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"Wie ich lernte, die Frauen zu lernen"

Vizinczeys kleines Meisterwerk

Gelegentlich findet man ein Buch, das einen für Tage in einen leichten Glückstaumel versetzt. Stephen Vizinczeys Roman ist "für junge Männer geschrieben und älteren Frauen gewidmet - und die Verbindung zwischen beiden ist mein Thema". Das Buch erschien bereits in den Sechziger Jahren und war damals ein Weltbestseller. Wir können uns freuen, dass die vorzügliche deutsche Neuübersetzung von Carina von Enzenberg nun vorliegt.

 

"Meine eigenen Erfahrungen mit jungen Mädchen waren ausgesprochen gräßlich", berichtet der Erzähler. "Ich bin immer noch der Meinung, dass Jungen und Mädchen die Finger voneinander lassen sollten - sofern sie die Wahl haben. Mit jemandem ins Bett gehen zu wollen, der so unerfahren ist wie man selbst, erscheint mir ungefähr so vernünftig, wie als Nichtschwimmer mit einem Menschen, der auch nicht schwimmen kann, in tiefes Wasser zu gehen. Selbst wenn man nicht ertrinkt, kriegt man einen Schaden fürs Leben."

 

Schon die tolpatschigen und schüchternen Versuche mit jungen Mädchen sind lesenswert, weil sie zeitlose Katastrophen schildern. Als er aber fünfzehn wird und aus Schaden klug, hält sich der Erzähler an die erfahrenen Frauen und wird ihnen ein gelehriger Schüler. Die Liebesgeschichten, die er eingeht, sind so banal und wunderbar wie alle Liebesgeschichten. Auch wenn es ihm sehr um den sinnlichen Genuß geht, wird er niemals anstößig, sondern bleibt charmant und klug.

 

Vizinczey respektiert die Frauen. Sie sind für ihn wundervolle Geschöpfe, auch wenn sie in schäbigen Mietshäusern wohnen, vom Leben enttäuscht sind oder sonstwie eine leichte Macke haben. Dieser leicht verklärende, dennoch scharfe und liebevoll detailversessene Blick geht auf den Leser über, der im Supermarkt plötzlich die Reize der Kassiererin entdeckt.

 

"Da es meinen eigenen Erfahrungen sind, die ich hier schildere, sollte ich dem Leser versichern, dass ich nicht die Absicht habe, ihn mit meiner persönlichen Geschichte zu erdrücken. Vielmehr hoffe ich, seine Neugier auf sich selbst zu wecken." Wer so etwas seinem Buch vorausschickt, kann kein schlechter Autor sein.

Umso bewundernswerter ist, dass er sein Versprechen einlöst. Vizinczey schreibt so leicht und treffsicher, dass der Leser ihm gern durch alle Lebensabenteuer von den Wirren des Weltkriegs und Nachkriegs in Ungarn über die bleierne Zeit der Überwachung bis zur Flucht nach Italien und schließlich Amerika gerne folgt - und dabei sich selbst auf die Spur kommt.

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