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Szeneshops und Neue Romantik

Prachtmädchen im Taschenrausch

Wer in diesen Tagen durch Deutschlands alternative Shoppingkieze läuft, kommt sich vor wie im Märchen. Da liegt das "Nymphenfieber" nur ein paar Türen entfernt von "Maegde und Knechte," dem "Gestiefelten Kater" und den "Blutsgeschwistern." Ein paar Ecken weiter landet man im "Alpenglühn" oder "Elfenreich." Das sind übrigens alles nicht-ausgedachte Shops in Hamburg.

 

Läden wie diese werden meist von Frauen in ihren 30ern geführt. Manchmal haben sie zuvor in Werbeagenturen gearbeitet, haben dann aber gemerkt, dass 50-Stunden-Woche und Ferrero-Spots doch nicht das sind, was sie sich vom Leben einmal versprochen haben. (Das klingt zynischer, als es gemeint ist. Menschen mit Zickzack-Lebensläufen sind mir durchaus sympathisch.) Aus der Werbe-Zeit stammt jedenfalls das Talent für einprägsame Logos und gute Vermarktung.

 

Wenn ich die Shop-Namen richtig lese, dann sollen sie drei Dinge transportieren: dass der Laden zu keiner multinationalen Ausbeuter-Kette gehört, dass lokal produziert wird (deutscher Name) – und das nicht am Fließband, sondern wie in der guten, alten Zeit (vgl. die Retro-Anklänge bei "Maegde und Knechte" oder "Nymphenfieber"). Manchmal ist auch ein Element von Frauensolidarität dabei. Da heißt der Frisör dann "Kluge Mädchen," das Mode-Label "Sisterhood," "Prachtmädchen" oder "Schwesterherz." Warum sich erwachsene Frauen so gerne als "Mädchen" bezeichnen, ist mir nicht ganz klar. Aber vielleicht ist das eine Art von Postfeminismus.

 

Manche Namen der neuen deutschen Shop-Welle schießen für meinen Geschmack ein bisschen übers Ziel hinaus. Einen "Taschenrausch" möchte man niemandem wünschen, den "Silberfischer" (T-Shirts, Berlin) finde ich eklig und der "Superschlüpfer" – naja, Sie verstehen, was ich meine.

 
 

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