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The Hurt Locker

Heimkehr in den Krieg

Manchmal braucht man sich nicht zu wundern, wenn Filme untergehen. Dieser lief etwa eine Woche in den deutschen Kinos, unter dem maximal tumben Titel "Tödliches Kommando." Wer den besten (Anti-)Kriegsfilm seit "Black Hawk Down" sehen will, kann das nun immerhin in DVD-Form tun.

 

The Hurt Locker stammt von Kathryn Bigelow, die oft in Verbindung mit ihrem Ex-Ehemann James Cameron ("Titanic") genannt wird. Das ist ein bisschen ärgerlich, denn die beiden sind seit Ewigkeiten nicht mehr zusammen, und außerdem braucht Bigelow sicher keinen Paten, der ihre Werke aufwertet.

 

Andererseits ist es schon schade, dass Filme wie "Blue Steel" (1989), "Point Break" (1991) oder "Strange Days" (1995) nicht bekannter sind. Klügeres bekommt man im Thriller-/Actionsegment nicht oft zu sehen.

 

The Hurt Locker ist in vieler Hinsicht Bigelows ambitioniertester Film. Er spielt in Bagdad, wo wir der Arbeit einer Spezialeinheit zusehen, die Bomben entschärft. Diese stecken in Kofferräumen, in Kartoffelsäcken und im ekeligsten Fall auch mal in Leichen. Es ist ein Kampf von Fallenstellern und -entschärfern, und man kann The Hurt Locker durchaus als Dokumentation menschlicher Heimtücke lesen. Drehbuchautor Mark Boal weiß, wovon er schreibt – 2004 war er selbst als embedded journalist mit US-Truppen im Irak unterwegs. Einer seiner Artikel war außerdem Inspiration für Paul Haggis' ausgesprochen bewegenden Heimkehrerfilm "Im Tal von Elah" (2007).

 

Was The Hurt Locker von vielen Vorgängern unterscheidet, ist, dass er sich aus politischen Fragen weitgehend raushält. Für Sergeant Will James, die Hauptfigur des Films, ist der Irak Schlachtfeld und Arbeitsplatz in einem. Der Film beginnt nicht ohne Grund mit einem Zitat des bekannten Kriegsreporters Chris Hedges: "Der Nervenkitzel des Kampfes ist eine starke und oft tödliche Sucht. Denn Krieg ist eine Droge." Für James (Jeremy Renner) trifft das mit Sicherheit zu. Mehr als 800 Bomben hat er bereits entschärft und dabei eine gewisse Arroganz entwickelt, die bei seinen Teamkollegen nicht gut ankommt. Dabei zeigt der Film deutlich, dass Erfahrung in diesem Fall nicht dasselbe ist wie Routine.

 

Die Entschärfungsszenen sind so perfekt eingefangen, dass man als Zuschauer selbst hinter der nächsten Wand Deckung suchen will. Mit seinem Schutzanzug wirkt James wie der Besucher eines unwirtlichen, gefährlichen Planeten. Der Eindruck wird noch verstärkt durch die vielen Zuschauer, von denen nicht klar ist, worüber sie sich mehr freuen würden – über die Entschärfung der Bombe oder ihre Detonation. Die Einheimischen stehen auf Balkonen, hinter Gardinen, manche filmen für Youtube, manche halten Handys, die Zünder sein könnten. Oder auch nicht. Es ist eine Atmosphäre hundertprozentiger Unsicherheit.

 

Im Gegensatz zu seinen Teamkollegen Sanborn (Anthony Mackie) und Eldridge (Brian Geraghty) sehnt James das Ende seines Einsatzes nicht herbei. In einer Szene sehen wir ihn auf Heimaturlaub bei Frau und Kind. Bigelow filmt ihn wie jemanden, der in zivil verkleidet wirkt; zeigt ihn als Mann, der an der Cornflakes-Auswahl im Supermarkt, an der Banalität des Alltags, verzweifelt. An einer Stelle hält er seinem Sohn einen Springteufel hin. Das Baby lacht. "Ja, Du liebst alles, egal was," sagt James, "aber wenn Du älter bist, wirst Du merken, dass viele Dinge nicht so interessant sind, wie sie scheinen."

 

Am Ende meldet er sich freiwillig zurück. Die Bedeutung des Wortes "Kriegsheimkehrer" dreht sich um. James kehrt heim – in den Krieg, nicht aus ihm.

 

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The Hurt Locker, USA 2009, Regie: Kathryn Bigelow, 131 Min., ab 3. Dezember auf DVD, Trailer hier.

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2 Kommentare

Ja, traurig, dass solche Filme - nicht zuletzt wegen ihrer dümmlichen deutschen (Unter-)Titel - zum Scheitern im Kino verurteilt sind...

#1 von DJ Big H am 23.11.09 um 17:03

 

Nachtrag, 8.3. 2010:

Oscars "Bester Film", "Beste Regie", "Bestes Originaldrehbuch" für The Hurt Locker.

Gratulation!

#2 von Ingo Juknat am 08.03.10 um 13:13

 

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