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Neulich in der Parallelwelt

Geplatzte Kinderträume

Wenn ich an meine Kindheit denke, dann war Schnee eine feine Sache. Eine willkommene Abwechslung. Man konnte Rodeln gehen, Schneemänner bauen, mit den Nachbarskindern weiße Schlachten austragen.

 

Entweder ist das heute anders oder ich habe einfach die Tage vergessen, an denen es saukalt war und der Schnee zu eisig, um noch was mit ihm anzufangen. Selbst dann gab es in Duisburg immer noch ein paar erwärmende Highlights, wie der Genuss der heißen Kakaospezialmischung meiner Mutter oder wenn mein Vater trotzig den Grill im Garten angeschmissen hatte, um den Geschmack von Sommer auf die Teller zu zaubern.

 

Als meine Eltern mich neulich im sibirischen Berlin besuchten, bettelte ich meine Mutter an, meiner Tochter und mir einen leckeren Spezial-Kakao zu machen. Sie wusste gar nicht, was ich meinte. Sie schäumte mit meiner Espressomaschine Milch auf, als hätte sie nie etwas anderes getan, streute Nesquick hinein und fertig. Ganz ohne Nostalgie.

 

Als ich mich empörte, dass das nicht der Traum meiner Kindheit sei, überlegte sie und griff dann kichernd in das Gewürzregal, das sie natürlich bereits am ersten Besuchstag auf Vordermann gebracht hatte, und streute eine Prise Zimt in die Tasse. Das war's. Das große Geheimnis des Spezialkakaos. Ein wenig enttäuscht rührte ich in meiner Erinnerung und setzte alles auf meinen Vater. Ich säuselte, flehte, bettelte, jammerte, drängte, er solle doch mit uns auf der Wiese grillen gehen. Er schüttelte den Kopf, mehrfach, und dann: „viel zu kalt!" Jetzt war ich wirklich geschockt, meinem Vater war es noch nie zu kalt gewesen.

 

Gleichzeitig beruhigte mich das, diese Eiskälte hatte es früher wohl wirklich nicht gegeben!

 

 

Foto: Marco Kröner/www.pixelio.de

 
 

16 Kommentare

Meine Kindheitserinnerungen reichen noch in die Zeit als wir noch in der Türkei, in einem kleinen Vorort lebten. Mein Vater war zu der Zeit in Deutschland, bis auf die kurzen Urlaubsbesuche habe ich meinen Vater bis zu meinem achten Lebensjahr nicht gekannt.
Anekdoten meiner Mutter nach soll ich ihn sogar mal aus unserem Haus zitiert haben, das wäre ja unser Haus.
Eine andere, die meine Mutter erzählte, wenn wir abends alle zusammen saßen:
Meine Mutter saß mit Nachbarrinnen vor dem Haus und wir Kinder hätten dort gespielt, als der Vater eines Kindes nach Hause kam sei ihm dieser auf der Straße entgegengelaufen, dem Vater in die Arme.
Ich soll dann zu meiner Mutter gerufen haben: "Anne, anne , banada bir baba al, bak Erdinç`in babasi var."
"Mama, mama, kauf mir auch einen Vater, guck der Erdinç hat auch einen".

#1 von MurDur am 25.02.10 um 11:15

 

Um 1958 herum gab es im Ruhrgebiet auch einmal einen eisig kalten Winter, über vier bis sechs Wochen lang so empfindlich kalt, nahezu sibirisch kalt, dass für einige Tage sogar die Schule ausfiel. Gegen meine sonstige Gewohnheit war ich allerdings schon vorher dazu übergegangen, meinen 25minütigen Fußweg zur Schule wegen der grimmigen Kälte jeweils durch eine Busfahrt nach Borbeck (und zurück) zu ersetzen.

#2 von Günter Landsberger am 25.02.10 um 13:02

 

Hallo, lieber Herr Landsberger,
(Sie sehen, ich passe mich so langsam an, oder darf ich Sie noch wie anfänglich mit "lieber Günter" ansprechen?)

schön wieder von Ihnen zu lesen :).

So weit reichen meine Erinnerungen nicht, war ich damals doch nicht einmal in Urform existent.
Meine ersten Wintererinnerungen in Deutschland sind nicht sehr "romantisch", geht sie doch mit dem ersten Smog- Alarm meines Lebens einher.
Müsste 1981 oder 1982 gewesen sein.
Das einzig schöne, aus damaliger Kindersicht, wir hatten Schulfrei.
Zum Leid meiner Mutter.

#3 von MurDur am 25.02.10 um 13:41

 

#3 MurDur
Bis 1952, lieber MurDur, als ich noch in Salzburg lebte, hatten wir meiner Erinnerung nach 5 Jahre lang in jedem Winter Schnee, sehr viel Schnee, sogar in der Stadt. Aber nie war's mir in dieser Zeit zu kalt.
(Im Ruhrgebiet später waren langandauernder Schnee und Eis nicht die Regel, da stach der unter #2 hervorgehobene Winter schon besonders hervor. Immerhin aber waren wir im Februar 1959, 1960 und 1961 je eine Woche im Klassenverband jeweils im Sauerland Schifahren, zweimal in Neuastenberg, einmal in Oberhundem. Und ich sag Dir, lieber MurDur, immer hatten wir ausgiebig Schnee. Von 52 bis 58 nutzte ich mit anderen privat die Möglichkeit, vom Bahndamm hinunter in die Wiese nahe beim Wohnhaus meines Onkels zu rodeln. Schnee dazu gab's oft genug.)

#4 von Günter Landsberger am 25.02.10 um 17:45

 

"Erst bei den Enkeln ist man dann so weit, dass man die Kinder ungefähr verstehen kann."

Erich Kästner

#5 von POET am 25.02.10 um 19:39

 

"Erfüllte Erwartungen lassen nach ihrer Erfüllung oft eine nicht erwartete Leere zurück."

Ernst Ferstl

#6 von POET am 26.02.10 um 00:01

 

Hier mein Schnee-Kindheits-Erinnerung: Das erste Mal, dass ich bewusst Schnee erlebt habe, war auf Hawaii, wo ich aufgewachsen bin. Eine pfiffige Lehrerin kannte wohl jemanden auf dem vulkanologischen/astonomischen Station oben auf dem Vulkan am Big Island. Oben auf dem Vulkan ist es so hoch, dass es schneit. Das fuehrt zu dem ungewoehnlichen Umstand, dass man auf Hawaii im gleissenden Sonnenlicht im Bikini skifahren kann.

Auf jedem Fall schickte dieser Typ meiner Lehrerin mal ein Kuehlbox voller Schnee. Jeder durfte mal anfassen, und als alle angefasst hatten, hatten wir einen bescheidenen Schneeballschlacht mit sieben oder acht Kugeln. So habe ich Schnee kennen gelernt.

- Eric

#7 von Eric T. Hansen am 26.02.10 um 19:28

 

@ #4 Günter Landsberger
Wie sehr hatte ich mich auf die einwöchige Ski Fahrt in der siebten Klasse gefreut.
Bereits vor dem Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium berichteten die älteren Schüler am “Tag der offenen Tür“ über die Aktivitäten der Schule-
Zwei Jahre lang hatte ich mich darauf gefreut und danach gesehnt, kannte ich es doch bis dato nur aus dem Fernsehen.
Als es dann endlich soweit war, holte mich die Realität sehr wieder schnell ein-
Nun, mangels monetärer Möglichkeiten konnte ich am Ende nicht mitfahren; die Kosten hätten fast ein Drittel des Monatseinkommens meines Vaters ausgemacht- bei fünf Schulpflichtigen Kindern.
Mit den anderen 5 Kindern aus den parallel Klassen, die ebenfalls nicht mitkonnten, wurden wir in andere Klassen verteilt und haben dort am Unterricht teilgenommen.
Wie man sich da gefühlt hat, lieber Günter, kannst Du Dir sicherlich denken.
Später, in der 11. und 12. Klasse bin ich dann für jeweils 10 Tage nach Praxmar (Österreich) mitgefahren.
Habe lange im Vorfeld dafür gejobbt.

#8 von MurDur am 28.02.10 um 21:37

 

@ #7 Eric T. Hansen

Ohh, hello Mr. "Love- Story" Eric ,
du verweilst noch unter den Lebenden, wie schön ;))

Das ist ja abgefahren, Schneeballschlacht aus der Kühlbox auf Hawaii ... hahahahh

Gibt es dieses Jahr wieder "Love- Shows"?
Es kribbelt schon in den Fingern.

Gruß, Murat
.

#9 von MurDur am 28.02.10 um 21:56

 

#8 MurDur
Deine Enttäuschung kann ich gut verstehen. Als Schüler bei unserer vorletzten Klassenfahrt nach Berlin (in der 11) ist mir selber einmal Ähnliches passiert. Bei unsrerer Abschlussfahrt nach Frankreich (12) war ich allerdings wieder dabei.
Später aber musste (zumindest an meiner Schule, an der ich Lehrer war) keine(r) mehr aus rein finanziellen Gründen zu Hause bleiben. In solchen Fällen wurde immer großzügig und dezent-anonym geholfen, sofern man sich im ersten Schritt zu einem schweigsamen Lehrer(ggf. Klassenlehrer) seines Vertrauens begeben hatte. Der leitete das diskret weiter.

#10 von Günter Landsberger am 01.03.10 um 07:55

 

#8 von MurDur
#10 von Günter Landsberger

"Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebnes zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen."

Immanuel Kant

#11 von POET am 01.03.10 um 10:51

 

#11:
"... des Lebens..."

#12 von POET am 01.03.10 um 10:53

 

Enttäuschung, mag sein, kann ich heute nicht mehr so recht sagen.
Es war, glaube ich, mehr das Gefühl des nicht dazu Gehörens, obwohl ich wirklich sehr liebe und verständnisvolle (die meisten zumindest) Klassenkameraden und Lehrer hatte.
Immerhin habe ich eine sehr nette Postkarte bekommen.
Noch Wochen nach der Fahrt wurde, sowohl im Unterricht als auch in den Pausen, viel darüber erzählt, meist reichte ein Stichwort, und die ganze Klasse brach in Gelächter aus.
Immerhin haben wir im darauf folgenden Jahr einen Tagesausflug ins Sauerland gemacht, zum Rodeln. Das erste Mal überhaupt, in Deutschland.

Solch eine Lösung, wie Du sie beschreibst, wäre mir damals als Schüler vorgekommen wie „Aladin aus der Wunderlampe“. Ein Wunsch hätte mir gereicht.
Doch mein Vater hätte das niemals angenommen.

#13 von MurDur am 02.03.10 um 21:38

 

Mein Kommentar unter #13 bezog sich auf #10 Günter Landsberger.

#14 von MurDur am 02.03.10 um 21:46

 

@ #11 POET
Hoffnung: stirbt zuletzt (sagt man zumindest)
Schlaf: Mangelware
Lachen: kriege jeden Morgen `nen Clown zum Frühstück

#15 von MurDur am 02.03.10 um 21:52

 

"Gönül ne kahve ister ne kahvehane,gönül sohbet ister- kahve bahane"

"Das Herz will weder Kaffee noch Café, das Herz will Austausch, Kaffee ist der Vorwand"

türkisches Sprichwort

#16 von POET am 17.03.10 um 11:13

 

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