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TDDL 2007

Tag 01 (I)

Nervöse Anreise, Sorge nicht aufzuwachen, auf dem Bahnsteig einzuschlafen, im Zug nicht aufzuwachen. Am Flughafen kein Hinweis auf meinen Flug. Beschließe beherzt irgendein Terminal anzusteuern, das mir schlüssig erscheint. Suche den Airline-Schalter oder eine Information. Beides liegt nicht auf meinem Weg. Vielleicht gibt es die Fluglinie gar nicht mehr. Alle wissen es nur ich nicht? Evtl. befinde ich mich am falschen Flughafen? Gibt es hier weitere, die genauso heißen? Hätte nicht aufstehen sollen.

 

Flug doch noch erfolgreich absolviert. Der redselige bayrische Kapitän erzählt Geschichten voller Lokalkolorit, ergänzt durch eine Kilometer genaue Beschreibung der Reiseroute, ergänzt durch Informationen zum Wetter.

Der Mann hinter mir erwacht auch Minuten nach der Landung nicht. Werden wir alle in der Maschine festgehalten, falls er gerade frisch verstorben sein sollte?

 

Der Taxi-Fahrer hat Ingeborg Bachmann noch persönlich gekannt. Damals sei er in einer Bank beschäftigt gewesen und Frau Bachmann habe immer ihre Manuskripte in einem Schließfach eingeschlossen. Ein-, zweimal in der Woche sei sie vorbei gekommen, weil sie ihre Texte nicht mehr gefunden habe. Fließender Übergang zum Wetter in den kommenden Tagen und den Verkehrsleitsystemen in Klagenfurt.

 

Lesung

09.00-10.00 Uhr
Jagoda Marinic

Kein Eindruck. Zeit E-Mails zu beantworten. Ein Satz kommt mir bekannt vor. Aber kennt man nicht alle Sätze schon? Auf die eine oder andere Art.

10.00-11.00 Uhr
Christian Bernhardt

Erster Eindruck: Wippende Brüste. Viel "und". Viele Wiederholungen und wieder und. Und passt ja fast immer. Schon wieder wird gedoppelt und wiederholt. Nicht ganz elegant.Unglückliche Kleinfamilie mit dickem Kind und dünnem Vater, dafür dicker Mutter.Alles klar, jetzt bin ich dabei, es geht um Autopsie und Freilegen von Muskeln an Arm oder Bein ist aber glaube ich egal. Mhm ja, das wäre seine Chance gewesen. Bernhardt gleitet in eine Besitznehmen wollen Symbolik mittels Öffnung des geliebten Körpers hinüber. Das muss nicht sein.
"Ich möchte meine Gefühle fühlen." Spricht so tatsächlich jemand? Mit mir nicht, aber das kann ja muss an mir liegen.

Sehnsucht nach der Stunde der wahren Empfindung konstatiert Karl Corino. Ein Schwanken zwischen der Gefühlsimpotenz der Figuren und stilistische Impotenz des Autors. Kann man man fast nicht schöner sagen.

Frau Radisch hatte ein Leseerlebnis unendlicher Langeweile. Erleichterung bei mir. Ambitionslose Sprache, ein Text der nichts will. "Lesen ist auch Lebenszeit!"

Ilma Rakusa mag das Shampoo sehr das ca. 78 mal im Text genannt wird. Herr Corino empfiehlt ihr, es doch zu kaufen.

Klaus Nüchtern wirft sich mit Macht für den von ihm eingeladenen Text ins Dings, Theater. Spontane Lacher.

 

Pause

 

11.00-12.00 Uhr
Jochen Schmidt

"Obwohl ich so attraktiv bin, habe ich eine so unschuldige Seele, dass es mich selbst rührt."

"Manche Menschen gehen nie an ihre Grenzen, sonst würden sie mich dort stehen sehen. Wenn eine Frau behauptet, mich nicht zu lieben, zweifle ich immer am Grad ihrer Selbsterkenntnis."

"Nachdem ich bei den traditionellen Neujahrsgrüßen aus dem Orbit geweint habe, wurde die Fernsehübertragung abgebrochen."

"Ich werde nie erfahren, was mein letzter Gedanke gewesen sein wird."

Karl Corino eröffnet mit geradezu euphorischem Lob.
Daniela Strigl wundert sich, dass Karl Corino der Text so gut gefallen hat wie ihr.
Martin Ebel: angetan
Ijoma A. Mangold: sehr angetan
Iris Radisch fehlt das gewicht der Welt
Klaus Nüchtern: schließt sich allen an und fordert ein Ende der "Tubendreher-Texte"
Ilma Rakusa: große Anerkennung für den Text
Die Kommentare von André Vladimir Heiz sind immer ein wenig anders, als andere. Er will auf etwas hinaus.

 

12.00-13.00 Uhr
Andrea Grill

Ja.


Ich frage mich ja (doppeltes ja, evtl. kann ein und davor und eines dahinter gesetzt werden) wie die verantwortlichen Menschen hier den grünen Linoleumboden so glänzend bekommen. Wird er bei falscher Pflege doch unwiderruflich stumpf. Ich würde (ja) Photograhieren dieser Tage wenn ich eine Kamera hätte. Natürlich habe ich eine, sie musste aber verliehen werden. Wie ich mittlerweile erfahren habe, hat der Akku versagt und der Kameranehmer sieht sich nicht in der Lage das Ding wieder aufzuladen. Ich könnte das, habe aber leider weder Kamera noch Ladekabel.

Keine Fotos.


Rückenschmerzen.
Könnte am roten Kunstledersofa liegen.

 

"Hast du eine Arbeit?
Ja.
Wo arbeitest du?
Dort.
Woher kommst du?
Woher kommst du?
Aus Serbien.
Dort war ich schon.
Warst du schon?
Ja. Schönes Land.
Ich weiß. Darum bin ich weggegangen. Es ist eine Schönheit die dich umbringt."

"Eine davon brachte mich zum Heulen, eine rotzige Reaktion auf mein Dasein an diesem Ort."

 

Karl Corino findet den Text "so was von uninteressant" und möchte mit Frau Grill lieber über Eichhörnchen sprechen.
Martin Ebel ist hilflos und zweifelt an seinem Verstand.

Frau Radisch hält den Text für völlig mißlungen.

 

Mahlzeit! 

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5 Kommentare

Schon einen Palatschinken gegessen?

#1 von Thomas Lau am 28.06.07 um 14:54

 

"Ich möchte meine Gefühle fühlen." Spricht so tatsächlich jemand? Mit mir nicht..:"

Sei froh! :)

Gut, dass du das alles durchmachen musst, und nicht wir Daheim gebliebenen... Danke für die Schadenfreude und das Amüsement beim Lesen... Mehr davon!

#2 von Sunzi Sonnenschein am 28.06.07 um 14:55

 

Thomas: Ich halluziniere ein Bett. Essen interessiert mich nicht mehr.

#3 von Juliette Guttmann am 28.06.07 um 14:56

 

Paris Hilton hat ihre Zeit im Knast als "Reise zu sich selbst" erlebt. Vielleicht kann dich das auch in Klagenfurt stärken.

Ich bin jedenfalls sehr dankbar für taufrische Wortpflanzen wie "Tubendreher-Texte" und Schlinggewächse wie "ich möchte meine Gefühle fühlen". Werde ich nächstens in meiner Männergruppe einbringen.

Bleib dran, Juliette!

#4 von Johannes Groschupf am 28.06.07 um 14:57

 

Ich habe Sie gewarnt!

#5 von Manuel Hessling am 28.06.07 um 15:04

 

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