
Schon möglich, dass uns The Next Uri Geller, Galileo Mystery und 100 Akte-X-Klone erspart geblieben wären, wenn es The Twilight Zone nicht gegeben hätte. Andererseits können gute Originale nichts für schlechte Epigonen. Als ich neulich alte Folgen der Twilight Zone sah, war ich jedenfalls erstaunt, wie gut diese Serie die Jahre überstanden hat. (Von den Trickeffekten mal abgesehen, um die es aber sowieso nicht geht.)
Die ursprüngliche Twilight Zone (1959-64) wurde in den USA bis in die 80er hinein wiederholt. Einige Folgen haben sich quasi ins kollektive Unterbewusstsein der Amerikaner eingegraben. "Nightmare at 20,000 Feet", zum Beispiel, mit William Shatner als Fluggast, der ein merkwürdiges Wesen auf der Tragfläche beobachtet, das außer ihm niemand sieht. Oder "Time Enough at Last" über einen Bankangestellten und Bücherwurm, der einen Atomkrieg im unterirdischen Tresor überlebt. Als er nach draußen geht, ist er der letzte Mensch auf Erden. In einer Bibliothek bereitet er sich darauf vor, den Rest seines Lebens ungestört zu lesen. Als er zum ersten Buch greift, stolpert er allerdings, die Brille fällt ihm vom Kopf und zerbricht unter seinen Füßen. Beide Folgen werden u.a. in den Simpsons parodiert.
Ironien und makabere Überraschungsenden wie diese waren typisch für die Twilight Zone. Unvergessen war auch Erzähler Rod Serling (1924-75), der sämtliche Folgen mit einer Botschaft verband, die im Ton eines unheimlichen Telekolleg-Lehrers vorgetragen war.
Die Hälfte alle TZ-Episoden stammten von ihm selbst, manche von renommierten Gastautoren wie Richard Matheson ("I am Legend", "The Incredible Shrinking Man") oder Ray Bradbury. Neben den Originaldrehbüchern wurde auch eine Reihe klassischer Kurzgeschichten verfilmt. Eine meiner Lieblingsfolgen aus dieser Kategorie ist "It's a Good Life" über einen unheimlichen Jungen, der per Gedankenkraft ein ganzes Dorf terrorisiert.
Den Einfluss der Twilight Zone kann man von frühen Nachfolgern wie The Outer Limits (1963-65) bis hin zu Serien wie Akte X, Millenium oder Lost verfolgen. In den 80ern wurde das Original für ein paar Jahre reanimiert. Wer sich die erstaunlich gute Neuauflage anschaut, entdeckt so manche Inspiration für andere Regisseure. In der Episode "Shatterday" etwa sehen wir Bruce Willis versehentlich bei sich selbst anrufen, nur um festzustellen, dass jemand zuhause ist – er selbst (oder sein Alter Ego). Der blasse "Mystery Man" in Lynchs Lost Highway lässt grüßen.
Wie auch immer. Danke für die gruseligen Stunden, Rod. In welcher Twilight Zone Du auch steckst.

2 Kommentare
Allein das Intro von "Twilight Zone" war so herrlich düster... ein Muss für jeden Fan subtilen Horrors... ;-)
#1 von DJ Big H am 16.10.09 um 16:46
Einfach genial - müsste dringend mal wieder irgendwo gezeigt werden!
#2 von balou1807 am 22.05.10 um 02:57