "Hauch" (ruach)
Überall könnte und müsste viel dazu geschrieben werden.

Ich bestreite, dass der Atheismus der neusteste Schrei ist. Zu jedem Gottesglauben gehört fast von Anfang der ihm jeweils zugehörige Atheismus und umgekehrt.
Was heißt schon Fortschritt? Geschichte sei "immer dasselbe, nur anders" (eadem sed aliter), sagt Hegels Antipode Schopenhauer.

#186 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 14:55

 

Fortschritte im Technischen und Wissenschaftlichen und im Staatlichen hat letzterer dabei keineswegs bestritten.

#187 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 14:58

 

@#188 Günter Landsberger: "Was wird denn jetzt erwartet?" Nein, dass die von Ihnen aufgezählten Antworten auf meine Frage, von Spinoza, Aristoteles, Nikolaus von Kues, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche hier "kommen" könnten, oder von den nach Milliarden zählenden "Gottgläubigen", die unsere Welt bevölkern, das will ich nicht im Ernst behaupten. Vielmehr bin ich überzeugt, dass deren Vorstellungen viel naiver, meinetwegen auch handfester sind. Dies zu bekennen traut sich aber offenbar heutzutage keiner mehr. Oder wie soll ich mir sonst das Schweigen auf meine schlichte Frage erklären?

(Und, Ludger Heitmann @#187: Ich lese diesen Thread allmorgendlich erneut von oben bis unten, auf der hartnäckigen Suche nach einer Antwort, bin aber bis jetzt immer noch nicht fündig geworden.)

#188 von Revierflaneur am 15.11.07 um 15:18

 

@#186 Flaneur:

Bitte hier, bitte gleich, der verlangte und ersehnte Vorwurf wird prompt geliefert: Gotteslästerer! Und zugleich Großinquisitor. Das muss man erst mal unter einen Hut bringen...

(Muhahahaha!)

#189 von Bernd Berke am 15.11.07 um 15:19

 

#186

"Was genau meinen Sie, wenn Sie "Gott" sagen?"

Frei nach dem Motto: "Verarschen kann ich mich selbst" wüßte ich nicht, was daran sinnvoll sein sollte jemandem, der Sätze von sich gibt wie "Gott ist ein leeres Machtwort. Mehr nicht - und nicht weniger. Ein Bluff. Fallt nicht länger drauf rein!" Gott erklären zu sollen.

Wozu? Ist doch eh zwecklos - und der einzige, der hier in missioniarischem Auftrag unterwegs ist, sind Sie. Insofern ist das Gequäke unter #176 nur noch lächerlich.

#190 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 15:25

 

#186

Zur Zeit neige ich eher zu der Annahme: Man spürt es, oder man spürt es nicht. Erklärungsversuche wie die dieser Herren finde ich fast schon überflüssig.

#191 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 15:32

 

#190 Dann habe ich mich also zu Unrecht angesprochen gefühlt?

#192 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 15:37

 

#190
Lieber Herr Hessling, machen Sie sich dann etwa Nietzsches Diktum zu eigen, "Christentum" sei "Platonismus fürs Volk"?

#193 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 16:45

 

"Dem Wesen des religiösen Gefühls kann man durch keine Spekulationen, durch keine Vergehen und Verbrechen und durch keine Atheismen näherkommen; das ist nicht Das, und es wird ewig nicht Das sein; hier ist ein Etwas, an dem die Atheismen ewig abgleiten, und ewig nicht DARÜBER reden werden."

#194 von "Der Idiot" am 15.11.07 um 16:49

 

Ich habe gerade eine Vision, wer weiß, wer mir die wieder eingegeben hat:

Spaziergang in Essen. Auf einmal ein Lichtschein. Gott lässt sich nicht lumpen und offenbart sich eigens dem Revierflaneur, indem er sich in einen anfassbaren Stein verwandelt, an dem man sogar lecken kann. Doch der Flaneur wirft den Stein in den Baldeneysee - weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Vorhang zu.

#195 von Bernd Berke am 15.11.07 um 20:55

 

Eine Freundin von mir es mal so gesagt: " Ich glaube, daß es etwas gibt, was wir nicht erkennen können."

Das würde heißen, daß man "es" auch nicht erklären kann, und mir scheint, das ist es, was hier auch schon mehrfach ausgedrückt würde. Das heißt aber auch, daß man nicht wirklich darüber diskutieren kann, siehe oben...ich finde die Diskussion aber trotzdem spannend und hoffe, Herr Berke ist nicht nachtragend.

Überhaupt möchte ich mal allen Autoren ein großes Dankeschön sagen für diesen angenehmen und horizonterweiternden Blog.

#196 von Anna am 15.11.07 um 21:54

 

Liebe Anna, nochmals eigens willkommen in dieser Chaostruppe. :) Wollte nur schnell los werden, dass du eine Hoffnung ganz schnell fahren lassen solltest: WENN es hier jemanden gibt, der nachtragend ist, dann der olle Börke. Der ist sogar nachtragender als ich - und das will etwas heißen.

Aber vielleicht lässt er sich ja erweichen, wenn du zehn Vaterunser und 20 Ave Maria betest. :)

#197 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 22:15

 

@175 Manuel Hessling:
Für mich wäre es interessant zu wissen, wann Menschen den Begriff Gott/Götter oder den Begriff Religion entwickelten und wie er sich weiterentwickelte und heute weiterhin verändert.
Vermutlich gibt es so eine Arbeit aber nicht.

#198 von Reiner Stock am 15.11.07 um 22:45

 

Mir scheint ein Problem mit dem Begriff Gott zu sein, dass er heutzutage ja für etwas steht, was man sich nicht vorstellen soll.

#199 von Reiner Stock am 15.11.07 um 22:53

 

@#198 Anna: "Überhaupt möchte ich mal allen Autoren ein großes Dankeschön sagen für diesen angenehmen und horizonterweiternden Blog." Aaaah! Das tut mir so gut, dieses kleine, bescheidene, warme Wörtchen "angenehm". Liebe Anna, da haben Sie meiner waidwunden Seele jetzt aber sowas von wohlgetan, dass ich gar keine Worte mehr finde für meine Dankbarkeit. Ich drücke Sie ganz fest an mein Herz. Hätte ich diesen Zuspruch nicht, ich würde kaum die Kraft finden für die restlichen 51 Beiträge in diesem doch so notwendigen Kapitel zum Ausklang der Episode Mensch auf diesem Kügelchen namens Globus, auf dem hoffentlich auch nachher der eine oder andere Farn, die eine oder andere Ameise noch eine Überlebenschance haben wird, ohne den fatalen Glauben an unseren "Gott".

#200 von Revierflaneur am 15.11.07 um 23:01

 

Ihr Gesicht würde ich gern sehen, wenn Sie dann am Ende der zweiten Runde feststellen müssten: Ups. Wieder nur Menschen dabei herausgekommen.

Hehe.

#201 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 23:10

 

@198 Anna:
So wie Sie es beschreiben empfinde ich unsere Diskussion hier auch.

Ich würde aber zum Satz Ihrer Freundin noch ergänzen, dass die Menschheit in der Lage ist ihre Erkenntnisfähigkeit weiterzuentwickeln.

Beispiel:
Maria Sibylla Merian hat durch Ihre Darstellung der Entwicklung der Insekten (Raupen, Larven, Schmetterlinge sind ein Tier) unseren Begriff von Schmetterlingen und Insekten verändert. Aus mehreren Tieren wurde durch ihre Naturbeobachtung eines. Aus Wikipedia: "Trotz der damaligen Auffassung, dass Insekten Produkte der „Urzeugung aus faulendem Schlamm“ seien, die auf Aristoteles zurückging, und ihrer Bezeichnung als „Teufelsgetier“ durch die christliche Kirche, war sie begeistert davon, wie aus Raupen die schönsten Falter und Schmetterlinge schlüpften. Sie hielt diese Metamorphosen sowie Details der Eiablage und die Futterpflanzen der Raupen in all ihren Stadien in ihrem Skizzenbuch fest."
Unsere Begriffe von unserer "Welt" helfen uns Dinge zusammenzusehen, die wir vorher getrennt sahen. Wie ich mit dem Beispiel der Erkenntnis von Maria Sibylla Merian zeigen will.
Ähnliche Entwicklungen lassen sich im Laufe der Zeit für ganz viele unserer Begriff beobachten.

#202 von Reiner Stock am 15.11.07 um 23:11

 

@ 202
Lieber Manuel Hessling, ich möchte Ihnen und allen die Beiträge schreiben danken. Ich entschuldige mich hiermit auch dafür, dass ich momentan viele andere nicht lese, weil ich es hier spannend finde und die Kommentare hier meine Konzentration erfordern.

Zu Ihrem Kommentar: Ich sehe die Verantwortung der Religionen für das Leid das sich Menschen einander zufügen für geringer an. Ich glaube die Religionen spielen wenn man einen langen Zeitraum betrachtet eine mäßigende Rolle bei den menschlichen Gewaltausbrüchen.

#203 von Reiner Stock am 15.11.07 um 23:22

 

* Nachtrag, nachtrag, nachtrag *

Ihr seht, ich bin nachtragend. Wo soll'n die Päckchen denn hingehen?

#204 von Bernd Berke am 15.11.07 um 23:27

 

#204 Habe ich das richtig verstanden? Glaubst du, dass eine Weiterentwicklung der menschlichen Erkenntnisfähigkeit (von der ich wie du ausgehe) uns dabei helfen könnte, Gott zu erkennen? Ich glaube das nicht. Aber ich weiß nicht, ob ich dich da richtig verstanden habe.

#205 von Sunzi Sonnenschein am 15.11.07 um 23:37

 

#197
Dass auf den Stein der weisen noch niemand gekommen ist!

#206 von Günter Landsberger am 15.11.07 um 23:45

 

#204 Reiner Stock
Meine Freundin sagte, sie glaube nicht an Gott, aber eben daran, daß es etwas gibt, was der Mensch nicht erkennen kann. Darin liegt die Aussage, daß dieses Etwas sich menschlicher Erkenntnisfähigkeit grundsätzlich entzieht, egal wie weit diese fortschreitet.
#205, mäßigende Rolle der Religionen, das glaub ich nicht.

#206
Nicht zu mir, bitte...:)

#202
Herr Heßling, das wird noch was mit uns. Ich habe übrigens keinen Fernseher.

#207 von Anna am 16.11.07 um 00:08

 

"Herr Heßling, das wird noch was mit uns. Ich habe übrigens keinen Fernseher."

Klingt wie ein gottloser Heiratsantrag. Darf ich Trau(er)zeuge sein?

Jetzt drücke ich mal die Umschalttaste auf "ernst": Wenn wir hier unsere Kräfte konstruktiv (!) zusammenlegen würden, käm' wohl was Besseres 'raus als bei diesen aufreibenden Scharmützeln.

#208 von Bernd Berke am 16.11.07 um 00:18

 

#210
Herr Berke, das klingt schon ein wenig giftig...hat der Sunzi etwa recht?

#209 von Anna am 16.11.07 um 00:45

 

Bin manchmal gerne giftig, fragen 'se mal die Matta. Aber hamse auch die zwote Hälfte von #210 gelesen?

#210 von Bernd Berke am 16.11.07 um 00:52

 

209 Liebe Anna,
Nochmal das Zitat Ihrer Freundin: "Meine Freundin sagte, sie glaube nicht an Gott, aber eben daran, daß es etwas gibt, was der Mensch nicht erkennen kann. Darin liegt die Aussage, daß dieses Etwas sich menschlicher Erkenntnisfähigkeit grundsätzlich entzieht, egal wie weit diese fortschreitet."

Ja genau, diese Position teile ich voll. Aber:

Nach dieser Aussage können Menschen über das was sich grundsätzlich ihrer Erkenntnisfähigkeit entzieht ja nichts sagen außer eben dieser Aussage. Wenn wir das könnten entzöge es sich ja nicht mehr unserer Erkenntnisfähigkeit. Darüber Aussagen zu machen was sich unserer Erkenntnisfähigkeit entzieht, ist also unmöglich.

Wenn es allerdings stimmt dass sich die Fähigkeit der Menschen "ihre Welt" zu erkennen verändert und entwickelt, dann ist es für mich höchst spannend darüber zu lesen und nachzudenken, wie sich unsere Erkenntnisfähigkeit in der Vergangenheit entwickelt hat, weil ich daraus Schlüsse ziehen kann, in welche Richtung es vielleicht künftig gehen könnte. Das finde ich höchst spannend.

Dazu habe das Beispiel von Maria Sibylla Merian gebracht, die die menschlichde Erkenntnisfähigkeit im 17. Jahrhundert ein Stück vorangetrieben hat.

Gewalt und Rolle der Religionen:
Früher war es üblich im Namen von Religionen zu Kriegen aufzufordern. Die Religionen dienten dazu Gruppen von Menschen zu bilden um sie gegen andere Gruppen von Menschen zum Gewalteinsatz zu mobilisieren. Auch wenn das heute immer noch so gemacht wird, glaube ich, dass die Tendenz, im Blick über die Jahrhunderte, abgenommen hat und es schwieriger geworden ist, Menschengruppen mit Hilfe von Religionen zur Gewaltanwendung gegen andere Menschengruppen zu mobilisieren.

@207
Sunzi, ich hoffe Deine Frage danach, ob wir Gott mit wachsender Erkennisfähigkeit der Menschheit irgendwann erkennen können habe ich beantwortet: Nein, weil er ist ja als jenseits unserer Erkenntnisfähigkeit liegend definiert.

Wenn ich´s genau betrachte ist das diskutieren über Gott als etwas, worüber ich nichts erkennen kann, ja eigentlich müßig und auf die Dauer etwas langweilig.

Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die menschliche Erkenntnisfähigkeit immer besser in der Lage ist zu beschreiben, was Menschen tun, wenn sie Begriffe bilden, um sich damit in "ihrer" Welt zu orientieren und die Welt und sich selbst eingeschlossen besser zu erkennen und zu steuern.

In Gesellschaften wie der unseren besteht - wie ich schon schrieb - die Möglichkeit, dass für immer mehr Menschen die Religion an Bedeutung verliert, weil sie keinen Beitrag mehr zu einem sinnvoll erlebten Leben der Menschen leistet.

#211 von Reiner Stock am 16.11.07 um 10:00

 

#213 Ja, Reiner, du hast meine Frage beantwortet. Danke. Allerdings finde ich nicht, dass "das Diskutieren über Gott" je langweilig werden lönnte. Man sollte bloß nicht übermäßig hohe Erwartungen an solche Diskussionen knüpfen.

Dass für immer mehr Menschen die Religion an Bedeutung verliert, "weil sie keinen Beitrag mehr zu einem sinnvoll erlebten Leben der Menschen leistet", halte ich für eine abstruse These. Umgekehrt wird meiner Meinung nach ein Schuh daraus. Wo es ein "zuviel" an Religion gibt, läuft mehr schief als nötig; wo es ein "zuwenig" gibt aber ebenso.

Das führt natürlich sogleich in eine allgemeine Wertediskussion, eine Diskussion über den Zustand unserer Gesellschaft. Ein *sehr* weites Feld... :)

#212 von Sunzi Sonnenschein am 16.11.07 um 10:28

 

@214 Sunzi, die Formulierung hätte besser lauten sollen: "Die Religion verliert an Bedeutung, weil sie für immer weniger Menschen einen Beitrag zu einem sinnvoll erlebten Leben leistet."
Das habe ich schon hier oder bei "Kirche im Dorf" geschrieben.
Die Kirche muss heutzutage mit vielen anderen spannenden Freizeitbeschäftigungen konkurrieren. Beispielsweise auch mit Westropolis. Und der Tag hat nur 24 Stunden.
Die Menschen in meiner Kirchengemeinde kenne ich nicht und deshalb kann ich keine spannenden mein Leben sinnhaft erfüllenden Dinge mit Ihnen erleben.

#213 von Reiner Stock am 16.11.07 um 10:55

 

#215 Und wenn die Menschheit unsere Kirche wäre?

#214 von Sunzi Sonnenschein am 16.11.07 um 11:30

 

Mein Opa mütterlicherseits hat in meiner Kindheit oft gesagt: "Die Natur ist meine Kirche." Er war erst Kellner, dann Ober, dann Wirt und Pächter einer Gastwirtschaft, kam nur selten (wenn aber, dann immer sehr gerne) in die Natur. Er wäre gerne Förster geworden; wie übrigens auch mein anderer Großvater in Essen, der im Kruppschen Walzwerk arbeitete und dabei zwei Finger verlor, und gerne wegen der wüsten Geschichten im Alten Testament las, während seine Frau, meine Oma, fast alle Psalmen auswendig konnte, aber sie nicht ständig aufsagte.

#215 von Günter Landsberger am 16.11.07 um 17:55

 

@#209 Anna: "Herr Heßling, das wird noch was mit uns. Ich habe übrigens keinen Fernseher." Und das hält der neidische Herr Berke für einen Heiratsantrag. Wo doch jeder hier weiß, dass ich glücklich verheiratet bin. Nicht die kleinste, einzige Sympathiebekundung will man mir gönnen. Wie nennt man das noch? Ach ja, Absolutheitsanspruch. Es würde mich jedenfalls sehr freuen, Sie einmal persönlich kennen zu lernen. Wenn ich übrigens eine Kirche bräuchte, dann wäre es eher "die Natur" (jetzt gerade lese ich, dass Herrn Landsbergers Opa den gleichen Vorschlag machte), als "die Menschheit", die Sunzi hier (#216) fragend vorschlägt; und die ja nur ein ganz unbedeutender Teil der Natur ist, für einen Augenblick von wenigen Jahrtausenden Karriere macht - um wohl bald schon, wenn nicht alle Anzeichen trügen, von dieser Bildfläche wieder zu verschwinden. Schon das Bibelwort, dass wir Menschen "sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Lande", ganz zu Beginn der Genesis, würde mir genügen, diesem "Glauben" nicht angehören zu wollen. Unser Aberglaube, dass uns die Erde "untertan" sei, wird sich böse rächen, vielleicht noch in unserer Lebenszeit. Und es sind die Religionen, die diesen Aberglauben nach Kräften genährt haben. Wer das nicht sehen will, ist historisch blind.

#216 von Revierflaneur am 16.11.07 um 19:16

 

#216 Du meinst nicht den Wunschtraum des Papstes? ;-)

Mein Begriff von Menschheit und der von Kirche haben glaube ich nur wenige Berührungspunkte.

#217 von Reiner Stock am 16.11.07 um 19:34

 

@218 Lieber Manuel Hessling, bevor Sie die Menschheit zu einem kleinen unbedeutenden Teil der Natur erklären finde ich es aber bedenkenswert, dass - wenn wir mal Gott außen vor lassen - Menschen die einzigen in der Welt sein werden, denen es nicht gleichgültig sein wird wenn die Menschheit von diesem Planeten verschwinden sollte.

Ich glaube Sie überschätzen die Macht der Kirche. Die Kirche ist schon lange nicht mehr Treiber der Naturzerstörung. Als die Sätze "Machet euch die Erde untertan" in die Bibel geschrieben wurden, da war für die Menschen die Natur auch nur als bedrohlich erlebbar. Und die Menschen hatten doch auch noch gar nicht die Mittel die Natur so zu zerstören, wie wir das heute können. Wir erleben doch erst seit ein paar Jahrzehnten dass die Natur von uns bedroht wird. Vorher war das Erleben der Menschen doch eher umgekehrt.

#218 von Reiner Stock am 16.11.07 um 19:49

 

#218 Lieber Manuel, machst du es dir da womöglich nciht etwas zu einfach?: "Schon das Bibelwort, dass wir Menschen "sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Lande", ganz zu Beginn der Genesis, würde mir genügen, diesem "Glauben" nicht angehören zu wollen."

Und doch lebst du diesen Glauben. Oder glaubst du, der Strom, mit dem der PC betrieben wird, auf dem du diese Zeilen geschrieben hast, käme direkt vom lieben Gott??

Deine materielle Existenz wird derzeit nur dadurch gesichert, dass genau das passiert, was du da so großspurig (kleine Reminiszenz an gestern ;o) von dir weist.

Ich will dir nicht unterstellen, dass du die natürlichen Ressourcen über Gebühr oder gedankenlos ausbeutest, nutzt, verzehrst.

Aber dieses leichte Hopplahopp, mit dem du da über den offenkundigen Widerspruch zwischen Reden und Handeln hinweg gehst, macht dein Statement nicht sonderlich glaubwürdig.

#219 von Sunzi Sonnenschein am 16.11.07 um 19:53

 

#219 Aber bei Kirche im Sinne von Ekklesia (Gemeinde), gar in der ganz ursprünglichen Form der Volksversammlung hättest du weniger ein Problem - oder? :)

#220 von Sunzi Sonnenschein am 16.11.07 um 19:57

 

#222
Ich finde es etwas schwierig, das bar jeder Realität zu diskutieren. Wenn die Kirche anders wäre, fände ich sie vielleicht besser.

Mit Menschen, die sich darüber gedanken machen, wie man ein sinnvolles Leben führen diskutiere ich gerne. :)

#221 von Reiner Stock am 16.11.07 um 20:18

 

#222 Aber genau das passiert doch, oder? Und seltsamerweise sind neben den Gefahren, die wir heraufbeschwören, auch die Möglichkeiten größer geworden, gemeinsam im "globalen Dorf" nach Lösungsmodellen zu suchen und sich darüber auszutauschen. Das Internet beispielsweise steckt zwar noch in den Kinderschuhen, dürfte aber recht bald das gedruckte Gemeindeblättchen ersetzen. So bar jeder Realität finde ich es gar nicht, sich als Teil einer globalen Gemeinde zu fühlen. :)

#222 von Sunzi Sonnenschein am 16.11.07 um 20:41

 

@#220 Reiner Stock: "dass [...] Menschen die einzigen in der Welt sein werden, denen es nicht gleichgültig sein wird wenn die Menschheit von diesem Planeten verschwinden sollte." - Aber woher wollen Sie das denn wissen? Sind wir wirklich die "Krone der Schöpfung", bloß weil wir uns dafür halten? Ist unsere Bewusstseinsform denn tatsächlich die einzig vorstellbare? (Und wenn unsere Vorstellungskraft nicht auch andere Bewusstseinsformen vorstellbar macht: ist sie dann nicht allein schon deshalb reichlich beschränkt?)

Zudem sollten wir die anderen Lebensformen auf der Erde nicht nur nach ihrer aktuellen Entwicklungsstufe bewerten, sondern ihr zukünftiges Potenzial berücksichtigen. Wissen wir denn, was in einem erdgeschichtlich relativ kurzen Zeitabschnitt von, sagen wir mal, hundert Millionen Jahren aus der Ameise, dem Delphin oder der Fledermaus noch werden könnte, wenn wir sie in den paar Jährchen, in denen wir hier alltäglich die Lebensgrundlage zahlreicher Tierarten mit unserem maßlosen Treiben vernichten, mit uns in den Abgrund reißen? Aber die Apokalypse, die nicht nur uns betreffen wird, gehört ja zu jeder menschgemachten Religion wie das Amen in der Kirche. Nach uns die Sintflut.

#223 von Revierflaneur am 16.11.07 um 20:50

 

Bis auf die letzten beiden Sätze würde ich alles unterschreiben.

#224 von Sunzi Sonnenschein am 16.11.07 um 21:04

 

Hi, Katholiken, Papisten, Genießer - eine kleine Buchempfehlung zwischendurch:
http://www.badcatholics.com/

#225 von brigitte am 16.11.07 um 22:40

 

Aus dem Blickwinkel aller anderen lebenden Kreatur ist der Mensch das satanische Wesen, das in allem seiner Willkür nachgeht.
Wir sind auf diesem Planeten zumindest voläufig, vorübergehend die Krone der Schöpfung.
Außerdem ist unser Bewußtsein das für uns einzig vorstellbare. Andere Lebewesen nehmen die Welt auf eine uns unvorstellbare Weise anders wahr.
Ameisen, Delfine und Fledermäuse werden den Status "sapiens" nicht mehr erreichen. Dafür sind sie schon zu spezialisiert.
Außerdem beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung einer Art ca. 70 Mio. Jahre.
(gilt vermutlich auch für den Menschen, wir wollen es aber eher schaffen.)
In einem statischen Weltbild, wie es häufig von den christlichen Kirchen gezeichnet wird, verlieren wichtige religiöse Begriffe ihr Überzeugungskraft. Erst in einer sich entwickelnden Welt (Evolution ist der augenblickliche Standpunkt der Schöpfung, der sechste Tag hat eben erst begonnen) gewinnen sie wieder an Ausstrahlung.

#226 von Michael Wrazidlo am 17.11.07 um 00:02

 

#226
Mit Whitehead könnten Sie sich also unter Umständen anfreunden, Herr Hessling?!

#227 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 00:06

 

#228
Sie wissen, dass schon Benn provoziert hat:"die Krone der Schöpfung, das Schwein der Mensch"?

#228 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 00:08

 

@#227

"Hi, Katholiken, Papisten..."

Wie viele von der eindeutigen Sorte haben Sie denn hier schon gesichtet?

#229 von Bernd Berke am 17.11.07 um 00:24

 

Die Sympathischen. Einer hat sich schon gemeldet:-)

#230 von brigitte am 17.11.07 um 00:34

 

Isch bin auch katholisch! Jawoll!

Bei der Erstkommunion hat mich der Priester während der Beichte zurück in die Reihe geschickt, weil ich vergessen hatte, mir Sünden auszudenken.

Das war vielelicht peinlich!

#231 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 00:40

 

Sunzi, heute ist das ja ganz anders. Da musst Du Dir keine Sünden ausdenken, sondern begehst welche (zumindest nach erzkatholischem Verständnis). Redest Du denn im Beichtstuhl auch so gerne über Sex?

#232 von Bernd Berke am 17.11.07 um 00:45

 

Das war damals meine letzte Beichte. :)

#233 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 01:37

 

Zwei Philosophen und ein gläubiger Verdeutlicher im Widerstreit:
"Ich denke, also bin ich." -
"Ich bin, weil ich gedacht worden bin." -
"Ich bin, weil ich von Gott gedacht worden bin."

#234 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 06:29

 

"Was wär ich ohne Gott."
(Ein Mann "aus dem Volke", der in einem Roman eines sehr bedeutenden russischen Schriftstellers gleichsam wie nebenbei zu Worte kommt.)

#235 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 06:33

 

"Vielleicht wird nichts verlangt
von uns
während wir hier sind,
als ein Gesicht
leuchten zu machen
bis es durchsichtig wird."

(die von mir vor einer halben Stunde zufällig gefundene 3. Strophe eines Gedichtes von Hilde Domin:
ab sofort MEINE INDIVIDUALHYMNE)

#236 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 06:38

 

#239
Ein sehr schönes Gedicht Herr Landsberger

#237 von Reiner Stock am 17.11.07 um 09:45

 

#224
Das "globale Dorf" kann ich auch schon "fühlen". Meinst Du so ein Gefühle wie bei der Ode an die Freude?

Und in der Gemeinde Westropolis treffen sich dann die (ex)Katholiken.

#238 von Reiner Stock am 17.11.07 um 09:51

 

#239 Sehr schöne Zeilen, hast du da gefunden, Günter. :)

Wobei ich in einem Puznkt skeptisch bin: Ich glaube nicht, dass von uns überhaupt etwas verlangt wird, während wir hier sind. Das ist ja das Unfassbare. Angenommen zu sein, was auch immer passiert. Wir bekommen sozusagen die größtmögliche Freiheit geschenkt. Was wir daraus machen ist, unbenommen aller Widrigkeiten körperlicher Bindung und gesellschaftlicher Realität, unsere individuelle Entscheodung. Wir können beispielsweise an Gott glauben, müssen aber nicht, damit wir Teil seiner Liebe sein können.

Auch Manuel Hessling ist also sozusagen ein Glückspilz. Er weiß es halt nur nicht. :o)

Dieser Glaube ist auch der Grund, warum ich bestimmte religiöse Richtungen nicht sonderlich mag. Den Gedanken, man könne sich Gottes Liebe durch besondere Leistungen verdienen, finde ich geradezu abstoßend.

#239 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 09:53

 

#241 Günter hat schöne Zeilen gefunden. Dein Verweis auf die Ode an die Freude ist schön... Mensch! Was ist heute morgen hier los!? :)

Man merkt irgendwie: es geht auf den heiligen Sonntag zu... *lach

Ja. Genau das habe ich gemeint, Reiner.

#240 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 09:55

 

#225
Ich wollte in #220 ausdrücken, dass mir das Mitgefühl das Menschen einander gegenüber ihrem Schicksal ausdrücken können wichtiger und lieber wäre als das einer sich erst noch perspektivisch entwickelnden mitfühlenden "Ameise". ;-)

Vielleicht gelingt es den Menschen ja doch langsam dass sich Gruppen von Menschen nicht mehr gegenseitig töten. Ich finde es gibt die Chance, dass Konflikte zwischen Menschengruppen regeln ohne dass sie sich gegenseitig töten.

Das ist mein Glaubensbekenntnis.

#241 von Reiner Stock am 17.11.07 um 10:05

 

Manchmal fände ich es übrigens echt doof, keinen Fernseher zu haben, Manuel. Richard Dawkins war mit ein paar "Gottesmännern" bei Kerner zu Gast. Das hätte dich sicher interessiert. :( Wie ist das eigentlich... Hast du denn wenigstens die Möglichkeit, dir nach einem entsprechende Tipp "ausgesuchte Werke" anzugucken, oder bedeutet keinen Fernseher zu haben, auch nie nie nie zu gucken?

#242 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 10:09

 

#242
Mit Deinen Aussagen, Sunzi, bin ich völlig einig. Auch wenn ich kein (Ex-)Katholik bin (#241), sondern evangelisch und dem Urchristentum zugetan. Auch für eine calvinistische Leistungsethik oder für den Wahn, man könne sich das Himmelreich "verdienen", habe ich - wie Du - nichts übrig.
Übrigens: Selbst wenn nichts von uns im wahrsten Sinne des Wortes verlangt WIRD, können wir doch das Gefühl haben, es DÜRFTE etwas von uns verlangt werden und wir dürfen (oder gar sollten?) etwas von uns verlangen. Wenn auch nicht unbedingt nur um unserer selbst willen.

#243 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 10:17

 

#246 Hm. Ich weiß nicht, ob ich dich richtig verstehe. Für mich würde sich dieses "es dürfte etwas von uns verlangt werden" im unwiderstehlichen Drang zur Agape manifestieren. Die Instanz hat dann auch einen Namen: das Gewissen.

Ich finde diesen völlig natürlichen Drang übrigens, um einen Punkt aus Manuels Kommentaren aufzugreifen, auch bei anderen Bewusstseinsformen als der menschlichen wieder.

#244 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 10:23

 

@#229 Günter Landsberger: Sie meinen vermutlich Whiteheads "Prozesstheologie"? Ohne mich eingehender mit ihr beschäftigt zu haben, vermute ich, dass sie sehr bald dem streng gehandhabten Rasiermesser des erbarmungslosen Mr. Ockham zum Opfer fallen würde.

@#243 Sunzi Sonnenschein: "Man merkt irgendwie: es geht auf den heiligen Sonntag zu." Genau, irgendwie! Und auf die zweite unheilige "Lektion". *grins*

#245 von Revierflaneur am 17.11.07 um 10:25

 

Sicher. Auch Gewissen. Auch Agape. Auch wohl im Bewusstsein eigener Agapebedürftigkeit.
Aber auch ein Sich-immer-wieder-Herausgefordertfühlen durch eigene (vielleicht manchmal vernachlässigte) Talente.

#246 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 10:29

 

#248 Ein erneutes Autodafé für dich!?

Gerne! Immer doch!! :)

#247 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 10:52

 

Die Ketzer von heute sind die Heiligen von morgen. ☼

#248 von Revierflaneur am 17.11.07 um 11:13

 

Das, mein Lieber, ist ein schlimmer Irrglaube. :o)

Zumindest macht es das Dilemma deutlich, in dem du dich befindest: Wenn du nicht glaubst, kannst du auch kein Ketzer sein. Eigentlich müsste man dir nicht einmal zuhören, denn du sprichst von Dingen, über die du eingestandenermaßen nichts weißt.

Aber wir Katholiken sind ja nicht so und wenn du lieb fragst bekommst du bestimmt auch einen Platz in unserem Westropolis-Kindergottesdienst. :)

#249 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 11:31

 

#248 Manuel Hessling:
Genau. Seine "Prozesstheologie" und anderes von ihm meinte ich. Und zwar deswegen, weil die akzentuierte Beachtung des Fortschreitens Ihnen entgegenkommen dürfte und die versuchte Kombination von evolutionärer Natur und Vernunft. Die Verbindung mit Theologie vermutlich aber nicht. -
Ich kenne übrigens einen Jugendbuchautor, der seine "philosophischen Abenteuerromane" erklärtermaßen vor dem Hintergrund der Whiteheadschen Prozesstheologie schreibt.

#250 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 13:04

 

#251
Hier gebe ich ihnen wieder einmal recht. Schon vor etwa 50 Jahren habe ich prognostiziert, dass in heute etwa hundert Jahren Martin Luther in der katholischen Kirche heiliggesprochen werden wird.

#251 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 13:08

 

Und Frauen hoffentlich noch zu meinen Lebzeiten zu Priesterinnen geweiht.

#252 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 13:21

 

#255
Ja. Das ist überfällig.

#253 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 13:53

 

#252 kindergottesdienst... lol... viele kleine schritte *sing*...

#255/256 hm, vielleicht wolln wir dann garnicht mehr, ätsch (oder doch & dann kommen wir mit ner laangen liste, wie frauen halt so sind... zwangszölibat weg, archive auf, gottesbild überdenken, inquisition aufarbeiten, kreuzzüge aufarbeiten, neue bibel(übersetzunge)n, mystik integrieren... ... wollt ihr das wirklich?)

#254 von silke schäfer am 17.11.07 um 14:15

 

#257 Wer ist JETZT "ihr"? Ich fühle mich da nicht angesprochen.
(Ich bin doch ohnehin evangelisch und, wenns nottut, überzeugter Protestant.)

#255 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 14:49

 

@#257
Die Neuübersetzung aber bitte nicht im politisch korrekten, sprachlich ärmlichen Sinne der "gerechten Bibel", die es ja bereits gibt. Wahrlich, wahrlich, da ist mir Luthers Sprachgewalt -zig mal lieber.

#256 von Bernd Berke am 17.11.07 um 14:53

 

#257 nein, herr landsberger, das war ein plattes, etwas rhetorisches, fokusfreies, rausgeplärrtes, unausgewogenes 'ihr' das mit ihnen wirklich nichts zu tun hat.

#259 nö, richtig ran gehen... eventuell neu sortieren, ein paar apokryphen rein... ich phantasiere... paulus raus (hörn sie mir am besten garnicht mehr zu...)

#257 von silke schäfer am 17.11.07 um 15:16

 

"Paulus raus" - das ist ja wie vor der Disco: "Du komms hier nich' 'rein, ey!"

#258 von Bernd Berke am 17.11.07 um 15:31

 

#261 ja, genau so! oder zumindest 'aber schön leise sein, paulus, bleib am rand stehn & stör nicht.' bin ich nachtragend? ahwa... ist ja nur ne phantasie... na, vielleicht ein kleines bischen doch.

#259 von silke schäfer am 17.11.07 um 15:40

 

#259
Völlig d'accord; für Neuübersetzungen als Verschlimmbesserungen bin ich auch nicht.

#260 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 16:07

 

#257 Gibbet außer Selbstverständlichkeiten von euch auch mal ne spannende Forderung? ;)

#260 Interessant. Teilen wir etwa die Abneigung gegen diesen Machtbesessenen? Es gibt vom Autor vonm "Uhrwerk Orange", Anthony Burgess, eine wunderschöne Satire zu den Auseinandersetzungen im Urchristentum: "The Kingdom of the Wicked". Sollte einer Paulus noch irgendwie mögen... da wirds einem aufs Schönste ausgetrieben. *g*

#261 von Sunzi Sonnenschein am 17.11.07 um 17:29

 

#264 zum ersten... da müsste ich mich natürlich mit den anderen mädels absprechen. alles was mir dazu spontan einfallen wäre nicht wp-kompatibel. wäre auch nicht mehr in ansätzen christlich :-))

paulus geht garnicht. große, mittlerweile reflexhafte abneigung (auch wenn ich grundsätzlich versuche, reflexhafte abneigungen zu überwinden - in diesem fall nicht). 'kingdom of the wicked' google ich mal gleich, das hört sich vergnüglich an...

#262 von silke schäfer am 17.11.07 um 17:56

 

#264
Dann, Sunzi, dürfte Dir ein Ausspruch wie der folgende wohl gefallen:
"In der Nähe eines Pyrrhon fühle ich mich geborgener als in der Nähe eines Paulus: wortspielerische Weisheit ist sanfter als entfesselte Heiligkeit. In einem eifernden Geist erkennt man - getarnt - das Raubtier wieder; vor den Klauen eines Propheten kann man sich nie genug in acht nehmen ... Hörst du ihn im Namen des Himmels, des Gemeinwohls oder unter irgendwelchen andern Vorwänden die Stimme erheben, so meide ihn: ein Vampir deiner Einsamkeit, verzeiht er dir nicht, daß du DIESSEITS seiner Wahrheiten und Gefühlswallungen lebst."

#263 von Sophokles am 17.11.07 um 18:00

 

#264
Tut mir leid, wie verwandelt mein Name gerade noch war.

#264 von Günter Landsberger am 17.11.07 um 18:03

 

#265 wobei... was eigentlich macht das christentum im innersten aus? wo ist der rote faden? der historische yeshua ben joseph? das 'jesus christus'-bild?? in (v.a. östlichen) wegen wie yoga, tantra, advaita scheint es mir einen zu geben, aber in den religiösen großgebilden? oft habe ich den eindruck, wir sind so gewöhnt an die seltsamkeiten der kirche, dass wir nachsichtig mit ihr sind wie mit einem dementen greis, der lustige geschichten vom krieg erzählt. nur das sich der greis am nächsten tag als popstar feiern läßt.

hm.

kann man die entwicklung einer institution mit der entwicklung eines menschen vergleichen? dann würde ich denken, dass die kirche in argen schwierigkeiten ist. wir menschen haben angefangen uns massiv mit uns selbst zu beschäftigen. wir haben psychotherapien & körpertherapien entwickelt. wir vernetzten uns, lernen immer mehr, immer schneller, defragmentieren immer öfter & machen ab & an einen reset. wir entwickeln uns rasant. entwickeln sich die kirchen annähernd vergleichbar?

deshalb, denke ich, verlieren sie uns immer mehr. sie sind keine profis, was entwicklung angeht... und was vieles andere angeht auch nicht.

#265 von silke schäfer am 17.11.07 um 19:07

 

@#268 Silke Schäfer
Geschenkt. Auf vieles, was die (katholische) Kirche auf dem historischen Kerbholz hat, schimpfe ich gerne mit.

Aber: Wir sollten wohl stärker trennen zwischen dieser verzweigten, teils verkalkten Institution (die sich nicht nur nach dem herrschenden Zeitgeist wandeln sollte) und dem Glauben bzw. dem Bedürfnis nach Orientierung.

Mir sind Leute nicht ganz geheuer, die so gar keinen Blick in jenseitige Welten / Sphären / Möglichkeiten richten wollen. Man müsste doch über dieses allseits beschränkte, gegenwärtige Dasein hinausdenken. Genuss hienieden - wunderbar! Aber gerade deshalb will man doch mehr davon, wie und wo auch immer. Ob dies nur Illusionen sind, weiß eben just niemand. Und sei's eine bloße, letztlich bodenlose Hoffnung: Jede Dimension, die hinzu kommt, macht das Leben reicher.

Falls die Frage nicht zu privat ist, würde mich übrigens interessieren, welche religiöse Erziehung der Revierflaneur erfahren (offenbar: erlitten) hat.

#266 von Syphiles am 17.11.07 um 20:11

 

#269
Und da ist es wieder, dieses "das ist aber schade, wenn man so gar keinen Zugang..." und dann noch "erlitten".

Für Manchen macht Religiosität das Leben reicher. Spreche ich niemandem ab. Mein Leben ist aber nicht ärmer, weil ich zu anderen Schlüssen komme. Gegen salbungsvolles Bedauern bin ich allergisch. Ich finde es anmaßend (siehe #26).

#267 von Anna am 17.11.07 um 23:13

 

Wenn's Ihnen damit gut geht, Anna, dann ist es ja in Ordnung. Jedoch, ich will ja nicht unken - aber auf dem Sterbebett (nicht nur auf dem eigenen, sondern auch an dem anderer Menschen) könnte es mal anders ausschauen.

Übrigens: Jedes höher angesiedelte Kunstwerk hat, so finde ich, einen Anteil an Transzendenz - natürlich nicht immer in "göttlicher" Hinsicht. Aber in überschreitender Art. Das bloße Diesseits ist nicht alles.

#268 von Bernd Berke am 18.11.07 um 00:30

 

#270 Anna:
Ob verschwiegene religiöse Reste, also Residuen, aus einer irgendwie gemeinsamen kulturellen Vergangenheit in uns nachwirken oder eben von vornherein mehr die eigene Einsicht oder eine uns irgendwie mitgegebene "natürliche" Mitmenschlichkeit, die wir vielleicht glücklicherweise haben, weiß ich nicht so genau. Was für ein Mensch man ist oder geworden ist, ist meiner ansicht nach so oder so das Entscheidende.

#269 von Günter Landsberger am 18.11.07 um 07:20

 

#271 Bernd Berke:
Vor dem Gedanken, dass der Mensch in seiner schieren Selbsterhaltung aufgeht, graust es mir allerdings auch. Es gehört wohl zum Menschsein, dass er, wenn die vitalsten Bedürfnisse gestillt sind, über den Tellerrand hinausblickt. Ganz ernst: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Ob nun mit oder ohne Transzendenz, er ist als Mensch daraufhin angelegt (wodurch auch immer), Situationen und Gegebenheiten, also auch sich selbst, zu überschreiten.

#270 von Günter Landsberger am 18.11.07 um 07:27

 

#269 Silke Schäfer,
ich finde Ihren Kommentar richtig Klasse. Sie stellen genau die richtige Frage. Man kann Institutionen und Menschen sehr gut vergleichen. Organisationsentwickler tun das auch.
Wenn Sie mal kucken wieviele Organisationsentwickler jetzt in den Kirchen rumhüpfen. Da tut sich sich schon marginal was.
Aber ich sehe es wie Sie. Eine Institution, die nicht mehr die Bedürfnisse der Menschen anspricht, weil Sie von Menschen gemacht wurde, die heute nicht mehr leben, dann droht ihr, dass sie auf dem Müllhaufen der Geschichte landet.
Meiner Meinung nach ist eines der Probleme der Institution Kirche, dass sie für Menschen gemacht ist, die noch eher "autoritären" Werten anhängen.
Die Wertewandelforscher diagnostizieren seit langem einen Wertewandel durch alle Generationen, hin zu mehr "selbstbestimmten" Werten in unseren westlichen Gesellschaften.

#270 Anna
Sie sind da ein bisschen empfindlich. Aber ich finde Sie haben Recht, da wird eine Grenze des Respekts überschritten. Es wirkt ein wenig überheblich und auf mich unsouverän.

#271 Bernd Berke
Ich bin sicher, dass man gut an Sterbebetten anderer ohne Religion auskommt und sicherlich auch mit.
"Der Tod ist eine Problem der Lebenden."

#272 und 273 Günter Landsberger
Wenn man von unseren physikalischen und biologischen Voraussetzungen absieht, weil sie sich nicht so schnell verändern, dann sind wir durch die Gruppen von Menschen sehr stark geprägt denen wir angehören, die vor uns lebten und die mit uns leben, die ihr "Wissen" an uns weitergeben.
Jeder von uns eignet sich dieses "Wissen" individuell an, nimmt es auf, verändert/individualisiert es und gibt es wieder an andere Menschen/die nächste Generation weiter. Das ist ein kontinuierlicher Strom. Übrigens: Wenn der mal abreißt, dann fangen wir wieder in der "Steinzeit" an.

Silke Schäfer, das Menschenbild das mir in Ihrem Kommentar 268 durchscheint, erscheint mir viel realistischer als das ihrer Kommentare 272 und 273 Herr Landsberger. Das erscheint mir etwas holzschnittartig und erstaunlich wage.

Ein Standardmodell für die Beschreibung menschlicher Bedürfnisse ist die Maslowsche Bedürfnispyramiede. Damit kommt man im Alltag schon ganz schön weit. Auf jeden Fall weiter als mit dem Satz: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein und jenseits des Brots gibt´s die Transzendenz.
http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bed%C3%BCrfnispyramide

#271 von Reiner Stock am 18.11.07 um 10:22

 

#274 "Meiner Meinung nach ist eines der Probleme der Institution Kirche, dass sie für Menschen gemacht ist, die noch eher "autoritären" Werten anhängen.
Die Wertewandelforscher diagnostizieren seit langem einen Wertewandel durch alle Generationen, hin zu mehr "selbstbestimmten" Werten in unseren westlichen Gesellschaften."

Ich finde, viele unserer aktuellen Probleme aös Menschen hängen damit zusammen, dass wir gerade vom einen Extrem auf dem Weg ins nächste Extrem sind. Unabhängig davon, dass ich "Selbstbestimmung" in diesem Zusammenhang für einen Euphemismus halte kann ich nicht sehen, dass ein zügleloser Individualismus, wie wir ihn gerade erleben, der Wesiheit letzter Schluss sein soll.

Im selben Wikipedia-Artikel kannst du übrigens nachlesen, dass heutzutage hauptsächlich von der "Verkaufspsychologie" auf diese Bedürfnispyramide rekuriert wird. Weissu Bescheid.

#272 von Sunzi Sonnenschein am 18.11.07 um 11:30

 

... ein Buch fällt mir ein, das es in meinen Augen schafft eine Typenlehre menschlicher Charaktere zu liefern, die sowohl dem Stand der psychologischen Wissenschaft entsprechen möchte und gleichzeitig religiöse Traditionen damit in Einklang bringt und auch die religiös geprägten alten Begriffe und die aus der Psychlogie stammenden neuen zusammenbringt ist:
Das Enneagramm von Richard Rohr und Andreas Ebert

#273 von Reiner Stock am 18.11.07 um 11:53

 

#275 Lieber Sunzi, "Selbstbestimmung" habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil dahinter noch die ganze empirische Forschung dazu steckt. Der Wertewandel wird von Gesellschaftswissenschaftlern seit langem diagnostiziert (z.B. Prof. Helmut Klages)
Meiner Meinung nach ist das eine Realität auf die man sich einstellen sollte. Dass Du meinst, wir erlebten gerade einen "zügellosen Individualismus" zeigt mir, dass Du Dich damit nicht wirklich beschäftigt hast. Die "wertegewandelten" Menschen von heute haben höhere ethische Maßstäbe als die, die noch den "autoritären" Werten anhängen.

Christen sollen "Menschenfischer" sein, steht glaube ich in der Bibel. Das ist der Anspruch. Da war die christliche Religion mal richtig gut drin. Man sieht es noch an ihrem "Weltmarktanteil". Dass jeder Autokonzern inzischen mehr drauf hat in der Anwendung von Kenntnissen aus der menschlichen Bedürfnispsychologie und sie "missbraucht" zeigt nur wie sehr die Kirche ihre Fähigkeiten eingebüßt hat Menschen zu fischen. - Eine sehr bedauerliche Entwicklung. Die Kirche braucht dringend neue Fangnetze, um im Bild vom Anfang zu bleiben.

#274 von Reiner Stock am 18.11.07 um 12:13

 

@ reiner stock, bes. #274
danke :-)... ja, besonders die katholische kirche ist halt auch sehr, sehr, sehr alt. manchmal frage ich mich, wie das überhaupt funktionieren könnte... wie werden sie es schaffen, in balance mit der weiblichen hälfte der schöpfung zu gelangen? wie können sie sich öffnen, ohne dass es sie zerreißt? die haben schon auch mein mitgefühl, die alten bischöfe.

haben sie beispiele dafür, was organisationsentwickler in kirchen tun & erreichen?

#275 von silke schäfer am 18.11.07 um 12:56

 

@#269 Syphiles: "Falls die Frage nicht zu privat ist, würde mich übrigens interessieren, welche religiöse Erziehung der Revierflaneur erfahren (offenbar: erlitten) hat." Sie dürfen mich alles fragen, was Sie wolle, z. B. hier:

http://www.westropolis.de/revierflaneur/stories/20398/

Ich werde immer nach bestem Wissen und Gewissen ehrlich antworten. Zu Ihrer heutigen Frage: Ich habe in meinem Elternhaus gar keine religiöse Erziehung "genossen" (wobei ich dies auch für einen fraglichen Genuss halte). Mit sieben Jahren mussten mich meine Eltern zwangsweise taufen lassen, weil mir sonst der Zutritt zu der (evangelischen) Volksschule verweigert worden wäre. Schulgottesdienst und Religionsunterricht blieben mir natürlich erspart. Den Konfirmationsunterricht habe ich dann schon aus eigener Kraft verweigert. Aus der evangelischen Kirche, der ich automatisch erst mal angehörte, bin ich so schnell wie möglich ausgetreten. Ich bin meinem Elternhaus noch heute sehr dankbar, dass es mir diese Indoktrination im unmündigen Alter erspart hat und mich selbst frei entscheiden ließ, ob ich mich zu einer Religion würde bekennen wollen, und wenn ja: zu welcher. Ich habe bisher darauf dankend verzichtet, vermisse nichts und kann mir nur schwer vorstellen, dass sich daran noch etwas ändern wird.

#276 von Revierflaneur am 18.11.07 um 13:06

 

Nun habe ich mich doch am Sontag mittag bis hierher durchgelesen und kann mir nicht verkneifen zu sagen:
Gott, ja oder nein? Welch eine Frage!!
ICH BIN, das ist Beweis genug!
ICH BIN Gott, so wie ihr auch Gott seid! Was gibt’s da noch groß zu argumentieren?

#277 von Eva-Maria Neubauer am 18.11.07 um 13:28

 

#279 ... danke für die Offenheit:
... eine heute nich mehr akzeptierte "religiöse Erziehung" mit Zwang.

... in meiner Verwandtschaft gibt es die auch noch. Beispielsweise Sanktionen in der katholischen Mädchenschule, wenn man Sonntags nicht im Gottesdienst war.

#278 von Reiner Stock am 18.11.07 um 13:38

 

#280 Liebe Frau Neubauer, Sie haben wirklich alles hintereinander weg gelesen. Vielen Dank dafür.

#279 von Reiner Stock am 18.11.07 um 13:41

 

#279 und #281
Religiösen Zwang hat es bei mir zum Glück nie gegeben. Am deutlichsten habe ich ihn bei der Lektüre des "Anton Reiser" bemerkt und an anderen, die in anderen Elternhäusern leben mussten.

#280 von Günter Landsberger am 18.11.07 um 13:48

 

#278 Silke Schäfer
Ich weiß von Organisationsentwicklern in Kircheninstitutionen, wie ev. Landeskirchen, Kirchengemeinden, der Diakonie, der Caritas, den Malthesern.
Viele dieser Institutionen stellen seit Mitte der 90er Jahre und zunehmend Fundraiser ein. Ein Grund ist wohl die schwindende finanzielle Basis der Kirchen durch Kirchenaustritte und sinkende Steuereinnahmen.
Ein wichtiges Ziel ist, soweit ich das als Kirchenferner sehen kann, die verbliebenen Menschen in den Gemeinden für neue Projekte und Ziele in den Kirchengemeinden zu mobilisieren und sich dafür mit neuen und alten Partnern zu vernetzen und die eigenen Stärken, die Kirchen ja haben weiterzuentwickeln.
Das stößt bei vielen Funktionsträgern häufig auf sehr große Widerstände.
Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik ist einer der Träger der Mitte der 90er Jahre gegründeten Fundraising Akademie in Frankfurt, die einen Studiengang Fundraising anbietet und beispielsweise schon viele Pfarrer zu Fundraising-Managern ausgebildet hat und ausbildet.

Das hat nicht direkt mit der Änderung der Dogmen der katholischen Kirche zu tun. Aber langfristig vielleicht doch.

#281 von Reiner Stock am 18.11.07 um 14:03

 

#284 das ist interessant. danke, herr stock.

#282 von silke schäfer am 18.11.07 um 14:10

 

@#280 Eva-Maria Neubauer: So spät, ganz unerwartet, folgt hier noch mein (bisheriger) Lieblings-Kommentar in diesem Thread. Wer hätte das gedacht? Ein Wunder? Wenn aber Gott und Ich synonyme Begriffe sind - dann lasst uns doch zukünftig auf das Wort "Gott" verzichten! Zwei Worte für ein und dieselbe Bedeutung - das ist doch Verschwendung und führt leicht zu Missverständnissen. (Apropos Frau Neubauer: Sind Sie Stirnerianerin?)

#283 von Revierflaneur am 18.11.07 um 14:29

 

#286 das große 'so ham', herr heßling, habe ich aber doch immer sehr transzendet verstanden... *augen reibend*

vw 'nut(s)'

#284 von silke schäfer am 18.11.07 um 14:53

 

#280
Yo, el Supremo

#285 von Augusto Roa Bastos am 18.11.07 um 15:02

 

#283 Günter Landsberger
Anton Reiser kenne ich nicht.

Ich denke, es macht "den entscheidenden" Unterschied, ob die Religion den Menschen als "Fremdzwang" oder als "Selbstzwang" entgegengebracht wird.

Und die Institutionen der Kirche müssen den Menschen dabei unterstützen selbst ihren Weg in die Kirchen und zur Religion zu finden. Den Weg des Zwangs gibt es nicht mehr.

#286 von Reiner Stock am 18.11.07 um 15:03

 

#278 Silke Schäfer,
ich finde Sie haben mit Ihrem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen, warum die Kirchen Menschen verlieren.

Viele Menschen sind mit ihren Werten schon viel weiter als die Werte, die die Kirchen zu vertreten scheinen.

Aber es gibt religiöse Menschen, die ich als sehr beeindruckend und vorbildlich erlebt habe und erlebe und bewundere. Meist stehen sie vielem in den Institutionen der Kirche auch kritisch gegenüber. Die findet man aber schwer in den Medien. Man muss ein bisschen suchen.

#287 von Reiner Stock am 18.11.07 um 15:15

 

#277 "Der Wertewandel wird von Gesellschaftswissenschaftlern seit langem diagnostiziert (z.B. Prof. Helmut Klages). Meiner Meinung nach ist das eine Realität auf die man sich einstellen sollte. Dass Du meinst, wir erlebten gerade einen "zügellosen Individualismus" zeigt mir, dass Du Dich damit nicht wirklich beschäftigt hast. Die "wertegewandelten" Menschen von heute haben höhere ethische Maßstäbe als die, die noch den "autoritären" Werten anhängen."

Das es einen Wertewandel gibt habe ich doch selbst konstatiert. Meine These vom zügellosen Individualismus damit entkräften zu wollen, dass ich mich mit dem Thema angeblich nciht beschäftigt habe, finde ich - mit Verlaub - ziemlich arm.

Wir können es ja gerne darauf ankommen lassen. Zeig du mir die gloriosen Beispiele für die angeblich höheren ethischen Maßstäbe der "wertegewandelten Menschen", und ich zähle dir welche für den zügellosen Individualismus auf.

Findest du die Entwicklungen, die es im bereich der Familie gibt, befriedigend? Findest du die Entwicklungen, die es im wirtschaftlichen Bereich gibt, befriedigend? Ganz allgemein im Gesellschaftlichen? Den überall m.E. zum Großteil zu Recht beklagten "Werteverlust" gibt es deiner meinung nach also gar nicht?

Die Zahl der Singlehaushalte in Deutschland wächst kontinuierlich. Die der Alleinerziehenden. Egal ob du später drei Wochen tot in deiner Wohnung liegst und stinkst, Hauptsache du hattest hohe ethische Maßstäbe?

Ne, mein Lieber, da sind wir wirklich unterschiedlicher Meinung.

Die Werte, die uns als Gattung weiterbringen werden, sind schon seit Urzeiten bekannt. Liebe. Respekt. Solidarität. Ich würde aber nicht behaupten wollen, dass wir die gerade in höchster Blüte erleben.

#288 von Sunzi Sonnenschein am 18.11.07 um 15:25

 

#278 " ja, besonders die katholische kirche ist halt auch sehr, sehr, sehr alt. manchmal frage ich mich, wie das überhaupt funktionieren könnte..."

Wie? Indem der innerste Kern von allen Verwirrungen, von allem Missbrauch und von allem institutionellen Schwachsinn unberührt geblieben ist - und viele Menschen das auch spüren.

Wenn man so will: Das Evangelium ist unkaputtbar.

#289 von Sunzi Sonnenschein am 18.11.07 um 15:28

 

#277 P.S.: Da ich ganz aktuell an anderer Stelle dafür sensibilisiert wurde, wie schnell die eigene Intention missverstanden werden kann... Ich unterhalte mich gern mit dir und will dir auch nix. Und ich hoffe, man kann dann trotzdem auch mit Schmackes miteinander streiten. ;)

#290 von Sunzi Sonnenschein am 18.11.07 um 15:49

 

#290 da fällt mir sofort frère roger schutz aus taizé ein. ich habe mal einen gottestdienst mit ihm im kölner dom erlebt... :-) *fehlende worte*

#291 von silke schäfer am 18.11.07 um 15:51

 

#292 das evangelium ja, aber die kirche? noch dazu können wir die kirche heute auch viel direkter am evangelium messen... ich glaube (!), das wir noch spannend.

#292 von silke schäfer am 18.11.07 um 15:58

 

#286, nein, ICH BIN ich, weiter nichts. Ein Mensch oder Gott, der sich eigene Gedanken macht und sich vom Massenbewußtsein weitestgehend befreit hat. Was übrig bleibt, ist die Essenz.

Aber wenn ich Stirner so betrachte, dann war er wohl auch auf dem Weg... zu sich selbst.

#293 von Eva-Maria Neubauer am 18.11.07 um 16:35

 

ach ja, und wenn wir auf das Wort Gott verzichten, bleibt Mensch übrig. Das führt dann aber wieder zu Verwechslungen mit Otto-Normal-Verbrauch. Der ist von seinem Gott-sein aber noch weit entfernt!

#294 von Eva-Maria Neubauer am 18.11.07 um 16:38

 

ja, das wird noch spannend (#295)

#295 von silke schäfer am 18.11.07 um 17:27

 

Mit Gottes Segen werden wir nunmehr gleich die "300" erreichen. Wer hätte das gedacht? An viele Kommentare habe ich ja geglaubt (!) - aber s o viele sind denn doch frappierend.

#296 von Bernd Berke am 18.11.07 um 17:44

 

#297
Die Konstellation Gott-Gottmensch (Menschwerdung Gottes) durch die Konstellation Mensch-Menschgott (Gottwerdung des Menschen) ersetzen zu wollen, kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich erinnere mich, dass ich soetwas Ähnliches in den Ausführungen des jesusgläubigen Nihilisten Kirillow in Dostojewskijs "Böse Geister"(Die Dämonen) gefunden habe.

#297 von Günter Landsberger am 18.11.07 um 17:54

 

#299
Verzeihung, Herr Berke, ich dachte, ich wäre selber erst #299 mit meinem Beitrag.

#298 von Günter Landsberger am 18.11.07 um 17:56

 

#289 Herr Stock, ich meinete den psychologischen Roman "Anton Reiser" von Karl Philipp Moritz, in dem die Kindheit Antons (mit autobiographischem Hintergrund von Moritz) als eine der "religiösen Unterdrückung" dargestellt wird.

#299 von Günter Landsberger am 18.11.07 um 17:59

 

@#301 Günter Landsberger

Keine Ursache, ich wollte die Marke doch gar nicht selbst setzen.

#300 von Bernd Berke am 18.11.07 um 18:06

 

@#302 Günter Landsberger: Es wird Sie wohl nach so vielen "Affinitäten" kaum verwundern, dass Moritz zu meinen ewigen "Top Ten" zählt, nicht nur wegen "Anton Reiser", sondern auch wegen seinem "Magazin zur Erfahrungsseelenkunde".

@#299 BB: Tja, Herr Berke - und Sie hatten auf "sex sells" gesetzt. Herzliches Beileid! Gottes Segen haben Sie sich vermutlich mit Ihrem lästerlichen Bettgeflüster aber so was von verscherzt :-)

#301 von Revierflaneur am 18.11.07 um 18:55

 

@#304 Lieber Flaneur, ich habe doch schon frühzeitig (#125) gewettet, dass dieser Thread rekordverdächtig ist.

Und natürlich habe ich nicht so billig auf "sex sells" gesetzt, wie es jetzt bei Ihnen klingt. Wer sagt denn übrigens, dass Gott keine menschliche Geilheit will? Sonst gäbe es sie ja nicht. *g*

Schlussendlich: Schon wieder hat heute in der FAZ-Sonntagszeitung die Glaubensfraktion zugeschlagen - mit einer Geschichte über die Grünen, die sich im Laufe der Jahre tendenziell immer besser mit großen Teilen der christlichen Kirchen arrangiert oder sogar verstanden haben. Wird höchste Zeit, dass Sie denen mal einen flammenden Leserbrief schreiben, oder?

#302 von Bernd Berke am 18.11.07 um 19:05

 

#291 + 293:
Sunzi, kein Problem.

Sorry, "hemmungsloser Individualismus" ist für mich ein emotionsgeladener Begriff der meist gegen den Wertewandel verwendet wird und das meist von solchen Menschen die eher in Richtung "Werteverfall" argumentieren, wie Du eben in Deinem Kommentar.

Der Begriff "zügellos" steht für mich für Regellos, ohne Grenzen, Rücksichtslosigkeit, Verantwortungslosigkeit.

Die Menschen der Generation von vor 50-100 Jahren waren im Durchschnitt beispielsweise bei der Anwendung von Gewalt in der Familie viel zügelloser als wir heute.

Deine Beispiele sind für mich keine Belege für "Werteverlust".

Weist Du viele Menschen in Singlehaushalten in Beziehungen leben?

Was hast Du gegen Alleinerziehende, wenn damit Gewalt in Familien vermieden wird.

Und wie oft liegen Tote wochenlang in Ihrer Wohnung, weil keiner sich bei Ihnen meldet. Da steht wahrscheinlich jeder Fall in den nationalen Nachrichten. Aber wie viele Fälle sind das pro Jahr?

Weist Du wie oft die Menschen früher ihren Beruf wechseln mussten, weil der technische Fortschritt ihre Tätigkeit überflüssig gemacht hat? Öfter als Du denkst.

#303 von Reiner Stock am 18.11.07 um 19:29

 

#306 Ich bin weit davon entfernt, alles, was es "früher" gab gut zu finden und wenn du die eine oder andere Diskussion mit dem Flaneur hättest verfolgen können, üwsstest du das. Deshalb habe ich ja ausdrücklich geschrieben, dass wir *aktuell* auf ein anderes Extrem zusteuern. Wenn ich mich heute so umschaue, durch die Innenstadt laufe, die Beziehungen meiner Bekannten und Freunde anschaue, dann frage ich mich, wo deine éthisch höhehern Ansprüche bleiben. Wenn ich mir beispielsweise im Verhalten und in der seelischen Verfassung der heute 5 bis 20-jährigen als Ergebnis der Erziehungsleistung dieser so dolle Wertegewandelten anschaue, dann vermag ich wirklich keinen großartigen Fortschritt zu sehen, eher Schritte in eine falsche Richtung. Aber wie gesagt, das wird sich wieder geben, und ich bin absolut sicher, dass die vorher genannten Werte wie Solidarität wieder an Bedeutung gewinnen und letzendlich das auf die Spitze getriebene Auslebens des Ichs überleben werden.

#304 von Sunzi Sonnenschein am 18.11.07 um 20:11

 

#307
... und das sind auch keine Beispiele für Werteverlust. Das ist Deine Bewertung.

#305 von Reiner Stock am 18.11.07 um 23:07

 

Genau. Ich mache mir halt gerne meine eigenen Gedanken. So muss ich dann auch nicht behaupten, "autoritäre" Werte abzulehnen und gleichzeitig dauernd auf die Erkenntnisse anderer "Autoritäten" verweisen. ;)

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Ich halte sehr viel Empirie. Ich allerdings auch der Auffasung, dass der gesunde Menschenverstand oder die eigene Anschauung manchmal nicht zu verachten sind.

#306 von Sunzi Sonnenschein am 19.11.07 um 00:42

 

durch schnellkurs, lektion 2 an das eigentliche thema ‚das wort’ erinnert, einige gedanken über sinnliche erfahrbarkeiten…

neben den klassischen sinnen und dem 6. sinn ‚psi’ (telepathie, hellsehen, voraussehen), bei dem wir uns uneinig sind, rechnen wir mittlerweile auch temperatur-, schmerz- und gleichgewichtsempfinden zu den sinnen.

außerdem die tiefensensibilität. darunter fällt das empfinden der lage (des körpers im raum), des anspannungszustandes und der bewegung(srichtung).

bestimmt gibt es außerdem einen energetischen sinn… ladungszustände, energieempfindungen, körperelektrizität. vielleicht kann man sogar das empfinden von emotionale und mentale zustände den sinnen zuordnen: wir fühlen, wenn wir einen dicken hals haben, der kopf rattert oder matscht, die knie weich sind.

erleben wir nicht auch bewußtseinszustände sinnlich? das herz ist offen, das bewußtsein ausgedehnter als gewöhnlich, oder man ist dicht, oder im flow, oder offline/weit weg oder in ekstase – alles sinnlich wahrnehmbar. das sanskrit hat wörter für bewußtseinszustände wie z.b. sat-cit-ananda: sein-bewußtsein-glückseligkeit.

liebe wurde genannt als ein wort, zu dem es keine sinnlich erfahrbare entsprechung gibt. das fühle ich anders. ich nehme liebe – persönlich wie unpersönlich – mitunter massiv im herzraum wahr, sinnlich. wenn dieser zustand lange andauert, ist es, als ob dieser herzraum wund wird. ohne organische entsprechung vermutlich, aber sehr real. klar, liebe ist ein dachbegriff, der auch für weniger fühlbare formen steht.

das wort gott nun. hier zwei aussagen zu dessen reich, die von jesus christus überliefert sind:

lukas 17,20b-21
„Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden ... sehet,
das Reich Gottes ist inwendig in euch“ (von Luther selbst, keine überarbeitete Fassung)
oder
„nor will people say, 'Here it is,' or 'There it is,' because the kingdom of God is within you.” (niv, new international version)

einige übersetzungen schreiben ‘es ist unter euch’, bieten aber per fußnote die innerhalb/inwendig alternative. die vulgata übersetzt „regnum Dei intra vos est“.

thomasevangelium
(3) Jesus sagte: “Wenn aber die, die euch führen, zu euch sagen: ’Seht, das Königreich ist im Himmel’, dann werden die Vögel im Himmel vor euch da sein. Wenn sie aber zu euch sagen: ‚Es ist im Meer’, werden die Fische vor euch da sein. Denn das Königreich ist in eurem Inneren und in eurem Äußeren.“

und so frage ich mich, ob wir mittels tiefensensibilität oder eines noch zu entdeckenden/benennenden sinnes, dieses ‚reich gottes’ nicht nur imaginieren sondern auch sinnlich erfahren können.

#307 von silke schäfer am 19.11.07 um 15:06

 

#310
Es gibt dafür den religiösen Begriff "Durchbruch": Etwas kommt in uns von innen her zum Durchbruch.
Religiös musikalische Menschen glauben dies gelegentlich (nicht zu oft) zu erfahren.

MEIN AKTUELLES VERZERRTES WORT:
Hus

#308 von Günter Landsberger am 19.11.07 um 16:23

 

#311 'durchbruch' kannte ich noch nicht, danke. ich habe es im zusammenhang mit meister eckhart gefunden.
"Es geht um eine Metamorphose, um ein neues Denken im 'Gemüt' und Seelengrund, ein Denken, welches am Denken seiner Verwandlung selbst teilhat, ja diese selber ist. Das Natur- und Gnadenlicht des Menschen wird aufgehoben zur Lichtpräsenz des Göttlichen selbst. Diesen radikalen Perspektivenwechsel - bei Eckhart auch als Hochzeit zwischen Gott und Seele verdeutlicht - und eigentlichen Transitus nennt Eckhart durchbruch."
http://www.eckhart.de/haas.htm

also ein christliches erleuchtungsmodell. mir fällt auf, wie wenig ich mich mit christlicher mystik beschäftigt habe - immer gleich nach osten gucken...

im vergleich dazu war meine idee des sinnlich erfahren göttlichen etwas bescheidener gemeint. aber vielleicht braucht es dazu tatsächlich den durchbruch?

bei ihrem verzerrten wort stehe ich aber auf dem schlauch...

#309 von silke schäfer am 19.11.07 um 18:11

 

#312
Auf Bildern der Reformationszeit, die Luther und Jan Hus darstellen und sie zusammenschauend symbolisieren, werden die Tiere Schwan und Gans (Übersetzung des tschechischen Wortes Hus) bemüht.
----------------------------------
Die mystische Tradition auch des Christentums ist reich; man braucht nicht unbedingt in den fernen Osten auszuweichen. Der Gemeinsamkeiten aller mystischen Strömungen gibt es viele. Im deutschen Sprachraum der bedeutendste ist sicherlich: Meister Eckhart, der seine Schriften nicht lateinisch, sondern deutsch schrieb. Ihm verdanken wir z. B. die deutschen Worte: Geist und Gemüt.
Die Mystik ist eine ständige, oft widerständige Unterströmung im Gegenüber zu Theologie und Philosophie. (Vgl. auch noch: Tauler, Seuse; Jakob Böhme)

#310 von Günter Landsberger am 19.11.07 um 18:30

 

Auch von Teresa von Avila gibt es auch in der Formulierung ganz erstaunliche Schriften (übs. von Fritz Vogelsang).

#311 von Günter Landsberger am 19.11.07 um 18:36

 

#314
"Tue deinem Leib Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen."
wunderbar, ich werde teresa von avila lesen.

ich glaube, mir war bislang die sache mit der erotik suspekt (wegen des zwangszölibatären rahmens). & dann hatte ich einmal ein buch in der hand, dass besonders drama, blut & tränen fokussiert hat. das waren allerdings auch nicht ihre eigenen schriften.

#312 von silke schäfer am 19.11.07 um 19:31

 

Meister Eckhart / Reden der Unterweisung 6 (60, 20 - 25):
"Der Mensch soll sich nicht genügen lassen an einem gedachten Gott; denn wenn der Gedanke vergeht, so vergeht auch der Gott. Man soll vielmehr einen wesenhaften Gott haben, der weit erhaben ist über die Gedanken der Menschen und aller Kreatur. Der Gott vergeht nicht, der Mensch wende sich denn mit Willen von ihm ab."

#313 von Günter Landsberger am 21.11.07 um 18:12

 

Meister Eckhart Sermo 24,2, Nr. 247

"Denn auch über Gott selbst, soweit er unter diesem Namen, ja überhaupt unter einem Namen verhüllt ist, muss die Seele hinausschreiten."

#314 von Günter Landsberger am 21.11.07 um 18:14

 

"Die mystische Tradition auch des Christentums ist reich; man braucht nicht unbedingt in den fernen Osten auszuweichen. Der Gemeinsamkeiten aller mystischen Strömungen gibt es viele."

Wobei es unterhaltsame Spekulationen über einen Aufenthalt des historischen Jesus in Indien gibt. :) Sehr schön buddhistisch hat sich ja auch Meister Eckhart geäußert:

"Du sollst ihn lieben wie er ist ein Nicht-Gott, ein Nicht-Geist, eine Nicht-Person, ein Nicht-Bild, mehr noch: wie er ein lauteres, reines, klares Eines ist, abgesondert von aller Zweiheit. Und in diesem Einen sollen wir ewig versinken vom Etwas zum Nichts. Dazu verhelfe uns Gott. Amen."

#315 von Sunzi Sonnenschein am 21.11.07 um 22:33

 

#318
Dieses Nichts ist aber ein privatives, kein nihilistisches Nichts.

#316 von Günter Landsberger am 22.11.07 um 00:08

 

#319 Erklär´ das mal dem Revierflaneur. ^^

;)

#317 von Sunzi Sonnenschein am 22.11.07 um 00:42

 

#320
Gerade der wird es - zumindest begrifflich - verstehen, wenn er es verstehen will.

#318 von Günter Landsberger am 22.11.07 um 06:02

 

Eben, eben. Wenn er es denn will.

Das war kein Zweifel an seiner intellektuellen Leistungsfähigkeit. *g*

#319 von Sunzi Sonnenschein am 22.11.07 um 09:14

 

#318 sunzi, das ist wunderschön. danke!

#320 von silke schäfer am 22.11.07 um 12:26

 

Der persönliche Gott
Gott wie wir ihn verstehen ist immer nur ein persönlicher Gott . Wir assoziieren das Wort Gott mit dem unbegreiflichem . Alles was nicht rational oder logisch erklärt werden kann wird eben Göttlich . Betrachten wir die Menschen in der Vergangenheit . Gelileo Galilei erkante als erster das die Erde rund sei . Zu diesem Zeitpunkt war es für die damals Gelehrten ein Affront und eine Herausforderung an Gott weil es nicht erklärbar war . Heute lernen die kleinsten das die Erde rund ist und keiner wird als Ketzer verdammt . Uns so funktioniert Evolution . Für alles was wir nicht erklären können wird ein Gott oder wie man ihn auch immer nennen mag zitiert . Somit betrachte ich das als eine Assoziation . Je aufgeklärter der einzelne von uns ist desto weiter rückt das Göttliche von uns . Da die Menschen verschieden sind kann für den einen Göttlich sein was für den anderen leicht zu erklären ist . Ich höre oft von vielen Menschen " Wie kann Gott das zulassen ? " . Zum Beispiel Krieg .Er lässt nichts zu er lässt Freiheit . Wir haben die Fähigkeit die Waffen herzustellen . Aber auch Verstand sie nicht anzuwenden . Es war Alfred Nobel der sehr daunter gelitten hatte das seine Erfindiung das Dynamit für Kriegszwecke eingesetzt wurde . Er selber wollte damit nur die Arbeit im Bergbau durch die Sprengungen erleichtern . Und so war es nicht der Gott der dies zugelassen hat sondern wieder wir selber . Als junger Mensch habe ich auch diesen Vorwurf an Gott gerichtet heute begreife ich die Zusammenhänge mehr . Also ist Gott wirklich ersteinmal nur ein Wort
aber entscheidend ist die assoziation des einzelnen und so schliesst sich der Kreis . Gott ist immer persönlich .

#321 von Klaus am 23.11.07 um 08:58

 

#324 "Gott ist immer persönlich". Kannst du das auch irgendwie beweisen? Sonst glaube ich das nämlich nicht. ;o)

#323 Liebe Silke, die Blumen gebühren Meister Eckhart.

Und ich hätte nicht übel Lust, hier so lange Zitate zur Herrlichkeit Gottes zu posten, bis wir diese lyrischen Schnapsdrosseln hinter uns gelasen haben. :)

#322 von Sunzi Sonnenschein am 23.11.07 um 11:40

 

Sunzi, nur zu: Poste, was der Speicher hält.

By the way: Wen meinst du denn nur mit den "lyrischen Schnapsdrosseln"?

#323 von Bernd Berke am 23.11.07 um 13:05

 

# 325 die blumen, sunzi, waren auch fürs auswählen... mehr zitate, mehr blumen :-)

#324 von silke schäfer am 23.11.07 um 14:13

 

#324 "Gott ist immer persönlich". Kannst du das auch irgendwie beweisen? Sonst glaube ich das nämlich nicht. ;o)

#323 Liebe Silke, die Blumen gebühren Meister Eckhart.

Und ich hätte nicht übel Lust, hier so lange Zitate zur Herrlichkeit Gottes zu posten, bis wir diese lyrischen Schnapsdrosseln hinter uns gelasen haben. :)

#325 von Sunzi Sonnenschein am 23.11.07 um 11:40

Dann beweise mal "irgendwie" LIEBE?

#325 von Niels Nabring am 29.11.07 um 13:23

 

#328 Hi Niels. Das da --> ;o) sollte heißen, dass das natürlich nur ironisch/spaßig gemeint ist. Ich selbst glaube auch nicht, dass man Gott oder Liebe "beweisen" kann.

#326 von Sunzi Sonnenschein am 29.11.07 um 15:23

 

Richtig Sunzi man kann das nicht beweisen ! Muss man auch nicht. Wer sich mit der Theologie , nicht mit der Kirche , beschäftig hat könnte zu dem Schluß kommen auch wenn alles was dort geschrieben steht und es keinen Gott oder Jesus oder was auch immer gibt . Trotzdem lohnt es sich nach dieser Philisophie zu leben . Denn in erster Linie geht es um Humanismus und ich denke das willst Du nicht in Abrede stellen .

mit internetten Grüßen
KLaus

#327 von Klaus am 30.11.07 um 16:45

 

Hm... Schwierig. Spontan würde ich dir antworten, dass der Kern des Evangeliums für mich über Humanismus hinausgeht. Aber sei´s drum. Auch verstärkt gelebter Humanismus allein würde uns allgemein betrachtet ein gutes Stück weiter bringen, als wir derzeit schon sind. Insofern lohnt es sich allemal nach dieser Philosophie zu leben, da gebe ich dir recht.

#328 von Sunzi Sonnenschein am 30.11.07 um 17:05

 

Mist.

Vergessen, die internetten Grüße zurückzusenden.

Das sei hiermit geschehen. :)

#329 von Sunzi Sonnenschein am 30.11.07 um 17:06

 

Ich denke, dass wie in der Bibel steht, Gott den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen hat. Dies ist der Grund, warum viele gott mit einem *alten,weisshaarigen Mann* vergleichen, wobei das Alter, die weissen Haare, für Weisheit steht. Viele Menschen halten sich für klug, doch nur wenige erlangen *Weisheit*. Gott ist einer davon. Ich denke, dass es sich bei Gott verhält wie z.B. mit dem Himmel. man kann den Himmel einfach nur als *schönes blau* ansehen, ohne dass man weiss, dass es Rußpartikel sind, die das Licht brechen, Gott kann man auch einfach hinnehmen, oder hinterfragen, was er genau ist. Jeder Mensch braucht doch etwas, an das er glaubt. Sonst würde der Mensch nicht überleben. Und ich finde nicht, dass hierfür der Erhaltungs- und Fortpflanzungstrieb reicht. Ich persönlich glaube sehr an Gott und denke, dass ein jeder ihm früher oder später begegnen würde. Für mich ist Gott kein *weisshaariger Mann* sondern ein Glaube, an den es sich zu glauben lohnt. Oder ist es verwerflich, an die Liebe in jedem Menschen, die Güte eines Geschöpfes und an den Einklang mit dem Nächsten, was der glaube an sich vermitteln soll, festzuhalten?


Stay true to yourself.
Katrin, 22 Jahre

#330 von Katrin am 30.11.07 um 17:23

 

@#333 Katrin: Liebe Katrin, Du glaubst also nicht an einen Gott als "alten, weißhaarigen Mann". (Das wäre ja auch für Dein Alter reichlich naiv.) Sondern an was glaubst Du dann? Für Dich ist, wie Du sagst, "Gott ein Glaube, an den es sich zu glauben lohnt". Was ist denn aber der Lohn dieses gutgläubigen Glaubens genau? Dass Du hoffen darfst, nach dem Tod nicht spurlos zu verlöschen? Dass Du in Deinem Dasein einen Sinn findest, der anders nicht zu begründen ist als durch dieses "höhere Wesen"? Woran glaubt die Ameise? Offenbar kann dieses gütige Geschöpf auch ohne Glauben überleben. Und wenn sie vielleicht doch einen Gottesglauben hat, dann stellt sie sich vermutlich auch einen Gott vor, der sie nach seinem Bild erschaffen hat. Siehst Du nicht, dass wir Menschen, Säugetiere unter vielen anderen, in unserer vorübergehenden Überheblichkeit einen "Gott" nach unserem Bilde geschaffen haben, der uns pflichtschuldig bestätigt, dass gerade wir die Krönung seiner Schöpfung seien? Und siehst Du nicht, dass die religiösen Konfessionen (nicht nur die christlichen) wenig zum "Einklang mit dem Nächsten" beigetragen haben, sondern vielmehr in den letzten Jahrtausenden Zwietracht gesät haben in ungezählten Kriegen? Bis auf den heutigen Tag, wo eine andere monotheistische Religion (der Islam in seinen fundamentalistischen, d. h. konsequentesten Ausprägungen) uns dem Abgrund näher bringt als alle Religionen je zuvor? Du behauptest: "Jeder Mensch braucht doch etwas, an das er glaubt." Da muss ich Dir widersprechen. Ich habe das nicht nötig, und ich bin froh, dass ich auch ohne diese morsche Krücke zu meinem Tun und Lassen stehen kann - als ein freier Mensch, der sich keinem Glauben unterwirft und den Zweifel allemal wertvoller findet als die Hingabe an eine althergebrachte Gläubigkeit.

#331 von Revierflaneur am 30.11.07 um 19:12

 

Ich Glaube-auch wenn ich selber manchmal zweifel. Der Zweifel lässt uns Dinge auch aus einem anderen Licht betrachten. Ich Glaube nicht an die Kirche- auch ich bin darüber im Bilde, was die katholische, evangelische und auch andre Kirchen getan haben. (Ablassbriefe, Verbrennung der Hexen) Ich persönlich ziehe nicht den nutzen daraus, nur aufgrund des Glaubens einen Lebenssinn zu haben. Ich persönlich bemühe mich, meinem Leben durch Freude bereiten anderen Menschen das Leben etwas zu erleichtern (auch wenn mir dies nicht immer gelingt). Für mich lohnt es sichzu glauben, da ich in mancher schweren Stunde nicht alleine bin. Mein eben hat mir den Glauben näher gebracht, da ich alles von mehreren Seiten betrachte, manche Dinge einfach nicht erklären kann. Ich habe als Kind oft von Dingen geträumt, (auch wenn sich die paranoid anhören mag) die in meinem weiteren Lebensweg eingetroffen sind. Manchmal zweifel ich auch an mir selbst, ob ich nicht psychisch krank bin. Doch dann erinner ich mich der Dinge, die mir sooft den Weg in die gute Richtung gezeigt haben. Ich erinner mich, wie schön es ist, nicht an die Kirche oder das Christendasein an sich zu glauben, sondern ganz persönlich für mich an einen Gott. Revierflaneur, glaubst du nicht an irgendein Ding? Ist nicht schon die Überzeugung von einer Sache, die man in Angriff nimmt, ein Glaube daran, dass es klappen wird? Ist nicht die Vermutung schon ein Glaube, dass Dinge anders sind als sie scheinen? Man kann Menschen nicht dazu bringen zu glauben. Der Mensch glaubt von sich aus an Gott- oder garnicht.

#332 von Katrin am 01.12.07 um 06:43

 

#335
Katrin, ich glaube, Sie haben im Wesentlichen recht.

#333 von Günter Landsberger am 01.12.07 um 06:59

 

Außerdem: Seit ich ihn kenne, habe ich immer Sinn für den Satz eines bekannten deutschen Dichters gehabt: "Was fruchtbar ist, allein ist wahr."

#334 von Günter Landsberger am 01.12.07 um 07:06

 

#334
Lieber Revierflaneur, auch mir ist angesichts der Gefahren, die immer wieder in der Geschichte von sich selbst nicht richtig verstehenden Religionen ausgegangen ist und ausgeht, nach religiöser Enthaltsamkeit zumute, die ich bis zu einem gewissen Grade auch praktiziere. Aber auch hier weigere ich mich, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

#335 von Günter Landsberger am 01.12.07 um 07:13

 

Ich glaube nicht, dass wir ein Recht dazu haben, den Glauben eines anderen Menschen durch unseren eigenen Glauben, mag er nun atheistisch sein oder auch nicht, ersetzen zu wollen. Immerhin: vollauf berechtigt erscheint mir die Forderung an uns selber und an andere, sich um ein Wissen dessen zu bemühen, woran man glaubt.

#336 von Günter Landsberger am 01.12.07 um 07:20

 

Man KANN einem anderen Menschen nicht den eigenen Willen aufzwingen. Denn wenn ein Mensch von sich aus nicht glaubt, wird er kurz nach der *Bekehrung* in das *Ungläubigen-Dasein* zurückverfallen. Ich denke, dass Glauben nicht nur Überzeugung einer Sache ist, sondern auch das zweifeln an und philosphieren über Dinge, die einen bewegen/begegnen/beschäftigen.

#337 von Katrin am 02.12.07 um 12:21

 

#339 "...vollauf berechtigt erscheint mir die Forderung an uns selber und an andere, sich um ein Wissen dessen zu bemühen, woran man glaubt."

Mir persönlich geht selbst diese Forderung zu weit.

Manchmal fühle ich etwas, dass sich nicht in Worte fassen lässt. Dann weiß ich. Aber es ist kein Wissen, dass sich vermitteln oder genauer untersuchen ließe. Es ist nicht "erreichbar" oder "bestellbar". Es ist einfach da. Die Nicht-Vermitelbarkeit ist der Grund, warum ich gegenüber anderen solche Situationen mit "Glauben" bezeichne. Obwohl es Wissen ist.

Sich darum zu bemühen, Wissen zu wissen erscheint mir sinnlos. :)

*Mir*, wohlgemerkt. Ich erwarte nicht, dass das geteilt wird. Schönen Sonntag!! :)

#338 von Sunzi Sonnenschein am 02.12.07 um 14:12

 

Lieber Sonnenschein, ich denke Glaube hat nichts mit Forderung zu tun, sondern der Überzeugung an/von einer Sache. Wissen, tut man lediglich, dass da etwas ist, was gut für einen selbst ist.(Nicht immer aber meistens- Gottes Wege sind unergründlich.) Ich persönlich habe aufgehört, dies zu hinterfragen. Ich denke ich bekomme meine Antworten, wenn Gott es für richtig hält, denn auch mich hat die Suche nach dem Wissen um den Glauben beschäftgt. Es ist so ziemlich das einzige was ich in meinem Leben angenommen habe-wie unerklärlich sich manche Dinge mit dem Glauben auch verhalten. Getreu dem Motto *Ändere was du nicht akzeptieren kannst, aber akzeptiere was du nicht ändern kannst.* (Wobei dies nicht heissen soll, dass ich das hinterfragen/zweifeln/philosophieren aufgehört habe ;) )

Einen schönen Montag.

#339 von Katrin am 03.12.07 um 12:51

 

Hallo! Hier scheint ein Missverständnis vorzuliegen. :) Das mit der "Forderung" stammt nicht von mir, sondern war ein Zitat. Ich persönlich lehne *jede* Forderung in Glaubensdingen ab. Ob es um banale Dinge geht, wie dass man sich taufen lassen soll oder um den philosophischen Wunsch, stets Zweifel zu haben und alles zu hinterfragen. Jedenfalls, was meinen Glauben angeht. Insofern liegen wir gar nicht so weit auseinander, find´ ich.

#340 von Sunzi Sonnenschein am 03.12.07 um 13:51

 

#341
Da, Sunzi, liegt ein kleines Missverständnis vor.
Dass es auch intuitives Wissen gibt und trotz allen Zweifelns am Unwesentlichen auch religiöse Gewissheit, erfahre ich immer wieder auch an mir selber. Nur: im Gespräch mit anderen muss mir sehr viel an der Mitteilbarkeit des Aussprechbaren liegen.

#341 von Günter Landsberger am 03.12.07 um 19:51

 

@#342 Katrin: "Ändere was du nicht akzeptieren kannst, aber akzeptiere was du nicht ändern kannst." Diese Sentenz erinnert mich an das Wort von Reinhold Niebuhr (das oft irrtümlich Friedrich Christoph Oetinger zugeschrieben wird):

"Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden."

Die (entscheidende) Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden, "gibt" aber nach meiner Überzeugung als Atheist kein "Gott". Ich muss sie (täglich) durch eigenes Bemühen selbst erringen.

#342 von Revierflaneur am 03.12.07 um 20:13

 

#344

"Nur: im Gespräch mit anderen muss mir sehr viel an der Mitteilbarkeit des Aussprechbaren liegen."

Warum?

#343 von Sunzi Sonnenschein am 03.12.07 um 20:28

 

#345 Und wäre es nicht geradezu eine Sünde, die hierfür vorhandenen Fähigkeiten, Talente, Potentiale nicht auszuschöpfen? :)

Ma. Jedenfalls. Wenn Sie darauf abheben sollten, dass Gott nicht als Entschuldigung dafür herhalten sollte, das eigene Denken einzustellen, haben Sie mich auf Ihrer Seite.

#344 von Sunzi Sonnenschein am 03.12.07 um 20:36

 

Revierflaneur Hallo
Wie immer Du es drehen und wenden willst . Als Atheist oder als gläubiger Christ der Sinn ist entscheident . Siehe das Gleichnis der beiden Söhne die der Vater aussendet und bittet etwas zu tun . Wer ist wertvoller der der sagt ich mache es Vater und macht es nicht ? Oder ist es der Sohn der sagt ich mache es nicht aber er macht es doch ? Entscheide selber und wie letztendich das Kind genannt wird ist nicht von Bedeutung .

#345 von Klaus am 04.12.07 um 02:02

 

Hallo Sunzi ,

Gott selber erinnert uns immer wieder daran selber zu denken zu entscheiden und zu handeln . Das alles in eigener Verantwortung . Er verbietet nicht er gebietet und das alles zu unserem eigenem Schutz . Wenn er sagt Du sollst nicht lügen . Wem dient es letztendlich wenn man es nicht macht ? Immer einem selber ! Oder Du sollst nicht stehlen . Oder was auch immer . Ob Du die Dinge lässt bleibt Dir überlassen nur trage die Konsequenzen so oder so .

#346 von Klaus am 04.12.07 um 02:07

 

#346

"Nur: im Gespräch mit anderen muss mir sehr viel an der Mitteilbarkeit des Aussprechbaren liegen."

Warum?

#346 von Sunzi Sonnenschein am 03.12.07 um 20:28

AUS HUMANITÄT?

#347 von Günter Landsberger am 04.12.07 um 05:53

 

#350 Nun brüll´ doch nicht gleich so, Günter! :) Ich versuche gerade zu verstehen, was du genau meinst, und ich muss gestehen, dass deine kurze Antwort mir dabei nicht gerade geholfen hat.

Ich habe dich bislang so verstanden, dass es uns im alltäglichen Umgang miteinander auch darum gehen muss, einander zu verstehen, wo Bedarf, einander zu erklären. Dem kann ich ganz allgemein auch zustimmen. Dass es im Bereich des Glaubens eine Verpflichtung dazu geben könnte, sich genau darum zu bemühen, lehne ich für mich ab. Und eine solche Einstellung halte ich keineswegs für inhuman. Im Gegenteil.

Wir Menschen neigen leider dazu, beim Erklären recht schnell in eine Art Missionarshaltung zu fallen. Es geht dann meistens nicht mehr um Vermittlung, sondern um Überzeugung. (Das ist auch der Grund, warum ich des Flaneurs Gottes-Beiträge so vehement ablehne. Ich halte sie nicht für selbstlose Versuche der Vermittlung, sondern für glitzernd verpackte Missionsversuche. Das impliziert eine Unterstellung, das ist mir bewusst. Aber ich kann schließlich nicht in seinen Kopf sehen und kann darum auch nur *meine* Wahrnehmung wiedergeben.)

Negativ zu kritisieren ist immer leicht. Deshalb hier auch meine persönliche Vorstellung davon, wie eine Vermittlung in Glaubensfragen idealiter aussehen könnte: Seinen Glauben leben. Schweigen. Wenn man gefragt wird, und nur dann, wahrhaftig antworten. Nicht weniger - aber ganz sicher auch nicht mehr.

Jedes "mehr" hat nach meinem Dafürhalten in der Geschichte des Christentums die frohe Botschaft konterkariert. Warum also nicht daraus lernen?

Wie gesagt, ich bin mir mittlerweile nicht ganz sicher, ob ich dich richtig verstanden habe. Vielleicht findest du ja die Zeit, etwas ausführlicher darauf einzugehen. Würde mich freuen.

#348 von Sunzi Sonnenschein am 04.12.07 um 10:34

 

#349 Hallo Klaus! Sehe ich ähnlich! Verantwortung ist ein großes Wort, aber auch ein gutes und schönes. Gewissen auch. Wenn man nur oft und lange genug in sich hinein hört, die Ohren nicht verestopft sind, beantworten sich alle Fragen von selbst.

#349 von Sunzi Sonnenschein am 04.12.07 um 10:40

 

Auch wenn ich in BLOCKBUCHSTABEN schreibe, sei gewiss, auch dann spreche ich leise, Sunzi. Nicht auftrumpfend. Ich wollte außer dem bereits bekannten Zitat nur das kurze Wort "Humanität" als ANTWORT hervorheben.
Verpflichtung meint auch keine Verpflichtung von außen, nur ein Sich-selber-dazu-verpflichtet-Fühlen.
Also: Wenn ich meinen Glauben ernstnehmen will, fühle ich mich dazu verpflichtet und daran interessiert, zu wissen, was ich glaube; was ich inhaltlich damit meine, wenn ich sage, ich glaube. (Es ist die alte Differenz des fides, quae oder qua creditur, die hier hineinspielt und über die ich konkret - in meinem eigenen Fall - etwas wissen will. Ich wünschte mir, d. h. ich fände es schön, wenn andere diesen Antrieb auch verspürten. Aber objektiv verpflichtet dazu ist natürlich keiner.)
Noch eins: Ich finde Hegels Ausspruch (hier sinngemäß wiedergegeben) richtig: "Wenn einer in einer Argumentation, in einem Gespräch sich ausschließlich auf sein Gefühl beruft, tritt er die Humanität mit Füßen." Denn Gefühle haben wir alle. Zum Glück. Und: Mit gleichem Recht. Aber Gefühle sind zwar für uns, aber nicht immer für andere einsichtige Gründe.

#350 von Günter Landsberger am 04.12.07 um 13:34

 

#351
Sunzi, wir sind uns einiger, als du meinst. Auch ich bin gegen Auftrumpfen und auch gegen religiöse wie areligiöse Missionierung. Wenn ich aber Klarheit will über das, was ich glaube und was nicht, oder danach gefragt werde, will ich mir und anderen nachvollziehbar (also in diesem Sinne human) Klarheit verschaffen.

#351 von Günter Landsberger am 04.12.07 um 13:39

 

#353 Sich bei der Beschreibung der "Beziehung zwischen Herz und Herz, zwischen Seele und Seele, zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer" (William James) ausschließlich auf sein Gefühl zu berufen, ist nicht inhuman, sondern ausgesprochen und angenehm realistisch, denn die conditio humana lässt schlicht nicht mehr zu. Ja, wenn du so willst, habe also auch ich meine Priorität gesetzt, und zwar für fides qua creditur. Über fides quae creditur und seine Auswirkungen berichtet Manuel Hessling hier schon lange lebhaft und bildgewaltig.

Der Hegel mag seinen Sinn haben. Aber wir schreiben hier nicht über die Verabredung zur Gründung einer Gesellschaft oder eines Staates und ihrer Regeln zum pfleglichen Miteinander, nicht über Mathematik oder Logik, sondern über Gottesglauben. Da ist der Hegel fehl am Platz und klingt - für mich - sogar despotisch.

Danke, dass du das mit der Verpflichtung erklärt hast. So verstanden habe ich damit natürlich überhaupt kein Problem. Und das mit dem Brüllen war spaßig gemeint. Nach dem, was und wie du schreibst, habe ich auch nicht wirklich gedacht, dass du laut werden würdest. Es ist sehr angenehm, sich mit dir auf desem Wege zu unterhalten. :)

#352 von Sunzi Sonnenschein am 04.12.07 um 14:17

 

#354 Überschenidungen beim Posten sind echt doof, manchmal.

Na, jedenfalls danke für die Präzisierung. Wenn dein Petitum also darauf hinaus läuft, dass man offen, wahrheitsgemäß und nach dem eigenen Wissen antwortet, sich darüm bemüht, verstanden zu werden, so haben wir tatsächlich keinen Dissens. Dass die Antworten nachvollziehbar sein sollten, halte ich als Wunsch natürlich für legitim. Ob und wie weit er sich erfüllen lässt, war ja die andere Frage.

#353 von Sunzi Sonnenschein am 04.12.07 um 14:42

 

Als ich meinte jetzt mich mit dem doof. Dass ich nie gucke, was in der Zwischenzeit so eingetrudelt ist. :)

#354 von Sunzi Sonnenschein am 04.12.07 um 14:44

 

Wollte einfach mal ne gesegnete Weihnachtszeit wünschen. revierflaneur, feierst du Weihnachten?
Wäre nett, eine Antwort zu bekommen

#355 von Katrin am 06.12.07 um 14:52

 

"Großer Herr und starker König,
Liebster Heiland, o wie wenig
Achtest du der Erden Pracht.
Der die ganze Welt erhält,
Ihre Pracht und Zier erschaffen,
Muss in harten Krippen schlafen."

SO HEISST ES BEKANNTLICH in der 1. Kantate des Bachschen Weihnachtsoratoriums; also darin bitte diese BASS-ARIE hören. In der bestmöglichen Aufnahme davon.

#356 von Günter Landsberger am 06.12.07 um 18:43

 

@#357 Katrin: Ja. Mit Sauerbraten, aber ohne Christmette. Mit Weihnachtsbaum (altes heidnisches Brauchtum), aber ohne Krippe. Da wir fünf Kinder haben und ihnen kaum zumuten konnten, sich Jahr für Jahr gegenüber ihren Freunden und Freundinnen als Benachteiligte zu empfinden, gehört auch das gegenseitige Schenken bei uns zum alljährlichen Ritus, wie die Ostereier (ebenfalls heidnischen Ursprungs) ein paar Monate später. Den hämischen Verweis an anderer Stelle, aber im gleichen Zusammenhang ("Das ist aber dann inkonsequent!") finde ich ziemlich albern. "Wer nicht in die Kirche geht, dem stehen auch keine Geschenke zu." So hieß es wohl früher mal. So mag argumentieren, wer glaubt, dass die Geschenke vom Christkind kommen. Das Schenken ist ein schöner Brauch, wohl älter als jede Religion. Ich schenke gern. Und der Anlass dazu ist mir ziemlich egal.

#357 von Revierflaneur am 06.12.07 um 19:13

 

@#357 Katrin: Eine Gegenfrage. Was genau soll ich mir unter einer "gesegneten" Weihnachtszeit vorstellen, etwa im Unterschied zu einer "glücklichen", "gesunden", "fröhlichen" usw. Weihnachtszeit? Oder ist das nur eine leere Redensart? - Wäre ebenfalls nett, eine Antwort zu bekommen.

#358 von Revierflaneur am 06.12.07 um 19:18

 

#361
"Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen."

#359 von Günter Landsberger am 07.12.07 um 05:54

 

@#362 Günter Landsberger: Sie als Lehrer sollten doch wissen: Vorsagen gilt nicht! Ich hatte Katrin aufgerufen. Aber schön, wenn ich Sie beim Wort nehme, dann läuft das darauf hinaus, dass die Christenheit wohlgefällig an drei Tagen im Jahr die Waffen ruhen lässt - und anschließend darf man sich wieder ganz alltäglich hinmorden, nicht gerade selten um unterschiedlicher Glaubensauffassungen und Gottesbilder willen. Solche Segenssprüche sind doch angesichts der traurigen historischen Wahrheit der letzten zwei Jahrtausende reine Heuchelei.

#360 von Revierflaneur am 07.12.07 um 10:08

 

#363 Lieber Manuel Hessling. Sind Sie gerade nicht etwas strenger mit anderen, als mit sich selbst? :) Ad hoc fällt mir kein christlicher Brauch ein, der *nicht* adpatiert wäre, die Verweise darauf klingen aber so unnötig rechtfertigend. Natürlich können Sie Geschenke verteilen, so viel Sie nur wollen und auch - wann immer Sie wollen.

Auffällig bleibt das Weihnachtsdatum. Ihre Kinder haben die angeführte Benachteiligung heutzutage nicht mehr zu fürchten. Bleibt die Frage: Warum beschenken sie sich gerade zu Weihnachten? Aus Gewohnheit? Das wäre ein mehr als akzeptabler Grund. Denn was könnte auch dagegen sprechen, dass ein Atheist heutzutage "christliche" Feiertage sozusagen als Knoten im Taschentuch nutzt? Aus meiner Sicht rein gar nichts.

Ein "Vater, segne mich/Mutter segne mich" hat übrigens auch außerhalb jeder Religion seine Berechtigung, wenn die beteiligten Personen eine solche empfinden. Nun diffamieren sie eine solche menschliche Geste doch nicht gleich wieder so hart. Soll man sofort aufhören, einander Frieden zu wünschen, nur, weil er so unendlich schwer zu erreichen ist?

Für meinen Geschmack ist Katrin zwar ein bisschen früh mit ihren Wünschen, aber sei´s drum: Auch von mir: allen eine gesegnete Weihnachtszeit. :)

#361 von Sunzi Sonnenschein am 07.12.07 um 11:47

 

@363
Ich wollte doch nicht vorsagen, lieber Herr Hessling. Katrin wird schon noch ihr eigenes Wort finden. (Im Übrigen: Jeder trage des anderen Last!)
Und: Wenn ich schon nicht vorsagen darf, so lass ich mir doch auch nichts nachsagen. Ich sprach nicht vom "Segen der Kirche", sondern von einer wohl eher vorkirchlichen Verheißung.

#362 von Günter Landsberger am 07.12.07 um 14:27

 

Und keine Kirche ist aus eigener Kraft das Subjekt der Erfüllung einer derartigen Verheißung.

#363 von Günter Landsberger am 07.12.07 um 18:26

 

Mit schweren, ganz unverzeihlichen oder als letzlich unverzeihlich erscheinenden "Irrtümern" (gerade auch einer "irrenden Kirche") ist menschlich-allzumenschlich leider zu rechnen. Bei manchen Religionen früher allerdings weit mehr noch als heute. -
Religiöser Dünkel ist niemals angebracht.
Demütig und zuversichtlich hoffen wird der besonnen handelnde Still-oder Laut-Gläubige aber dürfen.
(Die Still-Gläubigen sind mir persönlich allerdings die lieberen.)

#364 von Günter Landsberger am 07.12.07 um 18:41

 

Auch ich will mich mal wieder ein wenig literarisch verausgaben.
Mein Wunsch, auf das *gesegnete Wort angesprochen zu werden*, ist in Erfüllung gegangen. Ich persönlich freu mich auf Weihnachten. Auch wenn ich denke, dass es sich verhält wie mit Muttertag: Man sollte seine Mutter nicht nur an einem Tag im Jahr ehren, sondern immer. Genauso sollte man das ganz Jahr über freundlich zu den Mitmenschen sein. Man sollte nicht gesegnete sagen, denn ich verbinde dies eher mit *geschenkreich*. Aber abgesehen davon Sunzi: Hat die (Vor-)Weihnachtszeit nicht bereits begonnen?; )
Gesegnet Weihnachtszeit heisst für mich soviel wie: Ruhige, besinnliche, melancholische, freudenreiche Zeit. Ein Synonym vieler Bedeutungen. Möge es ein jeder interpretieren wie er es mag. (So wie wir es auch beim Glauben tun)

#365 von Katrin am 09.12.07 um 21:32

 

Heute in chrismon 12.2007:
ein neuer Anstoß zum Oberthema ist der Doppelpunkt-Beitrag des Psychiaters, Psychtherapeuten und Theologen Manfred Lütz (S. 52):
"Ist Gott ein Mann im Ohr, den man mit Psychologie wegmachen kann? Ein Plädoyer wider den zeitgeistigen Atheismus"

#366 von Günter Landsberger am 10.12.07 um 06:03

 

Korrektur: Psych"o"therapeuten

#367 von Günter Landsberger am 10.12.07 um 06:04

 

#368 Du meinst, wegen der Adventszeit, Katrin? Ja, so gesehen hat die (Vor-)Weihnachtszeit schon begonnen. Ich aber bin ein alter formalistischer Sturkopf, der lieber darauf wartet, dass ihn die Engel bescheidstoßen... :)

#368 von Sunzi Sonnenschein am 10.12.07 um 10:32

 

Sunzi, auch ich denke die Vorweihnachtszeit beginnt zu früh. Ich freue mich allerdings schon auf das Christkind, denn angekündigt wurde es ja schon durch roten Abendhimmel. (Engel backen Plätzchen).
Sir Landsberger: Warum so kleinlich? Ich sonst in meinen Texten viel zu viel zu tun. *lächel* Machen uns nicht die Fehler aus? Sind sie nicht die Sympathie, das Charisma welches wir ausstrahlen?

#369 von Katrin am 10.12.07 um 13:42

 

*hätte ; )

#370 von Katrin am 10.12.07 um 13:43

 

#372
Gegenüber anderen bin ich, glaube ich, liebe Katrin, nicht so kleinlich. Gegenüber mir selber auch nicht allzusehr. Höchsttens in der rechtschreibung.
(Solange ich noch im Beruf bin zumindest. Zwinker.)

#371 von Günter Landsberger am 10.12.07 um 14:06

 

Bist du wenn du hier schreibst bei der Arbeit? *zwinker*
Höre grade Bachs *Ave Maria*, gesungen von Luciano Pavarotti. Wunderschönes Lied.....
*mal nach Vivaldi schauen geht*

#372 von Katrin am 11.12.07 um 11:42

 

#375
Wenn du von Vivaldi schreibst, Katrin, denkst du dann an die berühmten "Vier Jahreszeiten" - die ich am liebsten übrigens mit Nigel Kennedy oder Viktoria Mullova höre - oder an ein anderes, vielleicht geistliches Werk?

#373 von Günter Landsberger am 13.12.07 um 17:21

 

Ich denke an Vivaldi.
http://de.youtube.com/watch?v=GxplDa3M5Io
Ein Link, der sehr gut ist- Vivaldi mal ganz anders. Es lohnt sich nachzuschauen.
Ja *Die vier Jahreszeiten* ist eine Zusammenstellung von Liedern übertragbar auf jedes Gefühl, welches ein Mensch besitzen kann. Finde ich. Nigel Kennedy- Ist bei mir im Linkverzeichnis eingetragen. Unter den Favoriten. Auch wenn er ein wenig verrückt ausschaut. Aber waren/sind das nicht alle Genies?
Was auch sehr schön ist, ist gespielt von I Musici, 1988. Lohnt sich auch danach zu schauen. Es lebe YouTube.

#374 von Katrin am 13.12.07 um 17:59

 

#375
Stimmt, Katrin. I Musici. Eine der älteren Aufnahmen. Aber eine der besten. Die haben ja seinerzeit fast den ganzen Vivaldi eingespielt. Und fast immer optimal.

#375 von Günter Landsberger am 13.12.07 um 18:39

 

#377
Nigel Kennedy ist nicht immer gut. Aber z. B. hat mir in seiner Interpretation das Violinkonzert von Anfang bis zum Ende zum ersten Mal gefallen. Bestens gefallen.

#376 von Günter Landsberger am 13.12.07 um 18:41

 

#379
das Violinkonzert von Jan Sibelius

#377 von Günter Landsberger am 13.12.07 um 18:59

 

An dieser Stelle vielleicht ein literarisches Weihnachtsrätsel?
Wer schrieb in einer seiner Prosawerke folgende Passage? Den Textauszug entnehme ich einer Gesamtausgabe, keiner Anthologie.
Hier also der Text:
"Da war ferner ein Krippenspiel. Das hatte der alte Moser, in dem ein Stück Künstler stak, sehr zierlich und reich an einer seiner Feierabenden geschnitzt. Darauf war die heilige Stadt Jerusalem, sehr stattlich anzuschauen, mit Mauern und Türmen und dem Tempel Salomonis auf einer gebietenden Höhe. Da war ein sehr grimmiger Herodes, mit Schnauzbart und rollenden Augen, vor dem man sich fürchten mußte. Die drei Könige aus dem Morgenlande kamen, und hinter ihnen zog eine solche Karawane mit solchen Reichtümern auf, daß man nicht begriff, wie die heilige Familie nicht fortab und für immer genug haben sollte; sehr ehrsam mit seinem weißen Bart und seinem Winkelmaß stand der heilige Josef da, und Maria war überaus fein und lieblich und glich nach des Hans innerster Überzeugung bei einem Haar dem Moidele. Reinlich lag das Jesuskind in seiner Krippe, um die sich Ochs und Eselein drängten. Und dazu machte ein verstecktes Orgelwerk eine sehr süße Musik, die den Kindern besser tönte, als die beim Hochamt in der Kirche. Ganz Bozen kannte und bestaunte dieses Wunder, selbst durchreisende Fremde beschauten es und wollten nirgends seinesgleichen gesehen haben. Alljährlich in der Adventwoche durften die Kinder dazu. Dann erklärte Hans dem Bäschen die Figürchen und alle Legenden, denn er war um so viel älter und klüger als sie. Sie aber durfte die Orgel in Bewegung setzen, und wenn das "Vom Himmel hoch, da komm' ich her" losbrauste, so erschrak sie so niedlich und hielt sich die Händchen vor die Ohren, daß der Hans sich immer wieder daran ergötzte. Und das ganze, lange und ihnen so sonnige Jahr freuten sie sich auf die nächste Christzeit, und auf die Stunde, in welcher sie wiederum die sonst ängstlich verschlossene Stube betreten dürfen, in welcher dies einzige Werk stand."

#378 von Günter Landsberger am 13.12.07 um 19:21

 

Gut, nicht nur ich habe die Mühe gescheut wirklich danach zu suchen. Vielleicht verrät uns unser Herr Landsberger woher die Geschichte genau stammt. Ich habe kurz gegoogelt, dann aber aufgegeben, weil mein Drang nach dem Lösen eines Rätsels in dieser Hinsicht einfach nicht so groß war, um mich länger damit zu beschäftigen. Aber finde es schade, dass sonst keiner mehr in diesem *Chatraum* das Wort ergreift.

Wo seid ihr denn alle geblieben?
*grinz*

#379 von Katrin am 16.12.07 um 09:30

 

Das Mädchen spricht:
"Der Spiegel sagt mir: ich bin schön!
Ihr sagt, zu altern sei auch mein Geschick,
Vor Gott muß alles ewig stehn,
In mir liebt ihn für diesen Augenblick."

Vierzeiler Goethes aus "West-östlicher Divan" ("Buch der Betrachtungen")

#380 von Günter Landsberger am 16.12.07 um 09:47

 

#382
Hier des Rätsels Lösung:
Bücher dieses Autors (neu herausgegeben) sind zwar wieder auf dem Markt. Eines davon, eine Anthologie seiner Erzählungen, heißt: "Verstörte Zeit" (Wallstein Verlag). Ein anderer Band "Mährische Erzählungen" war vor einiger Zeit auch noch zu haben. Im verdienstvollen VITALIS-Verlag (Prag) gibt es auch in der einen oder anderen Anthologie die eine oder andere Erzählung von ihm. Seine Romane aber sind nicht mehr aufgelegt So auch nicht die Erzählung, aus der ich zitiert habe: "Das Wunder des heiligen Liberius". Entnommen ist diese Erzählung einer sehr selten gewordenen Ausgabe seiner "Gesammelten Werke" (München und Leipzig 1908). Der fast verschollene Autot dieser verschollenen Werke heißt Jacob Julius David. Und der ist wenigstens unter seinem Namen zu ergooglen.
Der von mir ausgewählte Text passt übrigens nicht ins Klischee der Literaturgeschichten über diesen Autor.

#381 von Günter Landsberger am 16.12.07 um 09:57

 

Meister Eckhart:
"Wir begehen das Fest von der ewigen Geburt, die Gott der Vater geboren hat und ohne Unterlass in der Ewigkeit gebiert, während dieselbe Geburt jetzt in der Zeit und in der Menschennatur sich ereignet. Der heilige Augustin sagt, diese Geburt geschehe immer. So sie aber nicht in mir geschieht, was hilft es mich
dann? Denn dass sie in mir geschehe, daran liegt
alles."

#382 von Günter Landsberger am 16.12.07 um 12:47

 

Heute in der Süddeutschen Zeitung, Feuilleton Seite 1, oben links: Ein Beitrag, der mein Herz erfreute. John Gray "Ketzer des Fortschritts" - eine Stellungnahme gegen Richard Dawkins und andere Wanderprediger des Atheismus... (leider im Netzauftritt der SZ nicht greifbar, kann daher keinen Link setzen).

#383 von Bernd Berke am 17.12.07 um 10:07

 

@#386 BB: "leider im Netzauftritt der SZ nicht greifbar" - Aber das macht doch nichts, ich hab ja ein Abo. Dann lese ich's jetzt mal - und bringe vielleicht später Ihr erfreutes Herz mit einer Wortmeldung (so sich's denn lohnt) aus dem Rhythmus.

#384 von Revierflaneur am 17.12.07 um 10:45

 

@#386 BB: So, jetzt habe ich den Artikel von Gray gelesen. Ich hätte nicht gedacht, dass Ihr Herz so leicht zu erfreuen ist. Diese schlichte Freude erinnert mich an den Jubel eines Fußballfans, der sich freut, wenn "einer von unsern" sich in Ballbesitz gebracht hat - ganz egal, ob dies durch Foul oder auf faire Weise geschah. Der Schiri hat's ja nicht gepfiffen, und "Tooor!" In dem Zweispalter von John Gray konnte ich leider keinen einzigen neuen Gedanken entdecken, insofern verstehe ich gut, dass es die SZ nicht für nötig hielt, ihn online zu stellen. Meine erheblichen Vorbehalte gegen Dawkins habe ich übrigens gerade heute in einem Kommentar (#75) angedeutet:

http://www.westropolis.de/revierflaneur/stories/23614/

Ihre kleine Stichelei fasse ich mal so auf, dass Sie mich ermuntern wollen, am nächsten Sonntag meinen Schnellkurs Atheismus fortzusetzen, den Sie als Reibungsfläche zu entbehren scheinen. Mal schaun! Und ansonsten einen gesegneten Montag wünscht Ihnen Ihr Revierflaneur.

#385 von Revierflaneur am 17.12.07 um 11:03

 

So verschieden sehen das die Fans beider Seiten. Ich finde, Gray hat den längst fälligen Elfer gegen die Kloppertruppe verwandelt. *g*
Auch Ihnen eine gesegnete Woche.

#386 von Bernd Berke am 17.12.07 um 12:18

 

@#389 BB: Nönö, Herr Berke, ein "Fan", also ein Fanatiker meiner Überzeugungen, bemühe ich mich eben gerade nicht zu sein. Das macht den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen uns Sportsleuten aus: Ich spiele Schach und trachte zu gewinnen, während Sie im Stadion beim Rasenschach bloß zuschauen - und wahlweise pfeinen oder applaudieren.

#387 von Revierflaneur am 17.12.07 um 13:34

 

pfeifen

#388 von Revierflaneur am 17.12.07 um 13:34

 

Pfeifen? Applaudieren? Unfug ! Ich gröle natürlich nur besinnungslos 'rum. Ihr unfeiner, prolliger BB

#389 von Bernd Berke am 17.12.07 um 17:13

 

BB.....
WR=Westfälische Rundschau?
Sehr sympathisch, dieses gröhlende Etwas *g*

#390 von Katrin am 18.12.07 um 14:34

 

SIRIUSBEGLEITER

Von den Dingen, die ich sah
bist du mir besonders nah

Fühle aller Welten Schluss
Was da kommen wird und muss

Ein vollkommner Diamant
Hast du Raum und Zeit verbrannt

Deiner ungeheuren Schwere
Bleibt allein der Weg ins Leere

Dein dir anvertrautes Leben
hast du wieder weggegeben

Erdenkleiner Sternengreis
Heiß wie Feuer, weiß wie Eis

Deine Härte ist der Tod
Unsrer Herzen, der uns droht.

#391 von Friedrich Dürrenmatt am 18.12.07 um 16:03

 

@#388
Lieber Flaneur, sagen Sie mal: Welche Abschlüsse sind eigentlich beim "Schnellkurs Atheismus" möglich?
Diplom-Atheist, Bachelor, Master, Doktor gar? Oder gibt's für fleißige Adepten nur 'ne Praktikums-Bescheinigung?

@#393 Katrin
WR = Wunderbare Rundschau
WR = Weltrekord
usw.

#392 von Bernd Berke am 18.12.07 um 16:20

 

@# 395 BB: "Welche Abschlüsse sind eigentlich beim "Schnellkurs Atheismus" möglich?" - Nur einer: Freier Mensch.

#393 von Revierflaneur am 18.12.07 um 16:26

 

Es war Weihnacht. Ich ging über die weite Ebene. Der Schnee war wie Glas. Es war kalt. Die Luft war tot. Keine Bewegung, kein Ton.
Der Horizont war rund. Der Himmel schwarz. Die Sterne gestorben. Der Mond gestern zu Grabe getragen. Die Sonne nicht aufgegangen.
Ich schrie. Ich hörte mich nicht. Ich schrie wieder. Ich sah einen Körper auf dem Schneeliegen. Es war das Christkind. Die Glieder weiß und starr. Der Heiligenschein eine gelbe gefrorene Scheibe. Ich nahm das Kind in die Hände. Ich
bewegte seine Arme auf und ab. Ich öffnete seine Lider. Es hatte keine Augen. Ich hatte Hunger. Ich aß den Heiligenschein. Er schmeckte wie altes Brot. Ich biß ihm den Kopf ab. Alter Marzipan. Ich ging weiter.

#394 von Friedrich Dürrenmatt, 1942 am 18.12.07 um 16:59

 

Schnee liegen

#395 von Friedrich Dürrenmatt, 1942 am 18.12.07 um 17:01

 

Ich werde hier aber nie unter Pseudonym im Schnee liegen. Mich kann man stets als den identifizieren, der ich nun mal bin: der Revierflaneur, Manuel Heßling. Der Grund? Ich habe nichts zu verbergen. Vor niemandem. So einfach ist das.

#396 von Revierflaneur am 18.12.07 um 17:16

 

Ach, jetzt sehe ich's gerade. Dieser Thread steht auch schon vor der runden Zahl 400. Sei's drum, das lasse ich mir nicht nehmen, hier zu bekunden: Es gibt keine Wunder! Nur, dass Ihr Euch nicht wundert.

#397 von Revierflaneur am 18.12.07 um 17:20

 

Glückwunsch zur "400". Gott ist eben ein "Megaseller" - so oder so.

#398 von Bernd Berke am 18.12.07 um 17:56

 

Q#401 BB: ... während sein armes Geschöpf kaum über drei Kommentare hinauskommen dürfte:

http://www.westropolis.de/revierflaneur/stories/23947/

Triumphieren Sie nur, Herr Berke. Aber über wen oder was?

#399 von Revierflaneur am 18.12.07 um 19:00

 

Wünscht man Glück, so heißt es, man triumphiere. Da kenne sich einer aus.

#400 von Bernd Berke am 18.12.07 um 19:04

 

#397+#399
Lieber Manuel Heßling, ziehen Sie sich doch bitte nicht gleich jeden Schuh an, der herumliegt.
Der Text "Weihnacht" unter #397 (+Korrektur #398) stammt tatsächlich von Dürrenmatt. Aus dem Jahre 1942. Einer seiner ersten veröffentlichten. Deswegen habe ich ihn auch unter seinen Namen ins Netz gestellt und mich nicht als Zitierer hervortun wollen.
Meine eigenen Texte schreibe ich nie unter Pseudonym.
Text #394 und #397 zusammenzusehen könnte doch interessant sein?
Je nach eigener Position werden sich die Texte etwas anders strukturieren, auch wenn man (unter bewusstem Absehen von sich selber) die Haltung Dürrenmatts vordringlich zu verstehen sucht.

#401 von Günter Landsberger am 18.12.07 um 19:28

 

Revierflaneur. Bitte korrigieren sie mich, falls ich sie missverstehe. Doch es erscheint mir, sie mögen das latent Provokante... Vielleicht irre ich mich auch, aber reizen mögen sie allemal gern.
Liebe Grüße,
Das *wahrscheinlich* Küken dieser
*Side*

#402 von Katrin am 19.12.07 um 00:49

 

Dostojewskij-Motto zur Dostojewskij-Oper "Aus einem Totenhaus" von Leos Janacek:
"In jeder Kreatur ein Funke Gottes."

#403 von Günter Landsberger am 02.01.08 um 07:46

 

@#405 "Küken" Katrin: "... reizen mögen sie allemal gern." Wenn Sie mich deshalb reizend finden, soll's mir recht sein.

#404 von Revierflaneur am 02.01.08 um 10:07

 

Schwätz, blubber, schwatz: Was bleibt, das ist der Aberglaube.
Lieber tot als im Himmel.
Franz

#405 von Franz am 10.01.08 um 02:46

 

Sehr lange ist es her, dass ich diese Seite besucht habe. Doch ich wollte einmal vorbeischauen, um dem Lauf der Dinge einen gewissen neuen Anreit abzugewinnen, Dem ist leider nicht so. Ich kam wahrscheinlich zu spät zu dieser *Diskussion*. Sehr schade, Hab wahrscheinlich das Bester verpasst.
Günter? Reizvoll wenn kritikfähig. *g*

#406 von Katrin am 26.01.08 um 00:22

 

Bei den Brüdern Grimm zu lesen:

Das Alter

Gott erschuf den Esel … - und sagte zu ihm:
“Du bist ein Esel. Du wirst unentwegt von morgens bis abends arbeiten und schwere Sachen auf deinem Rücken tragen. Du wirst Gras fressen und wenig intelligent sein. Und Du wirst fünfzig Jahre leben.”
Darauf sagte der Esel:
“Fünfzig Jahre so zu leben ist viel zu viel, gib’ mir bitte nicht mehr als dreißig Jahre!”
Und es war so.

Dann erschuf Gott den Hund und sagte zu ihm:
“Du bist ein Hund. Du wirst über die Güter der Menschheit wachen, deren ergebenster Freund du sein wirst. Du wirst das essen, was der Mensch übrig lässt und 25 Jahre leben.”
Der Hund antwortete:
“Gott, 25 Jahre so zu leben, ist zu viel. Bitte nicht mehr als zehn Jahre!”
Und es war so.

Dann erschuf Gott den Affen und sagte zu ihm:
“Du bist ein Affe. Du sollst von Baum zu Baum schwingen und dich verhalten wie ein Idiot. Du wirst lustig sein und so sollst Du für zwanzig Jahre
leben.”
Der Affe sprach:
“Gott, zwanzig Jahre als Clown der Welt zu leben, ist zu viel. Bitte
gib’ mir nicht mehr als zehn Jahre.”
Und es war so.

Dann erschuf Gott den Mann und sagte zu ihm:
“Du bist ein Mann, das einzige rationale Lebewesen, das die Erde bewohnen wird. Du wirst Deine Intelligenz nutzen, um dir die anderen Geschöpfe Untertan zu machen. Du wirst die Erde beherrschen und für zwanzig Jahre leben!”
Darauf sprach der Mann:
“Gott, Mann zu sein für nur zwanzig Jahre ist nicht genug. Bitte gib mir die zwanzig Jahre, die der Esel ausschlug, die fünfzehn des Hundes und die zehn des Affen.”

Und so sorgte Gott dafür, dass der Mann zwanzig Jahre als Mann lebt, dann heiratet und dreißig Jahre als Esel von morgens bis abends arbeitet und schwere Lasten trägt. Dann wird er Kinder haben und fünfzehn Jahre wie ein Hund leben, das Haus bewachen und das essen, was die Familie übrig lässt. Dann, im hohen Alter, lebt er zehn Jahre als Affe, verhält sich wie ein Idiot und amüsiert seine Enkelkinder.
Und so ist es bis heute…

Nach der BLOG-Lektüre:
Da erschuf Gott den Hund und sagte zu ihm:
“Du bist ein Hund. Du wirst über die Foren, BLOGS und sonstigen Denkgüter der Menschlein wachen, deren ergebenster Freund du sein wirst. Du wirst das essen, was der Mensch übrig lässt und cirka 20 Jahre leben.”
Der Hund antwortete:
“Gott, 20 Jahre so - mit den Menschlein - zu leben, ist zu viel.
Bitte nicht mehr als zehn Jahre!”
Und es geschah so.

Dann erschuf Gott den Affen und sagte zu ihm:
“Du bist ein Affe. Du sollst von Baum zu Baum schwingen und dich verhalten wie ein Idiot. Und dich in Zoos präsentieren, wie du willst. Du wirst lustig sein und so sollst Du etwa auch zwanzig Jahre leben.”
Der Affe sprach:
“Gott, zwanzig Jahre als Clown der Welt zu leben, ist zu viel. Bitte gib’ mir nicht mehr als zehn Jahre.” - Und es sollte so kommen.

Dann erschuf Gott den Mann und sagte zu ihm:
“Du bist ein Mann, das einzige rationale Lebewesen, das die Erde bewohnen wird. Du wirst Deine Intelligenz nutzen, um dir die anderen Geschöpfe Untertan zu machen. Du wirst die Erde beherrschen und für zwanzig Jahre laufen, lieben, lachen - und leben!”
Darauf sprach der Mann:
“Gott, Mann zu sein für nur zwanzig Jahre ist nicht genug. Bitte gib mir die zwanzig Jahre, die der Esel ausschlug, die fünfzehn des Hundes und die zehn des Affen.”

Und so sorgte Gott dafür, dass der Mann zwanzig Jahre als Mann lebt, dann heiratet er ein Frauchen, das mit ihm und für ihn lacht (wenn er zahnlos wird) und dreißig Jahre als Esel von morgens bis abends arbeitet und schwere Lasten trägt. Dann wird er Kinder haben und fünfzehn Jahre wie ein Hund leben, das Haus bewachen und das essen, was die Familie übrig lässt. Dann, im hohen Alter, lebt er zehn Jahre als Affe, verhält sich wie ein Idiot und amüsiert seine Enkelkinder.

Und so war es Jahrtausende; dann aber nahm die Medizin an Weisheit und der Mann an Potenzfähigkeit zu - und so weiter.
Nur die passende Frau - die fand das Männlein trotzdem nicht.

Das sprach der Mann. Dann schaff ich ebn diesen komischen , vergesslichen Gott ab - und denk mir einen patriarchalen, gewalttätigen Gott aus, der das alles mir gestattet - und das nenn ich Bibel und Geschichte Gottes mit dem Menschen, der ein Mann geblieben ist und Frauen und Ideen über Frauen und Göttlichkeiten (Gott-Vater, Gott-Sohn und „Spiritus Sanctus“ - d. i. Heiliges Sperma) ausdenkt, so lange die E v o l u t i o n ihn leben läßt ihrem Experiment N a t u r.

#407 von Antoninus am 05.02.08 um 17:34

 

Ein Psychologe fragte: „Was ist der Unterschied zwischen dem Geisterglauben und dem Glauben an den einen Geist?“ Ein Zen-Schüler fasste dies als Kôan* auf und antwortete: „Die Null ist eine Zahl.“

Kommentar:

Vor ein paar Monaten beklagte sich eine Psychologin bei mir darüber, dass man ihr während eines Retreats in einem buddhistischen Zentrum kein Verständnis entgegengebracht habe, als sie statt an einer Gehmeditation teilzunehmen, lieber (zu ihrem christlichen Gott) beten wollte. Sie wiederum zeigte kein Verständnis dafür, dass vietnamesische BuddhistInnen an Geister glauben. Da fiel mir als Antwort dieser Aphorismus ein.

Im 1.Teil die Frage des Psychologen. Beides ist Glaube an eine Fiktion. Beim Monotheismus kann man auch von einer Hypothese sprechen. Worin, wenn man genauer hinsieht, sich beide unterscheiden, das hast du sehr gut auf den Punkt gebracht. Und wie der Geisterglauben mancher VietnamesInnen von anderen Buddhisten eingeschätzt wird, hätte die Psychologin eigentlich wissen müssen, denn sie hat meinen Roman „Der Ritt auf dem Ochsen oder Auch Moskitos töten wir nicht“ gelesen und sogar eine Lesung organisiert. In dem Buch sagt es ein Zen-Lehrer. Mehr darüber im ZEITFRAGENFORUM I (googeln!).

* Der 2. Teil des Aphos soll – typisch für einen Kôan – die Absurdität solcher (metaphysischen) Fragen verdeutlichen. Im (ursprünglichen) Buddhismus hat Metaphysik keinen Platz. Sie ist überflüssig und behindert Dasein und Wirken im gegenwärtigen Augenblick.

#408 von Dietrich Stahlbaum am 01.03.08 um 23:04

 

@#5: Schonmal darüber nachgedacht, dass Gott Liebe ist. Genau, wie man Liebe spürt und sie nicht sehen kann, so spürt man Gott. Ein andere Begriff ist übrigens "Vater". Und wenn man an seinen eigenen Vater denkt, so empfindet man in den meisten Fällen auch Liebe (so soll es zumindest sein). LG

#409 von Imoagnet am 08.09.08 um 14:28

 

nachdem der versuch, gott durch die nation zu ersetzen, katastrophal gescheitert ist, haben wir doch jetzt den kapitalismus (oder schon das individuum?) - warum also zurück zum anfang? ich harre neugierig der dinge die da als nächstes kommen werden und hoffe, dass sie mich möglichst lange in frieden lassen.

#410 von Sven Halen am 09.09.08 um 20:13

 

Drei jüdische Sprichwörter als Nachtrag zum Thema:

"Gott lebt und wir martern uns."

"Bei Gott ist keiner ein Ben Juchid (einziger Sohn); (Gott bevorzugt keinen.)"

"Wenn nur Gott so lang' helfen möcht', bis Gott helfen w i r d."

#411 von Günter Landsberger am 22.12.08 um 13:30

 

Du darfst über alles predigen, außer über zwanzig Minuten.
Margot Käßmann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche Hannover

#412 von Olram X am 22.12.08 um 18:25

 

Unbedingt hierhin gehört auch folgendes Gogol-Zitat:

"Je erhabener eine Wahrheit ist, umso vorsichtiger muß man mit ihr umgehen; sonst verwandelt sie sich in einen Gemeinplatz, und Phrasen schenkt man keinen Glauben. Die Atheisten haben bei weitem nicht soviel Unheil angerichtet wie die Heuchler und Propheten Gottes, die noch nicht genügend für ihr Amt vorbereitet waren und sich erdreisteten, Seinen Namen mit ungeweihten Lippen zu verkünden. Man muß redlich mit dem Worte umgehen: es ist die höchste Gabe, die Gott den Menschen verliehen hat."

(zitiert nach Walter Nigg: "Wallfahrt zur Dichtung", Zürich 1966, S. 310)

#413 von Günter Landsberger am 08.04.09 um 12:00

 

#413
Heute uebertreffen Sie sich selbst an Klugheit. Wenn man Sie heute so liest.

#414 von Marta am 08.04.09 um 14:23

 

Mein Dämon

Mein Dämon hat keine Brüder und Schwestern.
Mein Dämon ist nicht von heute und gestern.
Als Gott, der Herr, die Welten machte,
Saß mein Dämon dabei im Grase und lachte,
Schnitt sich die Zehennägel entzwei
Und sah an der ganzen Welt vorbei.

Hugo Ball

#415 von Olram X am 13.04.09 um 09:08

 

Der Mensch ist sich selber sein Dämon. (Sokrates?)

#416 von Günter Landsberger am 13.04.09 um 09:18

 

OHNE respeckt, zu allen und jeden,
wirt die Natur, wieder die
Welt beherchen,!!
lg,kpm - der Wahrsager,!!

#417 von kpm am 08.08.09 um 12:44

 

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