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    <title>www.westropolis.de/bernd.berke - Blog (RSS 2.0)</title>
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    <copyright>Bernd Berke</copyright>
    <pubDate>Mon, 15 Mar 2010 20:29:50 GMT</pubDate>
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      <title>www.westropolis.de/bernd.berke - Blog (RSS 2.0)</title>
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      <title>Wachsende Verbitterung</title>
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      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;Also schreibt Martin Walser: &amp;#8222;Ich schlug G&amp;uuml;nter vor, in ein Pornokino am Ku&amp;#8217;damm zu gehen. G&amp;uuml;nter wollte nicht. Ich habe Phantasie, ich geh doch in keinen Porno.&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Richtig geraten. Jener G&amp;uuml;nter ist G&amp;uuml;nter Grass. Nach einem langen Diskussionstag in der Berliner Akademie der K&amp;uuml;nste mochte er sich offenbar nicht &amp;#8222;unter Niveau&amp;#8220; entspannen. Oder war es die unverhoffte Gelegenheit, dem Marktkonkurrenten Walser &amp;#8222;Phantasielosigkeit&amp;#8220; zu unterstellen? Egal.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die l&amp;auml;ppische Episode begab sich im Mai 1976 und ist in Martin Walsers Tageb&amp;uuml;chern verzeichnet. Er h&amp;auml;tte die Passage, in der Grass vermeintlich &amp;#8222;besser wegkommt&amp;#8220; als er selbst, gewiss nicht in den neuen Band aufnehmen m&amp;uuml;ssen. Doch er hat es getan. Auch sonst ging er in den jetzt erschienenen Tageb&amp;uuml;chern der Jahre 1974-1978 nicht gerade schonend mit sich um. Seine Wahrheit muss heraus. Mit anderen Worten: Dies ist ein notwendiges Buch.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Man kann hier noch einmal tief in den Kultur- und Literaturbetrieb der 70er Jahre eintauchen, als Autoren wie Grass und Walser, Max Frisch, Heinrich B&amp;ouml;ll, Uwe Johnson und Hans Magnus Enzensberger die hiesigen Debatten pr&amp;auml;gten. Als dominanter Pr&amp;auml;zeptor des Betriebs, ja als geradezu mythische Gestalt &amp;#8211; jedoch mit manchen menschlichen Schw&amp;auml;chen &amp;#8211; erscheint der offenbar allzeit virile Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld, der sich au&amp;szlig;erehelich gern mit ausgesprochen jungen Gespielinnen schm&amp;uuml;ckte wie nur je ein &amp;#8222;Pate&amp;#8220;. Auf &amp;auml;hnlichen Anh&amp;ouml;hen thronte Max Frisch, den Walser als eitlen Altvorderen schildert. Und Enzensberger? War demzufolge ein Hallodri. Das durfte man erwarten.&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;Doch hier geht es weder um Tratsch noch um blo&amp;szlig;es name dropping. Das hat Walser wahrlich nicht n&amp;ouml;tig. Er hat die meisten Kulturschaffenden (und Politiker), die er erw&amp;auml;hnt, sehr gut gekannt und wei&amp;szlig; Treffliches &amp;uuml;ber sie mitzuteilen. Dabei werden Strukturen und Mechanismen des Betriebs blo&amp;szlig;gelegt. So erf&amp;auml;hrt man einiges &amp;uuml;ber Mauscheleien im Vorfeld wichtiger Literaturpreise, &amp;uuml;ber bezeichnende Interna des Leitfossils Suhrkamp-Verlag oder &amp;uuml;ber die teilweise geh&amp;auml;ssige Konkurrenz zwischen Schriftstellern.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Auch Walser ist nat&amp;uuml;rlich nicht g&amp;auml;nzlich frei von Anwandlungen der Missgunst. Mehrfach l&amp;auml;sst er Futterneid just auf Grass durchblicken, der f&amp;uuml;r Lesungen deutlich h&amp;ouml;here Honorare kassierte und zudem h&amp;ouml;here Prozentanteile an Buchverk&amp;auml;ufen einstrich. Im Zuge der damaligen Tendenzwende (Zur&amp;uuml;ckdr&amp;auml;ngung linker Positionen w&amp;auml;hrend des deutschen RAF-Terrorherbstes) fallen auch bissige Bemerkungen etwa &amp;uuml;ber Peter Handke, der sich auf &amp;#8222;wahre Empfindung&amp;#8220; kapriziert, w&amp;auml;hrend Walser seinerzeit immer noch im Umfeld der DKP (deren Mitglied er nie war) angesiedelt wird. Dabei ist auch er l&amp;auml;ngst in andere Richtungen unterwegs.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Allerdings plagt sich Walser mit einer typischen 70er Jahre-Bef&amp;uuml;rchtung, n&amp;auml;mlich der, dass er als Hauseigent&amp;uuml;mer zu den verhassten Besitzenden gez&amp;auml;hlt werden k&amp;ouml;nne.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Andererseits treiben den doch einigerma&amp;szlig;en arrivierten Autor st&amp;auml;ndige, kleinm&amp;uuml;tig (und kleinb&amp;uuml;rgerlich) anmutende Geldsorgen um. Zitat: &amp;#8222;B&amp;ouml;ll und Grass haben ihre enormen Geldreserven. Ich habe nichts.&amp;#8220; Jeder selbst bezahlte Hotelaufenthalt und erst recht ein Autokauf bereiten ihm Kopfzerbrechen. Will sich etwa jemand dar&amp;uuml;ber mokieren? Wer steht schon f&amp;uuml;r alle Zeit auf sicherem Grund?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Den bleiernen Schwerpunkt des Bandes bildet denn auch ein existenzgef&amp;auml;hrdender Vorgang, bei dem Walser &amp;uuml;bel mitgespielt worden ist, und zwar vom damaligen FAZ-Literaturchef Marcel Reich-Ranicki. Der hat am 27. M&amp;auml;rz 1976 Walsers Roman &amp;#8222;Jenseits der Liebe&amp;#8220; total verrissen, ja geradewegs verbal zerfetzt und dabei die literarische Eignung Walsers grunds&amp;auml;tzlich in Zweifel gezogen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Walser protokolliert in jenen Tagen, Wochen und Monaten seine nachhaltige Verbitterung. In der Rezension Reich-Ranickis glaubt er einen veritablen Vernichtungswillen zu sp&amp;uuml;ren. Der Kritiker wolle ihn, Walser, &amp;#8222;heraus haben&amp;#8220; aus der Literatur. Daran arbeitet sich Walser m&amp;uuml;hsam ab - zwischen Selbstzweifeln, Selbstzerfleischung und Selbstbehauptung, zwischen Rachedurst, Verfolgungswahn und aufblitzenden Selbstmordgedanken. Seine n&amp;auml;chste Begegnung mit Reich-Ranicki stellt er sich im Tagebuch so vor: &amp;#8222;Ich sage Ihnen also, dass ich Ihnen, wenn Sie in meine Reichweite kommen, ins Gesicht schlagen werde.&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Martin Walser erhielt damals etliche Solidarit&amp;auml;tsbekundungen, so auch vom Freund J&amp;uuml;rgen Habermas. Doch so gut wie niemand von medialem Belang wagte es, Reich-Ranicki &amp;ouml;ffentlich zu widersprechen. Besonders entt&amp;auml;uscht ist Walser &amp;uuml;ber sozusagen schulterklopfende Gro&amp;szlig;kritiker wie Joachim Kaiser (&amp;#8222;S&amp;uuml;ddeutsche Zeitung&amp;#8220;) und Rolf Michaelis (&amp;#8222;Die Zeit&amp;#8220;), die ihre Ablehnung in fadenscheinige Komplimente kleiden.&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;Walser kommt immer wieder auf seine notorischen Bauchschmerzen zu sprechen. Psychosomatische Symptome? Wer wei&amp;szlig;. Jedenfalls vernimmt man einen Grundton des Verzagens, wechselnd mit&amp;nbsp; trotzigen Wallungen und nur gelegentlichem &amp;Uuml;bermut, der auf versch&amp;uuml;ttete Lebenslust schlie&amp;szlig;en l&amp;auml;sst. Erst ein mehrmonatiger Arbeitsaufenthalt in West Virginia/USA bringt Linderung durch Distanz.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das Ganze ist kein geringes Lehrbeispiel f&amp;uuml;r Rezensenten aller Kunstgattungen, denn hieran l&amp;auml;sst sich ermessen, was eine r&amp;uuml;cksichtslose Kritik mit einem Autor machen kann. Sie kann ihm schlimmstenfalls an die Lebensgeister gehen. Diese Feststellung ist beileibe kein Pl&amp;auml;doyer f&amp;uuml;r lediglich ergriffen nachzeichnende &amp;#8222;Kunstbetrachtung&amp;#8220;, wohl aber eine Mahnung zum Anstand. Auch entschiedenste Kritik sollte ihre Grenzen kennen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das rastlose Leben auf Lesetourneen (deprimierende Hotels, Provokateure im Publikum usw.) h&amp;auml;lt nur selten Trost bereit. Walsers auff&amp;auml;llige Marotte: Wie ein akribischer Kursbuchhalter nennt er all die An- und Abfahrtzeiten der Z&amp;uuml;ge, die er benutzt. Seine nerv&amp;ouml;sen Zettel-Kritzeleien, deren Faksimiles den ganzen Band durchziehen, zeugen in kryptischer Form von seelischen Aufregungen (mit einem damals entstehenden Walser-Romantitel gesagt: von &amp;#8222;Seelenarbeit&amp;#8220;), sie geben dem Leser zudem das Gef&amp;uuml;hl einer gro&amp;szlig;en N&amp;auml;he zum Entstehungsmoment der Notizen. Ein sinnreicher Kunstgriff dieser Edition, die im Anhang aufschlussreiche Erl&amp;auml;uterungen zum zeitgeschichtlichen Kontext enth&amp;auml;lt. Der vielleicht einzige Schwachpunkt des Prim&amp;auml;rtextes sind pseudo-lyrische Einsprengsel. Walser war und ist kein Lyriker. Er hat gut daran getan, sich anders zu orientieren.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Zauber der N&amp;auml;he in vertrauter Region, heilsame Verwurzelung: Penibel h&amp;auml;lt der in literarischer Fron weltweit gereiste Walser fest, bis zu welchem Punkt er jeweils im heimischen Bodensee hinausgeschwommen ist. Und was der zuweilen arg besorgte Vater von vier T&amp;ouml;chtern &amp;uuml;bers Famili&amp;auml;re &amp;auml;u&amp;szlig;ert, ist auch nachtr&amp;auml;glich interessant. Franziska, Johanna, Alissa und Theresia Walser haben schlie&amp;szlig;lich ihre je eigenst&amp;auml;ndigen Wege als Autorinnen und beim Schauspiel (Franziska) beschritten. Es gibt bewegende Stellen in diesem Buch, die besagen, dass das Wachsen und Werden der Kinder Walser mindestens ebenso wichtig ist wie die eigenen Werke. Beispielsweise diese Aufzeichnung vom 31.8.1975:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Die einzige Freude, die ich hatte, sind die Kinder. Wenn es zweien von diesen vieren gut ginge, k&amp;ouml;nnte ich im Anschauen dieses Gutgehens meine restliche Zeit verbringen&amp;#8230;&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;Martin Walser: &amp;#8222;Leben und Schreiben. Tageb&amp;uuml;cher 1974-1978&amp;#8220;. Rowohlt Verlag. 591 Seiten, 24,95 Euro.&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 10pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;________________________________&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eigenes Foto zeigt drei Walser-Tagebuchb&amp;auml;nde aus dem Rowohlt Verlag. Links die Aufzeichnungen 1963-1973, in der Mitte 1951-1962, rechts der jetzt erschienene Band (1974-1978).&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;________________________________&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Foto in der Leiste: Detail des Lenk-Brunnens (siehe Kommentar #5) in Konstanz (Bild: Bernd Berke)&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Mon, 15 Mar 2010 20:29:50 GMT</pubDate>
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      <title>Schön wortkarg</title>
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      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Nur selten ist Pathos mit allerlei verbalen Girlanden und Tremolo angebracht. H&amp;auml;ufiger Gebrauch bedeutet allemal Entwertung, wenn nicht gar hohl t&amp;ouml;nendes Geschw&amp;auml;tz.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wenn etwas in wenigen, knapp gesetzten Worten aufblitzt, so ist das meist wirksamer. Dies macht auch den Reiz gelungener Werbeslogans aus. Siehe Foto.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Apropos Fisch. Ein sch&amp;ouml;nes Beispiel f&amp;uuml;r lakonischen Witz ist auch die &amp;Auml;u&amp;szlig;erung des legend&amp;auml;ren Langstreckenl&amp;auml;ufers Emil Zatopek, der sein Metier so trennscharf umrissen hat:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;#8222;Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch l&amp;auml;uft.&amp;#8220;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mehr muss man nicht sagen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Noch ein Ausspruch dieser erhellend knappen Sorte, der aus einem Interview mit Marlene Dietrich stammt. Ihre drei Worte taugen als Lebensmotto:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;#8222;Hingehen, machen, weggehen.&amp;#8220;&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mehr muss man nicht sagen. Mehr muss man nicht tun.&lt;/p&gt;&amp;nbsp;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Fri, 05 Mar 2010 12:38:17 GMT</pubDate>
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      <title>Retten, was zu retten ist</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/60195/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Heute vor genau einem Jahr ist das K&amp;ouml;lner Stadtarchiv in der Severinstra&amp;szlig;e eingest&amp;uuml;rzt. Historische Sch&amp;auml;tze sind in Wasser und Bauschutt versunken. Zwei Menschen starben bei dem unfassbaren Ungl&amp;uuml;ck. &amp;Uuml;berdies war es eine kulturelle Katastrophe von europ&amp;auml;ischer Bedeutung, denn es handelt(e) sich um das gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Kommunalarchiv n&amp;ouml;rdlich der Alpen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Um die Schuldfrage wird noch juristisch gestritten. Grandiose Schlamperei beim U-Bahn-Bau scheint das Mindeste zu sein, was man hier konstatieren muss. Durchaus denkbar, wenn nicht h&amp;ouml;chst wahrscheinlich, dass noch weitaus Schlimmeres herauskommt. Man wird sehen. Und hoffentlich die richtigen Konsequenzen ziehen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Was aber ist seit M&amp;auml;rz 2009 geschehen, um trotz allem m&amp;ouml;glichst viele Archivg&amp;uuml;ter zu retten? Einiges. Doch im Grunde noch viel zu wenig. 6300 Personenjahre, so sch&amp;auml;tzt man grob, sind f&amp;uuml;r die Restaurierung erforderlich. Das hie&amp;szlig;e theoretisch: Ein Restaurator m&amp;uuml;sste sich 6300 Jahre lang eingehend k&amp;uuml;mmern - oder 6300 Experten w&amp;auml;ren ein Jahr lang besch&amp;auml;ftigt. Beides ist nat&amp;uuml;rlich in jeder Hinsicht unm&amp;ouml;glich.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Dass immerhin 85 Prozent aller K&amp;ouml;lner Archivbest&amp;auml;nde &amp;quot;geborgen&amp;quot; werden konnten, hei&amp;szlig;t noch gar nichts. Denn damit ist noch nichts &amp;uuml;ber den vielfach kl&amp;auml;glichen Zustand von Zeitdokumenten aus allen Epochen seit dem Jahr 922 gesagt. 50 Prozent aller Akten sind mittelschwer, weitere 30 Prozent sogar schwerstens in Mitleidenschaft gezogen. Wo soll man da anfangen?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Jetzt gab der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in M&amp;uuml;nster einen kleinen Einblick in seinen Anteil an den Rettungsversuchen. Das unter LWL-Regie arbeitende Westf&amp;auml;lische Archivamt ist eines von bundesweit 19 &amp;quot;Asyl-Archiven&amp;quot;, in denen man den K&amp;ouml;lner Kollegen bereitwillig hilft.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Spr&amp;ouml;des Zahlenwerk: Etwa 26 Tonnen Archivgut in 109 Gitterboxen (ca. 500 laufende Regalmeter von insgesamt 30 Kilometern) aus K&amp;ouml;ln befinden sich vor&amp;uuml;bergehend in M&amp;uuml;nsteraner Obhut. Westf&amp;auml;lische Projekte wurden vertragt, um den Rheinl&amp;auml;ndern kollegial beizuspringen. Daf&amp;uuml;r hat sich die LWL-Kulturdezernentin Barbara R&amp;uuml;schoff-Thale eingesetzt.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Zun&amp;auml;chst wurden die teilweise immens ramponierten, vorerst nur notd&amp;uuml;rftig gereinigten Best&amp;auml;nde von einer Spezialfirma in Everswinkel (M&amp;uuml;nsterland) schockgefroren, um den fortschreitenden Verfall zu stoppen. In diesem Zustand kamen sie ins Archivamt, wo sie wiederum gefriergetrocknet werden - &amp;auml;hnlich wie etwa Gem&amp;uuml;se oder Instant-Kaffee. Im zus&amp;auml;tzlich erzeugten Vakuum wird das Eis gasf&amp;ouml;rmig und kann abgesaugt werden. Auf diese Weise wird Feuchtigkeit entzogen, die vor allem historischen Papieren arg zugesetzt hat.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Erst nach der Gefriertrockung kann nach und nach die m&amp;uuml;hselige Reinigung beginnen. Dabei m&amp;uuml;sse die Mitarbeiter vor dem Schimmel gesch&amp;uuml;tzt werden m&amp;uuml;ssen, der sich in etlichen Dokumenten festgesetzt hat. Eine heikle Angelegenheit, f&amp;uuml;r die man teure Ger&amp;auml;te braucht.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Chefrestauratorin Birgit Geller f&amp;uuml;hrt vor, wie sie mit der B&amp;uuml;rste eine Zeitschrift von 1960 (&amp;quot;Frankfurter Illustrierte&amp;quot;) behutsam von aggressiv alkalischem Staub befreit. Ist diese Zeitschrift denn sonderlich wichtig? Nun, sie k&amp;ouml;nnte zum in K&amp;ouml;ln verwahrten Nachlass von Heinrich B&amp;ouml;ll geh&amp;ouml;ren...&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Weiteres unscheinbares Beispiel: Ein schadhaftes, allseits eingerissenes Foto zeigt den damaligen Bundespr&amp;auml;sidenten Walter Scheel beim Bonner Presseball 1975. Wie viele weitere Abz&amp;uuml;ge gibt es davon? Befinden sich irgendwo noch Negative? Oder ist es mittlerweile ein unersetzliches Unikat?&lt;/p&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Erst wenn nun die K&amp;ouml;lner Archivare ausschw&amp;auml;rmen und ihre Bestandslisten mit den Asyl-Inhalten vergleichen, d&amp;uuml;rften sich solche Fragen kl&amp;auml;ren. Dann sollen endlich auch detaillierte Priorit&amp;auml;ten gelten: Was muss zuerst ganz dringlich gerettet werden, was kann warten?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Allein die vollst&amp;auml;ndige Erfassung d&amp;uuml;rfte noch rund drei bis f&amp;uuml;nf Jahre dauern. Ganz gleich, ob man jetzt per Zufalls-Stichprobe mittelalterliche Handschriften, historische B&amp;uuml;cher, Akten oder eben Fotos in Augenschein nimmt: Es m&amp;ouml;chte einem schier das Herz bluten. Man vermag sich als Laie kaum vorzustellen, dass und wie all diese Zeitzeugenschaft in einen gebrauchsf&amp;auml;higen Zustand zur&amp;uuml;ckversetzt werden kann. Von einer Herkules-Aufgabe zu reden, scheint fast noch untertrieben.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mit archivarischem Galgenhumor spricht man mittlerweile von &amp;quot;K&amp;ouml;lnisch Wasser&amp;quot;, wenn&amp;#39;s um die N&amp;auml;sse geht, und von &amp;quot;K&amp;ouml;l(l)n-Flocken&amp;quot;, wenn man zerfetztes Papier beschreiben will. Zahlreiche Schriftst&amp;uuml;cke m&amp;uuml;ssten wie ein Puzzle wieder zusammengesetzt werden. Eine Aufgabe f&amp;uuml;r Generationen. Gesch&amp;auml;tzte Gesamtkosten: eine halben Milliarde (!) Euro.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;LWL-Archivamtsleiter Marcus Stumpf will und darf sich nicht damit tr&amp;ouml;sten, dass seit dem K&amp;ouml;lner Ungl&amp;uuml;ck Archive generell mehr ins &amp;ouml;ffentliche Bewusstsein ger&amp;uuml;ckt sind. Doch man k&amp;ouml;nnte sich die Aufmerksamkeit zunutze machen und st&amp;auml;rker auf Pr&amp;auml;vention setzen. Stumpf: &amp;quot;Anforderungen an sachgerechte Archivgeb&amp;auml;ude d&amp;uuml;rfen nicht dem Rotstift zum Opfer fallen.&amp;quot; F&amp;uuml;r etwaige k&amp;uuml;nftige Ungl&amp;uuml;cksf&amp;auml;lle w&amp;uuml;nscht er sich ein Netz aus archivarischen &amp;quot;Notfall-Verb&amp;uuml;nden&amp;quot;, das nicht nur in NRW gekn&amp;uuml;pft werden soll.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Regelm&amp;auml;&amp;szlig;ige Fortbildung kann bei all dem nicht schaden: Damit nicht - wie fr&amp;uuml;her zuweilen geschehen - ahnungslose Archivkr&amp;auml;fte bei Feuchtigkeitssch&amp;auml;den den F&amp;ouml;n anwerfen oder das durchn&amp;auml;sste Archivgut zum Trocknen auf sonnigen Wiesen ausbreiten...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;_________________________________&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bild oben und 1. Bild in der Leiste zeigen besch&amp;auml;digtes K&amp;ouml;lner Archivgut in M&amp;uuml;nster, auf dem 2. Bild in der Leiste sind zu sehen (von links): LWL-Kulturdezernentin Barbara R&amp;uuml;schoff-Thale, LWL-Archivamtsleiter Marcus Stumpf und Chefrestauratorin Birgit Geller.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;(Foto: Bernd Berke)&lt;/p&gt;&amp;nbsp;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Wed, 03 Mar 2010 17:20:55 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
      <dc:date>2010-03-03T17:20:55Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Wer sich an Dekadenz aufgeilt</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/60122/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Der Schriftsteller Gerhard Henschel, der sonst schon mal ausgiebig in pers&amp;ouml;nlich gef&amp;auml;rbten Erinnerungen schwelgt (&amp;#8222;Kindheitsroman&amp;#8220;, &amp;#8222;Jugendroman&amp;#8220;), hat sich diesmal auf anderes Terrain begeben. Dabei geht er abermals aufs Ganze: Sein neues opus magnum hei&amp;szlig;t &amp;#8222;Menetekel&amp;#8220;, ist so fu&amp;szlig;notenreich wie eine veritable Doktorarbeit und verhandelt laut Untertitel nicht weniger als &amp;#8222;3000 Jahre Untergang des Abendlandes&amp;#8220;.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Mit Hunderten und Aberhunderten von markanten bis monstr&amp;ouml;sen Zitatstellen f&amp;uuml;hrt der flei&amp;szlig;ige Sammler Henschel vor, dass es in allen, aber auch wirklich allen Epochen Kulturpessimisten und Apokalyptiker der finsteren Sorte gegeben hat. Mit sozusagen erektil anschwellender Phantasie, die selten von eigener Erfahrung ges&amp;auml;ttigt war (erst recht nicht von lustvoller), malten sie den bevorstehenden Untergang in grellsten Farben aus; vorzugsweise, indem sie den angeblichen Verfall der sexuellen Sitten in m&amp;ouml;glichst drastischer Behauptungs-Prosa schilderten.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die gestrengen Beobachter gaben sich gern den Anschein, als h&amp;auml;tten sie h&amp;ouml;chstselbst jeden Vorhang gel&amp;uuml;ftet, um ihn sodann mit erg&amp;ouml;tzlichem Ekel zuzuziehen. Nicht nur Henschels virulenter Verdacht: Sie geilten sich an den Objekten der eigenen Emp&amp;ouml;rung auf, vielleicht gar insgeheim mit onanistischen Absichten. Oft genug aber auch mit kriegerischen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Auf der Suche nach dem vermeintlich goldenen Zeitalter, das sie alle als heilsamen Kontrast beschworen haben, begibt sich Henschel historisch immer weiter zur&amp;uuml;ck. Geradezu komischer Effekt dieser &amp;#8222;Fr&amp;uuml;her-war-alles-besser&amp;#8220;-Retrospektive: In der jeweils vorherigen, angeblich noch so idyllischen und sittsamen &amp;Auml;ra finden sich stets sehr &amp;auml;hnliche Klagen &amp;uuml;ber Dekadenz. Und so weiter und so fort - zur&amp;uuml;ck bis zum Anbeginn der schriftlich &amp;uuml;berlieferten geschichtlichen Zeit&amp;#8230;&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Auf Dauer ger&amp;auml;t der Chor all der erzkonservativen Mahner ein wenig monoton, denn die Grundmuster ihrer jammervollen Klagen sind einander ziemlich &amp;auml;hnlich. Davon l&amp;auml;sst sich Henschel leider anstecken, indem er all diese ausf&amp;uuml;hrlichst zitierten Positionen hernach mit der immergleichen, triefenden Ironie kurz und knapp abwatscht. Genauere Analyse &amp;uuml;berfl&amp;uuml;ssig. Tenor: Diese Leute waren sexuell frustriert, haben auch anderen Menschen keine Lebens- und Liebesfreude geg&amp;ouml;nnt und sich just daher die tollsten, w&amp;uuml;stesten Orgien ausgemalt, um sie den verhassten Feinden (Franzosen, Slawen, Juden etc.) zuzuordnen, sie mit (meist rechtslastigem) Furor zu verdammen und im Extremfall zur Ausmerzung aufzurufen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Nicht immer treffen Henschels knappe Bemerkungen exakt den Kern der Verh&amp;auml;ltnisse. Zuweilen reicht ihm ein satirisches Zitat, um h&amp;ouml;here Wahrheit wider die aufget&amp;uuml;rmte Dummheit leuchten zu lassen, doch diese simple Methode verf&amp;auml;ngt nicht in jedem Falle. Auch verwirft Henschel jederlei Kritik an der permissiven Gesellschaft kurzerhand als lustfeindlich. So einfach ist das denn doch nicht.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Aufschlussreich herausgearbeitet sind hingegen h&amp;auml;ufig wiederkehrende &amp;#8222;Argumentations&amp;#8220;-Figuren wie das perfide Ausspielen einer deutschen/germanischen &amp;#8222;Kultur&amp;#8220; gegen die niedere &amp;#8222;Zivilisation&amp;#8220; vornehmlich der s&amp;uuml;ndigen Franzosen. Hier erlaubt schon die schiere F&amp;uuml;lle der Zitate manchen erhellenden Quervergleich. Aus ungeahnt aktuellen Gr&amp;uuml;nden ist es auch verdienstvoll, dass Henschel das gel&amp;auml;ufige Gerede von der &amp;#8222;sp&amp;auml;tr&amp;ouml;mischen Dekadenz&amp;#8220; stark relativiert. Von Guido Westerwelles ahistorischem Gefasel konnte er beim Verfassen des Textes noch nichts ahnen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Die 14 Kapitel des Buches sind freilich von schwankender Qualit&amp;auml;t. Die &amp;uuml;belsten &amp;#8222;Franzosenfresser&amp;#8220;, Antisemiten und Faschisten werden in den Orkus gesto&amp;szlig;en, in den sie geh&amp;ouml;ren. Doch das gleiche Schicksal ereilt auch einen S&amp;auml;ulenheiligen der Linksliberalen, n&amp;auml;mlich G&amp;uuml;nter Anders (&amp;#8222;Die Antiquiertheit des Menschen&amp;#8220;). Er erscheint hier als unertr&amp;auml;glich eitler Fatzke und haltloser Alarmist. So ger&amp;auml;t er unversehens in eine Reihe mit Gestalten wie dem Ultra-Nationalisten und Schriftsteller Ernst Moritz Arndt (nach dem viele deutsche Stra&amp;szlig;en benannt sind) oder Oswald Spengler, von m&amp;ouml;rderischen NS-Ideologen ganz zu schweigen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Behutsame historische Differenzierung scheint also nicht Henschels haupts&amp;auml;chliche St&amp;auml;rke zu sein. So k&amp;ouml;nnte man argw&amp;ouml;hnen &amp;#8211; bis man die letzten Kapitel liest. Da geht es auf einmal schillernd, zwiesp&amp;auml;ltig und widerspr&amp;uuml;chlich zu, also ungleich spannender als vordem, wo die Fronten &amp;uuml;beraus klar zu sein schienen. Das Kapitel &amp;uuml;ber den Berserker-Poeten Rolf Dieter Brinkmann (&amp;#8222;Keiner wei&amp;szlig; mehr&amp;#8220;, &amp;#8222;Westw&amp;auml;rts 1 &amp;amp; 2&amp;#8220;) f&amp;uuml;hrt einen wahrhaft sprachm&amp;auml;chtigen Daseinshasser vor Augen, der sich um und nach 1968 zu monstr&amp;ouml;sen Wutschreien auf alles und jeden verstiegen hat. Beim Rom-Aufenthalt etwa bespie er die Italiener verbal als &amp;#8222;Spaghettifresser&amp;#8220; und &amp;#8222;Sackkratzer&amp;#8220;.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Schlie&amp;szlig;lich betritt mit dem ebenso famosen Schriftsteller Ror Wolf ein Mann die Weltb&amp;uuml;hne, der seinerseits die schw&amp;auml;rzesten Katastrophen kommen sieht,&amp;nbsp;solche Bef&amp;uuml;rchtungen aber zu Grotesken ballt. So gibt es also doch Warnungen, auf die man haarfein h&amp;ouml;ren sollte!&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Gerhard Henschel: &amp;#8222;Menetekel &amp;#8211; 3000 Jahre Untergang des Abendlandes&amp;#8220;. Eichborn Verlag (Reihe &amp;#8222;Die andere Bibliothek&amp;#8220;), Frankfurt. 372 Seiten. 32 Euro.&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Fri, 26 Feb 2010 12:14:23 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
      <dc:date>2010-02-26T12:14:23Z</dc:date>
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    <item>
      <title>Geheimnisvolles Geräusch</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/videocast/59975/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Wer eine Kamera hat, will filmen. So einfach ist das.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Woher aber kommt nur dieses seltsame Trommelger&amp;auml;usch?&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Sat, 20 Feb 2010 10:18:53 GMT</pubDate>
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      <dc:date>2010-02-20T10:18:53Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Guido und das Grubenpferd quälen das Ruh...</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59940/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Es wird mal wieder h&amp;ouml;chste Zeit f&amp;uuml;r eine kleine kulturhauptst&amp;auml;dtische Nestbeschmutzung. Diesmal geht&amp;#8217;s um die manchmal unscheinbaren, beim ersten Hinh&amp;ouml;ren halbwegs harmlos klingenden, doch im Grunde reichlich bescheuerten Ausgeburten der Sprach- und Lifestyle-Designer. Gut m&amp;ouml;glich, dass h&amp;auml;ufig ausw&amp;auml;rtige Agenturen oder sonstige &amp;#8222;Kreative&amp;#8220; zum Zuge kommen, die unser Leben im Revier noch cooler ausschildern sollen &amp;#8211; sicherlich stets im Vollgef&amp;uuml;hl vermeintlich avancierter Zeitgeistigkeit. Oder wissen sie etwa zynisch genau, dass sie uns nur die Brosamen ihrer Brainstormings hinstreuen?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Nicht nur in dieser Hinsicht ist der idr-Pressedienst des RVR (Regionalverband Ruhr) eine verl&amp;auml;ssliche Fundgrube. Die getreulichen Essener Chronisten verzeichnen allwochent&amp;auml;glich aktuelle &amp;#8222;facts und events&amp;#8220; aus der M&amp;ouml;chtegern-Ruhrstadt. Zuweilen sind es blo&amp;szlig;e Peinlichkeiten, die allerdings nie als solche erscheinen d&amp;uuml;rfen. Da sei der Regionalstolz vor.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Beispiele gef&amp;auml;llig? Bitte sehr, willk&amp;uuml;rlich herausgegriffen und jederzeit beliebig vermehrbar:&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Vor ein paar Wochen wurde stolz die bevorstehende Er&amp;ouml;ffnung des &amp;#8222;Aquapark&amp;#8220;-Spa&amp;szlig;bades in Oberhausen vermeldet: &amp;#8222;Mittelpunkt des neuen Spa&amp;szlig;bades ist der 18 Meter hohe Nachbau eines F&amp;ouml;rderturms mit integrierter Fallrutsche.&amp;#8220; Auch andere &amp;#8222;Gestaltungselemente&amp;#8220; &amp;#8211; beispielsweise &amp;#8222;Bubi, das Grubenpferd&amp;#8220; - erinnerten an die &amp;#8222;Bergbaugeschichte der Metropole Ruhr&amp;#8220;, hei&amp;szlig;t es weiter.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Erinnern. An die Bergbaugeschichte. Da kann man nur noch stammeln.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Mit solchen Reminiszenzen verglichen, kommt einem selbst Disneyland noch authentisch vor. Und man fragt sich fassungslos, wer sich solche kumpelhaften Putzigkeiten ausdenkt. Vielleicht hat ja mal wieder der &amp;#8222;Mann mit dem Koks&amp;#8220; geholfen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Just gestern (16. Februar) liefen gleich zwei Kopfsch&amp;uuml;ttel-Nachrichten ein.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Die eine besagt, dass an der Dortmunder Uni ein &amp;#8222;Kompetenz- und Dienstleistungszentrum&amp;#8220; (was sonst?!) f&amp;uuml;r Ingenieurwissenschaften entstehe. Und wie hei&amp;szlig;t das gemeinsam mit Bochum und Aachen betriebene Projekt? &amp;#8222;TeachING-LearnING.EU&amp;#8220;. Geht&amp;#8217;s noch grauslicher?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;In der Sparte &amp;#8222;unfreiwillig l&amp;auml;cherlich&amp;#8220; rangiert auch die zweite Mitteilung ganz oben. Ein neuer &amp;#8222;Ruhr-Gastro-Guide&amp;#8220; fimiert unter dem &amp;#8211; haltet euch fest! - unglaublich witzigen Namen GUiDO. Jawohl, ihr habt richtig gelesen. GUiDO. Hahaha!&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Wenn das keine sp&amp;auml;tr&amp;ouml;mische Dekadenz ist, dann wei&amp;szlig; ich auch nicht.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;____________________________________&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eigenes Foto zeigt nat&amp;uuml;rlich die immer wieder gern genommene, weltkulturerbliche&amp;nbsp;Essener &amp;quot;Zeche Zollverein&amp;quot;.&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Wed, 17 Feb 2010 12:53:29 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
      <dc:date>2010-02-17T12:53:29Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Verdammt gemütlich</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59891/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p &gt;&amp;#8230;und dann gibt es Autoren wie Klaus Modick, die zwar wohl kein weltliterarisches Format haben, die einem aber mit den Jahren sehr ans Herz gewachsen sind. Dieser Mann ist klug, er schreibt stilsicher, solide und verl&amp;auml;sslich, dabei anregend genug. Er ist seiner (inwieweit begrenzten?) Mittel bewusst und handhabt sie sp&amp;uuml;rbar freudig und souver&amp;auml;n. Nichts Verqu&amp;auml;ltes ist ihm eigen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Der 1951 geb&amp;uuml;rtige Oldenburger, der seit einigen Jahren wieder in seiner Heimatstadt lebt, gibt sich zudem sympathisch unarrogant und bodenst&amp;auml;ndig. Er ist mit provinziellen und famili&amp;auml;ren Alltagsdingen vertraut, aber l&amp;auml;ngst nicht darauf beschr&amp;auml;nkt. &amp;Uuml;berdies sch&amp;auml;tze ich ihn als Generationsgenossen, als w&amp;auml;re er ein etwas &amp;auml;lterer, hie und da vorbildlicher Bruder.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Warum diese umst&amp;auml;ndliche Vorrede?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Weil ich von seinem neuen Buch gelinde entt&amp;auml;uscht bin.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;&amp;#8222;Krumme Touren&amp;#8220; enth&amp;auml;lt 19 Erz&amp;auml;hlungen. Bes&amp;auml;he man&amp;#8217;s in der Buchhandlung nur fl&amp;uuml;chtig, so w&amp;uuml;rde man ziemlich in die Irre gef&amp;uuml;hrt. Auf dem Umschlag prangt fast formatf&amp;uuml;llend das Bild einer Audio-Kompaktkassette. Darauf haben die Leute (J&amp;uuml;ngeren sei&amp;#8217;s gesagt) fr&amp;uuml;her mal ihre Lieblingsmusik aufgenommen. So eingestimmt, erwartet man ein zeitgeistig abgeschmecktes Generationen-Buch. Auch der Klappentext k&amp;uuml;ndet von typischen Erlebnissen aus Kinder- und Jugendzeit &amp;#8211; und die ersten Texte l&amp;ouml;sen dies auch ein. Doch schon bald schweift der Erz&amp;auml;hler durch ganz andere Gefilde.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Anfangs geht&amp;#8217;s um so aufregende Dinge wie die erste Kindergarten-Liebe, sp&amp;auml;ter um die Suche nach &amp;#8222;schweinischen Stellen&amp;#8220; in den elterlichen Buchbest&amp;auml;nden, die Peinlichkeit der Tanzstunden (kulminierend im Abschlussball), um den mit hei&amp;szlig;em Herzen ersehnten Erwerb des &amp;#8222;Wei&amp;szlig;en Albums&amp;#8220; der Beatles. Die Jahre, die ihr kennt. Jaja, genau so war&amp;#8217;s: Tats&amp;auml;chlich findet man eigene Erlebnis-Valeurs bis in feinere Ver&amp;auml;stelungen wieder.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Doch ins heimelige Gef&amp;uuml;hl schleicht sich schon hier eine Spur von Unbehagen: Wird da nicht allzu beruhigt und betulich berichtet? Prasselt nicht ein imagin&amp;auml;res Kaminfeuer, wenn Modick fr&amp;uuml;here Urlaube wie in einem nostalgischen Bilderbuch aufbl&amp;auml;ttert? 50er Jahre: Mit dem &amp;#8222;K&amp;auml;fer&amp;#8220; der Eltern an die Nordsee, Blumenvase an der Windschutzscheibe. 60er und 70er Jahre: Im nunmehr obligatorischen VW-Bus mit Freaks und Joints unterwegs. Alles Individuelle, Bezeichnende scheint im Wabern solcher Generations-Gemeinschaft zu verschwinden. Aber vielleicht verh&amp;auml;lt es sich ja auch wirklich so, dass niemand allzu besonders ist, sondern alle beinahe restlos in ihrer Zeit aufgehen&amp;#8230;&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Dennoch hakt sich der Eindruck fest: Wenn &amp;#8222;Gro&amp;szlig;vater&amp;#8220; erz&amp;auml;hlt, wird&amp;#8217;s verdammt gem&amp;uuml;tlich &amp;#8211; aber nicht sonderlich aufschlussreich. Dann lauten S&amp;auml;tze &amp;uuml;ber einen LSD-getr&amp;auml;nkten Frankreich-Trip auch schon mal so: &amp;#8222;&amp;#8230; und die Sonne der freien Liebe w&amp;auml;rmte uns die Herzen beziehungsweise Hosen.&amp;#8220; Modick muss sehr erinnerungs- und/oder weinselig gewesen sein, als ihm dies unterlaufen ist. Doch er schw&amp;auml;chelt auch im weiteren Verlauf des Bandes gelegentlich. Man erhofft sich von einem Schriftsteller seiner Liga beispielsweise originellere, genauere Bilder als dieses: &amp;#8222;&amp;#8230;rollte Donner &amp;uuml;ber das Watt, und dann st&amp;uuml;rzte das Wasser wie aus Eimern gegossen vom Himmel.&amp;#8220;&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Die weiteren Geschichten sind von schwankender Qualit&amp;auml;t, sie ranken sich um dies und das und irgendwas. Sie wirken wie aus verstreuten Notizheften herbeigeholt, als h&amp;auml;tte die Frage gelautet: Wie viele Seiten m&amp;uuml;ssen wir noch f&amp;uuml;llen, bis es ein ordentlicher Band ist? Vor allem die Buchdeckel halten dieses Buch zusammen, weniger die Inhalte.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Einen Generationen-Bruch markiert am deutlichsten die Story, in der Gitarrengott Jimi Hendrix auf die Erde zur&amp;uuml;ckkehrt und im elenden Talentschuppen DSDS scheitert. Etwas wohlfeil und vergilbt wirkt auch die Gegen&amp;uuml;berstellung traditionellen Webens im l&amp;auml;ndlichen Italien und in einer Nordhorner Fabrik, wo ausgerechnet italienische &amp;#8222;Gastarbeiter&amp;#8220; schuften. Die industrielle Entfremdungsstudie spielt anno 1964 und soll vielleicht just die vordem in der gleichen Zeit angesiedelte Nostalgie konterkarieren.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Es folgen u. a. eine Sp&amp;ouml;kenkieker-Geschichte aus dem ostfriesischen Watt (recht altbacken), sodann - als arg konstruierte Liebes-Irrt&amp;uuml;mer - die vertrackten Phantasien eines Ehemannes &amp;uuml;ber seine vermeintlich untreue Frau (Stoff f&amp;uuml;r eine lands&amp;uuml;bliche ZDF-Kom&amp;ouml;die um 20.15 Uhr?) sowie eine w&amp;uuml;ste Groteske bzw. R&amp;auml;uberpistole &amp;uuml;ber ein Date mit einer Blondine. Ferner erfahren wir, wie ein gutgl&amp;auml;ubiger deutscher Germanist in Japan an die Mafia ger&amp;auml;t, wie absurd eine Kulturstiftung mit einem K&amp;uuml;nstlernachlass verf&amp;auml;hrt, warum man in der Ferne Heimweh nach deutschem Fu&amp;szlig;ball haben kann und wie man im postmodernen Tokio in meditative Trance verf&amp;auml;llt. Gedrechseltes Zitat: &amp;#8222;Ich war gleichg&amp;uuml;ltig und durchl&amp;auml;ssig, alles war gleich g&amp;uuml;ltig durch L&amp;auml;ssigkeit&amp;#8230;&amp;#8220; Naja.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Kein schlechtes Buch, jedoch nur ein mittelpr&amp;auml;chtiges. Modick ist sonst besser, mehr auf der H&amp;ouml;he seiner selbst. Gewiss: Man schmunzelt immer mal wieder und l&amp;auml;sst sich ja auch manches gern auftischen. Doch muss es denn nahezu durchweg so brav und so treuherzig sein? Zu wenig krumme Toren!&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p &gt;Klaus Modick: &amp;#8222;Krumme Touren&amp;#8220;. Erz&amp;auml;hlungen. Eichborn Verlag, 240 Seiten, 18,95 Euro.&lt;/p&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Fri, 12 Feb 2010 17:55:36 GMT</pubDate>
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      <dc:date>2010-02-12T17:55:36Z</dc:date>
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      <title>Plagiat ? Ach was ! Oder doch ?</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59846/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;Die Angelegenheit konnte schon fr&amp;uuml;hzeitig Unbehagen wecken. Die wie verabredet wirkende Weise, in der die erst 17-j&amp;auml;hrige Helene Hegemann (Foto) kurzerhand zur Autorin der Stunde (nein: des Jahrzehnts!) hochgejubelt wurde, hatte von Anfang an etwas haltlos Penetrantes.&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;Die &amp;uuml;berregionalen Feuilletons &amp;uuml;berboten einander mit &amp;auml;u&amp;szlig;erst umfangreichen Lobpreisungen f&amp;uuml;r den mit Sex- und Drogenexzessen ges&amp;auml;ttigen Deb&amp;uuml;troman &amp;#8222;Axolotl Roadkill&amp;#8220;. Auch der sonst oft &amp;auml;tzend angriffslustige Maxim Biller stimmte als Rezensent in den Halleluja-Chor ein. Ein Effekt: Das Buch kletterte bis auf Platz f&amp;uuml;nf der Bestseller-Liste. All das spricht nat&amp;uuml;rlich auch noch nicht g e g e n Hegemanns Buch.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Inzwischen hat sich allerdings herausgestellt, dass Helene Hegemann sich gleich absatzweise in Texten des Bloggers &amp;quot;Airen&amp;quot; bedient hat. Der ist schon etwas &amp;auml;lter als die Schriftstellerin und durfte daher w&amp;uuml;ste Berliner Locations (&amp;#8222;Berghain&amp;#8220;) aufsuchen, von denen sie wohl eher vom H&amp;ouml;rensagen wusste, &amp;uuml;ber die sie aber jetzt kundig schreiben konnte. Vulgo: Hegemann hat entsprechende Passagen offenkundig abgekupfert, und zwar nicht zu knapp, quasi per copy and paste. Inzwischen sind auch Belege eines Kaufvorgangs beim Internet-Versand Amazon an die &amp;Ouml;ffentlichkeit gelangt, die darauf hindeuten, dass Hegemanns Vater (Dramaturg an der Volksb&amp;uuml;hne) seiner Tochter den bis dato nur unter Schwierigkeiten greifbaren Roman &amp;#8222;Strobo&amp;#8220; (SuKuLTuR-Verlag) des besagten Airen besorgt hat.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Peinlich f&amp;uuml;r die Autorin und ihre begeisterten Kritiker? Ach was! Die FAZ warf sich gleich mehrfach f&amp;uuml;r ihr neues Idol Hegemann in die Bresche und erkl&amp;auml;rte nunmehr eilfertig, dass in Zeiten von Google derlei &amp;#8222;&amp;Uuml;bernahmen&amp;#8220; v&amp;ouml;llig normal seien. Plagiate habe es im Lauf der Geschichte ohnehin immer gegeben. Erst recht sei das Kunstwerk sei im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und im Zeichen der Remix-Kultur eben l&amp;auml;ngst kein Original mehr, es erlange &amp;#8211; so auch die Einlassung der Autorin &amp;#8211; bestenfalls einen Status der &amp;#8222;Echtheit&amp;#8220;. Nat&amp;uuml;rlich wurde auch wieder flei&amp;szlig;ig Bert Brechts legend&amp;auml;r &amp;#8222;laxe Haltung in Fragen des geistigen Eigentums&amp;#8220; zitiert. Wird in solchen F&amp;auml;llen immer gern genommen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Kurzum: Fort mit allen kleinlichen Bedenken! Gerade indem man sich umstandslos im Web bedient, bekundet man demnach seine coole Zeitgenossenschaft. Wer sich Texte noch von A bis Z selbst herausqu&amp;auml;lt, w&amp;auml;re also hoffnungslos von vorgestern und selbst schuld an seiner M&amp;uuml;hsal?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Der Ullstein Verlag, in dem &amp;#8222;Axolotl Roadkill&amp;#8220; erschienen ist, sch&amp;auml;tzt wenigstens die urheberrechtliche Lage realistischer ein und r&amp;uuml;ckt eine unmissverst&amp;auml;ndliche Quellenangabe in die zweite Auflage. Auch soll der unfreiwillige Ideengeber Airen angemessen entsch&amp;auml;digt werden. Immerhin k&amp;ouml;nnte man&amp;#8217;s zur Not so hinbiegen: Sein Bekanntheitsgrad ist durch die Plagiats-Aff&amp;auml;re immens gestiegen. Genau diesen Trost spendet auch die FAZ, die mutma&amp;szlig;t, Airen sei vielleicht &amp;#8222;einfach dankbar f&amp;uuml;r die Aufmerksamkeit, die sein Roman jetzt findet.&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Tue, 09 Feb 2010 19:24:23 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
      <dc:date>2010-02-09T19:24:23Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Trünniger Februar</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59800/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Eigentlich wollte ich &amp;uuml;ber den Februar schreiben. Soll man ihn flugs verl&amp;auml;ngern und daf&amp;uuml;r andere Monate k&amp;uuml;rzen? Oder sollten wir alle anderen Monate aufs 28er-Ma&amp;szlig; kappen, damit endlich eine &amp;Uuml;bersicht herrscht und man sich (ihr wisst schon, was ich meine) nicht mehr mit dem Abz&amp;auml;hlen seiner Fingerkn&amp;ouml;chelchen behelfen muss? Und damit am Ende des Geldes nicht mehr so viel Monat &amp;uuml;brig ist&amp;#8230;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Doch dann hat mich eine sprachliche Petitesse vom Thema abgebracht, ja aus der Bahn geworfen, n&amp;auml;mlich diese hier:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Was &amp;Uuml;berdruss ist, wissen wir alle. Was aber ist Druss?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;em&gt;Auch sind wir vielleicht schon mal abtr&amp;uuml;nnig geworden, wann aber jemals tr&amp;uuml;nnig?&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Wer jetzt nicht gr&amp;uuml;belt, l&amp;auml;sst es lange bleiben.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Fri, 05 Feb 2010 12:46:02 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
      <dc:date>2010-02-05T12:46:02Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Der Mann von gegenüber</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59684/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Schr&amp;auml;g gegen&amp;uuml;ber lebt und wirkt ein wahrer Aktionist. Ob er mit seinem Tun und Trachten am Ende gar der Performance-Kunst zuzurechnen sei? Wer wei&amp;szlig;. Sein bedrohliches Motto k&amp;ouml;nnte allerdings aus der Baumarktwerbung stammen: &amp;#8222;Es gibt immer was zu tun&amp;#8220;.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Stets h&amp;ouml;rt man&amp;#8217;s von dr&amp;uuml;ben s&amp;auml;gen, pochen, h&amp;auml;mmern, schleifen. Zwischenzeitlich gilt es, immer wieder andere Dinge hin und her zu schaffen. Kaum ein Tag, an dem nicht ein Anh&amp;auml;nger an seinen Wagen der gehobenen Mittelklasse gekoppelt ist. Manchmal mietet oder leiht er gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Transporter, wenn etwa Pferde oder Boote zu bewegen sind. Oder dann, wenn tonnenweise Kaminholz f&amp;uuml;r den Winter geholt werden muss.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Sommers karrt er zuweilen einen gigantischen Bierwagen mit professioneller Zapfanlage sowie jede Menge Grillgut herbei, als m&amp;uuml;sse er in seinem Garten ein veritables Volksfest geben. Nat&amp;uuml;rlich besitzt der allzeit r&amp;uuml;hrige Familienvater auch einen exorbitant durchdringenden Laubbl&amp;auml;ser/Laubsauger f&amp;uuml;r den Herbst.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Oh, wie tr&amp;auml;ge komme ich mir da vor. Doch warum erscheinen mir seine unerm&amp;uuml;dlichen T&amp;auml;tigkeiten als dumpfes Treiben? Manchmal verabscheue ich diesen Aktionisten, dann wieder habe ich Mitleid mit ihm und lege mir die Distanz zurecht: &amp;#8222;Jener dort&amp;#8220; verwandelt unabl&amp;auml;ssig die Einzelheiten seiner engen, kleinen Welt und bleibt sich doch immer gleich. Reflektiert er sein Dasein und Wesen gar nicht? Liest er nichts? Kommt er nie zur Besinnung? Denkt er nie nach?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Ich wei&amp;szlig; das alles nicht, denn ich habe noch kein Wort mit ihm gesprochen. Die Schwelle vor etwaigen Gespr&amp;auml;chen ist hoch, da man sich l&amp;auml;ngst ein Bildnis gemacht hat. Dass dies von &amp;Uuml;bel ist, wei&amp;szlig; man schon aus der Bibel. Also muss K&amp;uuml;chenpsychologie herhalten. Oder auch pure Phantasie. So dass man am Ende immer ein St&amp;uuml;ck von sich meint, wenn man &amp;uuml;ber ihn redet.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Es dr&amp;auml;ngen sich selbstkritische Fragen auf: M&amp;ouml;chte ich mehr Sichtbares bewirken, so dass ich ihn deshalb insgeheim um seinen konkreten Aktionsradius und Wirkungsgrad beneide? Habe ich&amp;#8217;s also n&amp;ouml;tig, mich entschieden von &amp;#8222;so einem&amp;#8220; abzugrenzen, um vor mir selbst besser dazustehen? Oder anders gewendet: Ist es nicht herrlich, jemanden zu kennen, in dem man ein Gegenbild zu sich selbst erblickt, so dass man sich deutlicher wird?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Haben alle Menschen einen solchen &amp;#8222;Mann von gegen&amp;uuml;ber&amp;#8220;? Falls nicht, so wird es Zeit.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;_______________________________&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Illustration (verfremdet): Der Antipode setzt wieder mal seinen Laubsauger ein&amp;#8230;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Fri, 29 Jan 2010 12:15:58 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
      <dc:date>2010-01-29T12:15:58Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Tonspur von damals</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59385/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Jetzt mal ganz abgesehen von bildsprachlichen Entwicklungen: Beim Anschauen &amp;auml;lterer Filme kann man den Tonspuren knarzend historisch gewordene Sprachzust&amp;auml;nde ablauschen.&lt;/p&gt;&lt;p style=&quot;margin: 0cm 0cm 0pt&quot; class=&quot;MsoNormal&quot;&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Man muss gar nicht so &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;ig weit zur&amp;uuml;ckgehen. Es reicht eine Zeitreise bis etwa zur Mitte der 60er Jahre. Wenn man Filmfiguren aus jener Zeit sprechen h&amp;ouml;rt, f&amp;uuml;hlt man sich in eine g&amp;auml;nzlich andere &amp;Auml;ra versetzt &amp;#8211; uns beinahe schon so fremd geworden wie etwa Barock oder Goethezeit.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Nun gut, wir wollen nicht ma&amp;szlig;los &amp;uuml;bertreiben. Aber reichlich morsch klingt es schon. Erst recht, wenn man sich bis in die 50er Jahre hangelt. Bereits im blo&amp;szlig;en Tonfall zitterte damals noch etwas metallisch vom Weltkrieg nach, man kennt das bebende Pathos vor allem aus unverhohlen martialischen Sportreportagen oder Wochenschauen der F&amp;uuml;nfziger.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Doch die Sprache bewegte sich seinerzeit auch noch n&amp;auml;her am klassisch &amp;uuml;berlieferten Erbe. Freilich war all das zertr&amp;uuml;mmert worden. Jeder unreflektierte R&amp;uuml;ckgriff stand mindestens unter dem Verdacht der Verlogenheit. Hat man jedenfalls sp&amp;auml;ter gemeint. Nur wenige Zeitgenossen haben die schreienden Widerspr&amp;uuml;che&amp;nbsp;wahrhaben wollen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Wer die Zeit vor 1968 (das auch in dieser Hinsicht eine Wende markierte) selbst nicht erlebt hat, versteht vielfach &amp;uuml;berhaupt nicht mehr, wovon die Rede ist. Andererseits l&amp;auml;sst sich hie und da Retro-Kultstoff gewinnen. Dass ein Wort wie &amp;#8222;krass&amp;#8220; vor&amp;uuml;bergehend eine zweite Karriere erlebt hat, mag von derlei ungeahnten Durchl&amp;auml;ssen zeugen. Da ist etwas wie durch ein Zeitloch von vorgestern ins Heute gesickert, und niemand vermochte genau zu sagen, auf welche Weise das geschehen konnte.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Anhand zweier Produktionen, die k&amp;uuml;rzlich im Fernsehen liefen, nenne ich stichprobenhalber einige wenige Beispiele. Reiner Programmzufall: Es handelt sind um einen Krimi aus der Reihe &amp;#8222;Stahlnetz&amp;#8220; (&amp;#8222;Der f&amp;uuml;nfte Mann&amp;#8220;, 1966) und um den bis heute sehenswerten Kino-Klassiker &amp;#8222;An einem Tag wie jeder andere&amp;#8220; (1955) mit Humphrey Bogart, dessen deutsche Synchronisation von der legend&amp;auml;ren Firma Wenzel L&amp;uuml;decke (Berlin) besorgt wurde. Es gibt nicht nur mehrere &amp;Uuml;berschneidungen im Vokabular, sondern der ganze Sound schwingt &amp;uuml;ber diese elf Jahre hinweg noch ann&amp;auml;hernd im gleichen Zeitgeist, zumal das Wortfeld &amp;#8222;Verbrechen / Polizei&amp;#8220; in beiden F&amp;auml;llen die Richtung vorgibt.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Here we go (oder: auf geht&amp;#8217;s):&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;#8222;Stahlnetz&amp;#8220;:&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;&amp;#8222;lichtscheues Gesindel&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;V&amp;ouml;gel, die Dreck an den Federn haben&amp;#8220; (Verbrecher)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Knastologe&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Knastbruder&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Schie&amp;szlig;eisen&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Jemand hat eine &amp;#8222;feste Dame&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;hundert Piepen&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Polente&amp;#8220; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Schmiere&amp;#8220; (ebenfalls f&amp;uuml;r Polizei)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Puppe&amp;#8220; (f&amp;uuml;r Hure)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;H&amp;auml;nde hoch &amp;#8211; oder es knallt&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Holzauge, sei wachsam&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Sei kein Frosch&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Kohldampf&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Der Vogel ist ausgeflogen&amp;#8220; (fl&amp;uuml;chtiger Delinquent)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Der Vogel singt&amp;#8220; (verr&amp;auml;t der Polizei etwas)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Backfisch&amp;#8220;&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;&lt;em&gt;&amp;#8222;An einem Tag wie jeder andere&amp;#8220;:&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;&amp;#8222;Hab&amp;#8217; Kohldampf&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Kies&amp;#8220; (f&amp;uuml;r Geld)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Goldst&amp;uuml;ck&amp;#8220; (f&amp;uuml;r Geliebte)&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;kesse Puppe&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Schie&amp;szlig;eisen&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;&amp;#8230;kriegt der Bengel einen verpasst&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;verduften&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Gn&amp;auml;digste&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Maul halten&amp;#8220; / &amp;#8222;Halt&amp;#8217;s Maul&amp;#8220; / &amp;#8222;Halt den Rand&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;&amp;#8230;sind die V&amp;ouml;gel ausgeflogen&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;krumme Tour&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;R&amp;uuml;ck den Zaster raus&amp;#8220;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#8222;Polente&amp;#8220;&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Seltsam, ja &amp;uuml;beraus merkw&amp;uuml;rdig klingt das auch f&amp;uuml;r Menschen, die jene Jahre noch halbwegs bewusst erlebt haben. Durch eine solch sumpfige Sprachtunke ist man also anfangs auch einmal gewatet, hat ansatzweise so &amp;auml;hnlich gesprochen, wahrscheinlich dementsprechend gef&amp;uuml;hlt und gedacht. Welch eine Strecke seitdem!&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Jedoch: Vielleicht verh&amp;auml;lt es sich hinterr&amp;uuml;cks so, dass manches, was damals anklang, heute insgeheim als Wegzehrung und als Ma&amp;szlig;stab einer mitunter heilsamen Differenz zu heutiger Sprachschluderei dient. Wenn man solch verschiedene Zust&amp;auml;nde der wechselhaften eigenen Sprache erfahren hat, versteht man sie wohl tiefer und besser. Auch von Verg&amp;auml;nglichkeit wei&amp;szlig; man dann mehr.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;________________________&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Dynamische Illustration stammt aus den 1950er Jahren&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Sat, 23 Jan 2010 11:00:53 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
      <dc:date>2010-01-23T11:00:53Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Was der Elefant uns sagen will</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59268/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Heute stellen wir Literatur der komplexen Sorte vor. Kenner ahnen es bereits beim ersten Bl&amp;auml;ttern: Ohne hochspezialisiertes interpretatorisches Besteck wird in diesem Falle nichts zu gewinnen sein. Proust, Joyce und Musil lassen nolens volens gr&amp;uuml;&amp;szlig;en.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Das vorliegende Buch hat weder einen erkennbaren Autor noch einen Titel. Aufs allzu bequeme Abrufen von Vorkenntnissen &amp;uuml;ber Leben, Werk und Wirkung m&amp;uuml;ssen wir also verzichten, ebenso auf schnellfertige Assoziationen. Was nun? Beharrlichkeit, Sp&amp;uuml;rsinn und Deutungsgeschick sind in hohem Ma&amp;szlig;e gefragt.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Die zumeist lakonisch, doch bildm&amp;auml;chtig und universal verst&amp;auml;ndlich entfaltete F&amp;uuml;lle des Stoffs ist immens, sie gemahnt an Gro&amp;szlig;meister wie Dostojewski oder Tolstoi. Ein Register der handelnden Personen am Ende dieses Folianten w&amp;auml;re hilfreich gewesen, rankt sich doch das furiose, oft best&amp;uuml;rzende Geschehen um einen Elefanten, eine Schildkr&amp;ouml;te, eine Ente, ein Schiff, zwei (!) Seepferdchen, einen Fisch, einen Seel&amp;ouml;wen und schlie&amp;szlig;lich (ebenso lang- wie waghalsige Wendung am Schluss) um eine veritable Giraffe. Dar&amp;uuml;ber wird noch zu reden sein.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Subtil und anspielungsreich ist die Struktur der weit ausgreifenden, ungemein welthaltig hin und wider wogenden Handlung gewoben. &amp;Uuml;ber fast allen Figuren dieses &lt;em&gt;theatrum mundi&lt;/em&gt; scheint die vermeintlich liebe (in Wahrheit gnadenlose) Sonne prangend gelb, dazu gesellt sich jeweils ein harmlos sich gebendes blaues W&amp;ouml;lkchen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Eine besondere Funktion kommt dem Schiff zu. Es verk&amp;ouml;rpert &amp;#8211; wenn man so sagen darf - die unbelebte Materie, sofern man etwaige Passagiere ausblendet. Allerdings deuten keinerlei Anzeichen auf Kabinen-Insassen oder Deckbewohner hin. Hier klingt offenbar das alte Motiv vom Geisterschiff an. Was aber besagen die beiden stilisierten M&amp;ouml;wen, die &amp;uuml;ber dem nahezu tortenf&amp;ouml;rmigen Schiff kreisen? K&amp;uuml;nden sie nicht von ewiger Wiederkehr, vom Werden und Vergehen, vom Kreislauf der Zeiten und Gezeiten?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Alle Protagonisten sind von scharf umrissenen, pf&amp;uuml;tzenf&amp;ouml;rmigen Wassermengen eingefasst (der Kunstgeschichtler w&amp;uuml;rde sagen: &amp;#8222;hinterfangen&amp;#8220;), wobei Elefant, Schildkr&amp;ouml;te, Seel&amp;ouml;we und Giraffe jeweils mittendrin auf gelben Inseln naiv sich ergehen, als g&amp;auml;b&amp;#8217;s kein Morgen und als herrschten noch ungebrochen paradiesische Zust&amp;auml;nde. Ente, Schiff, Fisch und Seepferdchen haben hingegen derlei Refugien nicht n&amp;ouml;tig. Diese charakterstarken Figuren setzen sich vielmehr dem nassen Element existenziell aus, sind nicht auf falsche Sicherheiten bedacht. Sie nehmen die Wahrheit so feucht, wie sie nun einmal ist.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Unterdessen enth&amp;uuml;llt sich nach und nach der horrible Kontext der bei n&amp;auml;herem Hinsehen gar nicht mehr harmlosen Vorf&amp;auml;lle: Es ist die finale Klimakatastrophe, die s&amp;auml;mtliche R&amp;uuml;ckzugsgebiete vor dem stracks ansteigenden Meeresspiegel rigoros eingrenzt und die Spezies Mensch in dieser zeit- und ortlos gewordenen Welt wom&amp;ouml;glich schon l&amp;auml;ngst dahingerafft hat. &amp;Uuml;brig geblieben sind offenkundig nur noch grotesk entfremdete, animalische Wesen mit dem Intelligenzquotienten von Steckr&amp;uuml;ben. Welch ein Menetekel, welch eine Apokalypse!&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Die hirnlos fr&amp;ouml;hlichen Gesichter und all das kindisch bunte L&amp;auml;rmen k&amp;ouml;nnen auf Dauer nicht &amp;uuml;ber die desolate Lage hinwegt&amp;auml;uschen, ja &amp;uuml;berhaupt weist der heitere Oberfl&amp;auml;chen-Eindruck der Szenen recht eigentlich darauf hin, dass sich diese Gestalten (unter Einwirkung von Drogen?) bestenfalls zu Tode am&amp;uuml;sieren. Hier walten zun&amp;auml;chst insgeheim, sodann immer fratzenhafter: Verlogenheit, Zynismus, Sarkasmus. Oder sollte es sich nur noch um Idiotie im fortgeschrittenen Stadium handeln? F&amp;uuml;rwahr: Da haben wir ein pralles Sittengem&amp;auml;lde im Stile eines Hieronymus Bosch.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Wo aber Gefahr ist, w&amp;auml;chst das Rettende auch. Zur bewegenden Schl&amp;uuml;sselszene ger&amp;auml;t in dieser Hinsicht der zentral gestellte, einzige Dialog des gesamten Bandes, der freilich m&amp;auml;andert, beziehungsreich ausufert und unterdessen ungeheure Mengen von Bildungsgut anschwemmt: Gemeint ist das Gespr&amp;auml;ch zwischen den beiden Seepferdchen. Man beachte, wie die Luftbl&amp;auml;schen, die sie absondern, mit jenen korrespondieren, die hernach dem Fische zu eigen sind. Mehr noch: Fisch und Seepferdchen sind die einzigen, die in diesem Roman-Kosmos ohne Sonne auskommen. Man beachte ferner den sprachspielerischen Anklang der Worte Fisch und Schiff. Er r&amp;uuml;hrt mit seiner Buchstaben-Umkehr an die tiefsten Geheimnisse des Sagenm&amp;uuml;ssens und Nichtsagenk&amp;ouml;nnens.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Hintersinnigster Kunstgriff des anonymen Autors, dessen Effekt uns wie ein Keulenschlag trifft: Unter dem Signum der Ente hat er (oder etwa: sie?) einen diabolischen Mechanismus verborgen, der quietscht, wenn man auf die Buchseite dr&amp;uuml;ckt. Somit wird der Leser unversehens selbst zum hilfswilligen Agenten der allgemeinen Verbl&amp;ouml;dung &amp;#8211; was einen nachhaltigen Bewusstwerdungsprozess ausl&amp;ouml;sen d&amp;uuml;rfte. Wenigstens w&amp;auml;re es innig zu w&amp;uuml;nschen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Der wache, empfindsame Rezipient wird sich schlie&amp;szlig;lich Rechenschaft ablegen wollen &amp;uuml;ber sein bislang verpfuschtes Dasein, ja er wird sich &amp;#8211; ganz im Sinne Rilkes - am Ende betroffen eingestehen: &amp;#8222;Du musst dein Leben &amp;auml;ndern.&amp;#8220;&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Darum also ragt auf der letzten Seite die Palme als vertikales Hoffnungszeichen neben der Giraffe auf. Hie&amp;szlig; es nicht schon einst bei G&amp;uuml;nter Grass, jemand habe sich einen von der Palme gelockt? Gewiss doch. Ein gigantisches Symbol mithin, Mahnung genug.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Ein ersch&amp;uuml;tterndes Schluss-Tableau beschlie&amp;szlig;t den Reigen: Diesen abschiedswehen Blick der Giraffe wird man so schnell nicht vergessen, er sengt und brennt sich in die Seele ein. F&amp;uuml;r immer.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;_________________________&amp;nbsp; &lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Illustrationen:&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Titelbild: Verdienter Ehrenplatz im Regal (mit elefantischer Exposition)&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Bildleiste von links nach rechts:&lt;/p&gt;&lt;p&gt;1)&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; Gesteigerte Spannung im Handlungsstrang Schildkr&amp;ouml;te / Ente&lt;/p&gt;&lt;p&gt;2)&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; Symboltr&amp;auml;chtige Schiffspassage und zentraler Konflikt der Seepferdchen&lt;/p&gt;&lt;p&gt;3)&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; Desgleichen in einer Denk- und Lesepause&lt;/p&gt;&lt;p&gt;4)&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; Zuspitzung der Thematik mit Fisch und Seel&amp;ouml;we&lt;/p&gt;&lt;p&gt;5) &amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp; Finale Giraffen-Tragik, vielleicht auch Ausblick zu neuen Hoffnungs-Horizonten...&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;________________&amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/p&gt;&lt;p&gt;Postscriptum:&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Nach dem Vorbild der Donaldisten oder der Arno-Schmidt-Verehrer k&amp;ouml;nnte mittelfristig ein Kreis von eingeweihten Deutern noch mehr hohen Sinn aus dem Buch destillieren und dechiffrieren, als es dem Verfasser dieser Zeilen - selbst bei Anspannung aller Kr&amp;auml;fte - m&amp;ouml;glich war. Er vermochte nur erste Handreichungen zu geben, ist naturgem&amp;auml;&amp;szlig; zu keinem Ende gelangt und wird die Fackel weiterreichen m&amp;uuml;ssen. Ad multos annos!&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Sun, 17 Jan 2010 12:02:41 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
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    </item>
    <item>
      <title>Friedhöfe im Internet</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59190/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Nachdem man sich im Netz hie und da angemeldet, akkreditiert, sozial oder konsumistisch verkn&amp;uuml;pft und seine ungez&amp;auml;hlten Spuren hinterlassen hat, fragt man sich vielleicht irgendwann einmal: Und was geschieht mit all dem Datenwust, wenn man gestorben ist?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Es kann einem eigentlich egal sein: Dann wird man, zusammen mit immer mehr anderen, blo&amp;szlig; noch virtuellen Existenzen, zur digitalen &amp;#8222;Karteileiche&amp;#8220;. Versehen mit zahllosen Log- und Passw&amp;ouml;rtern, aber nie mehr online. &lt;span&gt;Jedenfalls nicht, dass man w&amp;uuml;sste. The end of surfing, as we know it.&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Das gesamte Internet wird also mit der Zeit zur &amp;#8222;mixed zone&amp;#8220; der Lebenden und der Toten. Wer wei&amp;szlig;, ob allen pers&amp;ouml;nlichen Auftritten in sozialen Netzwerken noch ein vitaler Organismus entspricht? Ob Blogger-Mann und Twitter-Frau, die seit einiger Zeit nichts hochgeladen haben, noch irdisch unter uns weilen? Ob das Online-Kundenkonto XYZ nicht aufgel&amp;ouml;st werden k&amp;ouml;nnte, weil der Inhaber l&amp;auml;ngst&amp;#8230;&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Die Wahrscheinlichkeit, dass im Netz ganze Friedhofs-Bezirke entstehen und sich ausbreiten, w&amp;auml;chst mit den Jahren. Unweigerlich. Auch die Verstorbenen erhalten weiterhin E-Mails. Selbst wenn man unter der Erde liegt, bekommt man im Netz noch Newsletter oder pers&amp;ouml;nlich zugeschnittene Angebote aller Art. Etwaige Erben und Nachfahren werden deine Accounts, sofern sie kostenfrei sind, in den seltensten F&amp;auml;llen l&amp;ouml;schen (lassen). Zu aufwendig. Keine Zeit f&amp;uuml;r posthumen Firlefanz.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Dem Internet wird dann zusehends etwas Geisterhaftes, gar Gespenstisches anhaften. Netz-Eingeborene, die die Welt gar nicht anders kennen, werden wahrscheinlich kaum etwas davon sp&amp;uuml;ren. Denn ringsum wird alles umso rasender weiter, weiter und weiter voranst&amp;uuml;rzen. &amp;Uuml;ber jedes Gestern und jedes Bedenken hinweg.&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Tue, 12 Jan 2010 16:11:17 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
      <dc:date>2010-01-12T16:11:17Z</dc:date>
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    <item>
      <title>Potzblizzard !</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59080/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Potzblizzard aber auch ! Jetzt r&amp;auml;t das &amp;#8222;Bundesamt f&amp;uuml;r Bev&amp;ouml;lkerungsschutz&amp;#8220; wegen der drohenden Schnee(sturm)wetterlage sogar allen Ernstes zu Hamsterk&amp;auml;ufen. Ginge es nach den Katastrophensch&amp;uuml;tzern, so m&amp;uuml;sste man sich bis zur Halskrause eindecken, nicht zuletzt mit einem ordentlichen Kerzenvorrat wg. m&amp;ouml;glicher Stromausf&amp;auml;lle. &amp;quot;Daisy&amp;quot;, verschone uns.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Nun ja. Ich lasse mich in der Nacht bzw. am Wochenende (ungern) eines Schlimmeren belehren. Einstweilen denke ich noch: Wo sind wir eigentlich? Was soll die Panikmache? Brauchen wir Aufregungs-Ersatz f&amp;uuml;r den (Achtung, windschiefes Sprachbild!) Papiertiger Schweinegrippe?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Heda, es ist Winter! Man konnte diese Jahreszeit, die zuweilen Schnee mit sich bringt, kommen sehen &amp;#8211; wie schon seit &amp;Auml;onen. Insofern h&amp;auml;tten die St&amp;auml;dte ihre Scheuern auch umsichtiger mit gen&amp;uuml;gend Streusalz f&amp;uuml;llen k&amp;ouml;nnen. Es sei denn, sie h&amp;auml;tten mit einem warmen Winter aufgrund des inflation&amp;auml;r beschworenen &amp;#8222;Klimawandels&amp;#8220; gerechnet oder gehofft, hier lie&amp;szlig;e sich in der Krise sparen. Dass die Bahn von jeder kleinen Wetterfront &amp;uuml;berrascht und &amp;uuml;bert&amp;ouml;lpelt wird, geh&amp;ouml;rt l&amp;auml;ngst zur heiteren Folklore.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Ich meine mich zu erinnern: Fr&amp;uuml;her wurde nicht so viel Aufhebens gemacht. Man nahm die Jahreszeiten, wie sie kamen. Jetzt faseln dauererregte Medien stets mindestens von Jahrhundertsommern und desgleichen Wintern. Oje, wie schrecklich sind wir dran.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Gar nicht mal so gewagte Vermutung: In kaum einem anderen Land fallen die Chaos-Phantasien auf solch fruchtbaren Boden wie bei uns. Ja, sind wir denn&amp;nbsp;so ein katastrophens&amp;uuml;chtiges V&amp;ouml;lkchen?&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;P. S.: Wenn einige von uns ab morgen eingeschneit und von der Umwelt abgeschnitten sein sollten, so werde ich Abbitte leisten. Ehrensache.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;_____________________&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Bild stammt aus der Nacht zum&amp;nbsp;5. Januar 2009. Auch damals gab&amp;#39;s reichlich Schnee.&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Fri, 08 Jan 2010 20:44:39 GMT</pubDate>
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      <dc:creator><![CDATA[Bernd Berke]]></dc:creator>
      <dc:date>2010-01-08T20:44:39Z</dc:date>
    </item>
    <item>
      <title>Warum zeigt niemand diesen Bohlen an?</title>
      <link>http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/59054/</link>
      <description>&lt;div class=&quot;entry-body&quot;&gt;
  &lt;p&gt;Ich gucke solchen Dreck nicht, lese aber heute nachtr&amp;auml;glich, was sich Dieter Bohlen zum Start der neuen Staffel von &amp;#8222;Deutschland sucht den Superstar&amp;#8220; (DSDS)&amp;nbsp;erlaubt hat.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Kaum zu fassen: In der RTL-Sendung, die wieder eine fies fette Quote erzielt hat, ist demnach ein 18-j&amp;auml;hriger Kandidat &amp;#8222;vorgef&amp;uuml;hrt&amp;#8220; worden, der sich vor Aufregung angeblich in die Hose gepinkelt hatte. Vielleicht hat man ihn aber auch nur vorschnell auf die Szenerie gehetzt. Der nasse Fleck, so hei&amp;szlig;t es jedenfalls, habe Bohlen zu der Frage veranlasst: &amp;#8222;Hast du etwa in die Hose gepieselt?&amp;#8220; (andere Quelle: &amp;#8222;gepischert&amp;#8220;). Sodann erteilte er dem Probanden erb&amp;auml;rmlich br&amp;uuml;llwitzige Ratschl&amp;auml;ge zum &amp;#8222;Rausholen&amp;#8220; und &amp;#8222;Absch&amp;uuml;tteln&amp;#8220;.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Man nenne mich naiv, (wert)konservativ oder sonst etwas Schlimmes, ich finde Bohlens Gehabe nur noch zum Kotzen.&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;Mal so gefragt: Kann man diesen Mann und etwaige Handlanger nicht anzeigen? (*** siehe Fu&amp;szlig;note). Oder bekommt er damit nur ein weiteres Forum? Vertrackt.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Gibt es denn keine rechtliche Handhabe gegen derlei Menschenverachtung? So von wegen angetasteter W&amp;uuml;rde? Nun? Welche halbwegs findigen Juristen weisen einen Weg oder nehmen die Causa gar selbst in die Hand? Denn wie der Kandidat in seinen Alltag zur&amp;uuml;ckkehrt, das mag man sich lieber gar nicht ausmalen.&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Hat das Opfer bei all dem bereitwillig mitgespielt &amp;#8211; oder ist ihm &amp;uuml;bel mitgespielt worden? Wer wei&amp;szlig;: Vielleicht hat er sich sogar darauf eingelassen, dass man ihm den Fleck gezielt mit Leitungswasser beibringt und dann b&amp;ouml;se Scherze treibt. Fast schon egal. Denn der gerade mal Vollj&amp;auml;hrige wird gewiss einen rundum widerspruchsresistenten Vertrag unterschrieben haben, der ungef&amp;auml;hr besagt, dass er auf eigene Verantwortung handelt. Und dennoch! Ist das ein Freibrief f&amp;uuml;r jedwede Dem&amp;uuml;tigung? Gibt es nicht so etwas wie sittenwidrige Vereinbarungen?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;*** Wie ich jetzt lese, will der Vater des Kandidaten gegen Bohlen &amp;amp; Co. vor Gericht ziehen. Oder sollte dies nur der n&amp;auml;chste Akt einer besonders perfiden Inszenierung sein?&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;Sch****-Fernsehen!&lt;/p&gt;&lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;__________________&lt;/p&gt;&amp;nbsp; &lt;p&gt;&amp;#160;&lt;/p&gt;&lt;p&gt;(Achtung! Folgender Kommentar h&amp;auml;tte unweigerlich die Zahlung von ca. 5 Euro in die Deppenkasse zur Folge: &lt;em&gt;&amp;#8222;Wer&amp;#8217;s nicht mag, muss es sich ja nicht ansehen.&amp;#8220;)&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/div&gt;&lt;!-- //.entry-body --&gt;</description>
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      <pubDate>Thu, 07 Jan 2010 17:02:09 GMT</pubDate>
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      <dc:date>2010-01-07T17:02:09Z</dc:date>
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