Auf der Homepage von Westropolis
wirbt die WAZ für Leserbeteiligung mit Wort, Ton, oder Videobeiträgen zum kulturellen Geschehen. In der dafür von der WAZ verschickten E-mail heißt es sogar: "Westropolis bietet kulturbegeisterten Menschen im Revier eine neue, virtuelle Heimat".
Das finde ich einfach nur ausbeuterisch. Wir, als Leser, sollen als Reporter, Künstler oder Texter zum Erfolg der WAZ beitragen, nicht nur als Leserbrief sondern sogar mit Ton- und Video-Aufnahmen, also mit Arbeit, die sonst Reporter, Kameraleute und andere gut bezahlte Mitarbeiter leisten. Wir aber sollen dies kostenlos tun und dabei aber, zum Beispiel als Veranstalter, auf Eigenwerbung verzichten: "Veranstalter bitten wir von werblichen Beiträgen für eigene Veranstaltungen abzusehen".
Die Menschen mit einer "neuen, virtuellen Heimat" zu locken, ist meiner Meinung nach heutzutage eine kleine Perversion. In einer Zeit, wo Arbeitsplätze unsicher und damit auch Wohnungen nicht mehr unbedingt feste Heimat sind, als Lohn für die Presse-Arbeit ein fiktives Zuhause anzubieten, ist irgendwie zynisch.
Außerdem gibt es schon genügend Künstlerportale und Foren im Internet, so, dass es in der Hinsicht keiner neuen, virtuellen Heimat bedarf, oder sollen hier nur Heimatlose zu Beiträgen aufgefordert werden?
Also irgendwie gefällt mir das Ganze nicht.
Auf jeden Fall finde ich, haben die Menschen, die hier ihre Beiträge veröffentlichen, ein reelles Honorar verdient. Diejenigen, die regelmäßig Einträge machen, sollten fest angestellt, oder zumindest Verträge als freie Mitarbeiter angeboten bekommen. Dann wäre das ein faires Angebot.
gez.
B.R.


22 Kommentare
Hat man Sie zu diesem Beitrag gezwungen?
#1 von janne am 08.03.07 um 14:36
@janne:
Das kann ich mir kaum vorstellen, daß das durch die WAZ so gemacht wurde. ;)
Wobei ich das schon verstehen kann - aber es wird ja - wie gesagt - niemand gezwungen zu partizipieren.
#2 von Jens am 08.03.07 um 15:25
Ich finde, Sie haben alle recht.
Es ist Ausbeutung, allerdings auf freiwilliger Basis. Wer hier regelmäßig postet, ist sich bewusst, dafür keinen Lohn zu erhalten. Wenn er es trotzdem tut, ist es seine Sache.
Der Ausdruck "virtuelle Heimat" ist tatsächlich reißerisch und inhaltsleer. Vor allem in Zeiten, wo genau diese Gefühlsarmut und Wirklichkeitsfremde, durch die "Internetsüchtige" sich oft auszeichnen, so sehr kritisiert wird wie heutzutage...
#3 von Kerstin am 08.03.07 um 15:54
Man hat mich nicht zu diesem Beitrag gezwungen, aber ich wurde auch nicht dafür bezahlt....
#4 von B.R. am 08.03.07 um 15:54
@B.R.:
Naja, würden Sie für den Beitrag etwas zahlen, wenn Sie Verlagsmanager sind?
#5 von Jens am 08.03.07 um 15:56
Das Prinzip von bloggen sollte vielleicht noch einmal erklärt werden...
#6 von Natascha am 08.03.07 um 16:11
Es geht nicht alles um finanziellen Gewinn und Kohle. Schreiben ist auch Ventil. Die hier gebotene Möglichkeit der Beteiligung ist für Viele ein wunderbares Übungsfeld weiterer Kommunikationsfelder. Lasst bei der Beurteilung auch die positiven Seiten zu oder schreibt beide Seiten mal für euch auf, wenn ihr unsicher seid. Dieses Medium abzulehnen und doch zu nutzen ist lediglich paradox.
#7 von Fiddi am 08.03.07 um 18:04
Recht haste Fiddy! Schreiben ist ein Ventil. Offenbar hat Herr Ringlage seines soeben geöffnet.
Allerdings verursacht sein Beitrag bei mir, dass ich mir auch mal eben Luft machen muss:
Wer nicht will, der hat schon und wird zu nichts gezwungen. Aber ein Projekt derartig herunter zu machen ohne den eigentlichen Sinn zu verstehen finde ich schlichtweg unfair! Und was bitteschön ist "Außerdem gibt es schon genügend Künstlerportale und Foren im Internet" für ein Argument?
Es gibt von allem genug und das schöne daran ist, dass man die Auswahl hat! Und nur weil irgendwo steht, dass Westropolis eine neue virtuelle Heimat bietet, muss es ja nicht bedeuten, dass jede andere zwangsgeräumt wird.
Sie wollen für Beiträge bezahlt werden?
Hey: Ich bin doch nicht blöd. Geiz ist geil! Das einzig Wahre - Westropolis. Denn: Wir machen wir den Weg frei also Come in and find out. ICH liebe es.
#8 von nixgarnix am 08.03.07 um 21:58
So ein Mist! Ich bin zwar bei myspace und StudiVz angemeldet und sorge dort für ausreichend Content und Traffic! Geld habe ich aber bislang noch nie von denen bekommen! Schweinerei!
#9 von Peter am 09.03.07 um 12:38
Ja, jetzt fällts mir auch auf... so ein Mist... und meine Rechte an meinem Westropolis-Beitrag hab ich auch schon abgegeben... *g*
#10 von dieJenny am 09.03.07 um 12:55
Wenn ein Autor sich an einem Text versuchen möchte, hat er hier die Möglichkeit dazu. Wenn er dafür bezahlt wird, bringt er vielleicht nichts zustande, weil der Druck auf ihn lastet, verdammt gute Geschichten abliefern zu müssen. Mir wäre das garnicht recht.
#11 von Ursula Hickmann am 09.03.07 um 13:21
Hoffentlich liest das mein Chef nicht, Frau Hickmann. Der käme vielleicht noch auf dumme Gedanken.
#12 von ichichich am 09.03.07 um 15:10
Ich meine natürlich nicht die Profis, sondern Laien wie mich. Alles klar?
#13 von Ursula Hickmann am 09.03.07 um 15:20
Ich bringe mit Geld und ohne Geld einfach nichts Gutes zustande. Wat nu?
#14 von Chat Atkins am 09.03.07 um 15:22
Tja, da hilft nur eines: Lesen, lesen und nochmals lesen. Aber im ernst Chat Atkins, so ganz nehme ich Ihnen das nicht ab.
#15 von Ursula Hickmann am 09.03.07 um 15:30
Kommentar 13 ist nicht sooo ganz ernst gemeint Frau Hickmann - oder ist es nur eine Namensverwechselung?
#16 von lupi am 09.03.07 um 15:47
Der Name stimmt und auch die Einschätzung meiner Person, in Bezug auf gelernten Journalismus.
#17 von Ursula Hickmann am 09.03.07 um 16:01
Dann ist Ihr Kommentar Nummer 11 aber mächtig geheuchelt und ich frage mich, was Sie mit Ihrer Anwesendheit und Ihren Kommentaren bei diesem Artikel bezwecken?
#18 von lupi am 09.03.07 um 16:05
Ich glaube ich muss mal was klar stellen. Ich bin keine Heuchlerin. Der Kommentar Nr.11 war ernst gemeint. Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass ich es als angenehm empfinde, Beiträge und Kommentare ohne Druck von außen zu publizieren.Ich denke, das sollte aber jetzt genügen. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.
#19 von Ursula Hickmann am 09.03.07 um 16:11
Schnell in den verdienten Feierabend :-)
Ich möchte einer angestellten/freischaffenden Journalistin, Buchautorin und Bloggerin ja auch wirklich nicht unterstellen, dass sie den Kommentar auch wirklich so gemeint hat, wie er dort geschrieben steht.
Vielleicht habe ich die Kommentare nur falsch verstanden/gedeutet.
Ich werde auch mal das Büro räumen.
Angenehmes Wochenende.
#20 von lupi am 09.03.07 um 16:23
Das gute, alte AAL-Prinzip, zu gut oder schlecht Deutsch, die Ausbeutung von "Laien" zum Nulltarif, die als Content-Deppen gefälligst dankbar sein sollen, daß ihr Geschreibsel überhaupt den Weg in die kommerzielle Öffentlichkeit findet.
Derlei als kuscheligen Akt sozialer Fürsorge zu verkaufen, ist in der Tat originell. Aber vielleicht hat Frau Hickmann ja ihre Bücher zum Nulltarif geschrieben und sorgt dafür, daß sie bis heute gratis verschenkt werden.
#21 von maternus am 09.03.07 um 18:07
"Wenn ein Autor sich an einem Text versuchen möchte, hat er hier die Möglichkeit dazu. Wenn er dafür bezahlt wird, bringt er vielleicht nichts zustande, weil der Druck auf ihn lastet, verdammt gute Geschichten abliefern zu müssen. Mir wäre das garnicht recht."
Schade, dass mir so ein Satz noch nicht für eine meiner Satiren eingefallen ist. Köstlich amüsiert.
#22 von Lothar am 10.03.07 um 13:51