
Die schottische Songwriterin schlägt auf ihrem zweiten Album deutlich härtere Töne an. Schon Bob Dylan machte in den 60ern vor, wie man vom Folk zum Rock wechseln kann. MacDonald folgt ihm fast 50 Jahre später – manchmal blind.
In den vergangenen zwei Jahren ist MacDonalds Stimme rauer geworden, ebenso wie ihre Songs. So klingt die 22-Jährige Songwriterin auf ihrem neuen Album erwachsener. "A Curious Thing" ist das Nachfolgealbum, welches man von ihr erwartet hätte: Weg vom Folk und hin zum Pop-Rock. Die Akustikgitarre tritt deutlich in den Hintergrund und macht Platz für üppige Streicherarrangements, hämmernde Drums und für vor allem eines: E-Gitarren. Aber auch das war zu erwarten, schließlich konnte man sich anhand der ersten Single "Don't tell me that it's over" schon seit Wochen ein Bild über den neuen Klang der Sängerin machen.
Zu Beginn der Aufnahmen stand noch nicht fest, ob das Album "A Curious Thing" oder "An Ordinary Life" heißen sollte. "Ich glaube ich habe die richtige Wahl getroffen. Denn der Titel spiegelt meine Neugierde auf das Leben und die Zukunft wieder; und die ist seit meinem ersten Album noch größer geworden", so MacDonald in einem Interview. Die Bilder im Booklet zeigen eine deutlich erwachsenere Frau, die trotz des Ruhmes auf dem Boden geblieben ist. "Ich halte nichts von Presserummel. Daher lebe ich noch immer in Glasgow. Denn dort kann ich über die Straße gehen, ohne irgendwie besonders beachtet zu werden", erzählte MacDonald gegenüber dem Musikmagazin Rolling Stone.
Das Album wurde im englischen Ripley in Paul Wellers ("The Jam", "The Style Council") umgebauten Scheune, den Black Barn Studios, aufgenommen, wo bereits Brit-Pop Bands wie Oasis und Blur ihre Alben aufnahmen. Weller war es auch, der Amy MacDonald als erster anbot mit ihr als Vor-Band auf Tournee durch Europa zu gehen. "Nach der Veröffentlichung von This is the Life hatte ich eigentlich nicht an ein weiteres Album gedacht. Umso überraschter war ich als Paul mich anrief und fragte wie weit ich mit dem Songwriting für ein zweites Album sei", gestand sie der ddp.
Bei ihren Songs bleibt sich MacDonald treu – Das Leben ist ihr Spielplatz und nahezu jede Alltagssituation bietet genug Stoff für neues Liedgut. Das ist es, was einen guten Songwriter auszeichnet: Die erzählten Geschichten wirken authentisch; und ihr nimmt man jeden einzelnen Song des Albums ab. Der Sound hingegen ist deutlich in die Pop-Nische gewandert. Besonders klar wird das bei Songs wie "Love Love" oder "Spark". Diese beiden bilden auch zugleich den Tiefpunkt des Albums, der sich auf das erste Drittel der CD beschränkt. Danach erreicht MacDonald mit dem heimlichen Titel-Track "An Ordinary Life" den ersten Höhepunkt der Platte, die sich von nun an kontinuierlich steigert. Hier und da zieht die Songwriterin auch Parallelen zu seinem Vorgänger, so klingen "Barrowland Ballroom" und "The Youth of today" in den Songs "This pretty Face" und "Your Time will come" an. Mit "The next big Thing" begegnen wir auch einer anderen Erscheinungsform des "Poison Prince" wieder. Das ruft beim Hören den Charme der Sängerin in das Bewusstsein zurück und man beginnt in Erinnerungen zu schwelgen, wie man damals diese aufsehenerregende Neuentdeckung der Musikwelt zum ersten Mal hörte. Man fühlte sich versetzt in irgendeinen überfüllten Pub tief in Glasgow, wo sich auf der Bühne ein zierliches Mädchen durch ihr Repertoire rumpelt und wie Peter Pan nicht erwachsen werden wollte. Es ging um die erste Liebe, um Idole und durchzechte Nächte. Bei "A Curious Thing" bleibt genau dieser Charme manchmal auf der Strecke. Zum Beispiel bei "Love Love", wenn Produzent Pete Wilkinson einmal zu tief in die Kommerz-Kiste greift, um zusammen mit "Spark" zwei hoffnungslos überproduzierte Songs mit auf das Album zu nehmen.
Thematisch ist das Album im Vergleich zum Vorgänger ernster geworden. "Don't tell me that it's over" handelt vom Klimawandel und "Troubled Soul" erzählt von Depressionen. Zum Ende hin Minimalisiert sie jedoch den letzten Song auf die einfachen kleinen Dinge, die einen Menschen glücklich machen und was sie bedeuten.
Mit "What Happiness means to me" und dem Hidden-Track, einer intimen Live-Version von "Dancing in the Dark" von ihrem Idol Bruce Springsteen findet das Album zu einem runden Abschluss und dann ist er plötzlich wieder da – dieser Charme einer jungen Frau, die einen mit ihrer Musik in den Bann ziehen kann. "Ich habe in den vergangenen Jahren viel gelernt und bin erwachsener geworden, aber solange ich in Geschäften immer noch nach meinem Studentenausweis gefragt werde, ist alles okay", sagt Amy MacDonald und lacht.



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