
Hey, Carglass, Mercedes, 1und1, Rheinbahn & Konsorten. Ich weiß, Ihr meint es gut mit Eurer personalisierten Werbung: die Firma als Familie von Individuen, als Gegenentwurf zum gesichtslosen Multi, schon kapiert. Aber – ganz ehrlich – ich will den Glamour zurück. Ich will die unrealistischen Versprechen zurück, vorgetragen von bildschönen Menschen mit angenehmen Stimmen. Ich will den Weichzeichner wiederhaben, die Sportskarossen in der Serpentine am Lago Maggiore und den einsamen Jever-Trinker am Strand.
Ich möchte dagegen nicht mehr sehen, wie der Kundenberater von 1und1 mit Klemmbrett durch Großraumbüros geht und dabei in Berti-Vogts-Gedächtnisstimme von seinem irren Service erzählt. "Aber so sieht das nun mal aus bei 1und1, so ist die Wirklichkeit," sagt Ihr. Kann sein. Aber diesen reality check habe ich jeden Tag. In der Werbung will ich Paralleluniversen sehen, die Firma als Mythos, Ihr wisst schon. Wie soll das mit 1und1 oder Carglass gehen? Keine Ahnung, Ihr seid die Werber.
Davon abgesehen – die Kuschelfirma, in der jeder Kunde die Durchwahl vom Chef hat, wo Kicker und Bionade-Automat in der Lobby stehen, ist genauso ein Klischee wie der böse "Großkonzern," in dem anonyme Waben-Malocher einsam vor sich hindämmern. Und Marcell D'Avis, dieser Kundenberater, tut mir jetzt schon Leid. Der wird zeit seines Lebens der 1und1-Mann sein, selbst wenn er da Jahrzehnte nicht mehr arbeitet. Der Effekt nennt sich Melitta-Mann-Syndrom. Aber das nur nebenbei.
1 Kommentar
Richtig! Dieser 1u1-Mann hat so inflationär viele Auftritte mit seinem "Ich bin Kumpel und hilfsbereit"-Gehabe, dass es mittlerweile unerträglich ist. Und das auch noch ausgerechnet von einem Unternehmen, dass besonders im Kundenservice einen horrend schlechten Ruf genießt (natürlich neben der Telekom & Co auch)... Aber wie Craglass ist sicher auch dass bewusst Programm, je häufiger man über die dilettantisch anmutende Amatuerwerbung redet, desto besser für die Marken... ;-)
#1 von DJ Big H am 20.07.10 um 14:48