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JCVD

Van Damme. Kann. Spielen.

Jean-Claude van Damme hat das Action-Kino der 80er- und 90er Jahre entscheidend mitgeprägt, sein Name fiel in einem Rutsch mit Bruce Willis, Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger. Van Damme war Garant für knackige Martial Arts Action, kämpfte sich aus Low Budget Produktionen hoch, brachte John Woo nach Hollywood - und stürzte ab, versank in Drogen und Alkohol, fand sich in Scheidungs- und Sorgerechtsprozessen wieder und auch seine Filmkarriere versank in der Belanglosigkeit, B-Movie-Ware direct to DVD.

 

Umso überraschender mag es nun anmuten, daß gerade ein Film mit dem alternden Actionstar, der sich bislang weiß Gott nicht als guter Schauspieler entpuppte, Kritiker und Zuschauer  weltweit begeistert und sich „JCVD“ zu einem absoluten Renner bei diversen Film-Festivals entpuppte. Und ja, nachdem ich „JCVD“ gesehen habe, kann ich der allgemeinen Begeisterung nur zustimmen. Doch der Reihe nach.Zunächst muss man ganz klar sagen: „JCVD“ ist zwar ein Film mit van Damme, aber auch *über* van Damme. Wer also „Bloodsport: Reloaded“ oder „Universal Soldier VII“, sprich: ein non-stop Actiongeballer erwartet, der sollte sich „JCVD“ tunlichst nicht angucken - die Enttäuschung wäre maßlos.

„JCVD“ ist ein Thriller, eine Satire, ein Drama, eine rabenschwarze Komödie, aber   
kein, kein, kein, kein Actionfilm. Zugegeben: Zu Beginn kracht es schon ordentlich, Explosionen, Mano a mano, sprich: Schlicht das, was man sich eigentlich von einem van Damme Streifen erhofft - doch die Action endet, als der Oberböswicht triumphierend die Tür hinter van Damme ins Schloss wirft und sich die Tür mitsamt Wand nach hinten verabschiedet - willkommen am Set eines hollywood-hassenden Hong-Kong Regisseurs, der gerade einen schweren Tourette-Schub bekommt.



„JCVD“ ist ein zutiefst europäischer Film, er ist streckenweise bizarr, er ist auf eine ganz bestimmte Art lustig, wobei lustig mit Sicherheit nicht dieser plative (Un-)Humor des kontemporären Hollywood-Kinos meint, aber es ist auch eine unterschwellige Traurigkeit dabei. Der Film ist vieles, bietet im einen Moment bitterböse Seitenhiebe auf Hollywood, offenbart im nächsten Moment tragische Einblicke in die Gefühlswelt eines Mannes, der zwar alle Höhen erreicht, aber auch verdammt tief gefallen ist.  Und dennoch versinkt der Film weder in Melancholie, noch in übertriebenem Humor, hält wunderbar die Waage und schafft diese äußerst schwierige Gratwanderung.



Und was das vielleicht überraschendste dabei ist: Van Damme brilliert als Mime! Das, was ihm Kritiker seit Jahren, ach was: Jahrzehnten absprechen, ist passiert. Der Film, der das Hauptelement von van Dammes bisherigem Hauptschaffenspunkt bewußt ausklammert, besticht durch das Spiel eben jenes Mannes, dessen Kampfkünste bisher für ihn sprachen, anstatt seines eigentlichen Spiels. Wieviel van Damme letztlich wirklich in der Filmfigur van Damme steckt, wissen wohl nur er selbst und die Drehbuchautoren. Fakt ist jedenfalls, daß van Damme im Film authentisch wirkt und allein schon wegen einer Szene, in der er -losgelöst vom Geschehen während des Banküberfalls- über sein Leben sinniert, über die Mechanismen des Erfolgs, die Schattenseiten etc. Ich weiß nicht, ob dieser Monolog im Drehbuch stand oder ob es, wie mir scheint, improvisiert ist -  
allein diese eine Szene ist es schon wert, sich den Film anzugucken. Daß zudem namenhafte Magazine und Zeitungen wahre Lobeshymnen anstimmen, etwa das Time Magazine: „Er verdient keinen schwarzen Gürtel, sondern einen Oscar!“, oder ein derzeit bei 85% liegendes Rating bei rottentomatoes.com und dem Konsens „JCVD is a touching, fascinating piece, with Jean-Claude Van Damme confounding all with his heartfelt performance“ sprechen zudem Bände.



Der Film ist bewegend, er bringt den Zuschauer öfters zum Lachen, er ist mit satirischen Spitzen gewürzt und um dem ganzen die Krone aufzusetzen ist er streckenweise derart brillant inszeniert, daß man wirklich glauben könnte, dies hier sei eine lupenreine Arthouse-Produktion.


Fazit meinerseits:
„JCVD“ ist alles, aber kein „typischer Van Damme“-Klopper. Es ist eine Charakterstudie, ein packend gemachter Thriller, eine rabenschwarze Komödie und zugleich ein Drama. Der aus Cannes stammende Regisseur Mabrouk El Mechri schuf mit seinem ganz eigenen Stil einen Film, der Jean-Claude van Damme in einem völlig neuen Licht darstellt und „The Muscles from Brussels“ durchaus als Sprungbrett zu einem, für mich nach *dieser* Leistung mehr als verdienten, Comeback dienen könnte - nämlich als ernhstafter Schauspieler und nicht mehr (nur)  als muskelbepackte Kampfmaschine.

Ein beeindruckendes Spiel, ein teils bizarrer, aber schlicht überragender Film, der neben einem spannenden Plot vor allem den Fokus auf die Person Jean-Claude van Damme lenkt. Keine Selbstbeweihräucherung, sondern ein bewegendes Stück Kino, das es verdient, gesehen und beachtet zu werden - und die Höchstwertung kommt nicht von einem "Van Damme Fanboy", sondern von jemandem, der Kino an sich liebt.

(RS)

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2 Kommentare

Traut sich wohl keiner zu kommentieren :-) Werd ich mal meinem Sohn zeigen der steht dazu, JCVD Fan zu sein.
Ich bin ja skeptisch, aber er hat mir letzte Woche erst vorgeschwärmt wie toll der Film doch sei.

#1 von Michaela am 04.09.09 um 18:14

 

Hallo Michaela,
wie ich schrieb: Ich hätte jeden, der mir weismachen wollte, van Damme könnte tatsächlich mehr als nur "Leute im Film zu Klump hauen", noch abstruser: wirklich spielen, den hätte ich wirklich ausgelacht. Ja, ich mag Van Dammes "alte Klopper" wie "Blood Sport", "Universal Soldier", "Hard Target" etc. Aber das ist a. eben genau das, auf was man den guten Mann bislang (eigentlich zu Recht) reduzierte und b. ist das von "JCVD" so weit entfernt wie "Rambo III" von "Der Eissturm".

Gern empfehle ich auch den Artikel des Spiegels zum Film:
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,638062,00.html

#2 von Ronny Schmidt am 05.09.09 um 20:16

 

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