
"You’ll never change / And I don’t play the game / With liars and cowards."
Mit stechend grünen Augen sitzt Sarah Slean auf einem kleinen Thron, gehüllt in elegante Abendgarderobe – Es sind dunkle Töne, die Sarah Slean auf ihrem dritten Studioalbum anschlägt. Geht es auf diesem Album, was um Haaresbreite zu einem Konzeptalbum hätte werden können, in guter, alter Songwriter Manier um die Liebe samt ihrer Tücken.
Die zwölf puristischen Songs entstanden, wie bereits beim Vorgängeralbum, in absoluter Einsamkeit. Was damals allerdings in einer Hütte im Wald geschah, passierte dieses Mal in der beengten Atmosphäre eines Pariser Apartments, in dem es nur ein Bett, einen Schreibtisch und ein weißes Klavier gab: "In einer so beklemmenden Umgebung kann man zwar nicht wirklich arbeiten, aber es ist sehr gut um die Gedanken in den Griff zu bekommen." Produziert wurde das Album der "Baronin" jedoch im Heimstudio in Kanada mit dem Toningenieur und Gitarristen der Band "Mother Earth", Jagori Tanna. Was dabei herauskam sind Songs jenseits der Glitzerwelt des Massen-Musik-Konsums: Hochmelodiöse Klangkonstruktionen, die Anleihen bei Joni Mitchell und Laura Nyro erahnen lassen.
Die Arrangements stammen von Slean selber, die sich in Paris das arrangieren und dirigieren von Streichinstrumenten angeeignet hat. Sie sei ein Kontrollfreak und habe gern alles bei ihrer Arbeit im Griff. Was liegt also näher, als die komplette künstlerische Arbeit selbst in die Hand zu nehmen. Dadurch verleiht Slean ihren Songs eine noch intimere Note und offenbart sich letzten Endes selbst, wenn sie singt: "I became a glittering queen / every light in my direction / was a bright magnificent green." In der Instrumentierung kann man dank üppiger Streicher, treibender Percussions und kraftvoll verwendetem Klavier nicht gerade von Purismus sprechen. So wirken die filigranen Texte schnell überladen. Das beste Beispiel ist die Power-Pop-Ballade "So many Miles", die gegen Ende den Tiefpunkt des Albums bildet. Ebenfalls üppig mit Instrumenten besetzt ist der Opener "Hopeful Hearts", der die Liebe als einen blutigen Kampf auf Leben und Tod interpretiert. Mit dem Song "Goodnight Trouble" erreicht die CD ihren ersten Höhepunkt. Ähnlich gefühlvoll wird Slean nur noch einmal am Ende mit "Looking for Someone", bevor sich die Baronin mit den Worten "Everywhere is Home." In die Nacht verabschiedet.
Noch im selben Jahr veröffentlichte Slean eine EP mit dem Titel "The Baroness Redecorates". Die CD enthält B-Seiten des Albums. Darunter finden sich Songs, bei denen man sich die Frage stellt, warum sie es nicht auf das Album geschafft haben. "Parasol" und "Modern Man I & II" hätten das Potenzial dazu gehabt und den mysteriösen Touch des Albums unterstrichen. Darüber hinaus wären sie eine gute Alternative zu Ausfällen wie beispielsweise "So many Miles" gewesen.



Sie können diesen Beitrag kommentieren!