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"Die Reisebegegnung" von Anna Seghers

Gogol wird heute 200

Bleiben wir in der deutschen Literatur, dann können wir dennoch heute G o g o l ehren. Heute wird er nämlich 200, wie vordem Mendelssohn und Poe. In einer Kurzgeschichte von Siegfried Lenz kommt er schon im Titel als Name vor ("Wie bei Gogol"), auch wenn Barbara Frischmuth dagegenzuhalten scheint: "Zeit, Tschechow zu lesen". Richtig schön versammelt sind allerdings gleich drei meiner Vorlieben in einer phantastisch-realistischen bzw. realistisch-phantastischen Erzählung von - Anna Seghers. Schon dafür, dass sie - die große Autorin von "Das siebte Kreuz", "Transit" und "Der Ausflug der toten Mädchen" - in ihrer kurzen Erzählung "Die Reisebegegnung" sage und schreibe Hoffmann, Gogol und Kafka in Prag (!) hat zusammentreffen lassen, dafür könnte ich sie küssen, wenn mir das nicht Zucht und Anstand verböte.

 

Ich weiß recht gut, wie ich als Heranwachsender noch v o r Dostojewskij und Kafka, aber erst
n a c h E. T. A. Hoffmann (und Poe) zu Gogol gekommen bin. Ich hatte schon Hoffmanns "Doge und Dogaressa", "Ritter Gluck" und "Die Abenteuer der Silvester-Nacht gelesen", ehe ich sehr bald danach auf Gogols "Mantel", "Nase" und den "Revisor" stieß. Ich kann sagen, dass auch für mich die große russische Literatur des 19. Jahrhunderts (und die danach) aus Gogols "Mantel" "gekrochen" ist.
Und dafür danke ich Gogol noch heute.

 


Gestern habe ich mir das noch für 90 Pfennig erworbene RK-Taschenbuchbändchen des Romans "Die toten Seelen" hervorgeholt und dabei festgestellt, dass schon in dieser Ausgabe von 1958 (149 Jahre nach Gogols Geburt) Svetlana Geier, die spätere (nachschöpferische) Übersetzerin von Dostojewskijs 5 großen Romanen und seiner "Aufzeichnungen aus einem Kellerloch" ins Deutsche, ein ausführliches Nachwort geschrieben hat.

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5 Trackbacks

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#1 von hagenau am 07.09.09 um 04:00

 

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#2 von personenschutz am 15.02.10 um 00:30

 

Ein herzliches Dankeschoen an die Schreiber der Berichte dieser Seite, die ich wirklich sehr gut und informativ beschrieben finde. Hatte heute endlich mal Gelegenheit mir die Seite in Ruhe durchlesen... weiter

#3 von junge damen am 22.02.10 um 16:16

 

Kann man drueber streiten. Die einen sehen es so - andere wieder anders. Man wird es niemals allen zugleich recht machen koennen. Aber die Beitraege dazu finde ich echt Klasse. Wenigstens mal eine Sei... weiter

#4 von anzug junge am 02.03.10 um 00:11

 

Manch einer Fantasie scheinen ja wirklich keine Grenzen gesetzt. Habe darueber wirklich schon die tollsten Dinger gelesen. Lohnt aber nicht wirklich darueber zu lamentieren. Die Ausfuehrunge hier sind... weiter

#5 von Army Shop am 12.03.10 um 08:10

 

367 Kommentare

Von Gogol hab ich noch nichts gelesen. Wohl aber Ausschnitte aus "Die Nase", Oper in drei Akten von Dimitri Schostakowitsch (op. 15, 1927/28) gehört. Immerhin.

#1 von Olram X am 20.03.09 um 17:32

 

#1 Olram X
Ja, diese Oper habe ich auch schon einmal gehört. Interessant ist
u. a. dabei die näselnde "Sing"stimme der Nase und das Verbot der Oper in stalinistischer Zeit. Zu Gogols Erzählung "Taras Bulba" kenne ich außerdem noch Janáčeks längeres Musikstück dazu. -

Bei der Geburtstagsdatierung bin ich übrigens ein bisschen der ansonsten verdienstvollen Gogol-rororo-Bildmonographie von Rolf-Dietrich Keil (Reinbek bei Hamburg, 1985, S.135) auf den Leim gegangen. Nach dem julianischen Kalender ist Gogol tatsächlich am 20.03.1809 geboren, nach dem gregorianischen aber erst am 1. April. Am heutigen (gregorianisch verfrühten) Tage jedoch kann der Anlass wenigstens nicht als ein Aprilscherz missverstanden werden. -

#2 von Günter Landsberger am 20.03.09 um 18:42

 

Und wieder ein interessantes Wort "Nase"!

#3 von Marta am 20.03.09 um 19:25

 

Gibt es Texte in der Literatur, die von der Nase handeln?

#4 von Marta am 20.03.09 um 19:27

 

#3 Marta
Ich habe ein ganzes kleines Buch mit "Nasen"-Texten. Auch mal antiquarisch erworben.

#5 von Günter Landsberger am 20.03.09 um 19:28

 

Ich nenne hierzu nur: Gogol, Lichtenberg, Hauff ("Zwerg Nase") und Lavater.

#6 von Günter Landsberger am 20.03.09 um 19:30

 

ich tipp mit der nase texte, weil was böses armlos hexte.

#7 von milchschnitte am 20.03.09 um 19:33

 

mich .... meinte ich


aber im ernst: google kennt nur hasentexte

#8 von milchschnitte am 20.03.09 um 19:34

 

Vor mir liegt der Katalog des geschätzten Verlages Artemis & Winkler. Dort ist die nicht gar so preiswerte Neuübersetzung von Gogols "Tote Seelen" (89 €) erschienen. Und darüber prangt ein Zitat von Thomas Mann, das da lautet:
"Seit Gogol ist die russische Literatur komisch."

Für die 89 € gibt's laut Verlag (neben der neuen Übertragung auf 560 Seiten) dies: "Hochwertige Fadenheftung, 2 Lesebändchen und Lesezeichen, Pergamin-Schutzumschlag, fadengeheftetes Notizheft, Schmuckschuber".

Hoch lebe das Lesezeichen!

#9 von Bernd Berke am 20.03.09 um 19:42

 

#9 Bernd Berke
Und kurz vorher heißt es an einer anderen Stelle desselben Thomas-Mann-Zitats, das auch Rolf-Dietrich Keil (a.a.O., S.149) etwas ausführlicher mitteilt: "Von Gogol an ist die russische Literatur modern; ...".

#10 von Günter Landsberger am 20.03.09 um 20:56

 

Sonst soll die Nase rein dekorativ sein.
Ich gehe schlafen.

#11 von Marta am 20.03.09 um 21:35

 

Mozart soll in Gegenwart von Joseph Haydn, der ihm den brandneuen Notentext im Original vorgelegt hatte, eine für seine weit voneinander entfernten Pianistenhände unspielbare Stelle kurzentschlossen mit der Nase gespielt und so Haydns sonst unlösbare Aufgabe bravourös gelöst haben. (So ähnlich hat man uns Kindern das seinerzeit in der Volksschule erzählt.)

#12 von Günter Landsberger am 21.03.09 um 06:29

 

Gogol wird auch in einem Song geehrt:
"Wake me up before you Gogol..."
aber
"Don't do that if you Goethe..."

"Don't go!" bedeutet auch nicht das, was uns die Englischlehrer weismachen zu versuchen. "Don't go!" ist eigentlich eine gedankliche Abkuerzung und bedeutet "I don't want to be Gogol!"

"Please, go!" bedeutet "Be Gogol!"

#13 von Marta am 21.03.09 um 09:08

 

Guenter, vielleicht eine winzig kleine -heute am Samstag- Leseprobe von Gogol? Ein paar Saetze?

#14 von Marta am 21.03.09 um 09:12

 

#9+#10
Um nicht unnötig missverständlich zu sein, hier das ganze Zitat aus Thomas Manns Essay "Über Mereschkowski" (1922): "Von Gogol an ist die russische Literatur modern; es ist mit ihm alles auf einmal da, was seither so dichte Überlieferung in ihrer Geschichte geblieben ist: statt der Poesie der Kritizismus, statt der Naivität die religiöse Problematik und statt der Heiterkeit die Komik. Namentlich dieses. Seit Gogol ist die russische Literatur komisch - komisch aus Realismus, aus Leid und Mitleid, aus tiefster Menschlichkeit, aus satirischer Verzweiflung und auch aus einfacher Lebensfrische; aber das gogolische Element fehlt nirgends und in keinem Fall."

#15 von Günter Landsberger am 21.03.09 um 09:46

 

#14 Marta
Hier, liebe Marta, der ganze Roman "Die toten Seelen":

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=906&kapitel=1

#16 von Günter Landsberger am 21.03.09 um 09:52

 

Und hier die meisten seiner Erzählungen:

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=4792&kapitel=1#gb_found

insbesondere: "Die Nase"

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=4792&kapitel=11&cHash=d61ca5ecdcchap011#gb_found


Für mich war die Lektüre von Gogols Erzählung "Die Nase" wegen ihres phantastischen Grundeinfalls (samt Gestaltng) Selbstzweck und zugleich eine gute Vorübung für Franz Kafkas Erzählung "Die Verwandlung".

#17 von Günter Landsberger am 21.03.09 um 10:01

 

Klasse, der ganze Roman!

#18 von Marta am 21.03.09 um 10:13

 

Seit ein paar Wochen schreibe ich Gedichte im Polnischen (Anfang meines "Schaffens" 02. 2009), ich hatte so was nie.(z. B. "Uebergangsphase", "Und jetzt denke ich...")Gestern wurde ich wieder von verschiedenen Gedanken zugesetzt und schrieb eine bloede Kleinigkeit ueber die Nase, dies mal auf Deutsch also einfach. Der Anfang:Die hervorragendste Form hat die Nase bei einem Tier namens Hund! erreicht. Nass, schwarz und... und so weiter bloed und absurd!
Jetzt muss ich aber wirklich abschalten und Uebersetz. machen.

#19 von Marta am 21.03.09 um 14:44

 

#19 Marta
Viel glückhafte Genugtuung auf dem Weg!

#20 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 11:08

 

Guenter, das ist doch ein Spass!Spas ohne Bedeutung!

Spass, spass, spass!
Pass, pass, pass..
ass, ass...
Heute -zum Fruehstueck- ass ich Butterbrot mit Spass!

Schon reine Titel von meinen kleinen 2-monatigen Babys-Gedichten wuerden Dich zum Lachen bringen!

#21 von Marta am 23.03.09 um 11:39

 

#21 Marta
Spaß muss sein. Und Lachen kann nur sehr selten schaden. Zumindest ist fast immer ein Freiheitsgefühl daran beteiligt.

#22 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 12:58

 

Gogol ist übrigens der Name für einen Wasservogel, die Schellente.

#23 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 14:27

 

@#23
...während Kafka das tschechische Wort für "Dohle" ist.

Neuer Thread: "Weltliteratur von Autoren mit Vogelnamen"?

#24 von Bernd Berke am 23.03.09 um 14:49

 

Schwierig, Herr Berke, da selbst vogelnah klingende Namen wie "Grünbein" in der Ornithologie nicht vorkommen.

#25 von Olram X am 23.03.09 um 15:07

 

24: pirol ( frz.loriot)

Melusine

Krawel! Krawel!

Taubtrüber Ginst am Musenhain;

Trübtauber Hain am Musenginst.

Krawel! Krawel!
http://krawel.de/images/loriot.jpg

#26 von tmk am 23.03.09 um 15:16

 

#24 Bernd Berke
Jakob Corvinus alias Wilhelm Raabe hat seinen Vogelnamen auch nie verborgen. Das ist keine Ente!

#27 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 15:25

 

Aber nun gut:
Otto Freiherr von Taube
Anton Wildgans
H. G. Adler
Manuel Sperber
Emil Strauß
Gustav Falke

#28 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 15:34

 

Wenn Vornamen auch erlaubt sind:
Milan Kundera

#29 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 15:35

 

Da selbst ein "Gelbspötter" noch kein Buch geschrieben hat, plädiere ich dafür Literaturkritiker mit auf die Liste zu nehmen. Sigrid "Löffler"
v.W. aid

#30 von Olram X am 23.03.09 um 15:38

 

Aha, da kommt ja doch einiges zusammen.

Kleine Korrektur: Manès Sperber (statt Manuel).

Aber alle Achtung: Sind Sie mit gezücktem Stift an Ihren Regalen entlang geschritten, lieber Herr Landsberger?

#31 von Bernd Berke am 23.03.09 um 16:45

 

Manchmal kommt einem das Internet schier unerschöpflich und uferlos vor. So etwas gibt es auch:

http://www.mumm.ac.be/~serge/birds/home_de.html

#32 von Bernd Berke am 23.03.09 um 16:53

 

#31 Bernd Berke
Natürlich Manès. Danke. Es ist aber auch nur ein "Tropfen im Ozean". Der Revierflaneur geistert eben immer noch. -
Nein, lieber Herr Berke, ich bin überhaupt nicht geschritten, habe Ihre Anfrage nur als willkommene Herausforderung an mein Gedächtnis betrachtet. Soll ja gut sein für die grauen Zellen.

(verzerrtes Wort: ill)

#33 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 17:33

 

Wenn ich doch nur wüsste, ob die Vorfahren von Hermann Peter Piwitt (oder er selbst) einmal Kiwitt oder Kiebitz hießen, hätten wir ja vielleicht sogar n o c h einen Gegenwartsschriftsteller.
Jiří Pelikán ist immerhin ein bekannter tschechischer Publizist gewesen, mir aus der Zeit des "Prager Frühling" bekannt.
Aber Botho Strauß könnte man noch nennen.

#34 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 17:43

 

Und da "merle" französisch die Amsel heißt, kann man vielleicht auch noch den Schriftsteller Robert Merle hier anführen.

#35 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 17:53

 

Hatten wir schon Karl Ludwig Pfau und Ottilie Schwahn?

#36 von Lotte am 23.03.09 um 17:54

 

Wie konnten wir bisher nur den Andreas Gryphius vergessen?

(verzerrtes wort: gry)

#37 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 18:17

 

@#34
Botho Strauß = Volltreffer. War zufällig (nein: absichtlich) vor ein "paar Jährchen" mein Examensthema.

@#35
Dazu fällt mir spontan der blöde Uralt-Witz von jenem aufgeregten Manne ein, der auf der Polizeiwache sagt, er habe seine Frau "geamselt". Muss ich diesen Witz noch vervollständigen? Nein.

@#30
Jetzt finden wir noch heraus, ob es einen Vogel namens Karasek gibt. "Der gemeine Karasek" - oder so.

#38 von Bernd Berke am 23.03.09 um 18:19

 

Und hinter so manchem steht insgeheim dieser Name: Walther von der Vogelweide.

#39 von Bernd Berke am 23.03.09 um 18:20

 

Kawka (poln.) - die Dohle
Tucholsky auch Wróbel (poln.)= Spatz

#40 von Marta am 23.03.09 um 18:32

 

Tucholsky (ich habe nachgeschaut) auch Panter und Tiger!!!

#41 von Marta am 23.03.09 um 18:54

 

#41 Marta
Genau!
Und jetzt müsste ich noch im "Bestiarium" von Franz Blei nachschauen.

#42 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 19:02

 

Wie ist es eigentlich mit dem Triestiner Theodor Däubler?

#43 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 19:04

 

Es geht natuerlich um Pseudonymen.

#44 von Marta am 23.03.09 um 19:08

 

@#40 Marta
Mit Kafka (siehe #24) kamen wir zur literarischen Vogelwelt. Interessant: Sind das Polnische und das Tschechische auch sonst so eng verwandt? Oder bewegt sich das Polnische näher am Russischen?
Als blutiger Laie, osteuropäische Sprachen betreffend, traue ich mich mal, diese Frage zu stellen.

#45 von Bernd Berke am 23.03.09 um 19:09

 

Alle diese Sprachen scheinen verwandt zu sein.Im Russischen sind die Buchstaben ganz anders.

#46 von Marta am 23.03.09 um 19:32

 

Frank Goosen
v.w.: may(be)

#47 von Olram X am 23.03.09 um 19:35

 

#47
may(bee)

#48 von Marta am 23.03.09 um 19:47

 

"Biene Maja" habt ihr auch diese Kinder-Gutenacht-Sendung in Deutschland?

#49 von Marta am 23.03.09 um 19:56

 

John von Düffel fehlt noch. Das heisst "Täuberich" auf niedersächsischem Platt. Da kommt auch ein Zizek her, der aber im Original ja Slavoj heisst und mehr so Philosoph ist.

Maja. Unvergesslicher Karel Gott.

#50 von Lotte am 23.03.09 um 20:03

 

Und Löffelente heisst da wahlweise "Läpel-Schnut" oder "Sabbl-Oont". Und Mauersegler heisst "Toorns-Wolk" - klingt richtig cool. Aber so heisst ja kein Schriftsteller, leider.

#51 von Lotte am 23.03.09 um 20:08

 

...und eine gewöhnliche Bekassine heisst "Mekkermann". Göttlich, dieses Platt.

#52 von Lotte am 23.03.09 um 20:14

 

@#49 Ja, die hatten (haben?) wir natürlich auch.

Apropos "Biene Maja". Folgendes war mir entfallen. Vielleicht hab' ich's aber auch noch nie gewusst:

http://tinyurl.com/dj8sjf

#53 von Bernd Berke am 23.03.09 um 20:21

 

Unvergesslicher Karel Gott. Sag ich doch.

#54 von Lotte am 23.03.09 um 20:29

 

Die Aepfel bekaemen, behauptet die Lotte.


Die Aepfel bekaemen eben nicht! sag ich!


Seit gestern bist Du, Lotte, fuer mich eine reine Anregung. Ich ertappe mich sogar bei dem Gedanken, dass vielleicht doch die Aepfel blaue Flecken bekommen! Das muss ich noch ueberlegen!

#55 von Marta am 23.03.09 um 21:14

 

Natuerlich, der Zwist ist zugunsten Lotte! auszutragen.

Bekaemen!!!!
Bekaemen!!

#56 von Marta am 23.03.09 um 21:20

 

Nein, sie bekommen braune Flecken, wenn sie rollen, die Äpfel, probier es aus, Marta, und leg den Zankapfel in den Korb zurück ;-)

Kennst Du Eris? Und die nach ihr benannte Eristik? Die hatte auch was mit Äpfeln.

#57 von Lotte am 23.03.09 um 21:46

 

Gut! Ich habe mich vertippt!


Aepfelchen, Aepfelchen!

Roll weiter so!

Ich zerfresse dich jeden Tag,

weil ich es mag, so!

Ich bin auf dem Weg der Besserung.

Und jetzt Schlaf? Oder?

#58 von Marta am 23.03.09 um 22:10

 

Noch zum Schluss: Meckel klasse!Lotte!

#59 von Marta am 23.03.09 um 22:12

 

Gute Nacht Maja...äh, Marta, sorry. Du hast mir einen Ohrwurm verpasst, höre immer Karel Gott in meinem Kopf. MAJAAAAHHHH

#60 von Lotte am 23.03.09 um 22:17

 

Bei uns singt das Maja-Lied ein populaerer Saenger Z. W. und es gibt einen guten Witz, der mit dem Satz anfaengt: Weiss du, dass Z.W. gestorben ist?

Gute Nacht, allerseits!

#61 von Marta am 23.03.09 um 22:26

 

Auf dieser Seite wird gepflegt nur die Anfaenge von Witzen zu erzaehlen also genuegt der erster Satz...

#62 von Marta am 23.03.09 um 22:29

 

Kommt 'n Mantafahrer zum Bäcker. (...)

#63 von Gesche Mercks am 23.03.09 um 22:31

 

Und sowieso: Witze zur Opel-Krise

http://www.spitzenwitz.de/witze/manta.html

#64 von Bernd Berke am 23.03.09 um 22:41

 

Mit Apfelflecken, Baecker und mit Maja ehren wir gerade Gogol nicht...
Der arme Beitrag!

#65 von Marta am 23.03.09 um 22:43

 

Aber was bedeutet Manta?
Bei uns kursieren Witze von Blondinen, Polizisten, ueber ein Dorf namens Wąchock aber Manta kenne ich nicht.

#66 von Marta am 23.03.09 um 22:51

 

Wir könnten ja ein wenig über seine Psychosen parlieren, die ja zu dieser Zeit anscheinend grassierten, wie bei ETA und Poe. Das vertreibt zwar meinen Maja-Ohrwurm, aber dann gruselts mich wieder, bei so einer, pardon, Operation Mindfuck.

#67 von Lotte am 23.03.09 um 22:58

 

Der "Manta" war ein Opel-Modell, dessen Fahrern ein Hang zum "Aufmotzen", "Tieferlegen" und Motor-aufheulen-Lassen sowie ausgeprägte geistige Schlichtheit nachgesagt wurde.

#68 von Matta Schimanski am 23.03.09 um 23:00

 

Den Gogol, meinte ich, nicht den Manta - ist eine eigene Operation dieser Art, auch ziemlich gruselig.

#69 von Lotte am 23.03.09 um 23:00

 

Dann gute Nacht!

#70 von Marta am 23.03.09 um 23:02

 

Na gut, dann eben keine Gogol-Grusel-Gutenacht-Geschichte.

#71 von Lotte am 23.03.09 um 23:03

 

http://www.landsberg.de/web.nsf/gfx/gogol_430px.jpg/$file/gogol_430px.jpg

Witzige Adresse, was?!

#72 von Matta Schimanski am 23.03.09 um 23:43

 

Auch hübsch:

http://sfist.com/attachments/sfistLeanne/thenose.jpg

#73 von Matta Schimanski am 23.03.09 um 23:50

 

"Wohin rollst du Äpfelchen?" - ein recht guter Roman von Leo Perutz.
Gute Nacht!

#74 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 23:53

 

Von Gogol zum Guglhupf ist nur ein Schritt. Wie der von Hagenau nach Straß.

#75 von Günter Landsberger am 23.03.09 um 23:55

 

@72 Matta, das ist nicht nur witzig, sondern richtig gut:

http://www.landsberg.de/web.nsf/id/pa_lans7nndhc.html

#76 von Lotte am 24.03.09 um 00:10

 

Auch dies ist nicht schlecht, vielmehr ebenfalls identifizierbar und identifikationsfähig:

http://www.landsberg.de/web.nsf/id/pa_lans7nkbdw.html

Vielen Dankk für die gelegte Spur.

#77 von Günter Landsberger am 24.03.09 um 06:08

 

#77
In welcher Sprache gibt es das? Zwei geschriebene "K's" = "kk"?

#78 von Günter Landsberger am 24.03.09 um 06:09

 

In der niederdeutschen Sprache, die keine verbindliche Rechtschreibregelung hat, sowie in vielen weiteren Mundarten im kontinentalen westeuropäischen Dialektkontinuum, so auch im Holländischen (lekker!). Aber auch im Finnischen (Mikka).

#79 von Lotte am 24.03.09 um 09:18

 

Aber das wissen Sie doch selber, Herr Landsberger. War wohl nur eine rhetorische Frage?

#80 von Lotte am 24.03.09 um 09:23

 

Da merke ich gerade was fuer brillantes! Gespraech habe ich gestern abend und heute beim Tagesanbruch verpasst!

Scherz!

#81 von Marta am 24.03.09 um 09:35

 

@ Liebe Marta, über #46 (verwandte Sprachen) war ich ein klein wenig enttäuscht. Dass slawische Sprachen etwas miteinander zu tun haben, ist selbst mir nicht entgangen. Und dass die Russen die kyrillische Schrift verwenden, ist mir auch nicht verborgen geblieben.

Also nochmals frisch gefragt: Hat der polnische Wortschatz nun eher mit dem tschechischen oder mit dem russischen zu tun?

Doch, doch, das müsste sich von einer Muttersprachlerin sagen lassen. So wie man feststellen kann, dass das Deutsche näher am Niederländischen als am Dänischen liegt.

#82 von Bernd Berke am 24.03.09 um 09:54

 

#82 Bernd Berke
Ich hatte den Eindruck, dass das Russische mehr Ähnlichkeiten mit dem Tschechischen als mit dem Russischen hat. Meine rudimentären Kenntnisse des Russischen haben mir trotz einiger Überschneidungen beim Polnischen kaum geholfen.
Aber Marta müsste das noch besser wissen.

#83 von Günter Landsberger am 24.03.09 um 10:42

 

#80 Lotte
Nein, eher eine selbstironische Frage angesichts eines von mir in #77 begangenen Rechtschreibfehlers .

#84 von Günter Landsberger am 24.03.09 um 10:56

 

@83:
"Ich hatte den Eindruck, dass das Russische mehr Ähnlichkeiten mit dem Tschechischen als mit dem Russischen hat."

Wow!
Das ist eine Erkenntnis, die sämtlichen Sprachforschern bislang entgangen ist! *fg*

#85 von Matta Schimanski am 24.03.09 um 12:02

 

#85 Matta Schimanski
Ja, manchmal bin ich recht forsch, besonders dann, wenn ich mich verschreibe.

An einer Stelle hätte anstatt des "Russischen" das "Polnische" stehen sollen. An welcher wohl?
(Uwaga! Die Antwort fällt diametral anders aus je nach Perspektive, ob nun aus der Sicht und Erfahrung zweier meiner Olsztyner Gewährsleute oder aus meiner eigenen.)

#86 von Günter Landsberger am 24.03.09 um 12:16

 

#82
Ich fuerchte ich muss sie wieder enttaeuschen.
Die Sprachen sind aehnlich aber anders.

#87 von Marta am 24.03.09 um 16:49

 

Ich glaube, Bernd, das kann man nicht so einfach sagen. Bei Russisch handelt es sich um eine ost-, bei Polnisch und Tschechisch um westslawische Sprachen. Da würde ich eine größere Ähnlichkeit zwischen Polnisch und Tschechisch als zwischen einer von beiden und Russisch vermuten.

#88 von Matta Schimanski am 24.03.09 um 17:48

 

Is eh wurscht.

Mein Glück hängt beileibe nicht an dieser Frage.

#89 von Bernd Berke am 24.03.09 um 18:27

 

Warum fragen Sie ueberhaupt wenn es Ihnen wurscht ist?

#90 von Marta am 24.03.09 um 19:29

 

@#90
Weil es mich eigentlich interessiert (hat). Wenn dann aber praktisch keine Antwort kommt, wird es allmählich uninteressant - jedenfalls in diesem Kontext hier.

#91 von Bernd Berke am 24.03.09 um 20:17

 

Naja, dann eben gooogln. Ich finde das Polnische zum Beispiel recht lustig, weil es diese Nasallaute hat. Ausserdem, wie bei Marta sehr schön zu sehen, die sehr freie Satzstellung. Und Marta könnte wahrscheinlich Legenden erzählen, wenn es sich um so genannte "false friends" handelt. Die sind nämlich weiter verbreitet in den slawischen Sprachen als zwischen Holländisch und Deutsch. Was bei den einen "Missgeburt" oder "hässlich" bedeutet, heisst bei den anderen "schön" oder "Erfolg". Gleicher Wortstamm, diametrale Bedeutung. Aber - wen interessierts´? Hauptsache, man kann es auf seiner eigenen, gewohnten Achse - Holländisch, Deutsch, Dänisch - abbilden. Das funktioniert bei slawischen Sprachen so leider nicht. Die Welt ist bunt und chaotisch, auch sprachlich.

#92 von Lotte am 24.03.09 um 20:35

 

#90
Mir gefaellt es, wenn man sich fuer fremde Sprachen interessiert.

#93 von Marta am 24.03.09 um 21:02

 

Mich hat mal ein Mann mit stark tschechischem Akzent gefragt: „Noaaa, spoooonendaa Kriemie?“

#94 von Olram X am 24.03.09 um 21:07

 

Und was bedeutet das auf Dänisch?

#95 von Lotte am 24.03.09 um 21:09

 

Also ich persoenlich schwaerme von der deutsche Sprache und ich mag vieles an ihr. Imperfekt ist super, diese lustige Wortfolge in dem Satz (welche andere Sprache hat so was?)und vieles, vieles mehr.
Waehrend das Deutsche mein Liebhaber ist, ist das Englische nur(?) mein Freund. So empfinde ich die Sache, und zu diesem Thema koennte ich recht viel und gerne schreiben.
Und das Polnische ist wieder was anders.

#96 von Marta am 24.03.09 um 21:10

 

@#92 Bevor ich google, frage ich natürlich lieber konkrete Menschen. Und wenn ein Glücksfall es so will, das sich eine polnische Bloggerin bei Westropolis einfindet - umso besser! So hatte ich gedacht und deswegen (wohl fahrlässig) nach dem Verhältnis slawischer Sprachen zueinander gefragt. Inzwischen bereue ich es schon. Denn auch die Annahme, ich wolle ja doch alles nur auf meiner gewohnten Achse (des Bösen?) Deutschland - Niederlande - Dänemark "abbilden", zielt ziemlich weit daneben. Beim nächsten Mal google ich dann lieber gleich, schließlich will ich niemanden unnötig behelligen. Alsdann.

#97 von Bernd Berke am 24.03.09 um 21:11

 

Frage nur, weil ich übermorgen nach Kopenhagen fahre. Gibt es da etwas zu gucken? Gar zu sagen? Wollte mir ein Milchkännchen - sorry, wirklich ein Milchkännchen - kaufen, aus dänisch-königlichem Porzellan. So, was wollte Herr Gogol nochmal sagen?

#98 von Lotte am 24.03.09 um 21:11

 

Ich meinte den Beitrag @94, egal, babylonische Sprachverwirrung. Hauptsache, bis 1. April schaffen wir die 200.

#99 von Lotte am 24.03.09 um 21:13

 

„Mein Cousin spielt die Tuba kolossal.“
„Mein Onkel hatte auch Tuberkulose.“
„Ich habe keinen Bock mehr.“
„Das tut mir leid - Selbstmord?“
„Nein, Wildwechsel.“
„Ich habe auch mal wild gewechselt.“
„Sie haben bei ihrer Ex gewildert.“
„Wilderer wildern oft wider Willen.“
„Ich habe viele Villen.“
„Ich dagegen bin willenlos.“
„Lassen Sie sofort meinen Willi los!“
„Dein Willi geschehe.“
„Mein Willi brennt.“
„Sie meinen Willi Brandt?“

#100 von hirschkuh am 24.03.09 um 21:14

 

jööööö hundert!

#101 von hirschkuh am 24.03.09 um 21:15

 

Ui, jetzt ward es politisch, während ich mich mit dem Milchkännchen herum plagte, sorry, Herr B.B.

#102 von Lotte am 24.03.09 um 21:16

 

Ein Tisch-Milchkännchen, offen?

#103 von Olram X am 24.03.09 um 21:20

 

Was soll´s, ist ja ein altbekanntes Phänomen hier, wie Regen und Schnee.

Dabei wollte ich niemanden behelligen, fand nur Ihren fordernden Oberlehrer-Prüfer-Ton gegenüber Marta etwas dämlich deplaziert, Herr B.B., nichts für ungut, hatte keinerlei politische Implikationen, nur erkenntnistheoretische.

#104 von Lotte am 24.03.09 um 21:21

 

Also mich wundert, dass die Deutschen selbst von ihrer schoenen Sprache NICHT unbedingt schwaermen. Manchmal denke ich:
"Ihr habt so was schoenes, warum erzaehlt ihr davon nicht?"Also meine Gefuehle sind fuer das Deutsche und fuer das Englische z. B. NICHT!

#105 von Marta am 24.03.09 um 21:25

 

@#104
"...fordernden Oberlehrer-Prüfer-Ton..."

Nee, das ist jetzt ein Scherz, oder?

#106 von Bernd Berke am 24.03.09 um 21:26

 

Marta, hallo, das Polnische ist für mich das Französiche unter den slawischen Sprachen. Ist doch auch ganz schön, oder nicht? Deutsch ist sehr, naja, hart.

#107 von Lotte am 24.03.09 um 21:27

 

@#105 Marta

Ich gehe mal davon aus und hoffe inständig, dass nahezu alle, die sich hier zu Wort melden, eine Zuneigung zur deutschen Sprache hegen. Doch als Deutscher hütet man sich meist, so etwas lauthals hinauszuposaunen. Dafür gibt's Gründe.

Übrigens ist das Englische - nicht nur im Dichterischen - auch eine wundervolle Sprache, so weit ich dies beurteilen kann. Gewisse Formen des Humors verlangen nach dem Englischen, glaube ich.

Wie denn wohl überhaupt j e d e Sprache ihr ganz Spezielles hat, ihre Holprigkeiten, aber auch ihre strahlenden Schönheiten.

#108 von Bernd Berke am 24.03.09 um 21:31

 

Jau, ein s fehlt, wir sind ja nicht bei den Schtis - apropos nach oben geschlossene Milchkännchen: Gibt es sowas? Auch im Kulturkreis der Dänen? Ich dachte, die saugen die Euter direkt aus - à la Wikinger?

Wir kommen Gogols Geburtstag näher.

#109 von Lotte am 24.03.09 um 21:32

 

Mein Beitrag Nümmero 104 bezog sich auf Beitrag Nümmero 82, Herr Berke.

Mein Beitrag Nümmero 109 hingegen steht in direktem Bezug zu meinem eigenen Beitrag Nümmero 107.

Nur so zur Orientierung.

#110 von Lotte am 24.03.09 um 21:35

 

Ich hab doch keine Milch in den Augen!

#111 von Olram X am 24.03.09 um 21:38

 

@#110
Gleichviel!
Mit #82 wollte ich kundtun, dass ich mich ein wenig schnellfertig abgespeist fühlte. Ist das so verwerflich? Macht d a s einen Oberlehrer aus? Komisch: In der Rolle sehe ich mich nun so gar nicht, den Tonfall müsste mir erst einmal jemand beibringen... Aber ich sage dazu schon jetzt: Nein, danke.

#112 von Bernd Berke am 24.03.09 um 21:39

 

Noch nicht, Herr Olmert, kann aber noch kommen, wenn Sie so weiter melken!

#113 von Lotte am 24.03.09 um 21:40

 

Juchhuuuu! Gleich landen wir gewiss in der Rubrik "kontrovers", und zwar wegen der schnellen Abfolge von Repliken. Darauf reagiert "das System".

#114 von Bernd Berke am 24.03.09 um 21:41

 

Mein Beitrag Nümmero 113 bezog sich auf Beitrag Nümmero 111.

Aber in Bezug auf Ihren Beitrag Nümmero 112, Herr Berke, kann ich nur sagen: Fremd- und Selbstwahrnehmung fallen, ja doch, gelegentlich auseinander. Passiert mir auch. Ich nerve auch, gelegentlich und immer öfter.

#115 von Lotte am 24.03.09 um 21:43

 

@#115
Also: Noch hab' ich den ungefähren Überblick und weiß in etwa, wer sich worauf bezieht. Einigermaßen.

Und über den Rest decke ich nunmehr den Mantel des Schweigens. Oder wollen wir uns etwa darauf einigen: "Wir sind alle blöd und nerven ungemein"! Nein, nein, nein. Wo wir doch alle so überaus klug sind und stets allseits geliebt werden.

#116 von Bernd Berke am 24.03.09 um 21:46

 

Was wollte Gogol noch berichten? Ach ja, er wird bald zweihundert nach neuer Kalenderrechung und gilt als der Proto-Slawe in der literarischen Geisteshaltung - nach Thomas Mann.

#117 von Lotte am 24.03.09 um 21:47

 

Mir ist noch nie ne Frau mit tschechischem Akzent begegnet. :-( Ihnen?

#118 von Olram X am 24.03.09 um 21:50

 

Nebenbei: Herr Landsberger wird sich wundern, wie sein Thread unstete Fahrt aufgenommen hat.

#119 von Bernd Berke am 24.03.09 um 21:50

 

Nö. In Nümmero 117 hab ich direkt auf den Thread bezug genommen. Ist gar nicht soooo lange her, wenn Ihre raumzeitliche Orientierung da mit kommt, Herr B.B.

#120 von Lotte am 24.03.09 um 21:54

 

@#120
Aber immer.

#121 von Bernd Berke am 24.03.09 um 21:55

 

Fein. Eventuell könnten wir den Milchkännchen-Exkurs wieder aufnehmen? Mir läge sehr viel daran. Freiwillige Dänen und Nicht-Dänen?

#122 von Lotte am 24.03.09 um 22:02

 

Wenn ich mich noch zum Schluss zu Wort melden kann.Es ist nicht nur so, dass ich das Deutsche gern habe. Es ist auch so, dass das Deutsche sehr lieb und vor allem sehr gnaedig mir gegenueber ist! Wer bin ich, dass das maechtige (!) Deutsche ausgerechnet mich so lieb hat und mir schoene Woerter in mein Ohr(gieriges Ohr) fluestert?
Das Deutsche begeistert mich fuer sich jeden Tag und das empfinde ich als GNADE!
Ihr Deutsche wisst eure eigene Sprache nicht zu schaetzen(!), denke ich manchmal.
Natuerlich fuer jemand der keine Liebe in sich fuer eine Sprache empfindet ist das was ich schreibe laecherlich. Das kann ich nachvollziehen! Da kann ich nur sagen entweder ist die Musik da in einem oder eben nicht! Das ist die Gnade aber um diese Gnade kann man sich durchaus bewerben.
Das Deutsche ist sehr gut! Als Sprache!
Also mir wuerde natuerlich sehr eine Seite im Internet recht wo sich die Deutschlernende bzw. Deutschschwaermende treffen und austauschen wuerden. Unter solchen Leuten fuehle ich mich immer sehr gut!

#123 von Marta am 24.03.09 um 22:07

 

Ja, Deutsch ist Gnade. Und Erlösung. Sehe ich ein. Kein Wort mehr zum Slawischen. Versprochen. Nur ein Link:

http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Erhabene

Mir gruselt es nun wirklich. Tschüss, Gogol.

#124 von Lotte am 24.03.09 um 22:13

 

Ich werde von dem Deutschen jeden Tag bekuesst und umarmt und das Deutsche ist sehr zufrieden dass ich so was von IHM schreibe und sage. Das zaehlt fuer mich.

Und das schoenste Wort das es in der Welt gibt ist... das Kaninchen!
Und jetzt Schluss

Liebe Deutsche! Beachtet eure Sprache!
Ich verlange nicht dass man mich versteht, ich habe Verstaendnis!

#125 von Marta am 24.03.09 um 22:14

 

#119 Bernd Berke
Ich bin doch auf allerhand gefasst. Alles Philosophieren begann mit dem Sich-Wundern, dem thaumazein. -
Russisch zu lernen fiel mir leichter als das Polnische. Aber ich ghabe zu wenig und zeitlich zu kurz gelernt; ich kann beides nicht. Tschechisch erinnerte mich stärker an das Russische. Meine polnischen Freunde verstehen von ihrer Sprache her, wie sie sagen, das Tschechische ohne große Schwierigkeiten. Das Russische nicht ganz so gut. (Obwohl sie es in der Schule lernen mussten.) -
Was ein Oberlehrer ist, weiß ich nicht; ich dachte, die seien ausgestorben und lebten nur noch im Klischee fort.
Die Besserwisserhaltung kommt in allen Berufen vor. Sie ist schon längst nichts Spezifisches mehr.

#126 von Günter Landsberger am 24.03.09 um 22:15

 

#125
Mir ist die deutsche Sprache die allerliebste von den vielen Sprachen, die ich trotz mangelhafter Kenntnis mag.
(Und ich mag Französisch, Spanisch, Russisch, Italienisch, Polnisch und King's English.)

#127 von Günter Landsberger am 24.03.09 um 22:21

 

apropos "Kaninchen":

Auf ein Kaninchen [53] Für Marthe

Weisse Felle, die ich streicheln durfte:

Vorhang vor dem Heiligtum.
Im Getön der spitzen Ohren schlurfte
Eine Reisigsammlerin: der Ruhm.
Sonne sass im Dschungel deiner Lende,
Wiegte sich als goldne Möwe weit
Auf den Meeren der gekalkten Wände,
Wenn der Hund im Hellen schreit.

Stäbe stürzten: aus den Katakomben
Deiner Höhlung, die das Grüne barg.
Deine Augen, rote Rhomben,
Schliefen in der Müdigkeiten Sarg.

Dich zertrat der grosse Bernhardiner,
Aus dem Maule schwebte Kohl und Strunk.
Als des Todes allezeit getreuer Diener
Sprangst du pfeifend in die Dämmerung.

Quelle:Klabund: Das heiße Herz. Berlin 1922, S. 53

#128 von Lotte am 24.03.09 um 22:24

 

@#125 Marta

Wenn Sie mal schauen mögen, wie man im Deutschen meilenweit aneinander vorbei reden kann, so sehen Sie's rückblickend hier: Hier ward's Ereignis.

Kaninchen! Nun denn.

@#126
Danke für den nüchternen, sachlichen Versuch einer Darlegung. Es ist doch so: Niemand von uns weiß genug (somit wäre niemand mit Fug uns Recht "Oberlehrer"), aber es zählen: das Bemühen, das Streben und die geduldige Annäherung ans ach so ferne Ziel. Und das wache, begierige Staunen ist womöglich ein Zündfunke für so manches.

#129 von Bernd Berke am 24.03.09 um 22:24

 

#125 Marta
Aber "Wiewiórka ruda" (Sciurus vulgaris) ist doch auch nicht schlecht? Mein liebstes polnisches Tier.

#130 von Günter Landsberger am 24.03.09 um 22:26

 

Korr. zu 129: "und Recht" statt "uns Recht".

Password: "any". Yes, any language is beautiful.

#131 von Bernd Berke am 24.03.09 um 22:28

 

Mein aktuelles Lieblingswort lautet: tumultgeneigt

#132 von Olram X am 24.03.09 um 22:28

 

Wie, was: tumultgegeigt?

Übrigens: Strang steht nun unter "kontrovers". War ja zu befürchten.

#133 von Bernd Berke am 24.03.09 um 22:31

 

"...sie sind lärmaffin, tumultgeneigt, brüllresistent und krachkompatibel..."

(aus einem FAZ-Artikel vom verehrten Paul Ingendaay)

#134 von Bernd Berke am 24.03.09 um 22:33

 

... genau, tumultgeneigt ...

#135 von Olram X am 24.03.09 um 22:37

 

Ich möchte auf mein königlich-dänisches Milchkännchen zurück kommen. Das liegt mir wie Kaninchenfell am Herzen. Ganz in der heiligen deutschen Sprache, akzentfrei.

Ausser, jemand hat was zu Gogol zu sagen.

#136 von Lotte am 24.03.09 um 22:39

 

Bitte:

#137 von Olram X am 24.03.09 um 22:41

 

Nichts zu Gogol, aber zum Kaninchen: Mir Unkundigem war bislang nicht klar, dass Coelho das portugiesische Wort für "Kaninchen" ist. Wollte ich nur kurz kundtun. Und nun Bahn frei für dänische Milchkännchen oder was auch immer.

#138 von Bernd Berke am 24.03.09 um 22:42

 

Ach. Das war mir neu. "Coelho" ist also der "Rammler"?
Portugiesisch mag ich doch soooo gerne, ist das nicht eine Mischung aus Italienisch und Französich, mit einer Prise Spanisch? Nasallaute haben die auch. Also ist das Polnische quasi das Portugiesisch der slawischen Sprachen.

#139 von Lotte am 24.03.09 um 22:48

 

Voilà:

http://spellic.com/ger/woerterbuch/Kaninchen

#140 von Bernd Berke am 24.03.09 um 22:53

 

Also bei mir Guenter ist das anders als bei Ihren Freunden aus Olsztyn (?).Fuer mich ist das Russische leichter zu verstehen als das Tschechische. Aber die Bekanntschaft mit dem Russischen moechte ich nicht mal anfangen!Es ist auch so dass ich mir ein paar Seitensprunge mit dem Englischen und mit dem Franzoesischen erlaubt habe. Und be-dau-re! Ich habe die Traenen in meinen  Augen wenn ich denke was ich dem Deutschen angetan habe wo es so lieb fuer mich ist! Jetzt mache ich das nicht. Ich moechte treu dem Deutschen bleiben so dass ich Ihm nicht weh tue und so dass es mir immer kompliziertere Sachen sagt.
aber sonst keep smiling!und Auge zwinkern!

#141 von Marta am 24.03.09 um 22:57

 

Dänisch-Kanin. Ich kenne einen Herrn Kaninke.

#142 von Olram X am 24.03.09 um 22:57

 

voilà, Teil II (siehe weiter unten, unter "Mundgeruch" scrollen!!!):

http://www.woxikon.de/por/coelho.php

#143 von Lotte am 24.03.09 um 22:57

 

Herr Kaninke, Königliche Porzellanmanufaktur Koebenhavn? Adresse?

#144 von Lotte am 24.03.09 um 23:00

 

Nix da Manufaktur. Kfz-Werstatt. Ölwechsel! :-)

#145 von Olram X am 24.03.09 um 23:04

 

Aha, der Dieter!

#146 von Bernd Berke am 24.03.09 um 23:06

 

Heiliger Schmarrn. Jetzt sind es nur noch 53 Einträge bis zum gregorianischen Gogol-Geburtstag. Bitte gut haushalten. Möglichst themenbezogen.

#147 von Lotte am 24.03.09 um 23:12

 

Diese Lawinne wollte ich nicht aber ich ahnte es muss eines Tages so sein, dass ich ueber meine Leute erzaehle.

Im Moment stehen zwei maechtige Maenner hinter mir und sie ... vertragen sich in mir sehr gut!
Das ist das Deutsche und das POLNISCHE. Das polnische ist sehr maechtig und es kann auf die PRAECHTIGE maechtige Geschichte und Jahre zurueckblicken.

Gut jetzt mache ich Schluss also das Thema habe nicht ich angefangen.

#148 von Marta am 24.03.09 um 23:13

 

Gogol a gogo
Gogol im Goggo
Gogol der Goggel
Gogooooooooaaaaal!

Drum gute Nacht!

#149 von Bernd Berke am 24.03.09 um 23:18

 

Der letzte Kommentar:
Vor zwei Monaten ungefaehr hat das Polnische eine Art Eifersucht verspuert, dass ich so von dem Deutschen schwaerme. Also ich schaetze die Situation so. Und fing es an mir schoene Sachen in mein empfindliches Ohr zu fluestern.
Ich fand das und finde sehr gnaedig (!!!) von dem praechtigen Polnischen.

#150 von Marta am 24.03.09 um 23:19

 

Sonst Auge zwinkern!

#151 von Marta am 24.03.09 um 23:23

 

Männer, was für Männer? Geh zur Polizei und bitte um Personenschutz, Du solltest frei denken, reden und entscheiden können, Marta. Egal wie prächtig und mächtig diese Männer sind. Wahrscheinlich bloss "false friends", wie die deutsche Sprache.

;-)

#152 von Lotte am 24.03.09 um 23:26

 

Der Herr vernimmts, der Herr verstimmts.

#154 von Lotte am 25.03.09 um 00:02

 

#148:
zwei maechtige Maenner hinter mir und sie ... vertragen sich in mir sehr gut!

JETZT BIN ICH ABER SPRACHLOS !
WO BLEIBT DIE SITTENPOLICJA?

#155 von moralizator am 25.03.09 um 00:05

 

#139 Lotte
Unabhängig von Ihnen kam mir, bevor ich jetzt erst ab #131 weitergelesen habe, der Gedanke, der mein Empfinden ausdrückt: Das Russische verhält sich zum Polnischen wie das Spanische zum Portugiesischen.

#156 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 07:06

 

#4 Marta
In einem Buch, das ich sehr bald rezensieren werde, fand ich vorgestern unversehens auf S. 104 eine weitere Nasentextpassage:
"Der Graf ist um die Siebzig, groß, hager, mit einer etwas eingefallenen Brust und leicht gebeugten Schultern; einige Haarsträhnen fallen ihm auf die schmalen Wangen, zwischen denen eine vornehm grimmige Nase hervorragt, mit der unbestreitbaren Autorität, wie große Nasen sie haben, darüber zwei dunkle Augen, abwesend und gelassen, in denen ein dunkles Feuer brennt. Der Anzug ist abgetragen, die nervösen, dünnen Finger sind braun vom Nikotin."

(verzerrtes Wort: nas!)

#157 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 07:31

 

Ein Hinweis auf Gogols Nachwirkung bei Thomas Mann sind schon die Titel zweier ihrer Erzählungen:

Nikolai Gogol: "Wie Iwan Iwanowitsch und Iwan Nikiforowitsch sich verzankten"

Thomas Mann: "Wie Jappe und Do Escobar sich prügelten"

#158 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 07:40

 

Und zur deutschen Sprache und Martas Liebe zu ihr noch einmal zwei Texte:

TEXT A:

FRIEDRICH VON LOGAU ( 1604 - 1655 ):
D i e d e u t s c h e S p r a c h e

Kann die deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen
Kann sie doch auch spielen, scherzen, liebeln, gütteln, kürmeln, lachen.


TEXT B:

JORGE LUIS BORGES ( geb. 1899 ):

An die deutsche Sprache

Mein Schicksal ist die Sprache Kastiliens,
Das Erz Francisco de Quevedos,
Doch in der langsam schreitenden Nacht
Entzücken mich andere vertrautere Klänge.
Einer wurde mir vom Blut geschenkt -
Oh Stimme Shakespeares und der Heiligen Schrift -,
Andere vom Zufall, dem freigebigen,
Doch dich, süße Sprache Deutschlands,
Dich habe ich gewählt und gesucht, einsam.
In Nachtwachen mit Grammatiken,
Im Dschungel der Deklinationen,
Des Wörterbuchs, das nie die genaue
Schattierung trifft, kam ich dir näher.
Meine Nächte sind angefüllt mit Vergil,
Sagte ich einmal; das hätte ich auch von
Hölderlin sagen können und von Angelus Silesius.
Heine hat mir einst seine hohen Nachtigallen geschenkt;
Goethe das Glück einer späten Liebe,
Nachsichtig und zugleich verpflichtend;
Keller die Rose, die eine Hand in der Faust
eines Toten läßt, der sie liebte
Und nie wissen wird, ob sie weiß ist oder rot.
Du, deutsche Sprache, bist Deutschlands
Größtes Werk: Die verschlungene Liebe
Zusammengesetzter Stimmen, die offenen
Vokale, die Laute, die den gelehrten
Hexameter des Griechen erlauben
Und dein Rauschen von Wäldern und Nächten.
Einmal habe ich dich besessen. Heute, am Rande
Ermüdeter Jahre, seh ich dich von
Fern wie die Algebra und den Mond.

[ Übersetzt aus dem argentinischen Spanisch
von Curt Meyer-Clason,
München 1980 ]

#159 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 07:47

 

Mein "liebster" Text zum Thema ist Ilse Aichingers "Meine Sprache und Ich" (1968), da geht es um Grenzen, Zöllner, das Meer und um hartnäckiges Schweigen. Ein Ringen um Ausdruck. Alles, was über diesen wohl universellen Aspekt von Sprache hinaus geht, ist für mich einfach Geschmackssache.

#160 von Lotte am 25.03.09 um 09:22

 

Mein engl. Kaninchen-Wort lautet: probably
v.W.: bBC

#161 von Olram X am 25.03.09 um 09:46

 

Oh ja! Probably !(aber nur wenn man "a" unterdrueckt und "o" als "a" ausspricht

Und an Lotte:
Liebe Lotte eure Sprache ist so was von Weich!
das Kaninchen - -s dann "nin" (sehr weich)und noch "chen" zum Schluss! Im Allgemeinen ist die deutsche Sprache sehr weich!
Woerter mit "Rrr" koennen ein bisschen hart wirken.
Natuerlich das ist nur meine Meinung!

#162 von Marta am 25.03.09 um 10:02

 

"Marchewka" noch schoener als "wiewiórka", Guenter.

#163 von Marta am 25.03.09 um 10:05

 

Mein englisches Lieblingswort ist "refrigerator", sowohl des Klanges als auch des Inhaltes wegen.

#164 von Matta Schimanski am 25.03.09 um 10:14

 

Liebe Marta, mir gefällt die einmalige Kombination von "M" und "L" in "mlyn" (Mühle) oder "mleko" (Milch), kenn ich so nicht aus anderen Sprachen, finde ich schön rund wie einen Kuss. Uns süss finde ich "malenki" oder "malutki" für "klein". Ich mag diese i-Endungen, finde ich entzückend.

#165 von Lotte am 25.03.09 um 10:19

 

#160 Lotte
Ilse Aichinger! -
Ich fühle mich Ihnen verwandt.

#166 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 10:42

 

#163 Marta
Das Wort "Marchewka" für Möhre, Karotte (österr. auch "gelbe Rübe") klingt zwar ganz schön, aber "wiewiórka" mag ich vielleicht auch wegen des beweglichen Tieres, das sich dahinter verbirgt, ganz besonders u n d weil dieses Tier in allen anderen mir bekannten Sprachen meist ganz anders genannt wird. Die "Rübe" hat es allerdings auch in sich: Die Sagen vom "Rübezahl" kenne ich von kleinauf.

#167 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 10:51

 

Ja, wieder Vetternwirtschaft, hier ;-)

#168 von Lotte am 25.03.09 um 10:51

 

Ist das polnische Wort für "danke" dem Deutschen auch klanglich nicht viel ähnlicher und näher als das entsprechende russische?

#169 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 10:54

 

#168 Lotte
Das ist doch fast eine Basis, sagt da der Vetter zur Base.

#170 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 10:55

 

#164 Matta Schimanski
Mein englisches Lieblingswort ist: "flibbertigibbet".

#171 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 11:00

 

Vetternwirtschaft heisst auf polnisch "wiadukt" - so wie bei uns wohl "Vitamin-B".

#172 von Lotte am 25.03.09 um 11:09

 

#172 Lotte
"Viadukte", "Durchhäuser" und "Tunnöi" (so der finstere, heute vielbefahrene Tunnel unter den Gleisen des Hauptbahnhofes) waren im Salzburg meiner Kindheit Bezeichnungen für Unterführungen, Passagen und Durchgänge.

#173 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 11:48

 

"Nur wenn wir wissen, daß alles offenbleibt, kann ein Dialog zustandekommen." (Ilse Aichinger)

#174 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 11:50

 

#142 ff
Kanin? Kaninchen?
Es gibt einen guten italienischen Pianisten mit dem Namen Bruno Canino.

Beethoven/ Berio
01.03. bis 10.03.2010

Kolja Blacher, Violine
mit Bruno Canino, Klavier

Berio: Sequenza IV für Klavier solo
Beethoven: Sonate für Klavier und Violine Nr. 9 ''Kreutzer - Sonate''
***Pause***
Berio: Sequenza VIII für Violine solo
Beethoven: Sonate für Klavier und Violine Nr. 10 G-Dur op. 96

#175 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 11:59

 

Fruehlingssonate von Beethoven?

#176 von Marta am 25.03.09 um 12:12

 

#176 Marta
Die ist leider nicht dabei, aber sehr sehr schön. Meine erste (und mir nach wie vor liebste) Aufnahme davon war die mit Henryk Szeryng und Arthur Rubinstein.

#177 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 12:34

 

"Wenn ich etwas lese, denke ich auch sonst oft, hier ist Sprache und hier ist keine. Daraufhin befragt, was das denn heißen solle, wurde mir klar, daß es hieß, das hat Schweigen in sich, und das nicht." Zitat aus: Ins Wort. In: Kleist, Moos, Fasane (1991), S. 112.

In diesem Sinne: Einige wunderbare Beiträge von Marta, Matta, Olram und Herr Landsberger - dem literarischen Quartett hier.
:-)

#178 von Lotte am 25.03.09 um 15:27

 

Nachtrag: Zitat oben von Ilse Aichinger. Vielen Dank.

#179 von Lotte am 25.03.09 um 15:28

 

ad178: mleko-mio :-)
www.youtube.com/watch?v=P_HYmLzxj2Y

#180 von Olram X am 25.03.09 um 15:48

 

#178 Lotte
Aber Sie kommen doch wieder und sind nicht einfach "fort"?

Vgl. Ilse Aichinger: "Eine Reise nach "fort""
(in: Ilse Aichinger: "Unglaubwürdige Reisen", Frankfurt am Main 2005, S. 63)

#181 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 15:48

 

Apropos "unglaubwürdige Reisen", muss erst mein Milchkännchen in Dänemark besorgen. So long.

MfG
Lotte

#182 von Lotte am 25.03.09 um 17:03

 

@#178:
Hoppla!
Ich werde einem literarischen Quartett zugerechnet? Zuviel der Ehre! Da muss ein Mistverständnis vorliegen - aber Bernd Berke, der würde gut passen!

#183 von Matta Schimanski am 25.03.09 um 17:22

 

"Gogol wird heute 200"
Du sagtest,
du hast.

#184

#184 von Marta am 25.03.09 um 18:46

 

#183 Matta Schimanski
Ein literarisches Sextett oder Quintett wäre doch auch möglich! Das wäre dann kein Plagiat, kein literarischer Diebstahl.

#185 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 18:51

 

#184 Marta
Gogol wird im Moment fast an jedem Tag 200. So lange dieser Thread am Leben bleibt.
Soviel Feiern "Gogols" in Deutschland war selten, vielleicht nie.
Immerhin hat er sich einige Male in Deutschland aufgehalten. Als junger Mann ist er sogar einmal aus Russland nach Lübeck geflüchtet. Ob sich Thomas Mann und Günter Grass auch daran erinnert haben?

#186 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 18:55

 

@#185:
Mir ging es da um kein Plagiat. Mir ging es eher darum, dass ich mich nicht als besonders "literarisch" sehe, so gern ich es auch würde.

#187 von Matta Schimanski am 25.03.09 um 19:05

 

Mir nussknackert auch, dass es dabei eher auf ein literarisches Ballett hinauslaufen würde.

#188 von Olram X am 25.03.09 um 19:13

 

#188 Olram X
Sind Sie denn der Pate Drosselmeier? (Der Francois Knaak doch sowieso nicht.)
Wer will denn hier tänzeln und strampeln, geschweige denn sich abstrampeln?
(Nichts gegen das Ballett als solches!)
#187 Matta Schimanski
Es reicht völlig, aufmerksam lesen zu können.

#189 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 19:49

 

Ja, Herr Landsberger, der will ich sein!
NZZ Online: Richard Wherlock choreografiert den «Nussknacker» in Basel
Der Pate Drosselmeier betritt zu Beginn die leere Bühne, gefolgt von einer Schar Ratten in Punk-Kostümen.

#190 von Olram X am 25.03.09 um 20:06

 

Noch 10,und damit sind wir der Vollbringung nahe.

#191 von Marta am 25.03.09 um 20:41

 

#190 Olram X
Der Pate Drosselheimer war eine meiner ersten Lieblingsfiguren bei E.T.A. Hoffmann, schon des Namens wegen, der ein gewisses Behagen ausströmt. Und weil er mechanisches Spielzeug nicht mag.

#192 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 22:15

 

Drossel m e i e r natürlich!

#193 von Günter Landsberger am 25.03.09 um 22:16

 

Inzwischen Guenter draengt nach vorne ...

Bis zur Mitternacht nur! noch eine Stunde. Schafft der im Moment einsamer Kommentator und Autor? Fehlen noch 6 Kommentare!

#194 von Marta am 25.03.09 um 22:47

 

Steuere mal einen bei. Inhaltslos. Sinnleer. Nur aus Daffke. Und damit eine Ruh ist!

#195 von Bernd Berke am 25.03.09 um 22:49

 

Die Frage: Soll der 200 Beitrag tatsaechlich 200 Kommentare bekommen, macht ihn (den Beitrag) kontrovers!

#196 von Marta am 25.03.09 um 22:52

 

196!

#197 von Matta Schimanski am 25.03.09 um 22:52

 

Mist! Zu spät!
198!

#198 von Matta Schimanski am 25.03.09 um 22:53

 

Herr Landsberger!
Ihr Einsatz!

#199 von Matta Schimanski am 25.03.09 um 22:53

 

200

#200 von ichwars am 25.03.09 um 22:54

 

Na, wieder Gogol gefüttert?

#201 von Olram X am 25.03.09 um 22:55

 

Er war einsam, aber schneller.
So kann 's gehn.

#202 von Matta Schimanski am 25.03.09 um 22:55

 

#202: "So kann 's gehn"

Richtig: So, jetzt kann er gehen !

#203 von ichmussweg am 25.03.09 um 22:58

 

Mann, war das spannend.

#204 von Bernd Berke am 25.03.09 um 22:59

 

Gute Nacht - ich muss leider noch ein bisschen bleiben.

#205 von Matta Schimanski am 25.03.09 um 23:00

 

Der eine Thread unheimlich, der andere spannend - hier ist vielleicht wieder was los heute! Wenn das Gogol wüsste!

#206 von Matta Schimanski am 25.03.09 um 23:01

 

#203: Meine G O G O L.

Vielleicht zu Herrn Bernd Berke´s:
"Makabre Internet-Seite
Wen man gerade überlebt hat"

#207 von binschonweg am 25.03.09 um 23:03

 

Gleicht kommt Gogols Wij!

#208 von Günter Landsberger am 26.03.09 um 06:23

 

Der Einfachheit halber:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wij

#209 von Günter Landsberger am 26.03.09 um 06:25

 

Zum Thema slawische Sprachen: Soeben kam im Deutschlandfunk eine schier unfassbare Nachricht zu einem angeblichen Übersetzungsfehler aus dem Tschechischen. Der gestürzte tschechische Regierungschef Topolanek hatte im Straßburger Europaparlament die US-Konjunkturpakete als "Weg in die Hölle" kritisiert. Gestern hieß es noch stets, er habe gesagt, die USA finanzierten ihre Rettungsschirme durch "Waffenverkäufe". Heute heißt es, dies beruhe just auf einem Übersetzungsfehler, denn das tschechische Wort für "Wertpapiere", das Topolanek benutzt habe, klinge ganz ähnlich.

Welch ein fataler Hörfehler, der für internationale Verwicklungen sorgt...

Im konkreten Klartext: Topolanek hat nach neuester Version Wertpapiere/Bonds (tschech. Bondy) statt Bomben (Bomby) gesagt. Also hätte es doch gestern schon als "Bombenverkäufe" fehlübersetzt werden müssen. "Waffenverkäufe" war demnach wohl schon eine eigenmächtige Interpretation...

#210 von Bernd Berke am 26.03.09 um 15:47

 

Im Jahr 2003 ist im Verlag Friedenauer Presse ein sehr gelungenes Büchlein erschienen mit dem Titel "Gogols Petersburger Jahre / Gogols Briefwechsel mit Aleksandr Puskin": eine Geschichte in Briefen zusammengestellt und herausgegeben von Peter Urban.

#211 von Günter Landsberger am 27.03.09 um 15:22

 

Gogol im Jahr 1832 über Puschkin:
"In seinen kleinen Werken, dieser zauberhaften Anthologie, ist Puschkin außergewöhnlich vielseitig und erscheint noch umfassender, stattlicher als in den Versdichtungen." (a.a.O., S. 31)

"Hier ist keine Rhetorik, hier ist allein die Poesie; keinerlei äußerlicher Glanz, alles ist schlicht, alles anständig, alles erfüllt von innerem Glanz, der sich nicht plötzlich erschließt: alles ist von Lakonie, von der reine Poesie immer zu sein pflegt.
Wenige Wörter, aber diese sind so genau, daß sie alles bezeichnen. In jedem Wort liegt ein Abgrund von Raum; jedes Wort ist unermeßlich wie der Dichter selbst. Daher kommt, daß man diese kleinen Werke mehrmals liest - ein Vorzug, den ein Werk, aus dem die eine Hauptidee allzu deutlich hervorstrahlt, nicht hat." (S. 32f)

#212 von Günter Landsberger am 28.03.09 um 07:05

 

Huebsche Beschreibung der Poesie, finde ich.

#213 von Marta am 28.03.09 um 11:55

 

@#31 GL: Uiuiuiuiuuuuu ...

#214 von Revierflaneur am 30.03.09 um 15:47

 

Heute ist es endlich so weit. Ob nun julianisch oder gregorianisch: Gogol wäre spätestens heute 200 geworden. Sein Werk möge direkt und indirekt weiterleben!

#215 von Günter Landsberger am 01.04.09 um 08:56

 

Um irgendwelchen Laut von sich zu geben am diesen schoenen sonnigen Tag.
Ich verabschiede mich jetzt aber nur fuer ein paar Stunden.
Ich muss mich jetzt auf etwas konzentrieren.

#216 von Marta am 01.04.09 um 13:43

 

Heute handelt praktisch die komplette Literaturseite der "Süddeutschen" von Gogol und seinen "Toten Seelen". Auch die FAZ gibt dem Thema breiteren Raum.

Außerdem, um ihn nicht ganz zu vergessen: Heute wird Milan Kundera 80 Jahre alt. Und wenn wir seiner nur gedenken, indem wir für Momente die Leichtigkeit des Seins verspüren...

#217 von Bernd Berke am 01.04.09 um 14:35

 

#217 Bernd Berke
Und bei Zweitausendeins gibt es jetzt eine extrem günstige Ausgabe von Gogols "Gesammelten Werken" (ca. 1100 Seiten). Im Deutschlandfunk war gerade der "Büchermarkt" zum größten Teil eine Gogol in Neuübersetzungen gewidmete Sendung. -
Gestern kamen mir zufällig drei große, von mir seinerzeit aufbewahrte ZEIT-Seiten unter: "Ich bin zu skeptisch, um Pessimist zu sein / Ein ZEIT- Gespräch mit Milan Kundera / Von Fritz J. Raddatz" + Milan Kunderas Essay "Das verschrieene Erbe des Cervantes" (DIE ZEIT, 7. Dezember 1984, S.65 - S.67).
Überhaupt: die Essays Kunderas über Literatur und Musik fand ich auch sonst recht interessant und meistens ganz gut gelungen.

#218 von Günter Landsberger am 01.04.09 um 17:01

 

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/943095/

#219 von Günter Landsberger am 01.04.09 um 18:47

 

Auch Gogol wird jetzt wieder älter.

#220 von Günter Landsberger am 04.04.09 um 07:08

 

Gogol bleibt besonders gut im Gedächtnis, weil sein Name mit Google verwechselt werden kann.

#221 von Günter Landsberger am 06.04.09 um 07:18

 

Gogol steht auch fuer "Logo".

#222 von Marta am 06.04.09 um 10:20

 

Es gibt noch ein Wort
"gogle" - Brille gegen Sonne , die man waehrend des Skifahrens benutzt.(poln.)

#223 von Marta am 06.04.09 um 10:24

 

und 224

#224 von Marta am 06.04.09 um 10:27

 

Heißt nicht sogar der Schirm gegen den Regen (also: der Regenschirm) im Polnischen "parasol"?

#225 von Günter Landsberger am 06.04.09 um 12:31

 

Der alljährlich empfehlenswerte "Arche Literatur Kalender" zitiert unter dem 1. April aus einem überaus bescheidenen Brief Gogols an seine Mutter:

"Sie sprechen von meinen Werken und nennen mich ein Genie! (...) Mich, einen braven, einfachen Mann, der vielleicht nicht ganz dumm ist (...), ein Genie zu nennen! Nein, liebe Mama, diese Qualitäten reichen dazu nicht aus, sonst hätten wir bei uns so viele Genies, daß es kein Durchkommen gäbe... Sagen Sie einfach, ich sei ein braver Sohn, fügen Sie nichts weiter hinzu..."
(St. Petersburg, den 12. April 1835)

#226 von Bernd Berke am 06.04.09 um 15:00

 

Populär, doch stets bescheiden! Ein wahrer Godoj, unser Klein-Gogol.

#227 von Lotte am 06.04.09 um 18:22

 

Lange von dir nichts gehoert, Lotte.
Wofuer steht Godoj im Deutschen? Ein Name?

#228 von Marta am 06.04.09 um 18:51

 

Ja, Thomas heisst er mit Vornamen, glaub ich. Ist ein deutscher Superstar. Oder soll noch einer werden, wenn er gross ist. Hat heute Geburtstag!

#229 von Lotte am 06.04.09 um 23:05

 

Rosanow: "Wenn man Gogol liest, hört man auf, der Wirklichkeit zu vertrauen."

Walter Nigg: "Die alte Einsicht, "dich geht es an, wenn das Haus des Nachbarn brennt", enthält den Schlüssel zu seinem Werk. Der Dichter ist dem Leser auf der Spur, er verfolgt ihn unaufhörlich - bis in sein Hundeloch hinein."

#230 von Günter Landsberger am 07.04.09 um 07:21

 

An einem siebenten April, als ob nichts geschehen wäre, befand sich die Nase wieder an ihrem Platz, das heißt zwischen den beiden Wangen des Majors Kowalew.

#231 von Olram X am 07.04.09 um 14:51

 

@#231
Mensch, dann ist ja heute Weltnasentag.
Wie wollen wir's feiern?

vw: "soo" (ja, w i e?)

#232 von Bernd Berke am 07.04.09 um 15:37

 

Ich schmeiß ne halbe Pfanne Nasi Gorng von gestern.

#233 von Olram X am 07.04.09 um 16:01

 

Goreheng!

#234 von Olram X am 07.04.09 um 16:02

 

Wort in #234 spricht man gewiss nasal aus.

#235 von Bernd Berke am 07.04.09 um 16:24

 

ach, ich dachte, es ginge um Al Gore, den Hengst, schade, diesmal wohl nicht

#236 von James Tschüss am 07.04.09 um 17:27

 

ach nein, Al Gore hat ja einen tag vor gogol geburtstag, daher das missverständnis, sorry, knapp daneben eben

#237 von James Tschüss am 07.04.09 um 17:48

 

also, Gogol, Godoj, Gore liegen doch beträchtlich nah beieinander, nicht wahr?

#238 von James Tschüss am 07.04.09 um 17:51

 

#229
An Lotte,
Vor dem Einschlafen trinkt der Thomas immer ein Glas heisse Milch.
Weisst du noch mehr ueber ihn?

#239 von Marta am 07.04.09 um 18:36

 

Nö, liebe Marta, nicht einmal dies wusste ich. Aber ein Glas Milch vor dem Einschlafen hilft, den Gallensaft abzulassen, habe ich gelesen.

#240 von Lotte am 07.04.09 um 18:38

 

#Lotte
Da ueberlege ich gerade warum mir es den 229 Kommentar so angetan hat.4 einfachsten Saetze!
Natuerlich der Kommentar hat es auf sich. (obwohl ich nicht weiss, ob das der richtige Ausdruck dafuer ist)

#241 von Marta am 07.04.09 um 21:37

 

#232 Bernd Berke
Inzwischen habe ich meine Nasen-anthologie wieder griffbereit: Jetzt könnte ich sogar ein skurriles Nasen-Sonett von Quevedo beisteuern.

#242 von Günter Landsberger am 07.04.09 um 22:16

 

#242
ein Text ueber Nase waere hier und heute gut.

#243 von Marta am 08.04.09 um 09:35

 

Zuvor noch dies:

"Solange die Menschen nicht all das fahren lassen, um dessentwillen sie sich in dieser Welt auffressen und zerfleischen, und nicht daran denken, ihren geistigen Besitz in Ordnung zu bringen - wird es auch um den irdischen Besitz nicht wohlbestellt sein. Es werden Zeiten der Hungersnot und der Armut kommen, wie für ein ganzes Volk, so auch für den Einzelnen."

(so Gogol, im nur fragmentarisch erhaltenen 2. Teil der "Toten Seelen"; zitiert nach: Walter Nigg: "Wallfahrt zur Dichtung", Zürich 1966)

#244 von Günter Landsberger am 08.04.09 um 11:52

 

Und Text ueber die Nase? (3,4 Saetze?)

#245 von Marta am 08.04.09 um 16:49

 

#245 Marta
Marta, die Zöllnerin, lässt nicht locker!
Je te félicite!

Hier das Buch:
"Literarische Nasen" / Gesammelt von Michael Schulte / Insel-Bücherei Nr. 938, Frankfurt am Main 1969 (152 Seiten)

Motto:
(an Gertrude Steins bekanntes Diktum "a rose is a rose is a rose" gemahnend)

"A nose is a nose is a nose"

#246 von Günter Landsberger am 08.04.09 um 17:07

 

Noch so'n Buch (dessen Inhaltsbeschreibung nahezu satirefähig, jedenfalls unfreiwillig komisch ist):

http://tinyurl.com/abph82

#247 von Bernd Berke am 08.04.09 um 17:16

 

"Geübte Küsser (will sagen Personen, die über das zwanzigste Jahr eine Strecke weg sind) wissen sich endlich schon zu helfen; sie halten die Köpfe schief, den einen nach Sonnenaufgang, den andern nach Niedergang, bringen die Nasen, als wahre Spielverderber, auf die Seite, und der Kuß wird in aller Ehrbarkeit und Zucht ausgetauscht." (...) "Bloß um der Nasen willen ist ein Kuß nicht so leicht geraubt, als man wohl meint. Wäre jenes Hindernis nicht, ich wette, es würde mehr geküßt in der Welt, wenigstens schneller geküßt. Aber die Nase vertheidigt noch die Unschuld mancher Tochter, wenn schon die Tugend anfängt schwach zu werden; die Nase ist die Klippe, woran mancher Kuß scheitert und zu Schanden wird!"

(aus: Heinrich Zschokke: "Über die Nasen", in: "Literarische Nasen", a.a.O., S. 38f.)

(verzerrtes Wort: nes)

#248 von Günter Landsberger am 08.04.09 um 17:16

 

Und was lustiges?

#249 von Marta am 08.04.09 um 18:32

 

Sorry, merke gerade, dass die dämliche tinyurl in #247 nicht funktioniert, deshalb nun die lange Adresse:

http://www.amazon.de/kulturelle-Bedeutung-Medizin-Literatur-Wahrnehmungsmusterung/dp/3836414058

#250 von Bernd Berke am 08.04.09 um 19:16

 

Etwas lustig ist:

http://de.wikipedia.org/wiki/Nasob%C4%93m

#251 von Olram X am 08.04.09 um 19:26

 

"Besser eine schiefe Nase als gar keine." (Deutsches Sprichwort)

Und ein anderes:
"Jeder schneuze erst die eigene Nase, ehe er sie dem Nachbarn putzt."

Und:

"Mittel gegen rote Nase. So lange saufen, bis sie blau wird."

(James Joyce, Ulysses)

ebd., S.46

#252 von Günter Landsberger am 08.04.09 um 19:38

 

Korfs Geruchsinn

Korfs Geruchsinn ist ernorm.
Doch der Nebenwelt gebrichts! -
und ihr Wort: "Wir riechen nichts"
bringt ihn oft aus aller Form

Und er schreibt wie Stendhal Beyle
stumm in sein Notizbuch ein:
Einst, nach überlanger Weile,
werde ich verstanden sein.

(Christian Morgenstern)

#253 von Günter Landsberger am 08.04.09 um 19:41

 

@#250:
Und dabei hatte ich mich schon so amüsiert beim Link von #247 - und jetzt sagst du, der ist gar nicht lustig!

#254 von Matta Schimanski am 08.04.09 um 19:43

 

Das Lied von der roten Nase

Meine schöne rote Nase
Kommt mir gar nicht übel für,
Und daß ihr darüber spottet,
Freunde, das verbitt' ich mir.
Diese Nase ist mein eigen,
Ist in manchem Sturm erprobt,
Und wenn andre sie nicht loben,
Sei sie von mir selbst gelobt.

Ja, ich trage sie mit Stolze
Auf dem Meer und auf dem Land,
Denn ich hab', ihr könnt mir's glauben,
Manchen Gulden dran gewandt.

Treulich hat sie mich begleitet,
Bald zum Schnaps und bald zum Wein,
Darum glänzt sie auch so prächtig
Wie ein roter Edelstein. -

Und wenn erst die Stürme sausen
Durch das Land zur Winterszeit,
Dann erst steht sie recht im Glanze
Und in voller Herrlichkeit.

Dann will sie mir oft erscheinen,
Wenn ich sie im Spiegel schau',
Wie die schönste Purpurrose,
Frisch benetzt vom Morgentau.

Eine Rose, die symbolisch
Meinem ahnungsvollen Geist
Nach den rauhen Winterstürmen
Frühlings Wiederkehr verheißt.

Eine Rose, nicht wie andre,
Die, von rascher Glut erregt,
Bald verblühen und verblassen,
Wenn man sie zum Ofen trägt.

Nein! Sie ist die Wunderrose,
Die gepriesen oft im Lied!
»Jene Rose ohne Dornen,
Die zu allen Zeiten blüht.«

(Wilhelm Busch)

#255 von Günter Landsberger am 08.04.09 um 19:45

 

Wie man sich mit Gogol die Nachbarschaft vom Hals hält:
Laut vernehmbar zwei Hunde fragen: "Na, schreibt ihr euch auch immer Briefe?" und anschließend die Halter fröhlich angrinsen.

Inspiriert durch "Aufzeichnung eines Wahnsinnigen" von Nikolaj Gogol

#256 von Olram X am 09.04.09 um 20:01

 

Für Martas Deutschstunde, Thema: Berlin, Bundeshauptstadt, Beitrag zum European Song Contest, Peter Fox:

Komm aus dem Club, war schön gewesen
stinke nach Suff, bin kaputt, is'n schönes Leben
Steig über Schnapsleichen, die auf meinem Weg verwesen
Ich seh die Ratten sich satt fressen im
Schatten der Dönerläden
Stapf durch die Kotze am Kotti, Junks sind benebelt
Atzen rotzen in die Gegend, benehmen sich daneben
Szene-Schnösel auf verzweifelter Suche nach der Szene
gepiercte Mädles, die wollen, dass ich "Strassenfeger" lese (Oh..)

Halb Sechs, meine Augen brennen,
Tret' auf n' Typen der zwischen toten Tauben pennt
hysterische Bräute keifen und haben Panik, denn
an der Ecke gibt es Stress zwischen Tarek und Sam:
Tarek sagt "Halt's Maul,
oder ich werd dir ins Gesicht schlagen!"
Sam hat die Hosen voll, aber kann auch nicht nichts sagen -
Die rote Suppe tropft auf den Asphalt.
Mir wird schlecht, ich mach die Jacke zu, denn es ist kalt.

Refrain:


Guten Morgen Berlin,
du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau,
du kannst so schön schrecklich sein,
deine Nächte fressen mich auf.
Es wird für mich wohl das Beste sein
ich geh nach Hause und schlaf mich aus.
Und während ich durch die Straßen lauf
wirds langsam schwarz zu blau.

Müde Gestalten im Neonlicht,
mit tiefen Falten im Gesicht
die Frühschicht schweigt, jeder bleibt für sich
Frust kommt auf, denn der Bus kommt nicht...

Und überall liegt Scheiße, man muss eigentlich schweben
Jeder hat n' Hund, aber keinen zum Reden
Ich atme ständig durch den Mund das ist Teil meines Lebens,
ich fühl mich ungesund, brauch' was Reines dagegen (...aha)

Ich hab n' dicken Kopf, ich muss n' Saft haben
Ich hab dringlichen Bock auf 'Bagdads Backwaren'!
Da ist es warm, da geb ich mich meinen Träumen hin
bei Fatima, der süßen Backwarenverkäuferin
R'n'B-Balladen pumpen aus'm parkenden Benz
Feierabend für die Straßengangs
Ein Hooligan liegt 'ner Frau in den Armen und flennt
diese Stadt ist eben doch gar nicht so hart wie, du denkst.

Refrain:


Guten Morgen Berlin,
du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau,
du kannst so schön schrecklich sein,
deine Nächte fressen mich auf.
Es wird für mich wohl das Beste sein
ich geh nach Hause und schlaf mich aus.
Und während ich durch die Straßen lauf
wird langsam schwarz zu blau.

Ich bin kaputt und reib mir aus meinen Augen deinen Staub
Du bist nicht schön und das weißt du auch,
dein Panorama versaut,
siehst nicht mal schön von weitem aus,
doch die Sonne geht gerade auf,
und ich weiß, ob ich will oder nicht,
dass ich dich zum Atmen brauch...

#257 von Lotte am 09.04.09 um 22:13

 

aber besser gefällt mir persönlich "NEU":

Ich verbrenn mein Studio, schnupfe die Asche wie Koks.
Ich erschlag meinen Goldfisch, vergrab ihn im Hof.
Ich jag meine Bude hoch, alles was ich hab lass ich los.
Mein altes Leben schmeckt wie 'n labriger Toast.
Brat mir ein Prachtsteak, Peter kocht jetzt feinstes Fleisch.
Bin das Update, Peter Fox 1.1
Ich will Aschied feiern, doch mein Teich ist zu klein.
Mir wächst 'ne neue reihe Beißer wie bei 'nem weißen Hai.
Gewachst, gedoped, poliert, nagelneue Zähne.
Ich bin euphorisiert, und habe teure Pläne.
Ich kauf mir Baumaschinen, Bagger und Walzen und Kräne.
Stürze mich auf Berlin, drück auf die Sirene.
Ich baue schöne Boxentürme, Bässe massieren eure Seele.
Ich bin die Abrissbirne für die d-d-d-deutsche Szene.
Hey, alles glänzt, so schön neu.
Hey, wenn's dir nicht gefällt, mach neu.
Die Welt mit Staub bedeckt, doch ich will sehn wo's hingeht.
Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht.
Hey, alles glänzt, so schön neu.
Ich hab meine alten Sachen satt, und lass sie in 'nem Sack verrotten.
Motte die Klamotten ein, und dann geh ich Nackt shoppen.
Ich bin komplett renoviert, Bräute haben was zu glotzen.
Kerngesund, durchtrainiert, Weltmeister im Schach und Boxen.
Nur noch konkret reden, gib mir ein ja oder nein.
Schluss mit Larifari, ich lass all die alten Faxen sein.
Sollt ich je wieder kiffen, hau ich mir 'ne Axt ins Bein.
Ich will nie mehr lügen, ich will jeden Satz auch so meinen.
Mir platzt der Kopf, alles muss sich verändern.
Ich such den Knopf, treffe die mächtigen Männer.
Zwing das Land zum Glück, kaufe Banken und Sender.
Alles spielt verrückt, zitternde Schafe und Lämmer.
Ich seh besser aus als Bono, und bin 'n Mann des Volkes.
Bereit die Welt zu retten, auch wenn das vielleicht zu viel gewollt ist.
Hey, alles glänzt, so schön neu.
Hey, wenn's dir nicht gefällt, mach neu.
Hier ist die Luft verbraucht, das Atmen fällt mir schwer.
Bye, bye ich muss hier raus, die Wände kommen näher.
Die Welt mit Staub bedeckt, doch ich will sehn wo's hingeht.
Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht.
Hey, alles glänzt, so schön neu.
(Hey)

#258 von Lotte am 09.04.09 um 22:14

 

am besten gefällt mir die Stelle:

Ich will Aschied feiern, doch mein Teich ist zu klein.
Mir wächst 'ne neue reihe Beißer wie bei 'nem weißen Hai.
Gewachst, gedoped, poliert, nagelneue Zähne.
Ich bin euphorisiert, und habe teure Pläne.
Ich kauf mir Baumaschinen, Bagger und Walzen und Kräne.
Stürze mich auf Berlin, drück auf die Sirene.
Ich baue schöne Boxentürme, Bässe massieren eure Seele.
Ich bin die Abrissbirne für die d-d-d-deutsche Szene.

#259 von Lotte am 09.04.09 um 22:16

 

soviel zum Surrealismus (?) heut abend von Lotte

#260 von Lotte am 09.04.09 um 22:25

 

aber vielleicht noch besser gefällt mir folgende Stelle:

Ich bin komplett renoviert, Bräute haben was zu glotzen.
Kerngesund, durchtrainiert, Weltmeister im Schach und Boxen.
Nur noch konkret reden, gib mir ein ja oder nein.
Schluss mit Larifari, ich lass all die alten Faxen sein.
Sollt ich je wieder kiffen, hau ich mir 'ne Axt ins Bein.
Ich will nie mehr lügen, ich will jeden Satz auch so meinen.
Mir platzt der Kopf, alles muss sich verändern.
Ich such den Knopf, treffe die mächtigen Männer.
Zwing das Land zum Glück, kaufe Banken und Sender.

:-)

soviel zum zeitgenössischen Surrealismus für heute!

#261 von Lotte am 09.04.09 um 22:59

 

Pendant und Gegenpol heute:
"Du musst dein Leben ändern!"
(Sloterdijk im uminterpretierenden Anschluss an die Schlusszeile von Rilkes Sonett "Archaischer Torso Apolls")

#262 von Günter Landsberger am 10.04.09 um 07:21

 

Idee/Vorschlag:
Man lese vergleichend als neuzeitliches Gegenstück und Variation zu Dantes "Die göttliche Komödie" mit ihren drei Teilen (Inferno - Die Hölle / Purgatorio - Der Läuterungsberg / Paradiso - Das Paradies) folgende drei Romane:

Gogol: "Tote Seelen"
Thomas Mann: "Der Zauberberg"
Lezama Lima: "Paradiso".

#263 von Günter Landsberger am 10.04.09 um 13:08

 

Ich habe mir versprochen in den naechsten Tagen wenigstens ein paar Kapitel von "Toten Seelen" zu lesen.
Sonst frohe...!

#264 von Marta am 11.04.09 um 18:29

 

...Ostern!

#265 von Olram X am 12.04.09 um 00:28

 

#264+#265
Danke sehr! Desgleichen!

#266 von Günter Landsberger am 12.04.09 um 07:04

 

Bei uns gibt es heute Śmigus - Dygus. Die Leute begiessen sich gegenseitig mit Wasser. So ein Brauch.

#268 von Marta am 13.04.09 um 10:28

 

Eigentlich Śmigus - Dyngus.

#269 von Marta am 13.04.09 um 10:29

 

Gogol in einem Brief: "Ich weiß selber nicht, welche Seele ich habe, eine ukrainische oder eine russische."

#270 von Günter Landsberger am 23.04.09 um 07:20

 

Ich habe heute das Wort "eine Nankinghose" kennengelernt. Das Wort aus dem ersten Abschnitt der "Toten Seelen".

#271 von Marta am 29.04.09 um 22:22

 

ad271: Ich auch: Hose aus glattem, dichtem Baumwollgewebe weiss fremdwort.de

#272 von Olram X am 29.04.09 um 22:39

 

Ueber den Baumwollrock ist die Rede im zweiten Abschnitt der "Toten seelen". Den habe ich heute bewaeltigt.

#273 von Marta am 30.04.09 um 18:00

 

Und das ist ein starker Satz " ... ein Bursche von etwa dreissig Jahren, der in einem weiten, abgetragenen Rocke, der offenbar von seinem Herrn stammte, stak, einen etwas strengen Ausdruck ... hatte." Es geht mir um diesen "... ein Bursche..., der in einem ... Rock, der ... stammte, stak, einen..."
aus dem dritten Abschnitt

#274 von Marta am 30.04.09 um 19:03

 

Monty Python, Das Leben des Brian, 1979: "Werft den Purschen auf den Poden" – Michael Palin als sprachgestörter Pilatus.

#275 von Olram X am 30.04.09 um 20:18

 

Für die Halbzeit bei Bremen - HSV:

http://www.moviepilot.de/movies/das-leben-des-brian/trailers

#276 von Bernd Berke am 30.04.09 um 21:35

 

Richtig muss es hier natürlich heißen: Premen - Hampurg 0:1.

#277 von Bernd Berke am 30.04.09 um 22:40

 

... ich bin nicht der Messias *LOL*

#278 von Messi As am 30.04.09 um 23:27

 

So, pin mal gespannt op die Premer nicht doch nach Instanpul fahren.

#279 von Olram X am 07.05.09 um 20:34

 

2:3! Die Premer spielen am 20. Mai im Endspiel gegen Schachtjor Donezk. Zwar ohne Diego, aber mit Pizarro und Paumann!

#280 von Olram X am 07.05.09 um 23:05

 

"Bizarro" wäre auch zu blöd.

#281 von Bernd Berke am 07.05.09 um 23:09

 

Klar, vollkommen uncool.

#282 von Olram X am 07.05.09 um 23:11

 

Und wie nennt der allzeit lustige Internet-Bewohner das (mit)entscheidende Phänomen des Spiels?
"Die Papierkugel Gottes" - siehe auch hier:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,623670,00.html

Password "oho". Ja, sarich doch.

#283 von Bernd Berke am 08.05.09 um 15:44

 

http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-42276-14.html#backToArticle=623670
na ob die nach dortmund kommt ins neue museum?
neben dem roland und den stadtmusikanten nun die kugel

#284 von tmk am 08.05.09 um 15:56

 

@#28
Ich fürchte: Das Ding kann man jederzeit fälschen. Einfach ein Blatt weißes Papier nehmen, ordentlich küllen - fertig. Und schon ist es museumsreif.
Oder haben sie das Original wohl gleich gerettet und in einen Tresor gelegt?

#285 von Bernd Berke am 08.05.09 um 16:38

 

Äh. Nicht @#28, sondern @#284 sollte #285 sein. Ois klor?

#286 von Bernd Berke am 08.05.09 um 16:39

 

286:hab gelesen sie hamse gerettet ;-)

und um beim thema nase zu bleiben:
es gab mal ne zeit da reiste der herr schröder mit dem herrn immendorff nach st.petersburg um eine nasenskulputur feierlich einzuriechen, äh, einzurichten,äh, einzuweihen.
warum also sollte nicht mitten in der hansestadt bremen diese eine kugel aus marmor stehen...( finde es immer schön wenn man mit denkmälern etwas verbinden kann...)

wo ist denn herr landsberger abgeblieben. er fehlt hier.
allseits ein schönes wochenende.

#287 von tmk am 08.05.09 um 16:52

 

hah, verzerrtes Wort. god

#288 von Eda am 11.05.09 um 21:15

 

Von wann ist der Beitrag?
Mein Gott, jetzt schleppt man die armen 200 Jahre alten "überbleibsel" noch wochenlang mit sich ´rum

#289 von nixwisser am 12.05.09 um 07:47

 

Und nun bin ich auch wieder da und hab inzwischen eine Gogol-Gesamtausgabe auf Italienisch gesehen. ...
Gogol und Italien wäre auch mit Blick auf Gogols Lebzeiten und auch auf sein Werk ein Kapitel für sich.

#290 von Günter Landsberger am 14.05.09 um 08:44

 

Ja, und Gogol mochte keine runden Zahlen, ganz bestimmt nicht. War ihm nicht geheuer.

#291 von katzenjammer am 27.05.09 um 00:46

 

Aus N. Gogols Aachener Brief an seine Geschwister A.W. und J.W. Gogol vom 5. (17.) Juli 1836:

"Da ich nicht krank bin, habe ich auch nicht die Absicht lange in Aachen zu bleiben, und in meiner Hand ist schon das Billet für eine Diligence, die mich in eine andere, gleichfalls altertümliche Stadt bringen wird. Wißt Ihr, was das ist: eine Diligence? Das ist eine Kutsche, in der jeder mitfahren kann, der für seinen Platz bezahlt hat. In der Kutsche sitzen jeweils sechs Personen. Wenn neben mir zwei dünne Deutsche sitzen werden, ist es gut, dann habe ich genügend Platz. Finden sich aber zwei Dicke ein, so sieht es übel aus - sie werden mich quetschen. Na ja, da werd ich eben den einen zu meinem Kissen machen und auf ihm schlafen. Ergibt es sich, daß ich zwischen Damen sitze, so trifft es mich am allerschwersten; denn dann werde ich mich weder mit den Ellbogen aufstützen noch schlafen können."

(Nikolai Gogol: Aufsätze und Briefe, Berlin und Weimar 1977, S.S. 494f.)

#292 von Günter Landsberger am 27.05.09 um 08:53

 

Ad G. Landsberger:
Seltsam, aber von N. Gogol habe ich lediglich ein einziges Buch gelesen (Erzählungen, und zwar auf Russisch) – „Abende auf dem Weiler bei Dikanka“. Als Teenager habe ich es geliebt – märchenhaft schön!

#293 von Clémence am 27.05.09 um 09:06

 

Nachtrag: Die Toten Seelen habe ich auch noch gelesen.. Genau.. aber ebenfalls auf Russisch..

#294 von Clémence am 27.05.09 um 09:10

 

#294 Clémence
Und Gogols Komödie "Der Revisor" nicht? Wirklich nicht?

#295 von Günter Landsberger am 27.05.09 um 10:10

 

Ad G. Landsberger:
Den Revisor (eine Satire?) behandelten wir in der Schule (ich bin ja fast vier Jahre in Moskau zur Schule gegangen..) - aber an die Handlung kann ich mich nicht mehr so richtig erinnern… Nicht wirklich *schämt* hm… zugegebenermaßen reizten mich damals Shakespeares, Sands und Hugos tragische Werke mehr als Gogols „Die toten Seelen“ od. „Der Revisor“.

#296 von Clémence am 27.05.09 um 14:09

 

"Fontane hat, wie wir aus verschiedenen Aufzeichnungen wissen, eine Studie über Gogol und andere Schriftsteller geplant; er hat an ihnen "das Unjournalistische" gelobt." (Mitteilungen der Theodor Fontane Gesellschaft, Nr.36 - Mai 2009, S.68)

#297 von Günter Landsberger am 29.05.09 um 16:07

 

#297 gfl
zu ergänzen: "andere russische Schriftsteller"

#298 von Günter Landsberger am 29.05.09 um 16:08

 

Um ein Bonmot von Olram X aufzugreifen: Wir sollten diesen Thread über 300 schwappen lassen. Für die Hall of Fame.

#299 von Bernd Berke am 29.05.09 um 17:52

 

Was ist von Marc Chagalls Graphik-Folge zu Gogols Roman "Die toten Seelen" zu halten? Wird dadurch der Zugang eröffnet oder verstellt?

Die neueste Übersetzung ins Deutsche ("Tote Seelen") greift ja auf sie zurück.

#300 von Günter Landsberger am 30.05.09 um 07:32

 

Gogols "Tote Seelen"

Zur Zeit (Juni 2009) 7. Platz in der SWR-Bestenliste mit folgendem Kommentar:

"Ein Klassiker in vielgelobter Neuübersetzung 2: Und von erstaunlicher Aktualität: Spekulative Finanzgeschäfte, bei dem Leibeigene belastet werden, die in Wirklichkeit schon längst tot sind. "Tote Seelen" schaffen lebendiges Geld."

#301 von Günter Landsberger am 03.06.09 um 09:17

 

Heute in der Süddeutschen Zeitung ein Artikel von Thomas Urban mit folgendem Untertitel: "Die Verfilmung von Nikolaj Gogols Erzählung "Taras Bulba" gibt Anlass für einen Konflikt zwischen Russland und Polen" (SZ/23.06.09/ S.12)

#303 von Günter Landsberger am 23.06.09 um 07:22

 

Ich habe heute "Franio", ein Band von Erzaehlungen, von Knapp ausgeliehen.
Da kommt das Wort: das Kaff - kleine Ortschaft

#304 von Marta am 23.06.09 um 15:38

 

#304 Marta
"Franio" habe ich auch - als Taschenbuch.

#305 von Günter Landsberger am 23.06.09 um 15:51

 

Ich habe das geliehene Buch von Knapp zurueckgegeben und "Deutschland erzaehlt" geliehen.

#306 von Marta am 25.06.09 um 17:15

 

Gerade schlage ich den Roman "Die große Meeresstille" von Jean Giono auf und finde wider Erwarten als erstes ein aus Gogols "Die toten Seelen" entnommenes Motto:
"Wir werden später sehen, welche Wendung die Sache nimmt, auf welche Weise unser Held scheitert, und welche Hindernisse er umgehen oder übersteigen muß, auf welche Weise gigantische Bilder erstehen, wie das geheime Triebwerk dieser erstaunlichen Dichtung sich in Bewegung setzt, deren Horizont sich in die Ferne dehnt, und die durchweht ist von einem lyrisch-majestätischen Windhauch."

#307 von Günter Landsberger am 15.07.09 um 13:44

 

#300 gfl
In der Festschrift für Heinrich Lützeler "Wege zur Kunst und zum Menschen" (Bonn 1987, S. 247 - S.263) finder sich der gute Aufsatz von Bodo Zelinsky: "Erzählen durch Illustrieren. Chagalls Radierungen zu Gogols Roman "Die toten Seelen". Die Chagall-Zugabe zur neuesten Übersetzung ins Deutsche ("Tote Seelen") scheint dadurch - über allem Zweifel erhaben? - bereits im vorhinein gerechtfertigt zu sein.

#308 von Günter Landsberger am 20.07.09 um 10:24

 

Jetzt, wo ich es nicht mehr gesucht habe, habe ich es endlich gefunden, das Buch, das - so verdienstvoll es ist - selbst im laufenden Gogol-Jahr nicht noch einmal aufgelegt wurde und allenfalls noch antiquarisch zu erwerben ist: Andrej Sinjawskis (von Svetlana Geier übersetzte!) 400-Seiten-Darstellung aus dem Jahre 1975: "Im Schatten Gogols" (Berlin - F.a.M. - Wien 1979).

Auf Andrej Sinjawski (=Abram Terz) wurde ich seinerzeit vor allem durch sein großartiges, unvergessliches "Totenhaus"-Buch "Eine Stimme im Chor" (Wien - Hamburg 1974) bleibend aufmerksam.
(Wiederum übrigens in der -wie es heißt - "berechtigten Übersetzung" Svetlana Geiers, der wir inzwischen die neue gefeierte Dostojewskij-Übersetzung verdanken.)

#309 von Günter Landsberger am 20.07.09 um 10:35

 

Ich habe „Schuld und Sühne“ bzw. „Verbrechen und Strafe“ von F. Dostojewski sowohl auf Deutsch und English (Crime and Punishment) als auch im russischen Original gelesen. Die englische Übersetzung gefiel mir am besten.

#310 von Michèle am 20.07.09 um 16:00

 

#310 Michèle
Bei mir war es die Übersetzung meiner Erstbegegnung: Die der Goldmannschen Taschenbuchausgabe.

Darin im Unterschied zu anderen deutschen Übersetzungen die mir (gefühlt!) treffend erscheinende: Raskolnikoffs Zimmer gleiche einem "Sarg". (Anderswo las ich "Kasten" bzw. "Schrank".)

#311 von Günter Landsberger am 20.07.09 um 16:35

 

#311 gfl
Korrektur:
falsche Erinnerung.
"Gruft" heißt das Wort in der mir zuallererst zugänglichen "Schuld und Sühne" - Übersetzung: "Seine Stube befand sich unmittelbar unter dem Dach eines fünfstöckigen Hauses und ähnelte mehr einer Gruft als einem Wohnzimmer." (GG 435-436/ München 1957, S.5)
Was mir andererseits ein weiteres Assoziationsfeld eröffnet. Vorgestern habe ich nämlich Joseph Roths Roman "Die Kapuzinergruft" zu Ende gelesen, einen Roman, der für mich - in Anbetracht vor allem kühner Zeitraffungen und Sprünge (1914/1918/1934/1938) - die Züge eines Traums, wenn nicht sogar Alptraums trägt.

#312 von Günter Landsberger am 21.07.09 um 09:40

 

ad Herrn Landsberger:

"Darin im Unterschied zu anderen deutschen Übersetzungen die mir (gefühlt!) treffend erscheinende: Raskolnikoffs Zimmer gleiche einem "Sarg". (Anderswo las ich "Kasten" bzw. "Schrank".)"

Verschiedene Übersetzungen dieser Passage liegen möglicherweise an unterschiedlichen Auflagen des Buches. In den früheren Auflagen hieß es (sinngemäß): „Комната Раскольникова была похожа на крошечную клетушку“ (wörtlich übersetzt bedeutet es: Raskolnikoffs Zimmer glich einer winzigen Zelle). In den späteren Auflagen ist diese Passage wie folgt verändert worden: Raskolnikows Zimmer „была похожа на гроб“, also gleicht einem Sarg.
Bemerkenswert ist übrigens das Hervorheben der gelben Farbe. Gelb scheint hier seelisches Elend und geistige Verwirrtheit, Verlogenheit, Geiz und Egoismus der Protagonisten zu symbolisieren (Die Wände und Möbel im Haus der Pfandleiherin sind gelb. Raskolnikoffs Zimmer ist gelb. Ebenso Marmeladows Gesicht)… hmm… mein Mann sagt, in diesem Roman erscheint selbst Petersburg als Protagonist - eine Stadt, die Alpträume auslöst und finstere Ideen einflösst. (Dabei ist St. Petersburg eine der schönsten Altstädte der Welt).

#313 von Michèle am 21.07.09 um 15:58

 

#313 Michèle
Danke! -
À propos "gelb"! Hier eine Aufforderung zum Vergleich einer Dostojewskij-Passage mit einem Trakl-Gedicht:

TEXT A:

[...] Das mittelgroße Zimmer, das der junge Mann nun betrat, mit gelben Tapeten, Geranientöpfen und Musselin-Gardinen, war in diesem Augenblick von dem grellen Licht der untergehenden Sonne erfüllt. „Auch dann wird also die Sonne so leuchten“, fuhr es Raskolnikow unversehens durch den Kopf, und er sah sich alles im Zimmer rasch an, um die Lokalität so gut wie möglich kennenzulernen und sich einzuprägen. Aber das Zimmer enthielt nichts Besonderes. Die Einrichtung, ausnahmslos sehr alt und aus gelbem Holz, bestand aus einem Sofa mit massiver, gewölbter Rückenlehne und einem ovalen Tisch, einem Spiegeltisch zwischen den Fenstern, einigen Stühlen an den Wänden und zwei oder drei billigen, gelb gerahmten Bildern, deren jedes eine junge deutsche Dame mit einem Vogel in der Hand darstellte - das war alles. In der Ecke brannte vor einer nicht allzu- großen Ikone das Ewige Licht. Alles war sehr sauber: Möbel und Fußboden blank poliert, alles glänzte. „Lisawetas Werk“, dachte der junge Mann. Kein Stäubchen in derganzen Wohnung. „Diese Art Sauberkeit findet man bei bösen und alten Witwen“, überlegte Raskolnikow weiter und schielte dabei neugierig nach dem Kattunvorhang vor der Tür zu dem zweiten winzigen Zimmer, wo das Bett und die Kommode der Alten standen, denn er hatte noch nie Gelegenheit gefunden, einen Blick hineinzuwerfen. Die ganze Wohnung bestand aus diesen zwei Zimmern. [...]



TEXT B:

Georg Trakl
Die Sonne

Täglich kommt die gelbe Sonne über den Hügel.
Schön ist der Wald, das dunkle Tier,
Der Mensch; Jäger oder Hirt.

Rötlich steigt im grünen Weiher der Fisch.
Unter dem runden Himmel
Fährt der Fischer leise im blauen Kahn.

Langsam reift die Traube, das Korn.
Wenn sich stille der Tag neigt,
Ist ein Gutes und Böses bereitet.

Wenn es Nacht wird,
Hebt der Wanderer leise die schweren Lider;
Sonne aus finsterer Schlucht bricht.

#314 von Günter Landsberger am 21.07.09 um 21:21

 

ad Herrn Landsberger:
Im Trakls Gedicht symbolisiert die gelbe Sonne stille Naturidylle „Schön ist der Wald, das dunkle Tier“ sowie das Leben „Rötlich steigt im grünen Weiher der Fisch – Langsam reift die Taube, das Korn“. Die gelbe Sonne geht auf und Alles, sowohl das Gute als auch das Böse „Der Mensch. Jäger oder Hirt“ erwacht zum Leben. Folglich ist die gelbe Sonne ein Symbol für das Leben.
In der von Ihnen angeführten Dostojewski – Passage scheint Gelb jedoch eher Habgier und Unmenschlichkeit der Wucherin, Aljona Iwanowna, zu symbolisieren „Diese Art Sauberkeit findet man bei bösen und alten Witwen“, aber auch das Ende. Das bevorstehende Ende des/eines Lebens „Auch dann wird also die Sonne so leuchten“. Beim Lesen dieser Passage verbindet man Gelb nicht mit Sonne und Wärme, sondern vielmehr mit der Leere. Die Leere an Gefühlen. Ja. Es hat nichts Tröstendes.

(Der Expressionismus reizt Sie?)

#315 von Michèle am 22.07.09 um 14:23

 

Nachtrag:
Es war natürlich kein Zufall, dass Dostojewski Gelb als Indikator benutzte. Einige Farben lassen sich mit menschlichen Charakteren gut kombinieren. Insofern passt Gelb sehr gut zu den Protagonisten im Dostojewskis Roman (sowie zu ihrem Dasein).

#316 von Michèle am 22.07.09 um 14:46

 

#316 Michèle
Dennoch spielen gerade bei Dostojewskij in vielen seiner großen Werke "die schrägen Strahlen der untergehenden Sonne" eine bedeutsame Rolle. (Vgl. das "Acis und Galatea"-Motiv alias das Motiv der "glückseligen Inseln" im Anschluss an das Dresdner Gemälde von Claude Lorrain) Das "Gelb" ist auch bei ihm (FMD) nicht so eindeutig trostlos besetzt, eher ambivalent zu verstehen. "Und wenn ich sie auch nicht sehe, weiß ich doch, dass es sie (die Sonne, GFL) gibt.", heißt es aus dem Munde von Dmitrij Karamasoff, der seine Sträflingszeit in den unterirdischen Bergwerken realistisch und auch symbolisch bedeutsam vorwegnimmt. Auch in Trakls Gedicht entscheidend ist das Einmünden in das Inbild des Schlussverses: "Sonne aus finsterer Schlucht bricht."

#317 von Günter Landsberger am 22.07.09 um 16:20

 

ad Herrn Landsberger:
O ja, „Die Brüder Karamasow“ (übrigens übersetzt u.a. von Swetlana Geier) ist brillant. Die Fülle der Ereignisse ist überwältigend. Der Roman hat bis heute nichts an Aktualität eingebüsst (man begegnet zuweilen auch heute noch einem Mitija oder einem Aljoscha).

Eine Wald- und Wiesenzeitung bezeichnete vor einigen Jahren Dostojewskis Meisterwerk (Die Brüder Karamasow) als misslungen. In der Rezension stand sinngemäß zu lesen, das Buch sei schwer zu lesen, einige Nebenhandlungen seien überflüssig, es sei zu anstrengend den abrupten Szenenwechseln in dem Buch zu folgen etc. Traurig, nicht wahr?!

Aber auch „Erniedrigte und Beleidigte“ hat mich außerordentlich fasziniert und emotional berührt. Ich habe beim Lesen geweint.

Von der Literaturkritik in Deutschland ist Dostojewskis Werk „Erniedrigte und Beleidigte“ nicht gut aufgenommen worden. Die Literaturkritiker in Großbritannien waren dagegen begeistert.

#318 von Michèle am 22.07.09 um 19:15

 

Nachtrag: "Auch in Trakls Gedicht entscheidend ist das Einmünden in das Inbild des Schlussverses: "Sonne aus finsterer Schlucht bricht."

Okay, jetzt habe ich verstanden, worauf Sie hinaus wollten, Herr Landsberger :)

#319 von Michèle am 22.07.09 um 19:24

 

#319 Michèle
"Die Brüder Karamasoff" standen gleich nach meiner ersten Lektüre vor 50 Jahren ganz oben. Bis heute!
Gerade auch in der neuen Übersetzung.
"Erniedrigte und Beleidigte" hat mich immer angezogen. Die Lektüre steht aber noch aus. Das Buch liegt seit langem bereit. (Bald werde ich mich jetzt wohl ans Lesen machen. Lese erst nur noch den sehr interessanten Roman "Die Reitpeitsche" von Ludwig Winder zu Ende.)

#320 von Günter Landsberger am 22.07.09 um 19:39

 

#315 Michèle
Sie haben gefragt: "Der Expressionismus reizt Sie?"

Durchaus. Aber keineswegs entschieden mehr als andere Literatur- und Kunstepochen. Ich halte es ähnlich wie (pardon) Leopold von Ranke: Alle Epochen - in all ihrer interessanten Unterschiedlichkeit - (bei mir: von der Antike bis heute und übermorgen) sind mir "gleich nah zu Gott".

Mein "expressionistisches Jahrzehnt" hatte ich von 1958 - 1968. Folgende Einflüsse waren dabei mitmaßgeblich: Trakl war der Lieblingslyriker meines Vaters und wie ich als Protestant in Salzburg geboren worden. (Salzburg ist für mich vorrangig die Stadt Mozarts und Trakls, aber auch die Stadt des Paracelsus, Michael Haydns und Stefan Zweigs).
Das von mir ab 1957/58 immer wieder besuchte Museum Folkwang in Essen bot mir ganz direkt viele Meisterwerke u. a. des Impressionismus und des Expressionismus ("Blauer Reiter", "Brücke", Max Beckmann, Oskar Kokoschka etc.). Insbesondere von den eigenständigen Bezugsgrößen der Expressionisten, den Malern van Gogh, Gauguin, Cézanne, Munch, Ensor war ich (und bin ich bis heute) besonders angetan. Bedeutende, reichhaltige Heckel- und Feininger-Retrospektiven im genannten Museum kamen zu allem noch hinzu, ebenso meine damals gewonnene Kenntnis der literarisch-philosophischen Bezugsgrößen des Expressionismus Dostojewskij, Strindberg, Friedrich Nietzsche wie die seiner malerischen "Vorväter" Matthias Grünewald, Goya und El Greco. Auch expressionistische Dramen traten damals in meinen Gesichtskreis: Georg Kaiser, Carl Sternheim, Ernst Barlach.
1963/64 wurde mir ein Hauptseminar von Paul Böckmann zum literarischen Expressionismus wichtig, das seinen Ausgang von Nietzsche, Arno Holz, George etc. bis hin zu den lyrischen Bezeugnissen und Zeugenschaften der berühmten Sammlung "Menschheitsdämmerung" nahm. Ein großes Gewicht lag dabei auf Jakob van Hoddis, Georg Trakl, Georg Heym, Alfred Lichtenstein, Ernst Stadler, August Stramm, Else Lasker-Schüler und vor allem Gottfried Benn, dem gleich mehrere Seminarsitzungen (mit Blick auch auf seine Erzählungen und Essays) gewidmet wurden.

Aus der expressionistischen Generation stammen so verschiedenartige Schriftsteller wie Franz Werfel, Gottfried Benn und Johannes R. Becher, aber auch solche wie Bertolt Brecht und Arnolt Bronnen.
Es ist aufschlussreich, manchmal auch erschreckend, wie unterschiedlich sie sich auch politisch von einander wegentwickelt haben. Mit Etikettenkleberei ist es auch hier nicht getan. Mich interessiert auch hier nicht nur das Gemeinsame, sondern eigentlich mehr noch das je Individuelle solcher Entwicklungen. Man lernt auch hierbei, genauer hinzusehen.

#321 von Günter Landsberger am 23.07.09 um 10:58

 

ad Herrn Landsberger:
Das Zeitalter der Renaissance und des Barock faszinieren mich persönlich mehr als jede andere Epoche. Barock vereint drei Motive: Vanitas, Carpe diem und Memento mori – Vergänglichkeit, Genuss und Tod. Diese Epoche der Widersprüche reizt mich so sehr, und es ist… überwältigend sie nachzuempfinden. Verstehen Sie, was ich meine? P.P. Rubens, Rembrand, Poussin, Goya sind Künstler, die mein Barockverständnis nachhaltig geprägt haben. Und nicht zu vergessen Gianlorenzo Bernini. Insofern hat mich die Aussage von Herrn Lau sinngemäß „ Barock hätte auch ohne Bernini überlebt“ ein wenig irritiert. Um die Kunst des Barock zu verstehen, muss man stets von Rom ausgehen, und Bernini hat Rom geprägt wie kein anderer Künstler.
Als ich zum ersten Mal real mit den Werken aus Renaissance und Barock konfrontiert worden bin, war ich (eigentlich) noch ein Kind. Meine Mum suchte ein tieferes Verständnis für das Barock- und Renaissancezeitalter zu erlangen und wir reisten nach Europa. Und ich war zu Tränen gerührt gewesen von der Intensität, authentischer Schönheit und ja.. Vollkommenheit der über sechshundert Jahre alten Meisterwerke. Ob Rembrandt, da Vinci (außer Mona Lisa), El Greco, Michelangelo, Tizian oder Raffael, ich stand wie gebannt vor lebendigen Szenen tiefer Menschlichkeit.

Es gibt natürlich auch einige Künstler des Expressionismus, deren Werke ich außerordentlich bewundere (u.a. P. Klee, van Gogh), aber… es fehlen mir die Worte, dieses Gefühl zu beschreiben… ich mag ihre Werke eher mit dem Kopf als mit dem Herzen… Verstehen Sie, was ich meine?

#322 von Michèle am 23.07.09 um 15:51

 

Nachtrag:
Impressionismus: Montes „Gladiolen“ sowie seine Landschaftsimpressionen mag ich auch sehr gerne – sie erinnern mich an Austens Romane.

#323 von Michèle am 23.07.09 um 17:24

 

"Monets" natürlich

#324 von Michèle am 23.07.09 um 17:27

 

#322 Michéle
Ich kann Sie beruhigen. Mit 16 sah ich in Salzburg, der Renaissance- (Dom!) und Barockstadt wie meiner Kindheitsstadt, in der Volière des Mirabellgartens eine mich stark beschäftigende und prägende Auswahl von Renaissance- und Barockgraphik aus dem Dresdner Kupferstichkabinett.
Etwa gleichzeitig mit dem für mich wichtigen Bildband "Die Impressionisten im Louvre" (damals befanden sie sich noch im Jeu de Paume) machten zwei schmale Bildbände über Flämische und Florentinische Malerei auf mich den größten Eindruck. Auch Walter Niggs Buch "Maler des Ewigen", zu denen auch Matthias Grünewald, El Greco, Rembrandt und Michelangelo (die ich fortan immer im Auge behielt) gehörten, hob mich auf das mir gemäß scheinende Anspruchsniveau. Auf einer Schulfahrt nach Straßburg und Burgund sah ich dann mit 17 in Colmar im Museum Unterlinden den Isenheimer Altar (und drei Stunden lang nur den!).

Heinrich Lützelers "Weltgeschichte der Kunst" gehörte im Alter von 15 bis 20 zu meinen mir liebsten und wichtigsten Büchern.

(Besonders Umbruchszeiten mag ich: also natürlich auch die Renaissance!)

#325 von Günter Landsberger am 23.07.09 um 18:18

 

#322 Michèle
Zugangsmöglichkeiten zum Barock gibt es viele, auch individuell verschiedene: Bach und Händel; Fischer von Erlach, die Asam-Brüder und Lukas von Hildebrandt; Rembrandt und Rubens; Gryphius und Quevedo; Descartes, Leibniz und Spinoza; Grimmelshausen und die Madame de La Fayette; Lope de Vega und Racine - um nur die mir nächsten zu nennen.

#326 von Günter Landsberger am 23.07.09 um 18:26

 

Shakespeare und Cervantes und Molière habe ich nicht vergessen. Sind sie jeweils eine Epoche für sich oder sui generis?

#327 von Günter Landsberger am 23.07.09 um 18:47

 

ad Herrn Landsberger:
Ich liebe Shakespeares kraftvolle Werke, die Thematik seiner zeitlosen Dramen.. ob Shakespeare ein Dichter und Dramatiker sue generis ist? Kunstgeschichtlich ist er natürlich zwischen Renaissance und Barock einzuordnen. Ich würde ihn aber keiner literarischen Epoche zuordnen - er war im Hinblick auf seine Dichtung ein Visionär.

-- (bezieht sich auf #325)
Der Louvre hat mich gewaltig beeindruckt – nicht nur die einzigartigen Kunstsammlungen des Louvre, sondern auch dessen exorbitante Größe. Ich war damals etwa 14 Jahre alt, doch der erste Eindruck war überwältigend.

Herr Landsberger, was halten Sie eigentlich von der Glaspyramide am Eingang des Louvre? Ich habe gelesen, dass die Pyramide heftig umstritten war, weil sie nicht zur klassischen Architektur des Louvre passt.
Ich finde sie wunderschön.

#328 von Michèle am 23.07.09 um 19:17

 

Nachtrag:
"sui generis" natürlich
--
Die Barockmusik ist ebenfalls wunderschön, weniger bekannt als die Klassik (mit Ausnahme von Bachkompositionen), aber anspruchsvoller und… pathetischer.

#329 von Michèle am 23.07.09 um 19:33

 

#328 Michèle
Zur Glaspyramide vermag ich aus eigener Anschauung nichts zu sagen. Ich bin erst e i n m a l in Paris gewesen (für zwei Tage) und dieses eine Mal musste ich auf eine größere mitreisende Gruppe Rücksicht nehmen. Und so bin ich im Louvre leider noch nie gewesen: obwohl das für mich und meine Hauptinteressen (wie einst in Wien, Amsterdam, Kassel und Florenz) eigentlich der erste Weg wäre.
So war ich auch noch nie in Rom und kann nur über viel Barockes außerhalb Roms mitreden. Das ganze Gegenreformatorische im Barock ist für mich im übrigen keine Herzensangelegenheit und nur kulturgeschichtlich interessant. (Immerhin sind meine Vorfahren väterlicherseits im Zuge noch anhaltender, wiewohl später Gegenreformation 1732 aus Salzburg vertrieben worden. Insofern habe ich natürlich Sinn für die Bedeutung Luthers und der Reformation, aber auch für die der Aufklärung.)

#330 von Günter Landsberger am 24.07.09 um 10:45

 

ad Herrn Landsberger:
"Insofern habe ich natürlich Sinn für die Bedeutung Luthers und der Reformation, aber auch für die der Aufklärung."

Ja, verstehe. Verstehe. Während Martin Luther als „großer Reformator“ gefeiert wird, wird der katholischen Kirche von Seiten der Protestanten und Andersgläubigen stets und gerne vorgeworfen, sie sei in der Barockzeit äußerst brutal vorgegangen (Gegenreformation - Inquisition, Hexenprozesse etc.). Ich habe mich selbstverständlich seinerzeit auch mich mit Luthers Lehren eingehend befasst. Luther, der große Reformator, der das Vorgehen der katholische Kirche sowie des Heiligen Stuhls vehement kritisierte, forderte selbst auf, Unschuldige zu töten. So wurden Luthers Aufruf entsprechend, Tausende von Unschuldigen massakiert. Haben Sie nachgelesen, auf welche bestialische Art und Weise die Protestanten töteten? Die Menschen wurden aufgehängt und dann aufgesägt od. der Bauch aufgeschlitzt und die Gedärme herausgerissen. Martin Luther, der zum Foltern und Morden aufrief. Und die Hexenverbrennungen? Martin Luther rief auf, Frauen mit (vermeintlich) magischen Fähigkeiten zu foltern und anschließend zu töten. Und Behinderte bezeichnete er als „wahre Teufel“ und wollte sie ertränken. Er forderte der weiteren vehement die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung. Haben Sie Luthers Aufsatz „Von den Juden und ihren Lügen“ gelesen?

Auszug aus dem Aufsatz:

„Die Juden sind rechte Bluthunde, kein blutdürstigeres und rachgierigeres Volk hat die Sonne je beschienen. Wenn du mit einem Juden vom Evangelium reden wolltest, so wäre es eben als wenn du vor einer Sau das Evangelium predigst. Der Odem stinkt ihnen nach der Heiden Gold und Silber.
Pfui euch hier, pfui euch dort, und wo ihr seid, ihr verdammten Juden! Wenn du einen Juden siehst, magst du mit gutem Gewissen ein Kreuz vor dich schlagen und frei sicher sprechen: Da geht ein leibhaftiger Teufel! Darum wisse, daß du nächst dem Teufel keinen bitteren, giftigeren Feind hast als einen rechten Juden. Sie glauben närrische Lügen und statt in das schöne Angesicht des göttlichen Wortes, kucken sie dem Teufel ins schwarze, finstere Hinterlügenloch und müssen seinen Stank anbeten. Sie sind giftige, hämische Schlangen, Meuchelmörder und Teufelskinder. Mein treuer Rat ist, wie droben gesagt, ernstlich: daß man ihre Synagogen mit Feuer verbrenne und, wer kann, Schwefel und Pech hinzufüge; wer auch höllisch Feuer zuwerfen könnte, wäre auch gut. Darum soll der Juden Maul nicht wert gehalten werden, sondern mit Säudreck soll man auf sie werfen.
Verbrenne ihre Synagogen und gehe mit ihnen nach aller Unbarmherzigkeit um... Will das nichts helfen, so müssen wir sie wie die tollen Hunde hinausjagen. Wenn mir Gott keinen anderen Messias geben wollte, als wie die Juden begehren, so wollte ich lieber eine Sau als ein Mensch sein“

Quelle: Aus dem Aufsatz „Von den Juden und ihren Lügen“ von Martin Luther (1543).

Die katholische Kirche weinte hingegen über das Schicksal des jüdischen Volkes, insbesondere die drei Päpste Pius XI, Pius XII sowie Johannes XXIII. Ist Ihnen die Enzyklika von Papst Pius XI „Mit brennender Sorge“ bekannt? (Das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat in dieser Hinsicht äußerst einseitig berichtet). Und Papst Johannes XXIII, der das Tabu brach und „Oremus et pro perfidis Judaeis“ aus der Karfreitagsliturgie streichen ließ?

----

Und die Sozialenzyklika von unserem Papst Benedikt XVI?

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Warum wird Martin Luther gefeiert, aber Johannes Calvin als übereifriger Protestant, als kirchlicher Diktator gilt?

#331 von Michèle am 24.07.09 um 18:27

 

#331 Michèle
Die Nachteile Luthers sind mir natürlich bewusst. Es bedarf da keiner Nachhilfe.
Ich bin da alles andere als unkritisch.
(Allerdings auch nicht umgekehrt einseitig.)
Merkwürdig, wie schnell ein bloßer Name zu einem Reizwort wird.

Sollte ich jetzt etwa lange Abhandlungen schreiben?
Die Lehre der engen Zusammengehörigkeit von Vernunft und Glauben bei Thomas von Aquin und Hegel leuchtet mir im Übrigen bei weitem mehr ein als die ärgerlich missverstehbare Rede Luthers von der "Hure Vernunft".

(Nur lasse ich mich von niemandem in Vergangenheit und Gegenwart mit Haut und Haaren vereinnahmen. Und unfehlbar ist für mich kein Mensch. Ich selber natürlich auch nicht.)

#332 von Günter Landsberger am 25.07.09 um 07:27

 

Vgl. überdies meinen eigenen Beitrag (bzw. Kommentar) in
http://www.westropolis.de/leser/stories/48449/ #6:

"Auch ein getaufter Jude wurde gelegentlich schon im 19. Jahrhundert rassistisch als Jude diffamiert, wie später unter Hitler jeder Jude, auch jeder noch so integrierte Jude. Der pseudochristliche Antijudaismus des Mittelalters (im Umkreis der Kreuzüge etwa) und auch Luthers war schlimm und wurde durch den aufkommenden Rassismus, kaum war er an die Herrschaft gelangt, nahezu auswegslos verschärft. Schon Heinrich Heine, der 12 Jahre ältere Zeitgenosse Felix Mendelssohns, hat dies sehr klarsichtig und erschreckend deutlich herausgestellt bzw. kassandrahaft vorweggenommen."

Ich wiederhole verkürzt, aber deutlich:
"Und auch Luthers pseudochristlicher Antijudaismus war schlimm".

#333 von Günter Landsberger am 25.07.09 um 07:36

 

ad Herrn Landsberger:
"Sollte ich jetzt etwa lange Abhandlungen schreiben?"

Nein, das müssen Sie nicht, Herr Landsberger.

"Merkwürdig, wie schnell ein bloßer Name zu einem Reizwort wird."

Okay, ich habe etwas überreagiert (ich hatte gestern berufsbedingt einen sehr anstrengenden Tag). Hmm… Wissen Sie, viele Studenten meiner Mama, so erzählt sie, debattieren eifrig, intensiv und sehr leidenschaftlich über „Verfehlungen“ der katholischen Kirche in der Vergangenheit und Gegenwart, insbesondere nimmt die Debatte um die „Verfehlungen“ des Heiligen Stuhls, also des Papstes, in den Vorlesungen zuweilen eine herausgehobene Stellung ein - es fallen Begriffe wie „das Monopol des Katholizismus“, „Papst verleumdet Andersgläubige“ etc., man beruft sich dabei auf (vermeintlich) radikale Freidenker wie Voltaire und Shakespeare. Die Meisten haben jedoch keine Ahnung, dass Shakespeare zwar ein Freidenker aber zugleich auch ein gläubiger Katholik war, mehr noch, unter dem Namen Shakeshafte stand er an der Spitze einer, unter Elisabeth I verbotenen, katholischen Missionsbewegung und riskierte somit sein Leben, um seine, katholische(!) Kirche zu retten.
Hierzu empfehle ich mit Nachdruck die Lektüre des Buches „Die verborgene Existenz des William Shakespeare“ von Anglistikprofessorin Hildegard Hammerschmidt-Hummel (sofern noch nicht bekannt).
Und Voltaire? Als Voltaire im Sterbebett lag, wünschte er eine kirchliche(!) Bestattung.

Warum ich das alles schreibe (#331-#334): Mich ärgert es zutiefst, dass in der (überwiegend deutschen) Presse stets Klischees bedient werden, die dazu beitragen ein negatives(!) Bild (in Deutschland! – katholisch dominierte sowie angelsächsische Länder sind in dieser Hinsicht viel reifer und überlegter) von der katholischen Kirche zu festigen.

Traurig.

Ich wünsche Ihnen trotzdem ein bezauberndes (regenfreies – obwohl ich Regen und Gewitter mag) Wochenende.

#334 von Michèle am 25.07.09 um 17:03

 

#334 Michèle
Müssten Sie Ihrem eigenen Anspruch entsprechend nicht auch Ihre eigenen Luther-Calvin-Klischees überdenken?
In der Gegenwart einen künstlichen Gegensatz zu konstruieren, wäre ohnehin abwegig. Nur zur Information: Ich lebe in einem Kirchenkreis der evangelisch-unierten Kirche:
http://de.wikipedia.org/wiki/Evangelische_Kirche_von_Westfalen.

Nebenbei: Meinen Sie auch wie z. B. der "Heilige Vater", dass nur die katholische Kirche "Kirche" sei und die Evangelischen dezidiert keine Kirche hätten?
Solch ein laut gewordener Anspruch, in meinen Augen "Dünkel", ist zwar geschichtlich herleitbar, aber mir dennoch ärgerlich.

Noch ärgerlicher und anmaßender ist allerdings die Formel einiger Sprecher der "Pius-Bruderschaft", die noch vor kurzem von der "Ketzerei" des Protestantismus gesprochen haben, der schnurstracks und folgerichtig, wie von selbst, zum Atheismus führe und geführt habe.

Aber ich identifiziere die Katholische Kirche ja keineswegs mit den Piusbrüdern; jedenfalls solange sie sich selbst nicht offiziell damit identifiziert. Wozu es ja auch wohl nie in vollem Ausmaße kommen dürfte. -

Auch ich wünsche Ihnen erfreuliche Wochenendstage.

#335 von Günter Landsberger am 25.07.09 um 19:47

 

ad Herrn Landsberger:
"Müssten Sie Ihrem eigenen Anspruch entsprechend nicht auch Ihre eigenen Luther-Calvin-Klischees überdenken?
Meinen Sie auch wie z. B. der "Heilige Vater", dass nur die katholische Kirche "Kirche" sei und die Evangelischen dezidiert keine Kirche hätten?"

Das sind zwei äußerst schwierige Fragen, Herr Landsberger. Ich frage Sie, kann der Titel „Heilige Kirche“ den Gemeinschaften, die im Zuge der Reformation entstanden sind, zugesprochen werden? Ist Luthers Lehre christlich? Ist diese Lehre mit der Glaubenslehre Jesu Christi, also auch mit dem Leben von Jesus von Nazareth vereinbar? Spricht Luther nicht anders über Gott als Jesus? Wie weit hat sich die moderne evangelisch – lutherische Kirche von Luthers Theologie wirklich distanziert?
Und Calvinismus ? Vieles von dem, was ich gelesen habe ist ketzerisch – nie ist in Genf so viel gemordet und gefoltert worden, als in der finsteren Herrschaftszeit Calvins.

Jesus Christus Sohn des Gottes selbst hat die römisch – katholische Mutterkirche gegründet. Sie ist die einzig wahre Hüterin der ihr von Gott offenbarten Wahrheiten. Und, um es vorweg zu nehmen: Nein. Nein. Es ist nicht Blindheit. Es ist nicht Fanatismus. Es ist Glaube.

--
Reisen Sie ruhig nach Rom, dort scheint die Sonne heller, als anderswo auf der Welt ;)

#336 von Michèle am 27.07.09 um 16:29

 

#336 Michèle
Nein, fanatisch sind Sie nicht. Sie kennen es nur nicht anders.

Ich verzichte auf Widerspruch.

"In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen."

(Stefan Zweigs 1936 veröffentlichtes Buch "Castellio gegen Calvin / Ein Gewissen gegen die Gewalt" finde ich übrigens sehr gut. Es rennt bei mir offene Türen ein.)

#337 von Günter Landsberger am 27.07.09 um 16:50

 

#336 Michèle
Kleine Gegenfrage nur: Worin besteht denn Luthers "Theologie"? Was ich bisher von Ihnen hierzu gelesen habe, gerade auch sein zutiefst und völlig zu Recht angreifbarer, wiewohl s p ä t e r Antijudaismus, hat nämlich mit Luthers Theologie rein gar nichts zu tun. (Auch ich bin nicht bereit, Luthers Verägerung über die sogenannte "Verstocktheit" "der Juden", die Jesus auch nach der Reformation immer noch nicht als den Messias, den "Christus" zu glauben bereit waren, als mildernden Umstand für seine antijudaistischen Verbalattacken anzusehen. Hier bei diesen Fragen müsste man sich stärker an Melanchthon halten.)

#338 von Günter Landsberger am 27.07.09 um 17:04

 

Übrigens: Hilde Domin, die bedeutende deutsche Lyrikerin, wird heute 100. Das aber scheint - hier wenigstens - keine(n) zu interessieren.
Vorhin gab es zumindest in der Sendung "Büchermarkt" des Deutschlandfunk eine erfreulich angemessene Würdigung dieser am 22. 02. 2006 hochbetagt verstorbenen Autorin.

Vgl. auch:
http://www.faz.net/s/RubD3A1C56FC2F14794AA21336F72054101/Doc~E289DD88E5C4448A8AF20113443309B77~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlenews

#339 von Günter Landsberger am 27.07.09 um 17:17

 

Zudem neu erschienen neben einer umfangreichen neuen Biographie:

Hilde Domin
Die Liebe im Exil
Briefe an Erwin Walter Palm aus den Jahren 1931-1959
Hrsg. v. Jan Bürger u. Frank Druffner

#340 von Günter Landsberger am 27.07.09 um 17:29

 

ad Herrn Landsberger:
"Worin besteht denn Luthers "Theologie"?

Ja, worin besteht denn Luthers Theologie??? Seine Theologie ist durchdrungen von Irrlehren: So glaubte Luther an die Alleinwirksamkeit Gottes und verneinte den freien Willen eines Menschen. Die katholische Kirche predigt hingegen: Gott hat uns Menschen einen freien Willen gegeben. Des weiteren führte Luther in seinen „Gelegenheitsschriften“ (denn er verfügte nicht einmal über ein klares theologisches System) aus, der Gott habe einige Menschen zur ewigen Geselligkeit vorherbestimmt und die anderen zur Verdammnis. Er schrieb sinngemäß, der Mensch habe kein Recht aus freiem Entschluss umzukehren, weil er ja keinen freien Willen besitzt – ob ein Mensch etwas Gutes oder etwas Böses tut, hängt Luthers Theologie zufolge davon ab, ob er von Gott oder von Satan geführt wird und beide Satan und Gott verfügen über den Menschen wie über einen Knecht. Die Katholische Kirche lehnt dagegen die sog. Prädestinationslehre kategorisch ab. Des weiteren lehrte Luther, dass es allein auf den rechten Glaube ankommt. Jesus predigte hingegen, dass es ausschließlich auf das Tun ankommt – dass der Glaube an die Vergebung der Sünden lediglich aufgrund des Glaubens an Jesus Christus genügen soll, davon sprach Jesus niemals.

Die lutherische Lehre stimmt mit Jesus Christus in keiner Weise überein.

Und Sie haben meine Fragen unter #336 nicht beantwortet, Herr Landsberger.

Und was meinen Sie mit "Sie kennen es nur nicht anders."?

#341 von Michèle am 27.07.09 um 18:25

 

ohne eigenem Willen wären wir ja noch im Paradies :-)))))))))

#342 von Jeanne d’Arc am 27.07.09 um 18:34

 

Nachtrag#341: Zusammenfassend kann man folgendes feststellen (bezieht sich auf #331ff):

Martin Luther rief zum Mord an Unschuldigen auf
Martin Luther verneinte den freien Willen des Menschen
Martin Luther verfälschte und verwarf einige Teile der BIBEL
Martin Luther forderte die Verfolgung von Juden und Andersgläubigen
Martin Luther rief im Bauerkrieg zu Brutalität gegen die Bauern auf.

#343 von Michèle am 27.07.09 um 19:03

 

ad Jeanne d’Arc: Jeanne d’Arc war eine Heilige der Katholischen(!) Kirche.

#344 von Michèle am 27.07.09 um 19:04

 

#341 Michèle
Ich könnte jetzt Gegenthesen und ausführliche Begründungen aufführen. Aber das (längst Ausdiskutiertes nur wiederholend) führte zu nichts.

Hier vielleicht nur dies:
Die Prädestinationslehre kommt bei Calvin vor, nicht bei Luther.
Die Freiheitsfrage ist auch bei Luther komplizierter, als Sie sie hier darstellen. (Wiewohl: Erasmus von Rotterdam steht mir persönlich in diesem Zusammenhang näher.) Kennen Sie Luthers Schrift "Die Freiheit eines Christenmenschen"? Der Streit, was denn - mit Blick auf die 10 Gebote - wesentlicher sei, der Glaube oder die guten Werke, ist nicht so schroff und (pardon) so seicht, wie Sie es darzustellen scheinen; Sie müssten beachten, dass für Luther das erste Gebot das allerwichtigste ist, weil alle anderen Gebote aus ihm folgen. Das Tun ist dem Glauben gegenüber konsekutiv. Das Tun folgt aus dem Glauben selbst. Nur in diesem Sinne ist der Glaube an den Einen dreieinigen Gott dem Tun vorgeordnet; Tun und Glauben lassen sich eben nicht voneinander trennen. Das Entweder-Oder, das Sie hierbei bemühen, ist - heute zumindest - eine reine Scheindiskussion.

Zur Kirchenfrage: Haben Katholiken und Evangelische nicht ein gemeinsames Glaubensbekenntnis, ein Credo, auf das sie sich gemeinsam verständigt haben? Auch bei uns Evangelischen heißt es: "Ich glaube an eine allgemeine christliche Kirche"; das "allgemein" entspricht dem "katholisch" der katholischen Formulierung; wenn es von uns Evangelischen vermieden wird, heißt es meinem Verständnis nach: dass auch wir von einer umfassenden christlichen Kirche ausgehen, die geschichtlich allerdings in verschiedener Gestalt existiert und zwar so, dass nicht nur die katholische Kirche in ihrer geschichtlich gewordenen bestimmten Ausprägung als die einzige Erscheinungsform der e i n e n christlichen Kirche gelten kann; ebensowenig wie die evangelische, die anglikanische, die koptische, die griechisch- oder auch russisch-orthodoxe Kirche. Ein Evangelischer würde dementsprechend der Katholischen Kirche nie absprechen, dass sie "christliche Kirche" ist, erwartet aber sich gegenüber von ihr das gleiche. Das fällt Protestanten (und auch Altkatholiken!) natürlich leichter, weil sie die Berufung der Papstkirche auf Einsetzung durch Christus selber (an Simon Petrus gerichtet: "Du bist der Fels, auf dem ich meine "Kirche"(?) baue"), immerhin bloß auf diese einzige, noch dazu textkritisch als späterer Zusatz anfechtbare Bibelstelle nicht nachvollziehen kann.
Dass Katholiken daran glauben, bleibe ihnen unbenommen. Ohnehin nur Taufe und Abendmahl sind bei uns Protestanten "Sakramente"; weil nur sie durch Jesus Christus in der Schrift breit bezeugt worden sind. (Auch hier in der Sakramentenfrage gibt es einen längst ausdiskutierten Unterschied.)

#345 von Günter Landsberger am 27.07.09 um 19:13

 

#343 Michèle
Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von katholischen Theologen, die Martin Luther theologisch sehr viel reifer, entspannter und angemessener sehen als Sie.

Ist Ihnen denn gar nicht bewusst, dass es Luther von seinem ursprünglichen Antrieben her gar nicht um eine Kirchenspaltung zu tun war?

Meine Prognose: In etwa 300 Jahren wird die Katholische Kirche Luther mit zu ihren Heiligen rechnen.

#346 von Günter Landsberger am 27.07.09 um 19:20

 

#341 und 343- wo haben Sie denn diesen plumpen Flachsinn ergoogelt?
Müssen Sie ständig (unter dem mittlerweile 5ten? oder 6ten? nick) das "flaming" anfangen, wenn Sie zur Materie nicht mehr als blosses Halbwissen aufbieten können?

#347 von socursu am 27.07.09 um 20:12

 

ad Herrn Socursu:
Herr Socursu, Sie sind in Ihrem Element :) Ich kann Sie beruhigen, ich habe nichts „ergoogelt“ und ich wage zu behaupten, mich in dieser Materie ziemlich gut auszukennen. Meine Mama beschäftigte sich sowohl im vierten Teil Ihrer Dissertation als auch während Ihrer Zeit als Assistenz – Professorin mit Auswirkungen der Religion auf Literatur (insbesondere auf englische Literatur, deshalb also Shakespeare) in der Barockepoche. In diesem Zusammenhang habe ich sehr sehr viele Bücher gelesen, die vermutlich selbst (ironisch gemeint) Sie als einstiger Theologe nicht kennen. Ich war an den Orten voller Geschichte, so zum Beispiel auch in Jerusalem, u.a. in der „Grabeskirche“. Waren Sie schon einmal als sog. „Theologe“ in Jerusalem? Oder gehören Sie vielmehr zu dieser Spezies „Möchtegerntheologen“, die es nicht für notwendig halten, sich auf historischen Pfaden zu wandern und glauben, dass alles, was sie in den Universitätsdatenbanken lesen ausreichend ist? Tja, in diesem Fall ist Ihr Bild von Barock genauso realistisch wie ein Comicheft und pardon, dreifach so lächerlich. Also berichtigen Sie mich inhaltlich #331 ff., wenn Sie es können (ich glaube nicht, dass Sie es können). Wenn Sie es nicht können, dann verschonen Sie mich doch bitte bitte mit Ihren gehaltslosen, aus dem Zusammenhang gerissen „Kommentaren“. ((Nicht noch in diesem Thread)


ad Herrn Landsberger:
Ich muss Ihnen leider in einigen Punkten widersprechen:

Die Prädestinationslehre kommt auch bei Luther vor. In seinen Schriften spricht er häufig von der Vorhebestimmung sowie Alleinwirksamkeit Gottes (ich habe das Buch jetzt nicht im Büro, werde aber die Quellen entspr. nachreichen/ergänzen). Sein Schriftsatz „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ ist mir sehr gut bekannt. Bei der Lektüre dieser Schrift sowie bei der (etwas kritischeren) Auslegung einiger Passagen wird man sehr schnell feststellen, dass Luther mit „Freiheit“ nicht etwa eine Willensfreiheit des Menschen, sondern vielmehr die Freiheit im Hinblick auf die Vergebung der Sünden „nichts tun zu müssen“, meinte. Für die „Gnade“ genügt Luthers Theologie zufolge allein der Glaube an eine Vergebung der Sünden durch Jesus Christus. So hat Jesus aber niemals gelehrt!
(Die evangelisch – lutherische Kirche besitzt nicht die apostolische Sukzession im Weihesakrament).
Die Katholische Mutterkirche bemüht sich stets um einen ehrlichen Dialog. Die Protestanten kritisieren dagegen stets und gerne und insb. gerne in der Presse sowohl die Politik als auch die Ausrichtung des Vatikans bzw. des Heiligen Stuhls.

#348 von Michèle am 27.07.09 um 21:04

 

Nachtrag: auf historischen Pfaden zu wandern, natürlich ohne "sich"

#349 von Michèle am 27.07.09 um 21:09

 

#348 nein, liebes Kind, ich habe nicht lange genug Theologie studiert (zu meiner Zeit gab es noch keine "Datenbanken", das kam erst später), um mich in Ihre Niederungen zu begeben und Ihre Fehlsichten zu korrigieren.
Was ich gelesen, an wechselnden Orten erlebt und erarbeitet habe, werde ich hier nicht ausführen- sicherlich aber, das sei Ihnen versichert, war dies intensiver als in kurzen 30 Jahren ein Dutzend von Städten als prägend zu erfahren; was Ihre Frau Mutter an Verdiensten hat, ist leider für Ihr Wissen irrelevant- stöbern Sie ruhig noch ein wenig bei kreuz.net und ähnlich gehaltvollen Seiten, und geniessen Sie Ihr flaming.

#350 von socursu am 27.07.09 um 21:25

 

ad Herrn Socursu:
Meine Fehlsichten? O bitte! Wissen Sie, Ihr Kommentar ist eine Frechheit. Sie stören die Diskussion. Sie beleidigen mich grundlos, geben aber gleichzeitig zu, dass Ihr Fachwissen nicht ausreicht, um meine „Fehlsichten“ zu widerlegen. Diese „Fehlsichten“ beruhen aber auf einer umfassenden Luther - Dokumentation eines renommierten Theologen.
--
Warum unterstellen Sie mir so etwas? Sie kennen mich nicht und wissen daher nicht welche Medien oder Bücher ich lese. Aber okay, okay, das ist absurd und das ergibt keinen Sinn, schreiben Sie, was Sie wollen, Herr Socursu, aber bedenken Sie: Man sollte niemals einen Menschen in eine „Schublade“ stecken, insbesondere wenn man diesen Menschen überhaupt nicht kennt.

Einen schönen Feierabend allerseits

#351 von Michèle am 27.07.09 um 21:52

 

Voula!

#352 von Mrs. Hyde am 27.07.09 um 22:11

 

Arme Putzfrau!

#353 von Dr. Jekyll am 27.07.09 um 22:24

 

#351 Michèle
Ich kann also davon ausgehen, dass Sie - auch wenn man Ihren Worten das nirgends anmerkt - die dreibändige gehaltvolle, schon 1987 erschienene Luther-Biographie "Martin Luther" von Martin Brecht nicht nur zur Kenntnis genommen haben, sondern sie sogar wirklich kennen?

#354 von Günter Landsberger am 28.07.09 um 06:59

 

Und dieses von einem katholischen Theologen herausgegebene Buch "Luther für Christen - Eine Herausforderung" aus dem katholischen Herder-Verlag kennen Sie natürlich auch:

http://www.amazon.de/Luther-f%C3%BCr-Christen-Eine-Herausforderung/dp/3451082497/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1248758956&sr=1-1

#355 von Günter Landsberger am 28.07.09 um 07:33

 

Und auch soetwas hat es eigentlich schon gegeben:

Autor: Manns, Peter - Meyer, Harding:
Titel: Ökumenische Erschließung Martin Luthers. Referate und Ergebnisse einer internationalen Theologenkonsultation.
Verlag: Paderborn: Bonifatius; 1983.
Beschreibung: 344 S. 23 cm. OKt. Sehr gut.
Gewicht in [g]: 0,950
ISBN: 3870883472

#356 von Günter Landsberger am 28.07.09 um 07:38

 

ad Herrn Landsberger:
Nein. Nein, Herr Landsberger, keines der von Ihnen genannten Bücher ist mir bekannt – nicht wirklich.. Martin Brecht, meine Mum verwies in der Diss. auf seine Arbeiten (hmm.. negativ?), aber ich persönlich habe seine Luther - Biographien nicht gelesen. Ich habe hierzu ausschließlich (bis auf H. A. Oberman) Dokumentationen englischsprachiger Historiker und Theologen studiert (Dies hängt mit der Diss. meiner Mama zusammen, aber auch mit der Tatsache, dass ich fast alle historische Sachbücher, Biografien etc. ausschließlich auf Englisch (äußerst selten auf Russisch, und niemals auf Deutsch) lese) – u.a also Eltons „Ref. Europe“, William Paley, dann einzelne Dokumentationen von dem Harvard – Theologen Harvey Cox, zuletzt „Luther and his World“ von dem englischen Theologen G. Tomlin und alles von dem einstigen Harvard – Professor H. A. Oberman, insbesondere „Luther: Man Between God and the Devil“.

Herr Landsberger, es war nicht meine Absicht, Sie vom Gegenteil zu überzeugen etc. Sie sind ein gläubiger Protestant und sind vermutlich Ihrer Kirche treu ergeben. Ich bin eine gläubige Katholikin und bin meiner Mutterkirche treu ergeben. Aber wir sind beide Christen. Und wir beten zum selben Gott, Jesus Christus. Bereits während meiner Kindheit hat mich Jesus Christus fasziniert, aber ich kenne das auch anders. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich (sehr zur Betrübnis meiner Großeltern) der Kirche und vor allem Gott den Rücken kehrte. Insofern weiß ich sehr gut, wie es ist, ohne Kirche zu leben. Und ich weiß dankenswerterweise, wie es ist mit Kirche zu leben. Mit Kirche zu leben ist schöner, als ohne sie.

Mein Interesse an Luther entsprang meinem Interesse an der Geschichte im Zeitalter des Barocks sowie an der Geschichte meiner Römisch – Katholischen Kirche, und war eher… „spiritueller“ Natur. Insofern nahm ich viele schöne historische Orte, die wir bereist haben, vollkommen anders wahr, als meine Mama, die ausschließlich zu Forschungszwecken reiste, als Wissenschaftlerin auf der akribischen Suche nach historischen Hintergründen für ihre wiss. Arbeit. Daher bewertete ich auch literarische Schriften u.a. über Luther anders. Ich ging diese Suche mit dem Herzen an - sie mit dem Kopf…
Im Endeffekt glaube ich, jeder Christ muss für sich selbst entscheiden, ob er nach den Glaubensgründsetzen der Römisch – Katholischen Mutterkirche oder nach den Glaubensgründsetzen der protestantischen Kirche, Martin Luthers Kirche, leben will und kann. Jede Konfession hat ihre Existenzberechtigung. Und darauf beruht unser einzigartiges christliches Abendland.

#358 von Michèle am 28.07.09 um 17:40

 

#358 Michèle
Diesen Ihren neuerlichen Äußerungen, liebe Frau Michèle, kann ich mich gerne anschließen. -

Kennen Sie die schöne Geschichte von Johann Peter Hebel, in der sich zwei Brüder zunächst konfessionell verfeinden, dann in der Entfernung beide zur Besinnung kommen und sie beide beim nächsten Zusammentreffen merken, dass jeder von ihnen ganz unerwartet zur Konfession des anderen sich bekehrt hat, so dass alles so zu sein scheint wie vorher, nur andersherum und um ein Entscheidendes anders?
So weit wird es zwischen uns wahrscheinlich nicht kommen. Aber immerhin!
Christen verschiedener Konfessionen müssen - einander wechselseitig achtend - als ernsthafte Christen zusammenstehen; und ihren Nächsten nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Christentums finden können, ohne ihn vorher oder nachher bekehren zu müssen.

#359 von Günter Landsberger am 28.07.09 um 21:32

 

#309 gfl
Einer Rezension über Sinjawskis "Eine Stimme im Chor" in der heutigen SZ entnehme ich so nebenbei, dass dieses wichtige Buch im S. Fischer Verlag (2009) neuerdings wiederaufgelegt worden ist.

#360 von Günter Landsberger am 29.07.09 um 08:56

 

ad Herrn Landsberger:
"So weit wird es zwischen uns wahrscheinlich nicht kommen."

Nein, wohl kaum :) ich würde einfach vieles vermissen.. aber der ökumenische Dialog ist äußerst wichtig und ist (vor allem) auf Offenheit angewiesen – Christen müssen einander unterstützen. Geschichtliche Vorurteile dürfen uns (Christen) nicht einander entfremden (od. miteinander verfeinden). Um es mit den Worten des international renommierten Historikers und Theologen Heiko Augustinus Oberman zu sagen (wörtlich übersetzt): „Christen töteten Christen, und der Himmel weinte, sanfte Regentropfen fielen wie göttliche Tränen auf die verdorrte, verdammte Erde.“
--
Ich muss mich übrigens selbst berichtigen #358: Es handelte sich in der Diss. nicht um die Luther – Biografie von Dr. Martin Brecht sondern vielmehr um da Vinci – Dokumentationen über Leonardos Anhängerschaft an J. der Täufer des deutschen Kunsthistorikers J.C. Burckhardt, und hat also mit Martin Luther überhaupt nichts zu tun (ich habe mir wohl eingebildet den Namen „Brecht“ in der Disse gelesen zu haben und als ich gestern abend versuchte die entsprechende Brecht - Passage zu finden, habe ich diese Passage natürlich nicht gefunden, weil es nämlich keine gibt).

#361 von Michèle am 29.07.09 um 15:37

 

"Gogol kamen und Gontscharow, Puschkin, Tolstoi und Gorki, und zu ihnen fielen Jessenin, Blok und Mandelstam, und der brüllende, sich selbst zerreißende Majakowski, und hinabgesenkt wurde Ehrenburg, der Doppelzüngige, der fast alle neben sich fallen sah, sich selbst aber zu schützen vermochte, gepriesen sei er, als Toter wäre er nichts wert, als Lebender würde er einmal Bericht erstatten können."
(aus: Peter Weiß: "Die Ästhetik des Widerstands", 2.Bd., F.a.M. 1978, S.317)

#362 von Günter Landsberger am 03.08.09 um 17:05

 

Knut Hamsun, mit "Hunger", "Pan" und den August-Weltumsegler-Romanen einer der Lieblingsschriftsteller meines Vaters, wird heute 150.
Die Schriftstellerin Brigitte Kronauer würdigt ihn (KH) ganzseitig in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (S.12): "Jähe Wechsel, keine Wiederholungen" heißt es im Untertitel.

#363 von Günter Landsberger am 04.08.09 um 07:08

 

Von W. Majakowski „Das Schwitzbad“.

„Martin Luther“ von T. Kaufmann ist eigentlich auch lesenswert, aber auch verwirrend, weil T. Kaufmann eine etwas andere Auffassung vertritt als H. Augustus Oberman.

#364 von Michèle am 11.08.09 um 15:31

 

"H. Augustinus Oberman"

#365 von Michèle am 11.08.09 um 15:33

 

Nicht nur Schumann, Chopin, Mahler, Melanchthon, Meister Eckhart etc. haben in diesem Jahr ein Gedenkjahr. Abermals ist ein großer russischer Autor mit dabei. Im November 2010 wird Lew Nikolajewitsch Tolstoi 100 Jahre tot sein.

(Übrigens: Auch der bedeutende deutsche Schriftsteller Wilhelm Raabe ist 1910 gestorben.)

#366 von Günter Landsberger am 16.03.10 um 10:33

 

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#367 von Carole21Burton am 19.03.10 um 01:16

 

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