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Künstlerhaus Dortmund

Die Nasenlöcher der Frau von der Leyen

Ursula von der Leyen hat tiefschwarze Nasenlöcher und dreckige Ohren. Peer Steinbrück glänzt mit Vampirzähnen. Und Wolfgang Schäuble sieht aus wie ein Alien. Das also kommt dabei heraus, wenn Künstler sich mit Politik beschäftigen.

 

Oder spezieller, wenn Daniel Behrendt sich mit Politik auseinandersetzt. Der Hannoveraner fertigte Portraits der Minister - und ließ sie von Muttern auf DDR-Taschentücher sticken. Die karikaturesken Ergebnisse 'flattern' auf Wäscheleinen im Künstlerhaus Dortmund - jederzeit austauschbar, flüchtige Anblicke auf der Wäschespinne der Macht.

 

 „Ich wollte einen Spannungsbogen von abstrakten über konkrete bis zu poetischen Positionen", sagt Kurator Patrick Borchers. Nach allem feinen Formalismus solle die Ausstellung „politics" einen Kontrapunkt setzen - und zeigen, wie Kunst und Politik zusammen kommen können.

 

So sind es nicht viele, aber tiefgehende Arbeiten, bei denen die „Diskussion Teil des Konzepts" ist: Deutschland-Premiere hat das Video „Trains" (Züge) der Britin Tanya Ury. Inspiriert vom „Zug der Erinnerung" setzt sie sich mit der Vergangenheit der Deutschen Bahn auseinander. Ansichtskarten von Zügen prallen hart auf das Wissen, das sie auf Schienen fahren, die vermutlich einst Deportationsstrecken der Nazis waren. Aus atmosphärischen Aufnahmen vom KZ Meiderich hat Till Rohmann die schaurige Musik gestaltet.

 

Ebenso erstmals in Deutschland zu sehen ist „what would it mean to win?" - ein dokumentarisches Video vom Protest gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm von Oliver Ressler und Zanny Begg. Dem komplexen Gefüge von Nationen in der EU widmet sich Myriam Thyes mit ihren Flaggenmetamorphosen.

 

 Das Spannungsfeld nationaler Grenzen und Machtverhältnisse loten Stefan Mörsch und Stefano Giuriati auf sehr unterschiedliche Weise aus: Mörsch hat Grenzhäuschen libanesischer Staatswächter nachgebaut, die sich zwar alle an die Grundzüge ihrer Flagge gehalten haben, die genaue Ausgestaltung aber je nach Façon leisteten: Rot-weißschräg, waagerecht, senkrecht. In Deutschland wäre das wohl nicht denkbar...

 

 Giuriati derweil hat mit seinem Freund Giannotti eine fast banale, aber weitreichende Idee umgesetzt: Die beiden verkleideten sich als italienische Carabinieri und liefen 14 Tage lang in München umher. Und siehe da - trotz der Herauslösung aus ihrem Kontext wirkten die ‚Insignien' der uniformierteb Macht. Die beiden wurden als Ordnungshüter akzeptiert.

 

Am Rande notiert:

Inwiefern kann Kunst politisch sein? Und welche Wirkung ist gegebenenfalls politischer Kunst zuzuschreiben? Es ist ein weites Diskussionsfeld, das sich da auftut.

 

 Wie streitbar das Thema nicht nur auf der Rezipientenseite ist, zeigte sich beim Presserundgang: Da gerieten sich die Künstler Tanya Ury und Stefan Mörsch in die Haare. Es sei doch eine „elende Diskussion" sagte Mörsch - lässig an einen Türrahmen gelehnt. „Kunst kann nicht politisch sein."

 

 Die Britin, die sich in ihren Arbeiten auch mit deutscher Geschichte auseinandersetzt, schaute ihn entgeistert an: „Ich bin überhaupt nicht Deiner Meinung", erklärte sie empört. „Seit dem Zweiten Weltkrieg kann man als Künstler sehr viel machen. Und das ist sehr wichtig."

 

 Hin und her gingen die Worte, lauter wurden die Stimmen. Na - wenn das kein Auftakt ist!

 

www.kuenstlerhaus-dortmund.de 

Bild: Franz Luthe

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5 Kommentare

Vermutlich beruhte das gegenseitige Missverständnis mal wieder darauf, dass er nicht begriff, was sie unter Kunst versteht und sie nicht begriff, was er unter Politik versteht - und umgekehrt. So kreuzen sich nie die beiden parallelen Schienen und das gegenseitige Verständnis ereignet sich erst im Unendlichen - also nie.

#1 von Revierflaneur am 14.02.08 um 21:10

 

Die Britin, die sich in ihren Arbeiten auch mit deutscher Geschichte auseinandersetzt, schaute ihn entgeistert an: „Ich bin überhaupt nicht Deiner Meinung", erklärte sie empört. „Seit dem Zweiten Weltkrieg kann man als Künstler sehr viel machen. Und das ist sehr wichtig."

für nadine albach,

da grosses kompliment und dafür ein geschenk:
http://www.youtube.com/watch?v=Ywg-PdeGVL0
find die sind viel besser gewesen als wir alle
miteinand.

jetzt noch der ringo
und de paul, schwer geprpüft
der georg.e.
und der johannes, genannt john

doch helles blau
is helles blau

a we mer hochsteign muss
un d luft a mal eng wird
naufsteign muss ma.
und es is schee

#2 von tmk am 14.02.08 um 22:44

 

@Revierflaneuer: Den Eindruck hatte ich wohl auch.

#3 von Nadine Albach [WR] am 15.02.08 um 18:55

 

Richtigstellung:

Ein KZ Meiderich gibt es nicht- das Rohmaterial für die Komposition von Till Rohmann (aka glitterbug) "10 Seconds", welche die Arbeit "Trains" von Tanya Ury begleitet, wurde auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Majdanek aufgenommen.

#4 von Künstlerhaus Dortmund am 01.03.08 um 14:37

 

Hallo Nadine Albach

Sie könnten das online-Artikel verbessern. Es heisst KZ Maidanek.

#5 von Tanya Ury am 04.03.08 um 11:55

 

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