Der Westen - Das Portal der WAZ Mediengruppe

So gehts…Senden Sie uns Ihren Beitrag

Warum die Goonies ein Klassiker sind

Piraten im Twin-Peaks-Land

Bis gestern dachte ich, der kürzlich verstorbene Corey Haim hätte in den "Goonies" mitgespielt. Tatsächlich heißt der Schauspieler, den ich meinte, Corey Feldman (und er lebt noch). Ich hätte das eigentlich besser wissen müssen, immerhin waren die "Goonies" mal mein Lieblingsfilm. Vor 25 Jahren. Smells like Jubiläum, weswegen ich mir den Film jetzt noch mal angeschaut habe.

 

Normalerweise ist so etwas keine gute Idee. Filme, die man als Kind geliebt hat, sollte man sich als Erwachsener nicht mehr anschauen. Den Zauber holt man eh nicht zurück. Bei den Goonies habe ich zumindest verstanden, was ich damals mochte.

 

Ich meine, es ist aber auch alles drin in diesem Film, was man als kleiner Junge liebt: Piratenschiffe, Schatztruhen, Geheimgänge, Rätsel und fiese-aber-nicht-zu-fiese Gangster (mehr die ungeschickte, auf Glasperlen ausrutschende Sorte à la "Kevin allein zu Haus").

 

Der Film wirkt immer noch sehr spielbergianisch, obwohl der Großmeister "nur" die Geschichte verfasst hat. Regie führte Richard Donner, der eine reichlich seltsame Filmografie vorzuweisen hat (dazu gehören neben den "Goonies" auch der Schocker "Das Omen" (1976) und die "Leathal Weapon"-Reihe – dass der Mann nur in einem Genre dreht, kann man wirklich nicht behaupten).

 

Spielbergs Handschrift wiederum erkennt man vor allem an der Vorliebe für umfangreiche Fallensysteme und alte Karten ("Indiana Jones" ist in der Hinsicht wirklich ein Echo der Goonies) und an der typischen Darstellung einer Außenseiter-Clique, die über sich selbst hinauswächst. Hier tauchen sie alle auf, die Archetypen amerikanischer Teenagerfilme: der fette Träumer, der asiatische Erfinder/Computernerd, der smarte ältere Bruder mit der Cheerleader-Freundin, die der Rest der Kids insgeheim scharf findet, sowie ihr Gegenpart, das bebrillte Schlaumeiermädchen. Das klingt heute reichlich platt, aber man sollte nicht vergessen, dass Spielberg diese Archetypen zum Teil selbst in die amerikanische Popmythologie eingeführt hat.

 

Die Handlung der Goonies spielt im Nordwesten der USA, und ich weiß noch, dass ich als Kind unbedingt in einem dieser Holzhäuser am Hang wohnen wollte, aus deren Erker man auf den Pazifik gucken kann. (Das gleiche Gefühl hatte ich Jahre später bei David Gutersons "Schnee, der auf Zedern fällt" – einem Roman, der in derselben Gegend spielt.) Irgendwie schafft es Spielberg immer wieder, die USA als heilen Sehnsuchtsort zu vermitteln.

 

Und doch gibt eine gewisse Ähnlichkeit in der Art, wie der pazifische Nordwesten in den Goonies und "Twin Peaks" dargestellt wird. Irgendetwas ist da, in den rauschenden Wäldern, zwischen Berggipfeln, Wasserfällen und alten Indianer-Stätten. Bei Spielberg/Donner fällt das Geheimnis nur nicht so abgründig aus wie bei Lynch.

 

Sagte ich eigentlich, dass die Goonies eine antikapitalistische Message haben? Naja, fast. Mit den Diamanten aus dem Piratenschatz kaufen die Kinder nämlich die Grundstücke und Häuser ihrer Eltern zurück, die eigentlich der Expansion eines snobistischen Country Clubs zum Opfer fallen sollten. Und so verhindern die geraubten Juwelen der Freibeuter einen Raub der Neuzeit. Wenn das kein schöner Kniff ist.

 

---

Die Goonies, USA 1985, Regie: Richard Donner, 110 Minuten, Warner Home Video

877 weitere Artikel in Film  |  RSS Feed abonnieren RSS Feed abonnieren

 
 

2 Kommentare

Klasse! Jetzt weiss ich, was ich am nächsten verregneten Sonntag mit dem Nachwuchs anschaue. Super Idee!

#1 von Christian Spohr am 08.06.10 um 12:27

 

In der Tat ein absoluter Klassiker der Kinderfilme... als ich ihn letztens als "reifer" Zuschauer nochmals im TV in der Wiederholung sah, konnte ich dem nun bisweilen "anstrengenden" Charme dann doch widerstehen ;-)

#2 von DJ Big H am 09.06.10 um 00:59

 

Sie können diesen Beitrag kommentieren!