Er wettert gegen Prominente, alleinerziehende Mütter, stark blondierte Frauen und sogar gegen seinen eigenen Freundeskreis. Der Berliner Autor Michael Nast schreibt, was er denkt, ohne Rücksicht auf Verluste.
„Gina-Lisa Lohfink versucht nicht unbedingt, sich intelligenter zu geben, als sie ist“ so lautet nur eine spitze Aussage des Autors. Seine gewagten Umschreibungen prominenter Personen lassen ihn gehässig wirken.
Nasts selbstverliebter Rüpel ist durchaus verletzlich
Dabei distanziert sich Nast schon im Vorwort seines Kolumnenbands „Der bessere Berliner“ von der Figur seines Buches. Diese Figur weckt den Eindruck eines frauenfeindlichen, selbstverliebten Rüpels. Nast hingegen beschreibt seine Figur als „höflich, gut erzogen und durchaus verletzlich“. In vielen seiner Kurzgeschichten sucht man vergeblich nach diesen Charakterzügen. Der Ich-Erzähler lässt sich, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, über alleinerziehende Mütter aus und gibt zu, solchen Frauen direkt aus dem Weg zu gehen.
Auch Schauspieler Wayne Carpendale bekommt in Nasts Erzählungen sprichwörtlich sein Fett weg. „Als ich vor einiger Zeit mit Freunden im Rodeo war, lernte ich einen Mann kennen, der (...), mir zunächst durch seine eher ungewöhnliche Frisur auffiel“, beschriebt der Kolumnist den Sohn des Schlagersängers. Beim Lesen seiner Lästereien fragt man sich, mit wie vielen Menschen der 34-jährige es sich schon verscherzt haben muss.
Für den Autor steht fest: Keine Klarnamen mehr!
Seinen eigenen Aussagen nach sind das nicht wenige. In „Verbrannte Erde“, dem letzten Text des Buches, muss der Berliner sich selbst eingestehen, dass gnadenlose Ehrlichkeit kein positives Attribut ist. „Meine beste Freundin kündigt mir in einer E-Mail (...) für ein halbes Jahr die Freundschaft“, bedauert Nast. Er gibt auch zu, dass viele seiner Bekanntschaften, die in den Texten „Die Nacht der Nächte“ und „Sie lachte mir herzlich zu“ charakterisiert werden, den Kontakt zu ihm abgebrochen haben. Doch der Berliner Autor hat daraus gelernt. Er will zwar nicht darauf verzichten weiter zu schreiben, doch er benutzt keine Klarnamen mehr. Denn: „Man kann schnell als arrogant und auch oberflächlich bezeichnet werden“, gibt er zu. Und das passt nicht zu den Charaktereigenschaften, die der Geschichtenschreiber im Vorwort über seine Figur offen legt.
Ein weiteres Themengebiet, über das sich Nast auslässt, ist der Ost-West-Konflikt. Und damit ist nicht das Spannungsverhältnis zwischen der Sowjetunion und den nichtkommunistischen Staaten gemeint, sondern der zwischen den Bewohnern Berlins, den Ossis und den Wessis. Er selbst ist in Ost-Berlin geboren und aufgewachsen. Einige Zeit lebte er in Köln, bis es ihn in seine Heimat zurück zog. Dort wieder angekommen bemerkte er, dass sich einiges verändert hatte. „Berlin. Die Weltstadt. Machen wir uns nichts vor, dieses weltgewandte Berlinbild wird nicht von den Menschen, die hier aufgewachsen sind, bestimmt, bestätigt oder kultiviert“, schreibt Nast deutlich geknickt über seine Eindrücke nach der Rückkehr.
Wahl-Berliner sind die besseren Berliner
Er gesteht sich ein nicht der bessere Berliner zu sein, was einen Kontrast zu dem Buchtitel gibt. In der Geschichte „Der bessere Berliner“ gibt der Autor zu, sich nicht so gut im Berliner Nachtleben auszukennen, wie Neu-Hinzugezogene. „In einigen Wochen kennt Christina die Stadt wahrscheinlich besser als ich“, schreibt er über die Wahl-Berlinerin. Es fällt ihm sehr schwer sich mit seiner Heimat aufs Neue zu identifizieren.
Nasts Kolumnenband ist eine Mischung aus lustigen und melancholischen Geschichten. Er beschreibt das Leben in der Großstadt und die dazugehörigen Großstädter aus seiner Perspektive. Der Leser findet sich schnell in seinen Geschichten wieder, denn der Berliner beschreibt das Alltägliche, was der ein oder andere auch so erlebt haben mag. Man fühlt sich schnell mit dem Autor verbunden. Und vor allem fühlt man sich von ihm verstanden. Das Buch ist eine Empfehlung wert.

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Habe in Google gesucht und kam darueber auf diese Seite. Warum muessen eigentlich ausgerechnet solche Seiten immer so versteckt zu finden sein? Mit den Hauptbegriffen sind sie jedenfalls eher schwer u... weiter
#1 von er sucht ihn de am 27.03.10 um 16:16