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"Tausend strahlende Sonnen"

Ode an Mariam und Leila

Eigentlich existieren die Beiden gar nicht. Mariam und Leila sind nur erfunden. Sie entspringen der Feder Khaled Hosseinis („Tausend strahlende Sonnen"), aber ihre fiktive Geschichte ist exemplarisch. Denn Frauen, die irgendwo hinter den Mauern eines kleinen Häuschens in Kabul Unmenschliches erdulden, ohne dabei ihre Menschlichkeit zu verlieren, gibt es viele. Erschreckend viele.

 

Heute ist Weltfrauentag. Ich frage mich, wie Menschen wie Mariam und Leila sich an einem solchen Tag fühlen? Ob es in ihrem Magen, Herzen und Kopf rebelliert? Ob sie nur noch gleichgültig mit den Schultern zucken können? Ob ihr Mann sie an „ihrem Tag" mit einem extra starken Gürtelschlag „belohnt"?

 

Sicher ist: Im Afghanistan der Taliban, wie es Khaled Hosseini schildert, haben Frauen heute keinen Grund zu feiern. So wie an keinem Tag des Jahres. Vor allem nicht an dem Tag, der westlichen Frauen als „der schönste Tag ihres Lebens" in Erinnerung bleiben soll. Mit dem Tag der Hochzeit beginnt für viele von ihnen der Schrecken ohne Ende.

 

Als die Taliban am 27. September 1996 in Kabul das Zepter in die Hand nimmt, heißt es für den weiblichen Teil der Bevölkerung:

„Ihr werdet euch zu allen Zeiten ausschließlich im Haus aufhalten. Ausgänge sind nur in Begleitung eines männlichen Angehörigen gestattet. Wer allein auf der Straße aufgegriffen wird, wird mit Prügel bestraft und nach Hause geschickt. Ihr dürft unter keinen Umständen euer Gesicht zeigen. Kosmetik ist verboten. Schmuck ist verboten. Das Tragen aufreizender Kleider ist verboten. Ihr dürft nur sprechen, wenn ihr dazu aufgefordert werdet. Ihr werdet mit Männern keinen Blickkontakt aufnehmen. Ihr werdet in der Öffentlichkeit nicht lachen. Das Lackieren der Fingernägel ist verboten. Bei Zuwiderhandlung wird ein Finger abgetrennt. Für Mädchen ist der Besuch einer Schule verboten. Erwerbsarbeit ist Frauen verboten."

 

Das ist die Welt von Mariam und Leila. Sie sind verheiratet mit Raschid, einem dickleibigem Schuhverkäufer. Er zwingt Mariam Kieselsteine zu kauen, weil ihr Reis zu trocken ist. Er verbarrikadiert Leila und ihr Baby tagelang ohne Wasser und Nahrung in einem dunklen, stickigen Zimmer, weil sie vor ihm die Flucht ergreifen wollten. Er verteilt Schläge nach Belieben. Ins Gesicht, in den Magen, auf die Schultern. Mit Fäusten, mit dem Gürtel. Er straft auch mit erniedrigenden Worten und Gleichgültigkeit.

 

Wie hoch ist die Schmerzgrenze einer Frau? Wie belastbar ihre Psyche? Was kann sie alles erdulden, ertragen, erleiden? Welche Widerstandskraft steckt im weiblichen Körper, über Jahre hinweg ausgebeutet und misshandelt zu werden, ohne dem zu erliegen?

 

Dies ist eine Ode an Mariam und Leila. Sie sind unbekannte, nicht anerkannte Heldinnen einer Tragödie. Man(n) kann ihnen die Knochen brechen, aber nicht ihre Würde rauben. Man(n) kann ihnen die Freiheit nehmen, aber nicht ihre Hoffnung. Man(n) kann sie mit dem Bösen konfrontieren, aber ihr Glaube an das Gute wird kein Reißaus nehmen. Frauen wie Mariam und Leila gilt heute ein besonderes Memento.

 

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1 Trackback

Echt verrueckt. Wenn man direkt mit entsprechenden Begriffen sucht kommen seltsamerweise wenige Ergebnisse dazu. Was ist eigentlich mit den Suchmaschinen los? Es wird immer schwerer im Rahmen normaler... weiter

#1 von Arbeit Finden am 20.03.10 um 00:16

 

1 Kommentar

aufschlussreich. Danke

#1 von Helgar am 09.03.10 um 11:32

 

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