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Frank Klötgen - Der Fall Schelling

Kurzstrecken-Marathon

Poetry Slam ist ja was Spezielles. Alles, was gesagt werden soll, muss knapp gefasst sein, denn die Zeit ist begrenzt. Geschichten im Sprint-Format. Romane haben da eher etwas von Marathon an sich.

 

Frank Klötgen ist Slammer. Das merkt auch dem Roman an. Hier wird kurz und prägnant geschrieben, was zu schreiben ist. Dafür reichen auch ca. 180 Seiten vollkommen aus, um eine verwirrte Menschheit zurückzulassen. Das gilt zumindest für den Teil, der den Roman gelesen hat. Aber dieser Teil hatte dafür ein tolles Buch mit einer neuen Aufgabe für die Ethik-Kommission in seinen Händen.

 

Dabei scheint alles ganz einfach: Schelling ist Autor und tot. Aber nicht ganz, sondern konserviert und er wird auf Zustimmung seiner Ehefrau reanimiert. Das geschieht aber nicht sofort nach seinem Tod, sondern erst 17 Jahre später. Ein Ärzteteam bemüht sich, allmählich Lebensfunktionen wieder freizuschalten. Ach ja, Science fiction – beinahe richtig geraten.

 

Nächste Ebene: Während der Konservierungsphase hat Schellings Ehefrau zwar die Zustimmung zur Reanimation gegeben, zwei Jahre vor dessen Start aber ihrerseits das Zeitliche gesegnet. Einzige Verwandte ist eine Tochter, die sich zu Lebzeiten des Vaters von ihm zurückgesetzt fühlte. Die vom Vater geliebtere Schwester ist nach dessen Tod ebenfalls gestorben. Was der natürlich nicht weiß, weil er ja schon tot war, jetzt aber zur Rekonvaleszenz die Nachbarwohnung der verbliebenen Tochter beziehen soll.

 

Der nächste Spannungsbogen besteht zwischen Chefarzt Böger und seinem Vertreter Kruschke. Böger will zurückhaltend vorgehen, vor allem der Öffentlichkeit gegenüber, Kruschke drängt auf schnelles Vorgehen. Bis Böger schließlich (zwar nicht komplett) Kruschke die Leitung übergibt und zur nächsten Baustelle in seinem Leben eilt.

 

Hier gilt sein Beistand seiner geschiedenen Ehefrau, mit der er den Selbstmord des gemeinsamen Sohnes Timo verarbeiten will und der er auch wieder näher kommen will.

 

Als reichte das nicht aus, rollt ein weiterer Wiedererweckter ins Geschehen, der durch dunkle Äußerungen Zweifel bei Schelling sät. Und dann noch eine letzte grandiose Szene bei Schellings früherem Verleger und es heißt: alles zurück auf Start.

 

Wie eingangs erwähnt, ist die Zeit beim Slam knapp, der Platz beim Roman auch. Man muss schon selbst denken. Und wem das noch zu viel zu lesen ist, kann sich ja die beiliegende CD anhören. Die beinhaltet zwar nicht den gesamten Roman, aber sieben Tracks, zusammen 49 Minuten. Das sind durchschnittlich 7 Minuten. Eben Slam.

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