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TDDL 2007

Tag 03

Nach unruhiger Nacht erwarten wir mehr als gespannt die letzten vier Lesenden.


09.00-10.00 Uhr
Jan Böttcher


Niedlichkeits-Bonus.

Nach den ersten Sätze behaupte ich mal, das wird nichts.Auf nunmehr Seite 3 bin ich mir sicher, für mich wird das nix.

Nett.
Kann man lesen.
Seite 6.
Seite 10.
Kein Aggressionsaufbau-Text, auch wenn 30 Minuten lang sein können. Kommt bei mir nicht an.


Klaus Nüchtern möchte beginnen und ist sehr beeindruckt und berührt. Hm.
Eine sanftmütige Hommage an drei sture Hunde. Hmhm.
Herr Corino hat einen Text in der Tradition des realistischen Erzählens gehört, schön und sinnfällig erzählt. Ziemlich makelloser Text. Frau März ist auch sehr berührt. Ahhhh, es gibt etwas, was Frau März nicht so gut gefällt: eine gewisse Spannungslosigkeit. Na immerhin.
Daniela Strigl ist nicht ganz glücklich mit diesem Text.
Frau Rakusa stammelt ein wenig, ahhh jetzt geht es. Ihr hat der Text auch gefallen.
Frau Radisch vermisst auch literarische Spannung.
Herr Ebel macht den Corino und wirft geographische Detailkenntnisse in die Waagschale. Ihm hat der Text gefallen, wundert mich gar nicht, auch wenn ihm der Text zu sehr aufgeht.
Der Grundton der Kritik passt sich dem Tonfall des Textes an. Pffffüüü, kann ein langer Vormittag werden.
Mangold muss den Text ja mögen.
Böttcher ist jedenfalls mindestens auf der Shortlist.

 

10.00-11.00 Uhr
Björn Kern


Großdruck. Hat im Zivildienst echte Probleme kennengelernt. Das hilft sicher.
Auch niedlich.


"Sie stemmte sich aus dem Stuhl, ihr Gebiss klapperte. Elsa hasste dieses Geräusch. Sie hasste alle Geräusche, die ihr Körper verursachte, das Knirschen der Nackenwirbel, wenn sie ihren Kopf bewegte, das Knacken der Gelenkkapseln in den Knien, das Schmirgeln der trockenen Haut, wenn sie an ihre Stirn fasste, das stundenlange Rumoren im Bauch."


"... sie wohne allein, liebe Schaben, stammelte Elsa, die seit langem mit Tieren und Dingen sprach, ade!"


Schöner, großer, trauriger Text, der rührt, tief und sehr rührt, könnte zu emotional sein.


Ursula März möchte nicht noch einmal kneifen. Hält den Text thematisch für schwer angreifbar. Ihr gefällt die Geschichte gar nicht. Sie moniert die falsche Erzählperspektive. Durch die Falschheit der Perspektive wird die Protagonistin ihrer Ansicht nach lächerlich. Selten habe ich Frau März so gar nicht verstanden wie gerade.
Herr Ebel sieht ein Mißverhältnis von Stoff und Ausführung, er kann den Text nicht glauben, findet ihn sprachlich und inhaltlich nicht überzeugend gestaltet. Herr Ebel kennt sich mit sozialen Berufen rein gar nicht aus. Uiuiui.
Nach Frau Strigl gibt es einen Boom der Altenpflege in der Literatur. Für sie hapert es auch an der Sprache.
Fällt ausser bei mir wohl durch.
Mangold hat einen moralischen Erpressungstext gelesen. Die Jury ist eine Runde von Sozialromantikern. Hoffentlich alle mit privater Krankenversicherung.
Heiz spricht wieder viel.
Radisch findet Teile des Textes peinlich mißlungen (metaphorischer Quark).
Nüchtern bricht eine Lanze für Zivildienstleistende.

Frau Rakusa ist es auch zuviel überinstrumentiert.

Warten auf ein wenig Hoffnung von Herrn Corino. Ästhetik des Hässlichen wurde durchexerziert. Experiment, das großer Ehre wert ist. In der Tat.

 

Sopran und ich sind uneins.

 

11.00-12.00 Uhr
Thomas Stangl

Erinnert an den jüngeren Bruder Angelo Branduardi. Nur 8 Seiten Text, kleine Schrift, große Zeilenlänge.
Schwergängiger Dialekt.


Nachdem ich bei den letzten beiden Beiträgen vermutlich daneben lag, folgt jetzt Konzentration auf den Text. Keine weiteren emotionalen Ausbrüche.

Eins nur: Herr Stangl leiert.

 

Stangl bei Sopran

 

Heiz grüßt jovial ins Publikum.

 

Frau Strigl möchte eröffenen und hat Solipsist Nummer 4 in diesem Jahr gehört. Ich weiß nicht genau, welchen Text Frau Strigl gehört hat. Sie ist sehr angetan und bewundert diesen Beitrag. Frau Rakusa schließt sich an. Ein Text über Zeit und Raum. Stangl scheint durch zu sein, rechne nicht mit größerem Widerstand außer durch Herrn Corino, der könnte noch auf 180 sein. Interpretatorischer Größenwahn bricht aus. Man könnte Frau Rakusa jetzt aus stoppen. Endlich, sie ist durch. Ebel schmatzt und nähert sich so diesem schwierigen Text. Er imponiert ihm, lässt ihn aber auch völlig kalt.

Es ist wie schon einmal, man vermutet Kompliziertheit in einem Text und schwurbelt jetzt die Kritik auf, von der man aber nicht so genau weiß, was sie einem sagen möchte. Gerne werden dann andere Autoren in die Waagschale geworfen, Syntax und das Fluidale. Was will Mangold sagen? Stangl kann weben. Begabter Autor der ihn mit diesem Text letztlich nicht überzeugt.
Frau März vermutet "in mich"-Literatur.
Nüchtern fand den Text abstrakt, suggestiv und nicht kompliziert. Lokalpatriotismus.

Heiz ist von der großen Philosophie angetan, und zaubert auch irgendeinen aus dem Hut. Seine Stimme bekommt eine kuschlige Klangfarbe.

Radisch muss ihn gut finden. Grenzenlos sich öffnendes Ich. Is klar. Frau Radisch hört Sachen in und aus einem sehr beglückenden Text (Roman-Fleuve). Ich höre nichts.

Herr Corino muss erst einmal schwer seufzen. Rimbaudsches-Motto "Ich ist ein Anderer" fast schon zu Tode traktiert, er würde sich einen Text wünschen in demdas Subjekt "Ich bin Ich"über sich äußert.

Versucht zu verstehen, warum sich das Subjekt so verhält, wie es das tut. Corino kommt nicht wirklich auf den Punkt. Große Sprachlosigkeit, Tonlosigkeit des Vortrages erleichtern es einem nicht bei der Stange zu bleiben.

 

12.00-13.00 Uhr
Martin Becker

Moabit!
Ein Patriot!
Ein kleiner Mann mit dichtem Haupthaar.

Gleich zu Beginn 3 Und-Sätze.

 

Frau März. Munter und Komisch, Drehbuchvorlage, die dann noch komischer ist.
Frau Strigl muss sich über div. Begriffe informieren. Man lacht mit gutem gewissen zurecht. Insgesamt aber des Leichten ein bisschen too much.
Frau Radisch fühlte sich auch ins Theater versetzt ("Biedermann und die Brandstifter"). Reihenhausweltuntergang.
Ebel: Schräger Text. Da kommt Freude auf, hat sich gut informiert.
Mangold outet sich als phonetischer Mensch. Kann die Komik sehen, versteht ihr Funktion aber nicht. Es gelingt ihm nicht ein sinnhaftes Koordinatensystem anlegen (ich hoffe, Sopran hat den genauen Wortlaut mitgeschrieben).

Für Heiz gibt es kein too much. Das wundert mich nicht. Hoi, erster Scherz von Heiz.

Nüchtern amüsiert sich über die Haltung der Kollegen: es hat mir gefallen, dann kann etwas mit dem Text nicht stimmen. Gerade wollte Herr Nüchtern noch etwas existentielle sagen, zack Ton weg.

Schluss.

Alle Autoren haben gelesen

 

Mögliche Shortlistkandidaten des heutigen Tages:

Jan Böttcher

Thomas Stangl

Martin Becker

 

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3 Kommentare

Ich fand den Text auch sehr gut, und die Jury diskutiert völlig dran vorbei.

#1 von Chronistin am 30.06.07 um 10:52

 

Die Jury reagiert über und geradezu beleidigt.

#2 von Juliette Guttmann am 30.06.07 um 10:53

 

ich weiß nicht so recht: liegt es an mir? liegt es an dieser eindringlichen schilderung der ereignisse? liegt es am event selber? aber mir geht die ganze zeit nur ein satz durch den kopf: es wird zeit, dass die fußball-bundesliga wieder startet.

wahrscheinlich ist es nur meine ignoranz gegenüber den tddl und den autorInnen, die ich mir durch den dreitagebericht bestätigen lasse, obwohl er gar nicht so gemeint ist. daher ist mir der gewinner auch genauso egal wie beim grand prix d'eurovision oder wie das heutzutage heißt.

der einzige mir bekannte autor ist peter licht, dessen "lieder vom ende des kapitalismus" ich meist abwechselnd irgendwo zwischen genial und bescheuert ansiedeln würde, wobei allerdings der reiz des ganzen in buchform ("wir werden siegen...") komplett verloren ging.

#3 von kelly am 30.06.07 um 17:15

 

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