Zwei bemerkenswerte Filme aus Ländern, die im westlichen Sprachgebrauch als "Krisengebiete" gesehen werden, überzeugten am Sonntag in der Reihe "Border-Crossers and Trouble-Makers". Zwei Filme, die der Aufgabe dieses Screenings, persönliche und öffentliche Erinnerungen zu erleben, unterschiedlichst gerecht wurden.
Rabih Mroué erinnert sich in "Face A / Face B" seiner Kindheit im Bürgerkriegs-geplagten Libanon mit einfachen Mitteln: alten Schwarzweiss-Fotos und Audiokassetten, die man mit Freunden und der Familie austauschte, um sich die Neuigkeiten zu erzählen. Mroué schafft es nicht, Bilder und Töne übereinander zu legen: Entweder gibt es Fotos, die sowohl das heile Familienleben zeigen, aber auch Reaktionen des Bürgerkrieges. Oder es gibt die Geschichten von Familienklatsch, alltäglichen Ereignissen oder Kriegserlebnissen auf den Audiokassetten - banal, die dem dem Zuschauer aber einen tiefen Einblick in das Leben im Libanon vermitteln. Schließlich gelingt dem Regisseur in seinem 10minütigen Film noch das Wunder: Er tritt persönlich vor die Kamera, um mitzuteilen, dass zu seinem Trompetenspiel - "Rivers of Babylon" in einer gar gräuslichen Fassung - ein Foto von ihm mit Trompete gäbe. Also ein Happy End am Schluß? Nicht ganz, denn ein einfacher Text am Schluß teilt mit, dass alle, die ihre Erlebnisse auf den Audiotapes festgehalten haben, mittlerweile tot sind. Bis auf den Regisseur.
"POW 57187" ist Vihid Zara Zades Porträt eines irakischen Kriegsgefangenen, der seinen Status als Sträfling nie aufgegeben hat. Während seine Kameraden nach dem Fall Saddam Husseins versuchten, sich wieder im Privatleben einzurichten, lebt der "Kriegsgefangene 57187" immer noch in diesem - mittlerweile geschlossenen - Gefängnis, wo er Kunst seiner ehemaligen Mitgefangenen ausstellt und den Gefängnisalltag nachstellt, mit lebensgroßen Figuren in kleinen Diarahmen. Manchmal kommen Besucher, vor allem Schulklassen, um sich diese Geschichte ihres Landes anzuschauen. Meist allerdings ist der Alltag dieses Mannes ruhig und beschaulich, im Gegensatz zur Kaserne in der direkten Nachbarschaft. Ein Mensch, der es nur schafft, diesen Teil seiner Vergangenheit zu bewältigen, indem er ihn täglich neu erlebt. Und der in der stetigen Angst lebt, dass sein "Museum" irgendwann einer anderen Bestimmung weichen muss und seine Figuren, aus billigsten Materialien wie Mullbinden und Gips gefertig, einen Transport nicht überleben würden. Und der"Prisoner of War 57187" auch nicht.

Sie können diesen Beitrag kommentieren!