
der "baader-meinhof-komplex" ist ein film, zu dem offenbar jeder eine meinung hat, und jeder eine andere – nur ich nicht. zumindest schwanke ich hin und her und weiß nicht, geb ich ihm drei sterne oder vier.
ich sehe mich außerstande, mir ein urteil zu bilden, das man mit einem wort fällen kann. sehen sollte man ihn auf jeden fall. für mich zumindest ist es wesentlich interessanter, mir vorzustellen, was baader und ensslin im knast gesprochen haben, als hitler bei seiner letzten mahlzeit im führerbunker zuzuschauen.
hinterher war ich erst mal platt, überfahren von der wucht dieser geschichte, die mit der erschießung schleyers endet (dann stundenlang abspann...).
zum einen hatte ich beim schauen (der berlin-premiere) ein ständiges nick-bedürfnis, ein „so war es!“ gefühl, allein aus der tatsache heraus, dass ich 15 jahre vorher austs vorlage gelesen hatte, also bezog sich meine gefühlte bestätigung der „fakten“ allein darauf, dass der film genauso wie das buch ist, was sich ja allein schon auf dem umstand ergibt, dass es sich um eine verfilmung des buches handelt.
im nachklapp leuchtete mir sowohl frank schirrmachers lob als auch bettina röhls und christoph wackernagels kritik ein.
röhl zum beispiel sagt über martina gedeck, die immerhin ihre mutter spielte: „da fehlte die power, da fehlte das gift“ den eindruck hatte ich auch. ich hatte immer eine radikalere idee von meinhof und ihrer wandlung, sie erschien mir auch immer als die interessanteste aller raf-mitglieder der 1. generation, weil sie die reflektierteste war oder ich mir das zumindest so hingeredet hatte.
sie hat immerhin in einem einzigen spannungsgeladenen moment in der bibliothek bei der befreiung baaders entscheiden müssen, in den untergrund zu gehen oder im bürgerlichen leben zu bleiben – mit lebenslanger konsequenz.
und sie, die anfangs immer sagte „ich könnte meine kinder nie verlassen“, war wenig später bereit gewesen, sie komplett aufzugeben.
der ex-raf-terrorist christoph wackernagel sieht das anders als röhl; er findet, gedeck sei "die einzige figur, die wirklich vermittelt, was das problem an dem ganzen ist: nämlich etwas zu tun, was gegen die eigene überzeugung ist, weil man denkt, es geht nicht anders."
eichingers film hat elemente von james bond, musik, mord, intrige, nackte weiber. bettina röhl hat sicher recht, wenn sie moniert, dass moritz bleibtreu und martina gedeck mit ihren persönlichen sympathiewerten auf die terroristen ausstrahlen.
als in der berlin-premiere bleibtreu textzeilen wie „ihr dummen fotzen“ etc. zu sprechen hatte, gingen teile des männlichen publikums schenkelklopfend mit.
christoph wackernagel , dessen nichte oder cousine, weiß grad nicht, katharina jedenfalls, auch im film mitspielt, war auf der berliner premiere anwesend. er sagte hinterher in einer fernseh-sendung: „es geht hier weniger um mythos als um geld. es geht um die kohle. mich widert das an“.
das ist ein standpunkt.
mich stört weniger die kommerzialisierung des raf-plots als diese zwischenform von spielfilm, dokudrama und pseudo-geschichtsstunde, wie sie ja seit einigen jahren (flucht, tunnel, dresden, checkpoint charlie, wir sind das volk etc. pp.) angesagt ist. mich stört die glorifizierung der terroristen, die auf statisten zurechtgestutzten opfer mit ihren familien (sunnyi melles tritt im film ca. 20 sekunden auf, um dann beim drehen des zündschlüssels weggebombt zu werden),
mich stören die neuen deutschen filmstars, die nach dem motto "ich war auch drin" kleine terroristenrollen übernehmen, in denen sie dann schnittig rumballern und zuckend im kugelhagel sterben (lara maria schießmichtot), einen hysterischen weinkrampf im auto haben (hannah herzsprung) oder mal ne knarre halten dürfen (jasmin tabatabai).
bruno ganz ist (ganz *LOL*) gut, aber kann den "hitler" aus eichingers "untergang" nicht mehr abschütteln. wokalek, ohnehin eine der besten schauspielerinnen, die wir im moment haben, ist als ensslin grandios, sie setzt in wort und tat am besten um, was die terroristen zu mördern machte (dass es nämlich menschen gibt und schweine, und dass man die schweine erschießen kann). zum schminken hatte sie offenbar immer zeit, trotz hungerstreik, trotz isolationshaft. ihr lidstrich sitzt bis zum schluß.
der "baader meinhof komplex" startet am 25.9., also kommenden donnerstag, in den kinos.



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#1 von Partnervermittlung aber welche am 10.03.09 um 22:50