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Live-Musik im deutschen Fernsehen, R.I.P.

Kenn ich nicht, spiel ich nicht

Wer den Unterschied zwischen der amerikanischen und deutschen Musikkultur verstehen will, sollte z.B. mal bei "Late Night with Jimmy Fallon" reinschalten, einer Sendung mit Millionenpublikum in den USA. Gestern sah ich dort (via YouTube) einen Live-Auftritt von The National. Eine solche Band würde man in einer Mainstream-Talkshow in Deutschland niemals sehen, selbst wenn es Gruppen dieses Kalibers hierzulande gäbe.

 

Dass es sie nicht gibt, hat viel mit der im deutschen TV und Radio vorherrschenden Denke zu tun, man könne den Leuten nur das servieren, was sie ohnehin schon kennen. So entsteht die immergleiche SilbermondJuliRevolverheld-Grütze, die die deutsche Poplandschaft so provinziell macht.

 

Es ist nur bezeichnend, dass die einzige Talkshow mit ambitionierten Live-Programm, "Kuttner" auf MTV, nach kurzer Zeit eingestellt wurde. Dabei war sie ein guter Beweis dafür, dass auch kleine Shows große Bands ins Programm holen können, ohne sich finanziell zu überheben (die meisten der bei Kuttner gezeigten Bands waren ohnehin gerade auf Deutschlandtour).

 

Live-Musik findet hierzulande fast ausschließlich im Nachtprogramm von Regionalsendern statt, in Rockpalast-Clips zwischen zwei und drei Uhr morgens. Was man ansonsten sieht, beschränkt sich auf Playback-Auftritte von Robbie Williams oder Leonie Lewis bei "Wetten, dass ...?" – also von Acts, die wahrlich keine Erweiterung der Fan-Basis mehr brauchen.

 

Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet das angeblich so durchkommerzialisierte und "kulturlose" Amerika in Blockbuster-Sendungen wie Letterman, Leno, Saturday Night Live, der Late Late Show mit Craig Ferguson u.a. anspruchsvolle Bands zeigt, die hierzulande nicht mal im Nachtprogramm von Spartensendern laufen.

 

Die größten Abspielplattformen von "Live-Musik" im deutschen Fernsehen sind Castingformate wie DSDS und "Popstars". Was das über die Vorstellungskraft der Programmverantwortlichen aussagt, muss man vermutlich nicht ausformulieren.

 

 

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3 Kommentare

Der doch eher seltsame von der Lippe, der hatte immer paar akustische Überraschungen in seiner Show. Und der Biolek manchmal auch, wenn ich mich richtig erinnere ...

#1 von Thomas Lau am 15.03.10 um 12:24

 

Auf Bayern 3 gab's auch mal eine Sendung mit brauchbaren Konzerten, "Live aus dem Schlachthof", glaube ich. Das war allerdings "a long time ago, in a galaxy far away".

#2 von Ingo Juknat am 15.03.10 um 13:12

 

Und Stefan Raab hat manchmal wenigstens auch ein paar Stars am Start, die nicht nur totaler Mainstream sind... aber dafür ist ja da ansonsten eben die Sendung nicht mher richtig zu ertragen, nicht wahr ;-)

#3 von DJ Big H am 19.03.10 um 17:03

 

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