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Amélie Nothomb - Der japanische Verlobte

Lesenswert !

Der japanische Verlobte ist mein erster Nothomb Roman - und wird nicht mein Letzter sein!
Doch der Reihe nach. Vorneweg muss gesagt sein, dass dieses Buch teilweise autobiographisch geschrieben wurde. Amélie Nothomb wuchs als belgische Diplomatentochter die ersten fünf Jahre ihres Lebens in Japan auf. Wurde von Kindermädchen liebevoll großgezogen und verwöhnt. Doch, so ist es Teil eines Diplomatenlebens, musste die Familie weiterziehen, den Himmel auf Erden für die kleine Amélie und ihre Schwester Juliette verlassen. Es folgten u.a. China, USA, Frankreich. Doch mit 21, im Jahr 1989, beschließt Amélie in ihr Heimatland zurückzukehren. Sie nimmt einen Job bei einer renommierten japanischen Firma an und gönnt sich davor ein Jahr lang eine Auszeit, um Land und Leute und vor allem die ihr fremdgewordene Sprache wieder kennen zulernen. Um sich finanziell über Wasser halten zu können gibt Amélie Französischunterricht und trifft dort Rinri...ihren japanischen Verlobten.

 

Hier fängt der eigentliche Roman an. Ein paar Tage nachdem sie eine Announce für ihren Französischkurs aufgab trifft sie sich mit Rinri in einem angesagten Cafe. Rinri ist 20 Jahre alt, gutaussehend und studiert - eigentlich - schon drei Jahre lang Französisch. Doch was Rinri so von sich gibt erschüttert die sprachbegabte Ausländerin. Seine Aussprache ist ein Kauderwelsch aus Japanisch, Englisch und einem Hauch von Französisch. Mit Händen und Füßen versucht Amélie Rinri einfache Wörter und Sätze beizubringen - vergebens. Nach der vorher ausgemachten Stunde zum Kennenlernen, schätzt die Laienpädagogin ihre Chancen auf diesen Job eher gering ein. Doch Rinri scheint an ihr Gefallen gefunden zu haben. Er möchte sie als seine Sensei - als seine Meisterin der französischen Sprache. Sie verabreden sich zu einer weiteren Unterrichtsstunde. Doch bei dem einfachen Unterricht bleibt es nicht lange.

 

Was folgt ist mit eigenen Worten schwer zu beschreiben. Platt und Oberflächlich könnte man jetzt einfach schreiben, dass Amelie "ihr" Land und "ihre" Kultur wieder entdeckt. Sie einatmet und lebt. Doch das würde der Geschichte des "japanischen Verlobten" nicht gerecht werden. Amélie Nothomb entführt den Leser in ihr Japan, in ihren Alltag. Durch die Beziehung zwischen ihr und Rinri hat die Autorin einen tollen Vergleich zwischen der westlichen Welt und der japanischen Welt aufbauen können, ohne lehrerhaft die Unterschiede zu verdeutlichen. Beide lernen voneinander, sind voneinander fasziniert, ziehen sich gegenseitig an. Rinri, der weltoffene, neugierige Japaner von Amélie. Und Amélie, die japanverliebte Ausländerin, die so gerne eine echte Japanerin werden möchte. Amélie Nothomb hat eine tolle, leichte Sprache benutzt um uns in ihr Leben hineinzuziehen. Mit viel Charm und gut gesetztem Humor erzählt sie, wie sie Japan entdeckt, Rinri näher kommt und letztenendes auch wieder flieht - vor Japan und Rinri.

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