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Neulich in der Parallelwelt

Weltfrauentag

Die Herren der Schöpfung mögen mir die Deutlichkeit bitte verzeihen: aber ich bin heilfroh, eine Frau zu sein! Ich freue mich, dass wir uns cremen, pflegen und stylen dürfen, wie es uns beliebt. Dass wir schlaflose Nächte mit kleinen Zaubermitteln verstecken können und unser Gesicht auch noch erstrahlt, wenn ungesunde Ernährung Spuren auf der Haut hinterlassen hat. Wir müssen niemanden beweisen, dass wir die Hosen anhaben, das erkennt man(n) auch so. Zuhause wie im Job.

 

Ich weiß das sehr zu schätzen und leider ist es noch nicht überall so... Gestern saß ich in einem Café. Die Tische waren wirklich sehr eng gestellt, so dass ich gar nicht anders konnte, als dem Gespräch am Nebentisch zu folgen. Zwei aufgerüschte türkische Mädchen, die die Jahre bis zu ihrer Volljährigkeit mit dickem Make-Up und aufgeklebten Fingernägeln zu überbrücken suchten, sprachen ein paar offene Frauenworte darüber, dass Schule voll scheiße sei und eine Ausbildung eh nix bringe. Bald werde man ja Ehefrau mit Kindern und bis dahin reiche Hartz IV.

 

Am liebsten wäre ich aufgestanden und hätte gesagt: „Kinder, werft euch nicht so weg“. Es spricht ja nichts dagegen, Hausfrau und Mutter zu sein, aber das ist doch kein Lebensziel. Meine Mutter hat sechs Kinder groß gezogen und mit ihrem Mann ist sie heute noch so glücklich wie vor 50 Jahren. Das ist aber leider nicht die Regel.

 

Gleichberechtigung heißt nicht einfach nur, dass man die Wahl hat zwischen einem Leben am Herd oder am Schreibtisch, es heißt auch, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und während meine Gedanken sich ganz im Sinne einer Clara Zetkin oder gar Alice Schwarzer über so viel Rückständigkeit empörten, zahlten die beiden Mädels ihren Milchkaffee.

 

Die eine sah zur mir rüber und stieß ihre Freundin an: „So lange wir nicht so enden...“ Dann kicherten sie und mir fiel auf, dass ich in der alten Jeans, den zertretenen Uggs und dem kompletten Verzicht auf ein Morgenstyling wohl nicht das Bild einer erfolgreichen Frau abgab.

 

Aber auch das dürfen wir modernen Frauen: uns dem Schönheitskorsett entsagen.

 
 

3 Trackbacks

Eigentlich existieren die Beiden gar nicht. Mariam und Leila sind nur erfunden. Sie entspringen der Feder Khaled Hosseinis („Tausend strahlende Sonnen"), aber ihre fiktive Geschichte ist exem... weiter

#1 von Leser am 08.03.10 um 11:31

 

Klasse Beitraege zu dem Thema. Es gibt scheinbar doch noch Menschen die gut zu schreiben wissen. Na ja - das Talent ist auch nicht jedem gegeben. Werde die Seite auf jeden Fall in meinen Favoriten auf... weiter

#2 von herren jeans am 04.04.10 um 08:13

 

Einige sind der Ansicht, dass es sich mit dem Thema zu beschaeftigen wenig lohnt, da der Informationsmarkt hierueber bereits recht ueberlaufen sei, Es laesst sich wahrlich nur recht selten auf etwas w... weiter

#3 von herren hosen am 09.04.10 um 00:10

 

3 Kommentare

Ich wünsche allen Frauen einen schönen Weltfrauentag! Erst wenn keine Frau auf dieser Welt mehr Unrecht erlebt, ist dieser Tag ein Feiertag! Und den türkischen Mädchen rufe ich zu: Stay in school!

#1 von Martina am 08.03.10 um 12:53

 

Ich fürchte, dass viele junge Mädchen und Frauen, im Hinblick auf die (berufliche und familiäre, z.B. Kinder) Zukunft die sie "erwarten", sich in einer (gefühlten oder realen) Perspektivlosigkeit sehen und mutmaßlich bereits im Vorfeld resignieren.

#2 von MurDur am 09.03.10 um 14:03

 

Kürzlich mit einer Freundin telefoniert.
Tip:

http://www.frauennetz-west-ulm.de/projekt01/index.php?idcat=2&sid=d7133a60d2becb0df998736cc5947a54

#3 von Manuela Görgens am 17.03.10 um 14:45

 

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