Der Westen - Das Portal der WAZ Mediengruppe

So gehts…Senden Sie uns Ihren Beitrag

"Sie nennen es Realität" - Die Ausstellung

Wirklichkeit - was ist das schon?

Realität - was ist das? Das ist die zentrale Frage zweier Ausstellungen, die ab sofort in der Phoenix-Halle für viel Gesprächsstoff und noch mehr Unterhaltung sorgen dürften. Der Hartware MedienKunstVerein präsentiert 16 Arbeiten zum Thema Realität und stellt damit alles in Frage, was man schon immer über Wirklichkeit zu wissen glaubte. Eines vorweg: Wer die Ausstellungen "Sie nennen es Realität" und "Walkthrough", bis zum 21. Oktober besuchen will, der sollte viel, viel Zeit mitbringen. Nicht nur, weil es so viel Spannendes zu entdecken gibt, sondern, weil jede der rbeiten es wert ist, sich gründlich mit ihr auseinanderzusetzen.

 
Nicht nur optisch im Mittelpunkt steht die Arbeit von Marc Lee. Der Schweizer denkt in großen Dimensionen (immerhin werfen vier Beamer eine gigantische Bildfläche an die Hallenwand - siehe Bild) er greift sich auch gleich die ganze Welt als Spielball seines Kunstwerkes.

 
Was der Amerikaner als "News Break" kennt - also den Raum, den man der harten Nachricht im TV einräumt, stellt er mit einem Augenzwinkern und technisch brillant auf den Kopf. Da wird aus "News Break" plötzlich "Breaking the News" (also das Aufbrechen der Nachrichtenwelt). Nicht ohne Grund. Denn was der 38-jährige Marc Lee geschaffen hat, ist nicht weniger als ein Kunstwerk, bei dem der Betrachter zum Akteur wird, zum Medien-Jockey. Er kann sich ein Wort suchen. Irgendeins. "Bahnstreik" zum Beispiel oder "Flugzeugabsturz". Dann setzt sich die Maschinerie vor seinen Augen mit geplanter Zufälligkeit in Bewegung. Da bricht eine Bilderflut über den Betrachter herein: Schlagzeilen, Videos, Fotos, Comics und, und, und. Die Wirklichkeit hinter dem Wort wird zum Tanz der Medien. Zu einem (mit-)reißenden assoziativen Fluss. "Google", "Youtube", "MyVideo", Online-Zeitungen und Datenbanken wie "Wikipedia" - insgesamt 16 Schnittstellen zapft Lee an, um die scheinbar so klare Wirklichkeit in einem Wirbel des Möglichen und Unmöglichen verschwinden zu lassen. Mit einem einfach Mausklick wird die ach so harte Nachricht butterweich - der Tod zum Witz. Die Realität der Medien verliert sich in ihrer Relativität. Und wer seinen Namen eingibt, der wird mitunter mit seinem Unterbewusstsein, seiner virtuellen Vergangenheit konfrontiert - mit den surreal wirkenden Spuren seiner selbst im Netz. Einen Vorgeschmack gibt es unter www.oamos.com.

 
Doch da ist mehr, viel mehr: Der Künstler Alex Antener rollt der Traumwelt den roten Teppich aus, hat in seinen REM-Phasen gefilmt, lässt Descartes "Ich denke, also bin ich" zu "Ich denke, das bin ich" werden und amüsiert sich über die Wissenschaft.

 
Bei der Mediengruppe Bitnik und Sven König regnen die Telefone vom Himmel. "Opera Calling" heißt ihr Werk, mit dem sie die konservative Zürcher Oper auf die Schippe nahmen und mit ihrer Kunst selbst zum Medienereignis werden...

 
Wenn alles möglich ist, ist nichts unmöglich. Sicher ist nur: Man braucht viel Zeit, um es zu genießen.

 


 

2 Kommentare

Realität ist die Illusion die durch Abwesenheit von Alkohol entsteht. (irische Wahrheit)

#1 von Blinkfeuer am 11.10.07 um 22:07

 

Wohl gesprochen. Nach Einbruch der Nüchternheit dämmert einem vieles.

#2 von Peter Ring [WR] am 12.10.07 um 11:18

 

Sie können diesen Beitrag kommentieren!