
acht oscar-nominierungen, der golden globe für daniel day-lewis und zwei silberne bären, das ist "there will be blood", den ich gestern sah, weil ich ihn auf der berlinale nicht geschafft habe.
ich gehe immer mit skepsis in filme, die so tief luft holen, aber gut. immerhin gibt es mit "giganten" und "written on the wind" zwei öldramen, die mich durchaus erreichen.
aber was mußte ich sehen? day-lewis, der sich 158 minuten lang hinter seinem schnurrbart versteckt, einen langen kiefer macht und, um sich einen manierismus zu verleihen, fortwährend mümmelt? auf diese rolle hat er sich angeblich zwei jahre vorbereitet! und er wird vermutlich einen oscar dafür kriegen. gut, es gibt modifikationen. er trägt unterschiedliche sachen, blinzelt mal in die sonne, mal ins feuer, mal in die nacht, ist mal schmutzig und mal sauber, aber sonst?
während der 15minütigen, vollkommen textfreien eingangssequenz hatte ich noch hoffnung. ab minute 16 ging es steil bergab.
unendliche langweile ergriff mich, als ich die „langen, ruhigen einstellungen, deren angestrengter kunstwille allerdings auf die dauer schwer erträglich ist“ (spiegel) sah, und ich sehnte mich nach unterhaltung im wahrsten sinne des wortes, sodass ich mit meinem nachbarn in ein lebhaftes gespräch geriet, was wiederum meinen hintermann zu recht sehr störte (an dieser stelle entschuldigung dafür!).
de ziehsohn von day-lewis, ejdsch dabbljuh, dermich an "das wunderkind tate" erinnerte, überzeugte mich ebenso wenig. auch der religiöse fanatiker eli blieb fremd und fern. keiner der helden war auch nur für den bruchteil einer sekunde sexy, einer war unsympathischer als der andere. auf wessen seite sich stellen, wenn ein konflikt sich formt, wenn ein duell sich ankündigt, wenn einem alles jacke wie hose ist?
in der letzten filmstunde wurde dann noch ein ebenfalls schnurrbärtiger angeblicher bruder von day-lewis ins rennen geschickt, mit dem ich dann gar nicht erst mehr versuchte, mich anzufreunden.
was um himmels willen gefällt den leuten an diesem film? (... unerbittlicher stilwille... brutale charakterstudie...moderner faust) und wie kann es kritikern in den sinn kommen, "there will be blood" mit "heaven's gate" oder gar mit stroheims "greed" zu vergleichen?
bitte um aufklärung!



29 Kommentare
auch sonst wundere ich mich des öfteren, was da häufig hochgejubelt wird, ob nun im bereich der literatur, der musik oder des films. aber man muss ja nicht draufreinfallen.
#1 von Günter Landsberger am 19.02.08 um 15:07
als ich den film nach der berlinale vorführung verließ, war ich sehr einsam mit meinem unverständnis über die jubelarien zu film und darsteller. im original ist das ganze noch anstrengender. die stimme von daniel day-lewis ist zuviel des guten und ich habe (trotz pressekonferenz) nicht verstanden, warum er die rolle so angelegt hat.
#2 von Juliette Guttmann am 19.02.08 um 15:26
Vielleicht des Kaisers neue Kleider?
#3 von christine am 19.02.08 um 16:44
aber die sind sind doch nicht alle bescheuert, die sind doch nicht alle von einer pr-maschinerie versklavt und vollkommen unterjocht. die finden den film doch wirklich gut. und ich möchte von mir nicht das gefühl haben, dass ich (wie auch bei "kirschblüten hanami") filme zufällig immer scheiße finde, die die mehrzahl der rezensenten lobt. ich zweifle nicht an meinem eigenen urteil, es ist ja subjektiv und unmaßgeblich, aber ich möchte auch nicht langfristig am urteil derer zweifeln müssen, auf deren ezensionen ich mich manchmal bereits in der vorauswahl eines filmes verlassen muß.
ratlos!
#4 von Else Buschheuer am 19.02.08 um 23:29
Also, mir gefiel der Film sehr gut
#5 von Konstanze am 20.02.08 um 08:38
@#6 Konstanze: Interessant. Ich kenne den Film noch nicht, werde ihn mir aber in den nächsten Tagen ansehen. Könnten Sie ein paar Gründe für Ihr positives Urteil nennen?
#6 von Revierflaneur am 20.02.08 um 09:34
#7 Revierflaneur
mir gefallen generell Geschichten, die die Auswirkungen von Industrie und Machtgier auf die Normalsterblichen zeigen – aber, die Stärke des Films liegt, meiner Ansicht nach, neben der brillanten schauspielerischen Darbietung Daniels Day-Lewis vor allem darin, dass er sehr authentisch die persönliche Tragödie eines Mannes zeigt, der dazu bestimmt war, Außerordentliches zu leisten, scheiterte aber an sich selbst und seinem Streben nach Macht - ein schreckliches, aber sehr realistisches Szenario. Naja, der Film muss aber nicht jedem gefallen, schließlich wurde er nicht für den Mainstream entworfen, und sich dementsprechend davon abhebt.
#7 von Konstanze am 20.02.08 um 10:44
das ist eben das traurige: er hebt sich nicht vom mainstream ab. diese art, kino zu machen, "geisterhaus", "aviator", "englischer Patient", demnächst "die liebe in den zeiten der cholera" - diese oppulente suppe, eine saga mit viel landschaft und verhärteten männergesichtenr in großaufnahme, ist von anfang an auf oscars und erfolg gedreht.schön, wenn er dabei noch die kleine gruppe derer mitnimmt, die gesellschaftskritik da rauslesen wollen.
#8 von Else Buschheuer am 20.02.08 um 10:59
#9 EB
der Satz "wenn er dabei noch die kleine Gruppe derer mitnimmt, die Gesellschaftskritik da rauslesen wollen" führt sich selbst ad absurdum, denn es gibt kaum ein Film, der sich nicht zumindest in irgendeiner Weise auf die gesellschaftliche Wirklichkeit übertragen lässt. Selbst wenn die realen Sachverhalte nicht hinterfragt werden, wird eine bestimmte Position erkennbar, gerade in dem Film „Das Geisterhaus“ ist die Gesellschaftskritik deutlich zu erkennen.
Deutscher Filmwissenschaftler Siegfried Kracauer sagte einmal: Filmkritiker von Rang ist nur als Gesellschaftskritiker denkbar. Folglich ist es die Aufgabe/Pflicht des Rezipienten, die sozial- sowie gesellschaftspolitische Dimension jedes einzelnen Filmes zu erkennen und zu deuten.
#9 von Konstanze am 20.02.08 um 12:13
#11 Konstanze
Hier wäre, um genau zu sein, Kracauer zu sehen in seiner Nähe und Ferne zur "Kritischen Theorie" der "Frankfurter Schule", in deren "Zeitschrift für Sozialforschung" er so manche seiner kleineren Aufsätze und Rezensionen veröffentlicht hat. In die Auseinandersetzung mit der "Frankfurter Schule" (Horkheimer, Adorno etc.) würde auch ein bisschen die Auseinandersetzung mit ihm hineingehören.
#10 von Günter Landsberger am 20.02.08 um 13:37
ad11: stimmt. korrekt wäre gewesen (und das meinte ich auch):
"... wenn er dabei noch die kleine gruppe derer mitnimmt, die gesellschaftskritik aus jedem film rauslesen wollen."
#11 von Else Buschheuer am 20.02.08 um 15:12
Warum Sie Zuckerman so fasziniert? Spontaner Gedanke: es ist die Sprache Roths
#12 von üllifan am 20.02.08 um 15:22
ad14: unter anderem. es sind aber auch die konsequenzen, die er zieht. und die inkonsequenz im umgang damit. und es ist noch was, was ich nicht beschreiben kann.
#13 von Else Buschheuer am 20.02.08 um 22:01
#12 Günter Landsberger
vielen Dank für Ihren Hinweis. Werde die Aufsätze zur kritischen Theorie von Max Horkheimer bei Gelegenheit lesen, und gegebenenfalls zur Vertiefung dieser Diskussion beitragen – aber zurzeit bin ich dringend darauf angewiesen, ausschließlich juristische Fachliteratur/Skripten zu lesen - die juristische Fachliteratur hilft jedoch bei ernsthafter Auseinandersetzung mit Inhalten und Zielen der Frankfurter Schule nicht unbedingt weiter - aber vielleicht im Sommer…
#14 von Konstanze am 21.02.08 um 08:37
#16 Konstanze:
Im Juristen (?) Alexander Kluge
z. B. kommen Literatur, Film und der Einfluss der Frankfurter Schule (Adorno; Oskar Negt) in einer Person zusammen.
Schon in seinen ersten Durchbruchsgeschichten
"Lebensläufe" (Anfang der 60er Jahre) merkt man das. Die kurze Geschichte "Anita G." aus dieser Erzählsammlung wurde zur Vorlage für Kluges sich bald anschließenden Film: "Abschied von gestern" (mit Alexander Kluges Schwester Alexandra in der Titelrolle). -
Für Ihre juristischen fachlichen Arbeiten (Handelt es sich um Prüfungsvorbereitungen?) wünsche ich Ihnen alles Gute und recht viel Erfolg.
#15 von Günter Landsberger am 21.02.08 um 12:45
#17 Günter Landsberger
vielen Dank! Ja, Examensvorbereitungen. Ich hatte noch niemals Prüfungsangst, aber jetzt habe ich sowas von Angst, von vielen Kommilitonen, und wiss. Assistenten hört man nur, es wird gesiebt ohne Ende, damit dann nur noch ein kleiner elitärer Absolventenkreis bleibt – obwohl, die Probeexamensklausuren fand ich zwar sehr anspruchsvoll, jedoch nicht übertrieben schwer – auf jeden Fall fair, und unserem Wissensstand angemessen.
#16 von Konstanze am 21.02.08 um 15:29
Ich hatte einmal einen Nachbarsjungen, etwas älter als ich, der sagte mir immer: "Warte erst einmal, bis du in die nächste Klasse kommst. Dann wirst du schon sehen, wie schwer das wird." Ein Jahr später war er in meiner Klasse. Er war sitzengeblieben und hatte fortan den gleichen Lernstoff zu absolvieren wie ich. Von da an konnte ich mich gleichzeitig von allem überzeugen und -, dass alles halb so wild war.
Sie aber, liebe Charlotte, werden sich gut vorbereiten und ein gutes Examen schaffen. Ein bisschen nervös dürfen sie vor den Prüfungen schon sein. Das ruft die nötige Anspannung hervor. Bedenken Sie: Zumal kurz vor den Theater-aufführungen sind gerade die guten Schauspieler... nie ganz ohne Lampenfieber.
Sie schaffen das schon. Ich drück' Ihnen die Daumen, dass es möglichst gut werden wird.
#17 von Günter Landsberger am 21.02.08 um 16:38
ad18: vielleicht mal mit der möglichkeit vertraut machen, dass es nicht das ende der welt wäre, auch nicht der gipfel der selbstsverwirklichung, (nicht) zu einem kleinen elitären absolventenkreis zu gehören.
nur für den fall. ich drücke natürlich trotzdem parallel zu landsberger die daumen, wenn es das ist, was sie wollen.
#18 von Else Buschheuer am 21.02.08 um 22:33
#19 Günter Landsberger
ich heiße Konstanze:-), aber vielen Dank, es wird schon werden.
#20 Else Buschheuer
Vielen Dank.
#19 von Konstanze am 22.02.08 um 08:23
Liebe Konstanze: Bedenken Sie eines - und nicht, dass mir der Lernfleiss darunter leidet: Jedem Dozenten, Prof. oder wie auch immer, ist in erster Linie daran gelegen, dass seine "Schützlinge" bestehen. Ich war selbst jahrelang als Dozent tätig und kann das zumindest von "meinem" Institut her beurteilen.
Regelmäßig kommt man so durch Prüfungen/Examen, wie man zuvor auch beim Drücken der Schulbank war.
Sie machen datt schon:-)
#20 von Ludger Heitmann am 22.02.08 um 10:47
#22 Ludger Heitmann
das juristische Staatsexamen in Deutschland stellt sehr hohe Anforderungen, finde ich. Die Studenten bereiten sich intensiv darauf vor, und dennoch erreichen nur wenige ein Prädikatexamen. Eigentlich unglaublich, wenn man sich so überlegt, während wir noch im ersten Staatsexamen stecken, sitzen unsere englischen Kollegen entweder bereits seit einem Jahr in den Kanzleien oder schreiben ihre Dissertationen. Naja, falls ich kein Prädikatexamen schaffe, werde ich mich wahrscheinlich nicht umbringen.
#21 von Konstanze am 22.02.08 um 13:52
#21 Konstanze:
Verzeihen Sie bitte meine diesmalige (versehentliche) Unterlassung. Unter #17 hatte ich Ihren Namen ja auch noch genannt.
#22 von Günter Landsberger am 22.02.08 um 15:16
#24 Günter Landsberger
mein Kommentar war nicht so gemeint:-), ist doch klar, dass Sie in #19 mich meinten. Sie haben sich aber verschrieben, in #19 I schreiben Sie: „Sie aber,liebe Charlotte…“, ich heiße aber Konstanze:-)
Ich wünsche Ihnen, und allen Kommentatoren ein wunderschönes, aufregendes, und erholsames Wochenende.
#23 von Konstanze am 22.02.08 um 16:47
#25 Konstanze:
Entschuldigung. Sie haben natürlich recht. Dieser Verschreiber ist mir völlig entgangen. Vielen Dank für Ihre Wochenendswünsche, die ich sehr herzlich erwidere.
#24 von Günter Landsberger am 23.02.08 um 05:51
Also nachdem ich jetzt hier alles gelesen habe, werde ich den Film nicht ansehen. Auch wenn er jetzt Oscars bekam.
#25 von Reiner Stock am 25.02.08 um 23:16
ad26: er hat immerhin 6 oscars weniger gekriegt als ich befürchtet hatte :-)
#26 von Else Buschheuer am 26.02.08 um 00:57
Mir hat der Film sehr gefallen und ich glaube, dass der Oscar P.T. Anderson völlig schnuppe ist. Hab ihn in Originalversion gesehen und mich nicht gelangweilt.
#27 von Maria Krämer am 28.02.08 um 23:48
ich kenne viele, denen er gefallen hat (sie meinen, es ist die deutsche synchronfassung, die langweile auslöst?). manchmal springt halt der funke nicht bei allen über. ich glaube, dass es anderson auch vollkommen schnuppe ist, ob ich seinen film mag. obwohl, herr anderson, falls ich mich irre und sie hier lesen: "magnolia" fand ich schön!
#28 von Else Buschheuer am 29.02.08 um 02:33
Ich hab ihn nur auf Englisch gesehen, kann das leider nicht beurteilen. Allerdings kann ich mir schwer vorstellen, wie man gerade die ersten Minuten synchronisiert haben mag. Es wird ja die erste Weile mal nicht viel geredet, außer zwischen Zähnen hervorgeflucht, trotzdem ist die Tonspur anfangs insgesamt mindestens genauso wichtig. Ich finde, dass der sinnliche Ausdruck des Films wunderschön komponiert ist, ich kanns leider nicht besser formulieren.
Wenn Day-Lewis anfangs mal stöhnt oder flucht, dann ist das gesetzt wie eine Note in einer Komposition. Trotzdem wirkt es nicht künstlich und bemüht - find ich.
Mit dem Oscar meinte ich nur, dass ich nicht glaube, dass Anderson irgendwas auf Oscar drehen würde. Natürlich wird er nach der Nominierung gespannt gewesen sein. Für mich auch völlig in Ordnung, dass er keinen Oscar bekommen hat. Was ich an allen seinen Filmen so mag, ist, dass er wirklich neue und vor allem gute Eindrücke hinterlässt. Anderson-Filme waschen einem irgendwie die Augen frei. Und ich find sie nicht gut, weil sie neu sind, sondern weil ich am Ende immer das starke Gefühl hab, dass das grade Kunst war.
Ich hatte bei diesem Film nie das Gefühl, in einem Film aus einer anderen Zeit zu sitzen. Ich hab auch die Charaktere als absolut nah und echt empfunden. Es war eine sehr schöne Erzählung.
Viele Leute, die ich kenne, fanden den Film nicht so toll. Manche erwarten von Anderson immer dieses "Neue", meiner Ansicht nach hat er es auch geliefert, nur vielleicht anders als erwartet. Bin sehr gespannt, welche Filme der in 20 Jahren dreht
#29 von Maria Krämer am 29.02.08 um 09:23