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TDDL 2007

Tag 02 (II)

Dear Friends And Bookworms,

folgen Sie mir rasch in die Mittagspause.


Es sind nicht nur die Tage der deutschsprachigen Literatur sondern auch der Erinnerungen. Sonnenverstrahlt spülte sich an die Oberfläche, dass es eine Zeit in meinem Leben gab, in der ich gegenüber dem Wort "bissl" eine geradezu physische Ressentiments hegte. Das ging so weit, dass ich einem Teil der befreundeten Verwandtschaft einmal das Schienbein blau trat, weil es gerade eines ihrer Lieblingsbegriffe war, der in jeden Satz einfließen musste. Nach der Tat (die mir bis heute nicht nachgesehen wurde und gerne bei öffentlichen Anlässen erzählt wird) übernahm ich die Kühlung unter Zuhilfenahme von tiefgekühltem Ochsenschwanz.


In welchem Zustand ich die Auswahl der mitgeführten Musik traf ist ein Rätsel, das ich nicht lösen kann. Immerhin passt eines der Stücke zu meinem T-Shirt.


15.00-16.00 Uhr
Milena Oda


Hm...


Für Sopran: Die Bluse ist rot.

Hm...


Ich glaube, gerade haben wir den Kernsatz passiert:
"Wenn Sie mich fragen würden, was ich gerade tue, kann ich es ihnen sagen: Ich schreibe Briefe. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahrein, Jahraus geht es mit frischer Kraft beim Schreiben der Briefe."


Ich gestehe, ich werde gerade müde.


Fürchte, der Inhalt des Textes interessiert mich nicht.

 

Frau Radisch eröffnet, was ihr schwer fällt, weil sie eine so gut gelaunte Autorin, die über ihren eigenen Text sehr erfreut scheint kritisieren muss und ist ratlos. Frau März findet Ignoranz im Text. Für Karl Corino ist der tschechische Humor irgendwo auf dem Weg nach Berlin verloren gegangen. Er analysiert einzelne Briefe. Uiuiui dem Chamäleon sind die Farben ausgegangen.
Text fällt durch. Ebel kann ihn auch nicht verteidigen.
Heiz dreht wieder mehrere Schleifen, irgendwie wird er begründen warum er Milena Oda mit diesem Text eingeladen hat, kann aber nicht folgen.
Für Strigl ist das liebenswerte am Text das dilettantisch.

 

16.00-17.00 Uhr
Kurt Oesterle

Hoi, ein Schwabe. Und wie.
Die kommenden Zeilen verfasse ich in meiner Muttersprache, was sie nur merken würden, wenn ich es ihnen vorläse.


Lesefreundlicher Großdruck.

 

"Mit Max zog das Wort "Einzelkind" im Waldtal ein."

 

"Max war die Armut seiner Familie"


Guter Anfang, verliert jetzt. Erzählt nichts mehr sondern kreist dröge ums Thema herum. 20 Minuten noch.


Der Kaffee hier ist sehr gut.


Eine Seite noch.

 

Schwäbisch solide.

 

Frau März möchte, dass der Text nicht unterschätzt wird.
Herr Mangold schließt sich mir an, handwerklich gut gemacht aber ein wenig langweilig.
Für Nüchtern liegt der Text so sehr in der Tiefe seiner Zeit (Herr Corino kann die Jahreszahl zu den ersten Fernsehern in Privathaushalten liefern), dass ihm das 17. Jhd. näher scheint.
Karl Corino lobt die grundsätzliche erzählperspektivische Entscheidung, die des wissenden Erwachsenen im Teleskopstil.

 

17.00-18.00 Uhr
Peter Licht


Teilweise mit Spannung erwartet, weil der Autor wohl nicht vor einer Kamera lesen wird. Dann eben nicht.
Dem Wunsch wird entsprochen. Wir sind gespannt. Es darf auch nicht photographiert werden.

Nojo.

 

Bilduntereschrift:

Peter Licht / D

will sein Gesicht nicht zeigen

 

Peter Licht von hinten.

 

Peter Licht von hinten.


Erhellende Gedanken über die Liebe, die Qualität eines Sofas im Zusammenhang mit Wohlbefinden. Herr Nüchtern zappelt vor Lachen. Angenehm bekloppte Art des Lesens.


"Ich fühlte mich wie ein Käfer in der Badewanne, dem der Abguß entgegensteht."

 

Kenne ich. 

 

Sopran hat's auch gesehen. 

 

Nüchtern fand es unfassbar komisch, geht aber davon aus, dass man ihn gleich vom Gegenteil überzeugen wollen wird (haltlose Begeisterung vor dem Hinunterziehen). Jazz im Helge Schneiderschen Sinne, grandiose Literatur etc.
Ijoma A. Mangold teilt die Begeisterung. Komik, Irrsinn, Schmerz.

Heiz ist vom "sowohl als auch" überzeugt. Mhm.

Radisch hegt mütterliche Gefühle für "ihren" Text.

 

Corino verzichtet.


Mögliche Shortlistkandidaten des heutigen Tages:
Peter Licht
Dieter Zwicky
Kurt Oesterle



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1 Trackback

Warum tut man sich das an? Vergnügungssteuerpflichtig ist der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gewiß nicht, soviel lässt sich nach dem ersten Tag der diesjährigen Veranstaltung sagen.... weiter

#1 von Wissenswerkstatt am 21.07.07 um 00:23

 

11 Kommentare

Aber Du siehst ihn doch, oder? Wie sieht er denn aus?

#1 von Hatice Akyün am 29.06.07 um 17:11

 

Nein, ich sehe ihn nicht. Ich sehe nur einen Fernsehschirm. Ich sehe sein graues Hemd.

#2 von Juliette Guttmann am 29.06.07 um 17:19

 

Große Brille jedenfalls. Knaller: Erst viele Lacher, dann Tragik. Wird in Klagenfurt gut ankommen. Liest auch gut. Diesmal bin ich gespannt auf das Jurygedöns...

#3 von Mathias Pianowski am 29.06.07 um 17:22

 

Und sich kurz gefasst... Clever.

#4 von Mathias Pianowski am 29.06.07 um 17:22

 

März hat auch verzichtet. Oder ist vergessen worden.

#5 von Sopran am 29.06.07 um 17:49

 

Richtig, ist mir gar nicht aufgefallen.

#6 von Juliette Guttmann am 29.06.07 um 18:51

 

Bei Dieter Zwicky glaube ich nicht, daß er in den engeren Kandidatenkreis kommt. Kurt Oesterle dagegen schon, bei ihm waren alle voll des Lobes, wenn auch ich den Text eher als, wie Du schreibst: "schwäbisch solide" verstehe. Aber vielleicht müßte man ihm nochmals eine Chance geben.

PeterLicht hat offensichtlich für große Begeisterung gesorgt. Ich fand den Text nicht schlecht, streckenweise wirklich sehr gut, aber nicht so brillant wie manche der Juroren. Seltsam freilich, wieso sich Cortino und Merz enthielten... eigentlich schade.

Meine weiteren und ausführlichen Einschätzungen natürlich auf meinem Blog bzw. hier

#7 von Marc | Wissenswerkstatt am 29.06.07 um 18:55

 

Ich räume auch Scheuermann eine gwisse Restchance auf die Shortlist ein, wird aber davon abhängen, was uns morgen Vormittag erwartet.

#8 von Juliette Guttmann am 29.06.07 um 19:12

 

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass aus diesem Klagenfurter Vorlesetheater ein bemerkenswertes Talent auf den Präsentierteller der öffentlichen Aufmerksamkeit gespuckt wird. Das und nichts anderes machen jedenfalls die Guttmann'schen Vor-Ort-Berichterstattungen noch dem hinterletzten Literatur-Groupie klar, oder? Schafft diesen albernen Zirkus endlich ab! Ich bin wahrlich kein Verehrer der Bachmann, aber das hat die verbrannte Dichterin nicht verdient, dass man, jahraus jahrein, unter ihrem Namen dieses Spektakel inszeniert.

#9 von Manuel Hessling am 30.06.07 um 00:09

 

Was ist denn bloß gegen ein schönes Spektakel einzuwenden? Es ist doch nicht der eine Bachmannpreisträger das Wichtige, sonst könnten sie es machen wie anderswo: Eine Jury einigt sich hinter verschlossenen Türen auf irgendeinen kleinsten gemeinsamen Nenner.

In Klagenfurt wird vorgeführt, wie Literatur irreführen, begeistern, polarisieren kann. Herrlich! Ich bin jedem Autor dankbar, der sich für dieses schöne Spiel zur Verfügung stellt.

#10 von Sopran am 30.06.07 um 03:18

 

Sopran nimmt mir die Worte aus dem Mund.
Ein herrliches Spektakel mit einem Sujet, das sich scheinbar gar nicht für Spektakel eignet.

#11 von Juliette Guttmann am 30.06.07 um 09:10

 

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