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Ein Problem zur WM-Zeit

Das Sporthymnen-Dilemma

Einer der vielen Gründe, warum man gegen die Band Queen sein sollte, lautet "We Are the Champions." Mir wird jetzt schon ganz anders beim Gedanken ans WM-Finale und das obligatorische Ende mit Freddy Mercury. Dabei könnte der Schlusssong von mir aus ruhig sentimental sein, wenn es nur nicht dieser wäre ... Fairerweise muss man hinzufügen, dass dieses Stück im grundfinsteren Genre der Sporthymnen noch nicht mal das schlimmste ist.

 

Den Tiefstplatz in meinen "Bottom 5" hält derzeit die deutsche Band Revolverheld (Foto). Bis 2004 hieß sie angeblich "Tsunamikiller," was die These stützt, dass Gruppen mit besonders ausgeprägtem Vorort-Look sich gerne die Aura von Gefährlichkeit geben, und sei es nur im Namen. Seit ein paar Jahren versuchen Revolverheld jedenfalls in Ermangelung anderer Talente in die Nische der patriotisch aufgeladenen Stadionsongs vorzudringen. Wobei das Wort "Nische" nicht ganz korrekt ist, wenn man den Erfolg der Sportfreunde Stiller und "54-74-90-2010" bedenkt.

 

Bevor mir Fußballphobie und Fun-Ferne vorgeworfen wird (keine Alliteration beabsichtigt, ehrlich), möchte ich darauf hinweisen, dass die Lightning Seeds vor etlichen Jahren das Kunststück fertig gebracht haben, eine ziemlich unpeinliche Nationalmannschaftshymne zu schreiben, die sogar ich mitsingen würde, wenn ich Engländer wäre. Ich sage nur "Three Lions".

 

Sporthymnen – althergebrachte Vereins-Songs lasse ich mal außen vor – fallen normalerweise in zwei Kategorien: anpeitschend und sentimental. Zur ersten gehören z.B. "Reach Out for the Medal" oder "Go for Gold", zur zweiten alles im Stile von "One Moment in Time" oder eben "We Are the Champions."

 

Unabhängig von der Kategorie, haben Sporthymnen ein gewisse Ähnlichkeit mit Karnevalssongs. Zumindest für die Menschen, die sie nicht mögen. Die stehen nämlich unter Generalverdacht der Emotionslosigkeit und/oder Verklemmung. Um sich diesen – natürlich unsinnigen – Vorwürfen zu entziehen, singen und schunkeln sie gezwungenermaßen mit, was dann so unlocker aussieht, dass der Vorwurf der Verkrampftheit zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

 

Also, Sportfreunde, nichts für ungut, aber da feiere ich lieber stumm.

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6 Kommentare

Das neue WM Lied von Shakira finde ich toll, das lässt doch alle anderen Hits der Vergangenheit total vergessen.

#1 von Fischi am 15.06.10 um 21:10

 

http://www.youtube.com/watch?v=YMAvAQ3FhgQ

#2 von Matta Schimanski am 15.06.10 um 23:45

 

Richtig schlimm sind die Lieder, die von Fußballern selbst eingesungen werden, "Fußball ist unser Leben" werde ich den Nationalspielern nie verzeihen.

Ich glaube in diesem Jahr versucht Mesut Özil sich als Rapper. Ich hatte noch nicht den Mut mir das anzuhören.

#3 von Miriam Lessmann am 16.06.10 um 08:00

 

Ihre Abneigung teile ich voll und ganz.
Gianna Nannini und Eduardo Bennato 'Un'estate italiana' (WM 90) verdient auch lobende Erwähnung

#4 von berka am 16.06.10 um 10:27

 

Ach ja, der Juknat bestellt, soll er haben:

#http://www.youtube.com/watch?v=KsKvAxrAAto&feature=PlayList&p=43032AB2FE298E60&playnext_from=PL&playnext=1&index=10

#5 von kulturisti am 17.06.10 um 22:43

 

Aber es gibt auch qualitativ hochwertige Ausnahmen, die die Regel bestätigen - meistens dann, wenn ein allgemeiner Song von den Fans selbst zu einer Sporthymne gemacht wird, wie z.B. beim an sich großartigen "7 Nation Army" von den White Stripes: http://www.youtube.com/watch?v=rCeUGqUS0c8

Gruesse

#6 von DJ Big H am 20.06.10 um 17:48

 

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