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Ausstellung: James Ensor in Wuppertal

Wo die Dämonen wohnen

Schaurig, schaurig: Der belgische Maler James Ensor (1860-1949) hat im menschlichen Antlitz vor allem das Bedrohliche, das Masken- und Fratzenhafte erblickt. Vielfach wanken klapprige Skelette durch seine bizarren Bilder. Auch der Maler selbst hat sich gern mit Totenkopf porträtiert.

 

Unter dem Titel „Schrecken ohne Ende” zeigt jetzt das Wuppertaler Museum, wie Ensors morbide und groteske Impulse bis in die jüngste Zeit weiter gewirkt haben.

 

 Der stattliche Hagestolz Ensor blieb immer bei Mutter und Schwester. Er heiratete nie, obwohl ihn etliche Damen anhimmelten. Auch suchte er keine Abenteuer auf Reisen. Nur wenige Abstecher führten ihn aus seiner Geburtsstadt Ostende heraus.


Künstler kultivierte
das Gefühl, von aller
Welt verkannt zu sein
 


 Dort, an der grauen, rauen Nordsee hegte der große Einzelgänger schon früh das Gefühl, von der Kunstwelt verkannt zu sein. Doch auf Dauer sprach sich sein spezieller Ruhm eben doch herum – und nicht nur deutsche Expressionisten wie Nolde und Heckel verehrten ihn.

 

 Vor allem den Surrealisten wies seine Kunst Wege in verborgene Seelenwinkel. Auch die zeitkritischen Künstler der 1920er Jahre (Otto Dix, George Grosz usw.) fanden durch Ensor einigen Boden bereitet. Der hatte gleichsam die bildnerischen Ätzmittel für die Darstellung bösartiger Menschengruppen und Massen präpariert. Somit ließen sich später auch die gesellschaftlichen Vorboten des Faschismus grell attackieren.

 

 Bis heute können sich schräge Bildfindungen auf ihn berufen. Beispiel: Neueste Werke der Berliner Gruppe „Bonjour, Monsieur Ensor” verlängern das Werk des Belgiers ins geradezu Comic-Hafte. Dabei wird deutlich, dass Ensor (der im Karneval von Ostenende munter mitwirkte) keineswegs nur ein Finsterling war. Auch das fröhlich-bunte Spiel der Masken wusste er subtil einzufangen.

 

 Die Wuppertaler Schau mit rund 220 Bildern (davon etwa die Hälfte von Ensor selbst) beginnt mit seinem künstlerischen Umfeld in Belgien, von dem er sich sehr bald entschieden abhebt – durch thematische Schärfe, aber auch durch eine besonders delikate Malweise. Als Kolorist erzielt er wahrhaft magische Wirkungen. Von nichts kommt nichts: Im Geschenkeladen seiner Mutter gab es neben Masken auch Muscheln zu kaufen. Ensor hatte dort schon als Kind ausgeholfen und offenbar alle Schattierungen des Lichts in den Regalen studiert. Später hat er jedenfalls die Perlmutt-Töne der Muscheln ungemein feinsinnig zum Leuchten gebracht.

 

 Seine impressionistischen Zeitgenossen waren ihm entschieden zu harmlos. Er wollte dem Bürgertum mehr ans Leder und ans Gemüt. Tatsächlich wirkt es überaus beklemmend, wie er die lastend melancholische Stimmung im bürgerlichen Salon schildert, die gleichsam zwischen den schweren Vorhängen hervorquillt. Depression und Hysterie, wie sie Sigmund Freud einst aufspürte und zu behandeln suchte, sind in solchen Interieurs daheim.

 

 Wahnhafte, grinsend dämonische Seiten findet Ensor auch im Religiösen. Szenen aus der Bibel geraten ihm zur grimassierenden Karikatur – auch dies eine für seine Epoche unerhörte Sichtweise.

 

 Bemerkenswert, wie realistisch Ensor seine Motive zunächst anging. Dann aber wartete er auf den Moment, in dem Figuren und Gegenstände ein Eigenleben entwickelten, in dem die Situation ins flackernd Irreale „umkippte”. An dieser Grenzlinie hat kaum einer so erregende Entdeckungen gemacht wie Ensor. Seine Vexierbilder zwischen Wahn und Wirklichkeit sind beileibe nicht an bestimmte Zeiten gebunden.

 

 

INFO: 

 

"Ensor - Schrecken ohne Ende". Von der Heydt-Museum,  Wuppertal (Turmhof 8). 12.  Oktober bis 8. Februar 2009.  Geöffnet Di-So 11-18, Do  11-20 Uhr.Katalog 25 Euro.

 

Das Bild zeigt James Ensors Ölgemälde "Der Tod und die Masken" (1897)  

 

Foto: Museum (Katalog) / VG Bild-Kunst, Bonn

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1 Kommentar

Gerade bin ich ungezielt abermals auf Ihren anregenden Beitrag gestoßen. Diese Ausstellung werde ich mir nicht entgehen lassen, zumal mich Ensor schon seit längerem interessiert. (Schon vor der Ausstellung von Ensor-Graphiken und -Gemälden im Bottroper Quadrat von vor einigen Jahren, in der ich natürlich auch war.)

#1 von Günter Landsberger am 16.12.08 um 09:37

 

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