
nun mal zum original, während das remake in den kinos läuft.
im vorspann ist den darstellerinnen jeweils ein tier zugeordnet:
normal shearer = mrs. stephen haines ist ein reh. joan crawford = crystal allen ist der leopard. rosalind russell = mrs. howard fowler (sylvia) ist eine schwarze katze. mrs. boland = the countess de lave (flora) ist ein affe. paulette goddard = miriam aarons ist ein fuchs. joan fontaine = mrs. john day ist ein schaf. lucile watson = mrs. morehead ist eine eule. phyllis povah = mrs. phelps potter ist eine kuh. virginia weidler = little mary ist - als tochter der hauptdarstellerin, folgerichtig ein rehkitz. marjorie main = lucy ist ein pferd.
entsprechend zugespitzt sind die charaktere in cukors "die frauen" gezeichnet. sie orientieren sich stark am image des jeweiligen tiers.
wie der titel schon nahelegt, geht es auf den ersten blick um frauen. es spielen ausschließlich frauen (130 sprechrollen) - und sie reden ausschließlich über männer. wer also "die frauen" als frauenfilm mißversteht, der irrt. die helden sind männer - auch, wenn sie nicht zu sehen sind.
das berühmteste zitat in "die frauen" (erst neulich hat es ernie reinhardt - der öffentlichkeit bekannt als lilo wanders - in ein ganz alltägliches gespräch eingebunden - ist der ausruf: "dschungelrot! ich war auch bei olga!"
olga, die geschwätzige maniküre, hat eine schlüsselfunktion im film. durch sie erfahren die damen der gesellschaft - eine nach der anderen - davon, dass der mann von mrs. haines eine affäre mit einer parfümverkäuferin hat.
einmal erfährt es auch, während olga ihr plappernd die nägel feilt, mrs. haines selbst. dschungelrot läßt mrs. haines sich die nägel dann nicht mehr lackieren. "danke. ich habe schon, was ich kriegen sollte."
es folgen taktische und strategische manöver, die sämtlichst - eine scheidung inbegriffen - den erhalt der ehe bzw. die wiedereroberung des an die parfümverkäuferin verlorenen mannes zum ziel haben.
1939 produzierte metro-goldwyn-mayer die komödie mit norma shearer (der damals sehr angesagten ehefrau des mgm-produktionschefs irving thalberg), joan crawford (die als schauspielerin mit shearer heftig konkurrierte) und rosalind russell (die den streit der beiden hauptdarstellerinnen nutzte, um sich selbst ins allergünstigste licht zu stellen) in den hauptrollen.
"die frauen" ist zickenkrieg pur. die klischees sind schmerzhaft überzogen, die dialoge haben sich zum teil gewaschen. die kostüme sind vom feinsten. der tonfall ist obertuntig.
"und wie geht es ihnen heut?“, fragt ein dienstmädchen am anfang. „ganz schlecht", sagt die dame der gesellschaft. "meine leiden wünsch ich nicht meiner ärgsten feindin."
tootsies unter sich.
paulette goddard, damals die heimliche ehefrau von charlie chaplin, spielt auch mit. eigentlich war sie 1939 eine der anwärterinnen auf die rolle der scarlett o’hara in "vom winde verweht" gewesen, konnte aber keine gültige heiratsurkunde vorzeigen und galt somit als nicht anständig genug für diese rolle. auch george cukor war für "vom winde verweht" angedacht, sogar schon verpflichtet, als regisseur nämlich, wurde aber kurz vor der filmpremiere zu "die frauen" entlassen. ich weiß nicht, warum. weiß das einer?
nicht nur die menschenrollen in "die frauen" sind weiblich besetzt, sondern auch die gezeigten tiere sind allesamt mädchen. ja, sogar die gezeigten kunstgegenstände und die bücher stammen von weiblicher hand. "nur" der regisseur ist ein mann.
der schwarzweißfilm enthält eine 10-minütige modenschau-szene in farbe. er ist für 15 euro auf dvd zu kaufen, eignet sich gut für die etwas fivol klingende zeit "zwischen den jahren" (ich selbst zum beispiel habe ihn mir von der einzigen person, die mich beschenken darf, zu weihnachten gewünscht) und dem remake "the women - von großen und kleinen affären" entschieden vorzuziehen.



26 Kommentare
Erinnert sei daran, dass es ja auch Theaterstücke gibt, in denen in Praesenz durchweg nur Frauenrollen vorkommen (obschon auch hier Männer in den direkten Äußerungen der Frauen Männer eine durchaus wichtige Rolle spielen): Federico García Lorcas "Bernarda Albas Haus". (Nur als komisch ist dieses Stück wohl nicht zu bezeichnen.)
Und bestimmten Personen zugeordnete Tiere zu Zwecken kennzeichnender Verfremdung kennen wir aus Franz Bleis kleinem Buch des Jahres 1923: "Das große Bestiarium der Literatur".
#1 von Günter Landsberger am 24.12.08 um 06:59
ad2: kennen wir? ich nicht. ;-)
#2 von Else Buschheuer am 24.12.08 um 11:38
George Cukor wurde die Regie entzogen weil sich Clark Gable weigerte mit einem "Frauen-Regisseur" zu arbeiten. Er befürchtete dass Cukors einziger Fokus auf den Frauenrollen liegen würde.
#3 von Michaela am 24.12.08 um 11:53
und laut wikipedia war gable mit victor fleming befreundet.
alles hier nachzulesen http://de.wikipedia.org/wiki/George_Cukor
#4 von Maria Krämer am 24.12.08 um 13:57
ach, echt? ich dachte, gable wäre cooler gewesen.
#5 von Else Buschheuer am 24.12.08 um 13:57
nein, ich glaube, gable war eher nicht so cool. der gehörte eher zu denen, die sehr auf die meinung anderer achteten. dazu passt auch die groteske geschichte um seine uneheliche tochter.
#6 von Maria Krämer am 24.12.08 um 22:19
Oh ja. Das Kind von Loretta Young, das Mädchen das genauso aussieht wie Clark Gable. Quasi der Vorläufer der Boris Becker Besenkammer Geschichte.
#7 von Michaela am 25.12.08 um 08:41
ad6/6: stimmt... *sieht im geiste ein pomadiges, schnurrbärtiges baby aus einem kinderwagen lugen*...
#8 von Else Buschheuer am 25.12.08 um 09:57
Wir wär's mit der Sammlung: Berühmte Mundbrüter?
#9 von Olram X am 25.12.08 um 10:00
@9: Halten Sie Ihre Apostrophe im Zaum...
#10 von TimWest am 25.12.08 um 15:51
ad10: Können Sie noch 'nen Kalender gebrauchen?
#11 von Olram X am 25.12.08 um 17:01
ad 7/8: Die abstehenden Ohren des Mädchens waren besonders verräterisch.
#12 von Maria Krämer am 25.12.08 um 20:09
Ich find die Ähnlichkeit auch heute noch frappierend:
http://s6.photobucket.com/albums/y207/AGriffey/8%20blog%20pictures/JudyLewis.jpg
#13 von Michaela am 25.12.08 um 20:45
ad10: sein sie nicht so ping'e'lig ;-)
#14 von Else Buschheuer am 25.12.08 um 22:26
13: die mutter ist nicht zufällig lauren bacall?
#15 von Else Buschheuer am 25.12.08 um 22:26
Es lebe das Hochkomma!
#16 von Olram X am 25.12.08 um 22:42
ad13: Ich hab in der letzten Zeit viele alte Filme geguckt und da überrascht's mich immer, wenn von den Kindern berühmter Leute die Rede ist, Hitchcocks Tochter z.B. und zack erscheint eine uralte Frau und fängt an zu erzählen. Strange.
#17 von Olram X am 25.12.08 um 23:21
...'na dann sei's drum...
#18 von TimWest am 25.12.08 um 23:24
@## 10 + 18:
Ich weiß gar nicht so recht, was Sie eigentlich monieren.
#19 von Matta Schimanski am 26.12.08 um 00:30
ad19: ich glaube, wärs statt wär's. da gilt dieselbe regel wie bei fürs statt für's. seltsam, manches ist sogar in meinem kopf hängengeblieben. und das, obwohl ich bildungsinkontinent bin.
#20 von Else Buschheuer am 26.12.08 um 00:39
obwohl, gilt die fürs-regel auch für wärs?
ich sag''''''s ja, bildungsinkontinent, ich (mitglied der apostrophilen selbsthilfegruppe)
#21 von Else Buschheuer am 26.12.08 um 00:43
ich besaß cukors "die frauen" nur als qualitativ schlechten deutsch synchronisierten fernsehmitschnitt, bin aber seit heute (es lebe das konkret bestellte weihnachtsgeschenk) im besitz einer kauf-dvd, die allerdings keine extras, sondern nur die deutsche und die englische fassung enthält.
zitat aus einer amazon-leserrezension:
"Die DVD ist zwar etwas lieblos gestaltet (das Foto auf der Cover-Rückseite gehört nicht zum Film) und bietet kein einziges Extra, aber die leuchtende Farbsequenz in der Mitte des Schwarz/Weiß-Films liegt hier endlich in wundervollem Technicolor-Glanz vor."
http://www.amazon.de/Die-Frauen-Norma-Shearer/dp/B0012IP798/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=dvd&qid=1230252716&sr=8-1
#22 von Else Buschheuer am 26.12.08 um 01:53
@#20/21:
Nein; "wär 's" steht umgangssprachlich für "wär es", wird also eigentlich mit Apostroph geschrieben (kann aber auch ohne stehen). Hingegen etwa "fürs" steht für die Verschmelzung von "für" mit dem bestimmten Artikel "das", wird also immer zusammengeschrieben.
#23 von Matta Schimanski am 26.12.08 um 01:57
jaaaa, so war''''s! beide möglichkeiten gehen! das delikt war also keins, sie haben recht.
#24 von Else Buschheuer am 26.12.08 um 02:08
@15 *lach* könnte man fast meinen. Aber ich find auf dem Foto sieht die Dame aus wie Gable in "Es begann in Neapel".
#25 von Michaela am 26.12.08 um 09:00
@19&24: Es ist im Grunde auch ein persönliches Ding...eine Allergie gegen die Apostrophierung jeglicher Abkürzungen..."was soll'''''''s"...
#26 von TimWest am 26.12.08 um 15:23